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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. ,Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

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^ 33 Samstag, den 25. April 1891.

^oflMhtttrtim °uf dieSchlüchterner Zeitung" ji*t|llUUI8ytH werden noch fortwährend von allen

....... ~ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsche- Reich.

Berlin. Von seiner stauncnSwerthen Rüstigkeit hat Graf Moltke am vergangenen Sonnabend wieder eine be­zeichnende Probe abgelegt: Nachdem die Weihe und Nagelung der neuen Feldzeichen in der Bildergallerle vollzogen, stand der einundneunzigjährige Greiss länger als eine Stunde unten im Lustgarten, um im Gefolge des Kaisers der Parade beizuwohnen; um zweidrei- viertel Uhr erschien der rüstige Greis wieder in voller Gala-Uniform bei der Grundsteinlegung der Luther­kirche, um derselben ebenfalls stehenden Fußes bis nach der gegen vier Uhr erfolgten Beendigung der Feier beizuwohnen; und schon um fünf Uhr saß Graf Moltke wieder an der Tafel im Weißen Saale des königlichen Schlosses, dort dem Festdiner beiwohnend. Während jüngere Militärs den Mantel angelegt, stand der greise Marschall während der F.ier der Grundsteinlegung trotz des kalten, feuchten Wetters ohne Mantel da, als ob Grippe und Influenza, mit welchem so viele andere Menschen geplagt sind, für ihn nicht vorhanden seien.

DiePost" schreibt: Gegenüber der in den letzten Tagen bemerkten Beunruhigung der öffentlichen Meinung ist es Pflicht, mitzutheilen, daß Mitte der vorigen Woche von maßgebendster Stelle die Versicherung gegeben worden ist, daß der Friede weniger denn je bedroht und das Verhältniß mit Rußland so gut sei, wie seit langer Zeit nicht.

Das rauchfreie Pulver sowie die Patronen und Gewehre für dasselbe sind durch den Bundesrath laut B.kannlmachung imStaatsanzeiger" unter das Dyna- milgrsctz vom 9. Juni 1884 gestellt worden. Danach ist die Herstellung, der Vertrieb und der Besitz vor­stehender Gegenstände nur mit polizeilicher Genehmigung zulässig und haben Diejenigen, welche sich mit der Herstellung oder dem Vertrieb davon besassen, ein Re­gister über Bezugsquellen und Verbleib zu führen. Diese Ausdehnung des Dynamitgesetzes hat anscheinend mehr eine militärpolitische, als sicherheitspolizeiliche Bedeutung.

* Ein Nachweiscbureau für akademisch gebildete Deutsche, die nach dem Ausland gehen wollen, soll dem­nächst in Berlin mit Unterstützung derDeutschen aka­demischen Vereinigung" errichtet werden. Professor Hänel in Kiel wird, wie man mittheilt, die Ober- lettung des Werkes übernehmen. Es handelt sich darum, den überfülllen gelehrten Berufsarten in Deutschland einen Abfluß zu schaffen. Zu diesem Zwecke will man eine Organisation in's Leben rufen, weiche alle Punkte der Erde umfaßt, an denen Deutsche in Verhältniß- mäßig größerer Zahl wohnen, um genau festzustellen, wo deutsche Geistliche, Lehrer, Lehrerinnen, Kindergäit- nerinnen, Aerzte, Juristen und Techniker in Anlehnung an dort schon angesiedelte Landslente ein Thätigkeitsfeld finden können.

Hamburg, 22. April. DerHamburgischen Börsen- Halle" zufolge beläuft sich der bei dem großen Speicher­brande am 20. und 21. er. angerichtete Schaden auf etwa 3 Millionen Mark und ist durch Versicherungen bei 26 Gesellschaften gedeckt. Betheiligt seien unter anderen die Hanseatische Versicherungsgesellschaft mit 330,000 Mk., die Hamburg-Bremer mit 260,000 Mk., der LondonerPhönix" mit 300,000 Mk., die Preu­ßische Nationalversicherung mit 280,000 Mk., die Ver­sicherungsgesellschaftSun" mit 200,000 Mk. und die Berlinische Feuerversicherungsgesellschaft mit 100,000 Mk.

Essen a. d. R., 22. April. Der neue Bergarbeiter- Strike gewinnt größere Ausdehnung. Es sind 11 Zechen schon theilweise ausständig. Die Lage wird als erust angesehen. Am Freitag findet hier eine Dele- girten-Versammiung statt. Die Versammlung am nächst n Sonntag in Bochum wird ausschlaggebend sein.

Erfurt, 19. April. An der Tollwuth starb im Krankenhause zu Stadtilm bei Erfurt am Sonntag unter großen Qualen der 71 Jahre alte Schäfer Voigt aus Singen. Derselbe war vor acht Wochen von einem tollen Hunde gebissen worden. Der Kranke stieß ein Geschrel aus, welches dem Hundebellen glich, hatte Schaum am Munde und biß wüthend auf Alles, was man ihm vorhielt, ein.

Bittau, 20. April. Ein seltenes Jubelfest werden in dieser Woche in unserer Stadt drei Handwerksmeister begehen. Vor fünfzig Jahren begaben sich aus Zittau drei Handwerksburschen zusammen auf die Wanderschaft. Wie in der bekannten Posse von Nestroy führten die­selben die WahrzeichenLeim, Zwirn und Knieriem" im Wappen. Nach Jahren ließen sie sich in ihrer Heimathstadt Zittau nieder, und jetzt können sie, der Tischlerobermeister Neumann, der Schneidermeister End- ler und der Schuhmachermeister Kollack, gemeinschaftlich den Tag feiern, an welchem sie vor fünfzig Jahren zu­sammen als Handwerksburschen in die Fremde wanderten.

Straßburg. Das Gutachten der theologischen Fa­kultät der Universität Straßburg i. Elf über die Vor- träge des Pastor prim. Ziegler (Liegnitz)über den historischen Christus" wird am Donnerstag zur Ver­öffentlichung kommen. Das Gutachten geht dahin, daß die gehaltenen Vorträge, weg-n welcher das Konsistorium der Provinz Schlesien die Einleitung einer Disziplinar- Untersuchung auf Amtsentsetzung beschlossen haben soll, mit dem Stande der Wissenschaft im Einklang stehe.

Pjrmasens, 18. April. Vom Berggelände des Wasgou kommt, wie wir derFrank. Ztg. entnehmen, die Kunde, daß man in einem dort gelegenen wohl­habenden Ort einer groß angelegten Weinschmiererei auf die Spur gekommen ist. Das betreffende Rentamt hat sich veranlaßt gesehen, gegen drei Weinverfertiger Strafen von 14000, 2000 und 1000 Mk. wegen Hinter­ziehung der Zuckersteuer auszusprechen, da die Herren übersehen hatten, den zur Weinbereitung seit Jahren verwendeten Zucker der gesetzlichen Vorschrift gemäß zur Versteuerung anzumelden. Da die Betreffenden offiziell nurNaturwein" verkauften, so werden sie sich auch noch wegen Vergehens gegen das Nahrungs- mitieigesetz vor der Strafkammer zu verantworten habe».

Darmstadt, 20. April. Am 17. ds. Mts. wurde im Hess. Ludwigsbahnhof bei der Ankunft des Zuges 85, welcher um 9 Uhr 51 Min. Abends in der Richtung von Aschaffenburg hier eintrifft, auf den Puffern der Maschine eine verendete Hirschkuh vorgefunden Das Thier stammt offenbar aus dem Großherzogl. Wildpark zwischen Messet und Kranichstein, welche Strecke der betreffende Zug zu passiren hat. Die Hirschkuh hat wohl das Geleise überschreiten wollen, wurde aber von dem Zuge überrascht und durch den Anprall gelobtet, als sie gerade im Begriffe war, sich durch einen Hoch­sprung zu retten.

Ausland.

Rom, 23. April. Heute Morgen fiog der Pulver­thurm des Forts Bravetta mit ca. 4000 Kilo Dynamit und Pulver in die Luft. Viele Todte und Verwundete sind zu beklagen. Die Wirkung des Luftdrucks und der Erschütterung war stundenweit im Umkreis zu spüren. An der Stelle, wo der Thurm gestanden, befindet sich jetzt ein über 20 Meter im Umfang haltendes tiefes Loch im Erdboden.

Petersburg, 20. April. Pariser und Londoner Blätter melden übereinstimmend, daß die verstorbene Großfürstin Olga, Schwester des Großherzogs von Baden, auf der Reise nach der Krim infolge Selbst­mordes geendet habe. Nachdem der Hofzug Charkow verlassen hatte, zog sich die Fürstin in Den Schlafsalon zurück. Vier Stunden später fand sie eine Hofdame und der Hofmarschall blutüberströmt fast ohne Lebens­zeichen. Der Hofzug kehrte nach Charkow zurück, wo im Hofwartesaal die Großfürstin von Aerzten verbunden wurde. Einige Stunden darauf verschied sie. Der Selbstmord war eine Folge der Alteration über das Schicksal ihres Sohnes Michael, der wegen seiner Hei- rath aus dem Heer ausgestoßen und verbannt wor­den war.

Aus England wird wieder einmal ein krasses und für unsere deutschen Verhältnisse unerhörtes Beispiel militärischer Unbotmäßigkeit gemeld.et. In Portsmouth haben vor einigen Tagen unter den Mannschaften des dort stationirten 4. Regiments meuterische Exzesse stattgefunden, die es noihwendig machten, das ganze Regiment in Arrest a!°zuführeu. Es ist ein Kriegsgericht eingesetzt, dessen Vorsitz der Herzog von Connaught führt. Der Vorgang wird nicht bloß in militärischen Kreisen GroßbritanienS lebhaft besprochen; ist er doch leider kein veremzelrer mehr, sondern ein

weiteres Glied in der Kette ähnlicher grober Verletzungen des ersten Grundsatzes des Militärstandes, der Dis­ziplin. Nach allem, was in diesem Jahre über die Armee jenseits des Kanals zu uns getragen wurde, scheint die Leitung der obersten Verwaltung des ver­einigten Königreiches die bringende Veranlassung zu haben, im Heerwesen mit eisernem Besen auszukehren. Gerade in England, wo die sozialen Gegensätze in so unvermittelt brutalem Abstande neben einander liegen wie nirgend anders, und in einer Zeit, in welcher die Einigkeit der staatserhaltenden Elemente durch die irische Frage ohnedies stark in's Wanken gerathen ist, erscheinen solche Vorgänge wie die wiederholten militärischen Exzesse überaus bedrohlich.

Amerika. DerHerold" meldet aus New-Aork, daß täglich viele Auswanderer nach Europa zurück- geschickt werden; die Regierung handhabt das neue Einwanderungsgesetz auf's Strengste. Fünfhundert europäische Einwanderer landeten in Halifax (Kanada), um mit Benutzung der Eisenbahn in die Vereinigten Staaten einzutreten, wodurch sie sich der gesetzlich vor­geschriebenen näheren Prüfung ihrer Verhältnisse entzogen.

* Der Präsident der Vereinigten Staaten hat in einer am Sonntag in Galveston abgehaltenen Versamm­lung eine Rede gehalten, die keinen Zweifel darüber läßt, daß von jener Seite den europäischen Industrie­staaten der Krieg bis auf's Messer erklärt ist. Präsi­dent Harrison sagte, er könne sich nicht damit zufrieden erklären, daß die Nationen Europas fast den gesammten Handel Südamerikas sich angeeignet hätten, der wegen der Nachbarschaft und der Sympathie, welche die monarchie- lose amerikanische Welthälfte verbinde, naturgemäß der Nordamerikanischen Union gehöre. Er halte es für wahrscheinlich, daß den Gegenseitigkeitsverträgen mit Brasilien andere Verträge mit den Ländern Zentral- und Südam":sikis folgen werden. Er verspreche sich auch Großes von der Fertigstellung des Kanals von Nicaragua.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 24. April.

* Die diesjährige Eatlassungs-Prüfung in dem Königlichen Schullehrer-Seminar zu Schlüchtern ist auf den 8. September ds. Js. und die folgenden Tage angesetzt.

* Die diesjährige Aufnahme-Prüfung in dem Königlichen Schullehrer-Seminar in Schlüchtern ist auf den 11. September ds. Js. angesetzt.

* Wie aus einer Einladung zu einer Besprechung im Jnseratentheil der heutigen Nummer hervorgeht, trägt man sich in den Kreisen der hier wohnenden Katholiken mit dem Plan, in Schlüchtern eine katho­lische Kirche zu erbauen. Die hiesigen Katholiken sind zu der benachbarten Pfarrei Herolz eingepfarrt und finden den halbstündigen Weg dahin anscheinend unbequem. Zu einer selbstständigen Kirchengemeinde wird es die kleine Zahl der hiesigen Katholiken vorerst noch nicht bringen.

* Da gegenwärtig wieder im rheinisch-westfäli­schen Kohlenrevier ein Streik der Bergleute entstauben ist und voraussichtlich längere Zeit dauert, mithin die Kohlen wahrscheinlich noch theurer werden, als sie eS schon sind, so wird es für unsere Leser wohl von In­teresse sein, zu erfahren, daß auf der Kohlengrube bei Elm jetzt umfassende Reparatur- und Aufräumungs­arbeiten im Gange sind, da der Besitzer den Betrieb der Grube in diesem Sommer wieder aufnehmen will. Hoffentlich wird damit die hiesige Gegend auf die Dauer mit billigen Kohlen versorgt.

* Die landwirthschaftlichen Kreisvereine des Re­gierungsbezirks Kassel hatten beim Regicrungspr äsidenten um Abänderung des §. 3 der Fahrordnung vom 3. März 1887 nachgesucht. Der Herr Regiermigspräsident ist indeß nicht in der Lage gewesen, diesem Anträge statt- zugeben. Zur Abhülfe der gerügten Uebelstände hat er jedoch die Landräthe angewiesen, daß, wenn das A,i- öringeu der Namenstafel statt am Wagen am Zugge- schirr in deutlich erkennbarer Weise geschehen sei, von einer Anzeige wegen Uebertretung des §. 5 der ge­nannten Polizei-Verordnung abzusehen sei.

* Die Verwaltungsbehörden erinnern gegenwärtig die Landwirthe an die Versicherung der Felderzeugnisse gegen Hagelschaden. Die Mahnung erscheint um so angezeigter- als die Versicherungsprämien billig sind