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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. , Jllustiirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

M 30.

Mittwoch, den 15. April

1891.

Nt>st^!l1NE!"f b,e »Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ................' ' - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

An die verehrten Leser dieser Zeitung!

DieSchlüchte rner Zeitung" mit der a m t l i ch e n Beilage ,,S ch l ü ch- terner Kreisblatt" hat trotz der Kon­kurrenz, die ihr zu machen versucht wird, gerade in letzter Zeit erfreulicherweise an Abonnenten zu genommen. Wir haben dadurch die Ueberzeugung gewonnen, daß unsere Zeitung stets Befriedigendes liefert, und sind auch dadurch in die Lage gebracht, unsern verehrten Abonnenten noch mehr zu bieten. Wir haben uns deshalb auf Wunsch mehrerer unserer verehrten Abonnenten gern entschlossen, von Beginn dieses Quar­tals ab ohne Erhöhung des Abonnements­preises statt der früher nur alle 4 Wochen erschienenen BeilageGemeinnützige Blätter" eine wöchentliche Beilage, den so allgemein beliebten

Issustrirten Iamilienfreund" jeder Sonnabend-Nummer unserer Zeitung beizulegen und hoffen und wünschen, daß wir uns dadurch in noch höherem Maße wie seither das Wohlwollen der verehrten Leser unserer Zeitung erwerben und dadurch die Zahl der Abonnenten immer mehr vergrößern.

____________ Die Redaktion.

Deutsches Reich.

Berlin« Der Kaiser wird mit seiner Familie vor­aussichtlich schon am 1. Mai seine Sommerresidenz bei Potsdam b ziehen. Prinz Heinrich soll zum Kontre- admiral ernannt werden. Aus Athen wird bestätigt, daß der Übertritt der Kronprinzessin Sophie zum griechisch-orthodoxen Glauben beschlossene Sache ist. Die Kronprinzessin genießt bereits seit geraumer Zeit, griechischen Religionsunterricht., den ihr der Metropolit von Athen ertheilt. Am Charsamstag, den 2. Mai, wird der Uebertritt vollzogen werden. In Deutschland wird man diese Nachricht mit gemischten Gefühlen auf- nehmen. Doch wenn die Tochter Kaiser Friedrichs, die Schwester Kaiser Wilhelms II., sich vom protestantischen Glauben abwendet, flaun der alleinige Grund dafür wohl nur in der Staatsraison gesucht werden. Man hat in den letzten Jahren viel davon gesprochen, daß König Otto von Griechenland sich mit der Absicht trage, zu Gunsten seines Sohnes abzudanken. Vielleicht hängt der Glaubenswechsel der Kronprinzessin Sophie mit der Verwirklichung jener Absicht zusammen,

Posen, 7. April. Wegen Körperverletzung in zwei Fällen durch Uebcrschreitung des Züchtigungsrechts halte sich h-nte der Lehrer Anton Dullin aus Samter vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu ver­antworten. Am 19. Februar v. I. fragte Dullin einen seiner Schüler, den 7 Jahre alten Knaben Müller, was im Alterthum den Kindern beim Götzen­dienst passirt sei. Als Müller auf diese Frage die Antwort schuldig blieb, zündete der Lehrer ein Streich­holz an, hielt es in der einen Hand und mit der andern nahm er den Zeigefinger der rechten Hand des kleinen Müller und hielt ihn )o lange über das Feuer, bis das Streichholz verbrannt war und der Knabe vor Schmerz laut ausschrie. In dem zweiten Falle faßte der Angeklagte den Sohn des Gendarmerie-Oberwacht- Meister Grosser an beiden Ohrläppchen und hob ihn in bte Höhe, so daß eins derselben einriß und blutete. Diesen Fall beftritt der Angeklagte, das Anbrennen des Zeigefingers gab er zu, er meinte jedoch, daß er damit dem SLabtn nur habe zeigen wollen, was mit den Klnd.rn im Alterthum passirt sei. Der Staatsanwalt hielt bufe drastische Art, Kindern Anschauungsunterricht

zu ertheilen, für strafbar und beantragte eine Geld­strafe von 20 Mark; der Gerichtshof erkannte auf eine solche von 10 Mark.

Bernburg. 7. April. Von einer eigenartigen, aber vielleicht recht wiiksamen Bestrafung von Ver- läumderinnen berichtet dasBernb. Wochenbl." aus einer Stadt nahe am anhaltischen Harze. In dem er­wähnten Orte waren zahlreiche Familien fortgesetzt durch anonyme Zuschriften in Aufregung versetzt worden, deren Inhalt in vielen Fällen ein derartiger war, daß manche Verlobung rückgängig gemacht, manches Familienglück vernichtet, vielfach der häusliche Friede gestört wurde. Nach langem Forschen war es endlich gelungen, dem Geheimnisse auf die Spur zu kommen. Als die Absrn-rrinncn der Zuschriften entpuppten sich zwei Damen, Mutter und Tochter einer sonst sehr an­gesehenen Familie des Ortes. Dem achtbaren Eheherrn und Vater ebenso wie den überführten Frauenspersonen wäre es nun natürlich außerordentlich peinlich gewesen, wenn die Affaire in öffentlicher Gerichtssitzung zur Verhandlung und Aburtheilung gekommen wäre; sie erklärten sich deshalb zu jedem Opfer bereit, wenn die Geschädigten von einer Strafanzeige Abstand nähmen. Durch Vermittelung kam denn auch eine Einigung auf gütlichem Wege zu Stande und zwar auf folgender Grundlage: Das Familienoberhaupt opfert für Armen- zwccke eine Baarsumme von 500 Mk.; die beiden Frauen verpflichten sich, 500 Paar Strümpfe selbst zu stricken, wobei sie das Material auf eigene Kosten zu beschaffen haben, und fünf Jahre hindurch zu Weih­nachten je 100 Paar für Arme abzuliefern.

Hohenroden (Württemberg), 8. April. Ein ent­setzliches Unglück trug sich am letzen Sonntag bei Hohenroden (Oberami Aalen) zu. Neun Konfirmanden von Lauterburg hatten einen Ausflug dorthin gemacht und vergnügten sich, indem sie in einem Nachen auf dem Weiher bei Hohenroden auf- und abfuhrcn. Plötzlich schlug der Nachen um und die Insassen stürzten inS Wasser. In ihrer Angst klammerten sich die Knaben aneinander, nach verzweifeltem Todcskampfe versanken sieben zu einem Knäuel zusammcngcballt in der Tiefe. Als Hülfe eintraf, waren nur noch zwei über Wasser, die mit Mühe und Noth gerettet wurden. Die Leichen der Verunglückten wurden bald darauf gelandet.

Ausland»

In Wien steht ein großer Bäckerstreik bevor. Eine von 6000 Bäckergesellen besuchte Versammlung hat ein­stimmig beschlossen, die Arbeit einzustellen und zwar wird der Ausstand bereits in den nächsten Tagen be­ginnen, da manche Bäckereien eine 13tägige, die Mehrzahl stägige und nur die Minderzahl 14tägige Kündigungsfrist hat.

Belgrad, 12. April. Die Skupschtina hat gestern gegen Mitternacht die Resolution des Präsidiums, welche die Königin Natalie zum Verlassen des Landes auf« fordert, mit allen gegen etwa 80 Stimmen angenommen und dann dem Exkönig Milan eine einmalige Abfindung von 1 Million Franken, sowie jährlich aus der Civil- liste den bisherigen Betrag bewilligt. Die Skupschtina wurde soeben durch eine Botschaft der Regenten geschlossen.

New-Dork. Der allbekannte Menagerie- und Zirkusbesitzer Barnum hier ist gestorben. Barnum wurde am 5. Juli 1810 geboren, sein hohes Alter würde also den Tod als Ueberraschung erscheinen lassen; allein Barnum hat in seinem Leben so viel und so abenteuerliche Reklame getrieben, daß man versucht wird, auch jetzt nur an einen Scheintod zu glauben, dem plötzlich ein fröhliches Wiedererwachen folgt. Barnum war nacheinander und oft gleichzeitig Vor­leser, Schriftsteller, Zeitungsherausgeber und Bankier.

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Lokales und Provinzielles.

* Schlächter». Dem Vernehmen nach sollen im Sommerfahrplan merzte Züge eingeschöben werden. Es wäre nun für den Kreis Schlüchtern sehr wünschens- werth, wenn die Einlegung so erfolgen könnte, daß der letzte Zug von Frankfurt, der in Gelnhausen liegen bleibt, weiter durchgeführt würde. J-denfalls würde sich der Versuch in diesem Sommer, wo die elektrische Ausstellung in Frankfurt stattfindet, dringend empfehlen. So muß der Besucher der Ausstellung, falls er nicht übernachten will und das werden die wenigsten

wollen bereits um 6 Uhr Abends am Frankfurter Bahnhof sein. Bon dem Glanzpunkte der Ausstellung, der elektrischen Beleuchtung, wird er auf diese Weise gar nichts gewahr. Gelnhausen und auch Fulda sind in Bezug auf späte Züge viel besser gestellt als die Orte des Kreises Schluckten,. Sollte es sich nicht empfehlen durch eineEngabe b i dir Eisenbahn-Direktion um Berücksichtigung nachzusuchen?

* Sicherem Vernehmen nach soll Morgen Nach­mittag in der Bierhall- von 2 hiesigen kräftigen Bürgern (K. und W.) ein Ringkampf stattfinden. Es soll Jeder hierzu beitreten dürfen und wir sind sehr gespannt, welcher von Selben den Sieg davontragen wird.

* Die ungünstige Witterung des März hat dir Saaten fast überall schwer geschädigt, die Berichte auS den verschiedensten Gegenden des Reiches klingen über­aus trübselig, zum Theil trostlos, so daß wir uns auf eine Mißernte gefaßt machen müssen.

* Die Angesichts des schlechten Saatenstandes erhobene Forderung, daß bei eintretender Mißernte die Aufhebung der GetreidezöLe erfolge, veranlaßt die Kreuzztg." zu folgender Erwiderung:Wir ziehen aus der allerdings unleugbaren traurigen Thatsache, daß der harte, langandauernde Winter die Wintersaaten vielfach zerstört, die Sommerbestellung ungewöhnlich verzögert, und dadurch die Aussichten auf eine auch nur mäßige Ernte vernichtet hat, den entgegengesetzten Schluß. Muß eine Herabsetzung der Getreidezölle schon an sich in der Bevölkerung das Gefühl erregen, daß man sie als Stiefkind behandelt, so würde ein Zusammentreffen dieser Maßregel mit einer Mißernte eine sehr bedenkliche Unzufriedenheit gerade in den Kreisen der Bevölkerung hervorrufen, auf welche allein noch mit Sicherheit gerechnet werden kann, wo eS gilt, den foziüldcmokratischen Agitationen einen Damm ent? gegenzusttzen. Wir hoffen, daß die Reichsregierung diese ernste Gefahr nicht unbeachtet lassen wird."

* Der neue Gesetzentwurf über die Beförderung der Errichtung von Rentengütern sichert ländlichen Gütern mittleren und kleineren. Umfanges einen StaatS- kredit zu bis zum dreißigfachen Betrage deS Grund- stücks-Reinertrags mittelst Ausgabe von Rentenbriefen. Bedingung ist, daß ein Zehntel der Rentenschuld un- ablöslich eingetragen und dadurch die Gütertheilung abhängig gemacht wird von der Zustimmung der Renten- gläubiger oder der Generalkommission.

* Den Herren Lokalschulinspektorrn und Lehrern des Krsisschulinspektions-Bezirks Fulda wird durch den kgl. Kreisschulinspektor Herrn Dr. Kley zur Kenntniß gebracht (s. letztes Kreisdlatt), -daß die diesjährige Hauptkonferenz für die zu einem Konferenzverbande vereinigten Kreise Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau am 11. Mai d. I., im Saale des Gasthauseszur Hoffnung" in Gelnhausen stattfindet. Die Verhand­lungen beginnen um 11 Uhr. Referent für das gt« stellte Hauptthema (Wie ist geistiger Stumpfheit und sprachlicher Unbeholfenheit der Schüler am wirksamste» zu begegnen?") ist Herr Lehrer Henkel-Orb, Korreferent Herr Lehrer Dickert-Salmünster. An die Verhand­lungen schließt sich wie alljährlich ein gemeinsames Mahl an.

* Am 2. Juni d. J. soll wieder eine Hufschmiede­prüfung in Fulda stattfinden. Die Anmeldungen sind spätestens 4 Wochen vor dem Prüfungstermine an Herrn Krcisthierarzt Eberhardt hier abzugeben, welcher zu weiterer Auskunft bereit ist.

Stcrbfritz, 13. April. Aus Anlaß seiner Ver- Heirathung übergab der Handelsmann Joseph Birk da- hier dem Ortspfarrer fünfzig Mark zur Vertheilung an die christlichen Armen der Gemeinde.

Mom BogcMergc. Es dürfte wohl allgemein bei den Besuchern des Vogelsberges freudigen Anklang finden, daß die Direktionen der Oberhessischen Eisen­bahnen auf desfallsige Vorstellung des Vorstandes,' deS Vogelsberger Höhcn-Klubs die Einführung von Rund- fahrkarten 3. Kmsse zu ermäßigten Preisen mit mindestens Stößiger Gültigkeit für den nächsten Sommerfahrplan unter' der Voraussetzung, daß die in der Schwebe be­findliche Tarif-Reform nicht vorher eintrüt, für folgende 9 Touren zugesagt hat: 1. Gelnhausen, Büdingen, Stockheim, Ortenberg, Hirzenhain, G d-rn- Schotten, Nidda, Gelnhausen; 2. Gelnhausen, Büdingen, Stock- beim, Gedern-Mücke, Gießen; 3. Gießen, Lich, Hungen, Laudach-Grünberg, Gießen; 4. Gießen, Lich, Hungen,