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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. ,,JÜustrirtrm Familieufreund" viertcljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

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Jf 31. Samstag, den 18. April 1891.

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R-ff-lll,^N^ °us dieSchlüchterner Zeitung" pllUUilyt II werden noch fortwährend von allen -................ - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Jm9. Hanrivocr'schen Wahlkreise Geestemünde fielen bei der Ersatzwahl zum Reichstage am 16. April, soweit bis j^t b.tanntJ»050 Stimmen auf den ehemaligen Reichskanzler Fürst B i s m a r ck (nationalliberal), auf den Socialdemokraten Schmalfild 3602 Stimmen. E» wird also wohl eine Stichwahl zwischen dem Alt-Reichs­kanzler und dem Socialdemokraten erforderlich sein und liegt es dann bei den Freisinnigen und Welsen, ob sie für den FülstiN BiSmaik oder den Socialdemokraten stimmen werden. Auf das schlicßliche Ergebniß ist man allgemein gespannt, denn den ehemaligen allgewaltigen Reichskanzler Fürsten Bismarck als Abgeordneten im Reichstag und in Opposition gegen die gegenwärtige Siegterung zu sehen, das macht alle Politiker aufgeregt.

* Die Sozialdemokraten beabsichtigen, die von Karl Marx verfaßte, an die Pariser Kommune gerichte­te Adresse des Generalrates der Internationaleüber den Bürgerkrieg in Frankreich" neu herauszugeben, und man hat Friedrich Engels aufgefordert, eine Einleitung dazu zu schreiben. Diese, vom zwanzigsten Jahrestag der Kommune, 18. März 1891, daticite Einleitung liegt in derNeuen Zeit vor und endigt in den Satz:Der deutsche Philister ist neuerdings wieder in heilsamen Schrecken geraten bei dem Wort: Diktatur des Proletariats. Nun gut, ihr Herren, wollt ihr wissen, wie diese Diktatur aussicht? Seht euch die Pariser Kommune an. Das war die Diktatur des Proletariats." Und dabei erklären die Herren Bebel Hub Hiebknecht fortwährend im Reichstag, daff * Sozialdemokratie ihre Ideen nur auf friedlichem Wege verwirklichen wolle!

Ja München ist Dar einigen Tagen ein junger Mann zu 6 Monaten Gefängnis und 21 Tagen Haft verurtheilt worden, weil er (seit 3 Jahren!) nicht weniger als 80 Hunde gestohlen hat, welche er an einen Roßschlächter zum Fleisch- resp. Wurstverkauf ab­gegeben hat. Die durchweg werthoollen Hunde ver­kaufte er für 1 */e 3 Mk. pro Stück! Gegen den Fleischer ist noch besondere Anklage erhoben.

Ju Nürnberg finden täglich Zwangsversteigerungen von Häusern statt. Für April sind bereits wieder 24 anberaumt, selbstverständlich meist Wirthschaften.

In Augsburg soll der Chemiker Dr. Lehner das Problem gelöst haben, Seide auf künstlichem Wege herzustellen. ^te künstliche soll von der natürlichen Seide im Gewebe nicht zu unterscheiden, ihre Zugfistig- keit jedoch nur 8/a der natürlichen fein. Die Herstell­ungskosten sollen sich etwa auf den vierten Teil des Preises von natürlicher Seide stellen.

Mainz, 1L April. Der Arbeiter Jos. Ginsberger aus Jngesheim wurde in der gestrigen Sitzung der Strafkammer des Landgerichts wegen Beleidigung des Großherzogs von Hessen, des Oberstaatsanwalts Schlippe und des gisammlen Richterstandes in Darm­stadt zu einer Gefängnißstrafe von 1/a Jahren verur- theilt. Ginsberger ist bereits mehrfach vorbestraft, auch schon wegen MajestätS- und Bismarckblleidigung. Ende nötigen Jahres wurde er in Offenbach vwhaftet; als er tutet er entlassen wurde, schrieb er von Nürnberg aus einen gemeinen Brief voller Beleidigungen an den dortigen Kteisrath und dieser Brief bildete das Fundament der gestrigen Anklage. Die Verhandlung wurde deßhalb in Mainz und nicht in Darmstadt ge­führt, weil der Beschuldigte den gesamMten Richterstand dort beleidigt hatte.

Aachen, 8. April. Vor zwei Jahren starb zu Ronhcide der Rentner Offergelt und hinterließ fein etwa 120000 Mark betragendes Vermögen der hiesigen evangelischen Gemeinde. Das Testament wurde indessen von den gesetzlichen Erbendes Veistorbenen angefochten mit der Begründung, der Erblasser habe bei Abfassung beS Testaments nicht die geistige Fähigkeit besessen, welche zur Abgabe einer rechtsgültigen Willensäußerung nothwendig sei. In dem angestrengten Proceß gaben hervorragende Irrenärzte ein in diesem Sinne lauten­des Gutachten ab. Heute wurde durch Urtheil der Civilkammer des hiesigen Landgerichts das von dem Rentner Offergeid eigenhändig geschriebene, sowie das

von demselben vor einem Notar errichtete iTestament für nichtig etflärt und die Kosten des Verfahrens der evangelischen Gemeinde zur Last gelegt.

Solingen, 9. April. Ein Industrieller in New- Uork hat eine größere Anzahl von Arbeitern, welche in der Herstellung von Solinger Erzeugnissen erfahren sind, veranlaßt, mit ihren Familien von hier nach New- Jork überzusiedeln. Die Leute erhalten für sich und ihre Familien freie Ueberfahrt; für ihre dortige Thätig­

feit ist ihnen ein hoher Lohn zugesichert. Diese Aus­wanderung ist auch eine Folge der die hiesige Industrie empfindlich schädigenden Mac Kinley-Bill.

Hörde i. W., 12. April.Zu Wurst verarbeitete Rinderhaut" ist, wie dieKöln. Ztg." schreibt, als ein ganz vorzügliches Volksnahrungsmittel zu betrachten, namentlich, wenn der Preis solcher Wurst ein ange­messener ist. Solches ist durch Gutachten von der Strafkammer in Dortmund in einer Verhandlung gegen den Metzger Kohlhaas von hier festgcstellt worden, welcher seit langer Zeit solche Wurst herstellte. Die Untersuchung der Wurst ergab, daß dieselbe außer Fett, Knorpeln, alten Speckschwarten und Sehnen auch bis 32 pCt. Rinderhaut enthielt. Diese war enthaart und durch Kochen in einen gallertartigen Brei ver­wandelt worden. Den letzteren Zusatz an Haut hatte der früher hier, jetzt in Kreuznach wohnende Thierarzt Zell festgestellt, derselbe hatte solche Wurst auch als gegen das Nahrungsmittelgesetz verstoßend bezeichnet. Eine Reihe anderer Gutachter, darunter der Kreis- physikus Dr. Schulte, kamen aber zu der entgegenge­setzten Ansicht, da derartige Haut immerhin einen Nähr- werth habe, auch sonst nicht schädlich wirke. Der Preis von 30 Pf. für das Pfund, den Kohlhaas ge­nommen, sei ein völlig angemessener gewesen. Der er­mähnte Metzger wurde mit Rücksicht auf diese Gutachten freigesprochen. Weil derselbe abet auch in Leberwulst derartige Haut gemischt, wurde er zu 50 Mk. Geld­strafe verurtheilt, denn für jene Wurst nahm er 60 Pfg., konnte also besseres Material dazu verwenden.

Grafenau, 5. April. Einem Bauern in B. wurde eine Kuh krank, so daß sie nicht mehr fraß. Zufällig kam ein Spaßvogel, welcher rieth, die Kuh, welche ver- h-xt sei, sofort zu schlachten und zu verschenken und die Rippen und einige Fleischseite Abends nach Sonnen­untergang im Backofen zu verbrennen, sonst könnte sich die Hexerei auch auf das andere Vieh übertragen! Der Bauer glaubte das alberne Geschwätz, ließ die Kuh tödten und schenkte Fleisch und Haut zwei Männern, welche 75 Mk. dafür vereinnahmten. Obendrein wurden die bestimmten Fleischtheile und Knochen, in welchen die Hexe stecken mußte, unter eeremoniellen Umständen im Backofen verbrannt.

Ausland»

Riga. Hofrath Kaluing, der unlängst in der baktebio- logischen Station der Dorpater Thierarznei-Hochschule ein diagnostisches Mittel zur Feststellung der Rotzkrank­heit bei Thieren entdeckt hatte, ist ein Opfer seiner wissenschaftlichen Arbeiten geworden. Derselbe ist bei den Versuchen angefteät worden und am Rotz gestorben.

Aus Rom wird gemeldet, daß möglicher Weise im nächsten Konsistorium der Füstbischof von Breslau, Dr. Kopp, zum Kardinal werde ernannt werden. In kleineren Centrumsblättern begegnet man gegenwärtig Andeutungen, als ob zum Ersatz für Windhorst als Führer der Centrumspartei im Reichstage Fürstbischof Kopp der geeignetste Mann sei, und es deshalb Pflicht der Centrumspartei wäre, demselben einen Wahlkreis zu öffnen.

Gibraltar, 14. April. 451 Leichen der bei dem Schiffbruch des AuswandererschiffesUtopia" Verun­glückten sind bis jetzt bestattet worden. 66 sind bisher noch nicht aufgefunden. Alle persönlichen Effekten, welche sich an den Leichen befanden, sind dem italie­nischen Konsul in Gibraltar eingehändigt worden. Der Konsul hat dem Polizeichef in Gibraltar, Seed, öffent­lich seinen Dank für dessen Bemühungen bezeugt.

Lokales und Provinzielles.

. * Schlüchtern, 17. April.

* Wie wir hören macht sich in den auf dem Flicdener Landrücken zwischen Vogelsberg und Rhön belesenen Ortschaften eine Agitation bemerkbar, welche dahin zielt, daß die Fmnksurt-Bebraer Bahn bei Gom-

fritz eine Haltestelle für Personen- und Güterverkehr einrichten möge. Als erforderlich in erster Linie ist dabei erachtet worden, daß die Verbindungswege nach Gomfritz von Wallroth, Hintersteinau und den nahe­liegenden Ortschaften des Kreises Fulda besser ausge­baut würden. In diesem Falle, nimmt man an, wird sogar Freiensteinau im Großherzogthum Hessen über Hintersteinau Frachtverkehr zur Haltestelle bei Gomsritz einrichten, da dieselbe näher liegt, als der bisherige Weg von dort über Ulmbach nach Station Steinau.

* Der in der vorigen Nummer dieser Zeitung angekündigte Ringkampf konnte wegen Unwohlsein des W. am Mittwoch nicht zur Ausführung kommen und ist deßhalb auf nächsten Sonntag Nachmittag 4 Uhr verlegt.

* Am 8. April d. J. hielt der Diöcesanverein für innere Misston in der Diöcese Gelnhausen- Schlüchtern, welcher sich auf der vorjährigen Diöcesansynode constituirt hatte, feine erste Generalver­sammlung in Wächtersbach unter dem Vorsitz des Herrn Superintendenten Heck- Schlüchtern ab. Wegen der ungünstigen Witterung waren viele am Besuch der Versammlung verhindert; sie war nur von 40 Mit­gliedern besucht; der Verlauf derselben war aber ein höchst anregender und erhebender. An diese Versamm­lung schloß sich die 4. Jahresversammlung der Mitglieder des Missions- und Gustav-Adolf-Vereins für die Classe Gelnhausen an. Nachdem der Vorsitzende, Herr Metro­politan Pfeiffer, das Protokoll der vorjährigen Jahres­versammlung verlesen hatte, wurde der von Herrn Pfarrer Schilling - Gelnhausen anfgestellte Rechnungsab­schluß über das 3. Vereinsjahr mitgetheilt, auS welchem sich ergibt, daß im Jahre 1890 für den Gustav-Adolf- Verein 682,30 Mark und für die äußere Mission 1771,97 Mark eingegangen sind. Erstere Summe wurde der Kasse des Hanauer Bezirksvereins zugeführt, von letzterer empfingen bereits: die Baseler Missious gesellschast 1627,10 Mark, die Ostafrikanische MisstonS« gesellschaft 102,53 Mark, die Brüdergemeinde 7,20 Mark; von dem vorhandenen Kassenbestand wurden 200 Mark für die Basler und 136 Mk. für die oft« afrikanische Mission bestimmt. Als Festorte wurden für das laufende Jahr Wächtersbach und Unterteilen« bach ins Auge gefaßt.

* Der Krieger-Verband für Hessen-Nassau hält sein diesjähriges Kciegerfest in Meerholz-Hailcr ab. Das Fest findet am 7. Juni statt.

* Eine Eingabe des Präsidiums des deutschen Handelstags auf Erhöhung der Gewichtsgrenze für ein­fache Briefe von 15 auf 20 Gramm ist vom Staats­sekretär Dr. v. Stephan abschlägig beschieden worden.

* Die Frage nach dem Militärmaß dürfte mit Rücksicht auf die Aushebung wieder interessiren. DaS Mindestmaß ist überhaupt 157 Cm. Für Oekonomie- trappen (Schuhmacher, Schneider rc.) ist kein Mindest­maß vorgeschrieben, da kommt es weniger aus körper­liche Tüchtigkeit, als auf gewerbliche Leistungsfähigkeit an. Das Mindestmaß von 157 Cm. gilt für Linien- Infanterie, Jäger, Train und Dragoner. Feldartillerie, Pioniere und Eisenbahntruppen müssen wenigstens 162, Fußarlillerie, Kürassire Hab Ulanen 167 Cm. groß sein. Die Hälfte der Garderekcuten soll über 175, bie andere nicht unter 170 Cm. messen; leichte Kavallerie ist ausgenommen. Auch über das Höchstmaß sind Be­stimmungen getroffen. Jäger, Tram, F-lvartill-risten, Ulanen und Küraffiere sollen höchstens 175 Cm. groß sein, für die Garde du Corps gelten besondere Be­stimmungen.

* Im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Lasset wird soeben ein neuer Gebührentarif für die von den Katasterämtern auszufertigenden Katasterab­schriften, Auszüge und Handzeichnungen, sowie Kataster« fortschreibungen veröffentlicht.

* Die Zeit zum Vertilgen der auf Wiesen immer noch vielfach sich zeigenden Herbstzeitlose ist jetzt eine sehr geeignete und wiederholen wir deshalb unsere all­jährliche Mahnung zum Zerstören dieser den Ertrag der Wiesen so sehr schädigenden und für Menschen und Vieh gefährlichen Giftpflanze.

* Nach §. 1 des Reichsgesetzes vom 22. März 1888 ist das Zerstören und das Ausheben von Nestern ober Brutstätten der Vögel, das Zerstören und das Ausnehmen von Eiern, das Ausnehmen und Tödten von Jungen, das Feilvieten und der.Verkauf der gegen