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SchlWernerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. .Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf,

^ 36.

Mittwoch, den 6. Mai

1891.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Mai. Kaiser Wilhelm ist am Sonntag Abend von Potsdam nach Düsseldorf gereift, wo die Ankunft heute Montag Bormittag '^erfolgt. Von dort begibt sich der Monarch nach Köln.

Berlin, 2. Mai. Die sozialistische Maifeier, die in Deutschland so ziemlich ruhigen Verlauf genommen, hat im Auslande, soweit bis zum Augenblick Meldungen vorliegen, einen ernsteren Charakter angenommen. In Rom mußte das Militär einschreiten, und wurden von diesem zehn Mann verwundet, ein Gendarm und ein Civilist getödtet. 200 Verhaftungen wurden seitens der Polizei vorgenommen. Ebenso kam es in Four- miS in Frankreich zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Polizei, Militär und Arbeitern, wobei von letzteren sieben getödtet und zwölf schwer verwundet wurden.

Berlin. Ein unliebsamer Vorfall hat sich in der Oberprima eines Gymnasiums in den letzten Tagen ereignet. Der Vortragende Ordinarius der Klasse hatte Verlassung zur Unzufriedenheit mit einem der jüdischen Schüler und äußerte dies, indem er ihn mit Lump" bezeichnete. Der hierdurch sich verletzt fühlende Schüler ersuchte sofort den Lehrer, das Wort zurückzu- nehmen und als der Lehrer sich weigerte, nahm der gekränkte Schüler ohne Weiteres seine Bücher und ver­ließ in Begleitung seiner 16 Kameraden die Klasse. Die Oberprima des Gymnasiums ist dadurch einstweilen verwaist; denn sämmtliche Oberprimaner haben über­einstimmend erklärt, nicht eher die Klasse wieder betreten zu wollen, bevor der Professor nicht sein Wort zurückzunehmen erklärt. Auf den Ausgang der Sache darf man gespannt sein.

Berlin, 1. Mai. Im ^ause Swinemünder Streß- 120 ist gestern Abend ein Doppelmord geschehen. Der, Kutscher Schnabel hat seine ehemalige Braut, die un­verehelichte Rollenhagen, erschossen und sich dann selbst tödtlich verwundet, so daß er heute früh gestorben ist.

Die Leiche des Feldmarschalls Grafen Moltke hat am Mittwoch Nachmittag im Mausoleum seines Gutes Kreis au in Schlesien zur Seite des Sarges der Gräfin Moltke ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die Ueberführung erfolgte von Berlin in einem Extrazuge. In einem mit schwarzem Tuch ausgeschlagenen Wagen stand der Sarg, von Blumen umgeben. Ein zweiter Wagen war noch vollständig mit Kränzen angefüllt. In fünf Waggons nahmen die begleitenden Personen Platz. Die Familienangehörigen, Vertreter des Generalstabes und der Parlamente, Graf Waldersee als Vertreter des Kaisers und andere Herren. In Ereisau, das einen reichen Trauerschmuck angelegt hatte, hatten sich die dortigen Behörden, Kriegervereine und Schulen eingefunden. Von Breslau war die dortige Generalität zur Feier erschienen. Der Sarg wurde unter Glocken- geläut nach dem Mausoleum auf dem Gruftberge in Ereisau gebracht und dort hielt der Pastor Schier aus Nieder-Gräditz die Einsegnungsrede, welcher die Beisetzung in der Gruft folgte. Ein stilles Gebet der Anwesenden und die Pforten der stillen Grabstätte schloffen sich. Hellmuth von Moltke schläft nach seinem schweren Tagewerk in Frieden den ewigen Schlummer.

Geestemünde, 2. Mai. Reichstagsstichwahl. Ge- sammtergebniß: Fürst Bismarck erhielt 10,544 Stimmen, Schmalfeld 5486 Stimmen.

Hamburg, 3. Mai. An dem Festzuge der Arbeiter nach Horn nahmen nahezu 80,000 Personen Theil; die Aufstellung und Entwicklung des Zuges, der von 10 Musikorps begleitet war, erfolgte iu größter Ordnung, der Abmarsch dauerte zwei Stunden. Die Bahrenfelder Festlichkeiten waren, weil sich die Altonaer zumeist dem Hamburger Zuge anschlossen, wenig besucht. 500 Schutz­leute waren aufgeboten, um Ruhe und Ordnung auf­recht zu erhalten, was ohne Schwierigkeit gelang.

Braunschweig, 30. April. Das Schwurgericht ver- urtheilte nach viertägiger Verhandlung den Soldaten des 92. Regiments, einen Offiziersburschen, welcher durch 12 Brandstiftungen Braunschweig eine Zeit lang in Schrecken versetzt hatte, zu zwölfjähriger Zucht­hausstrafe.

Hameln, 29. April. Das hiesige Schöffengericht hatte am Montag in einer eigenthümlichen, seiner Zeit viel erörterten Angelegenheit Recht zu sprechen. Ein hiesiger Schlächtermeister hatte einem Bekannten gegen-

Wer geäußert, er wolle ihm eventuell einen Kubikmeter »mochten von den Brötchen zu 5 Pfennig Nichts wissen.

Fleisch für 100 Mk. liefern. Der Betreffende verlangte die Lieferung und verklagte den Meister, als er dieselbe später verweigerte. Das Gericht hat nun nach der D.- u. W.-Z." entschieden, daß der Beklagte entweder einen Kubikmeter Fleisch für 100 Mk. liefern oder den abgeschätzten Werth des Fleisches im Betrage von 825 Mark zahlen müsse.

Göttingen, 1. Mai. Eine noch junge Frau in dem Orte Lasfelde hat die Kinder ihres Mannes aus erster und zweiter Ehe durch jahrelange brutale Mißhand­lungen an Leib und Leben schwer geschädigt. Die hiesige Strafkammer verurtheilte das Weib zu 8 Jahren Ge­fängniß.

Dortmund. Die Freuden eines Ausstandes haben viele Arbeiter genossen, aber nun kommt das dicke Ende nach. Mehrere Zechen kehren jetzt den Spieß um und gehen gegen die ausständigen Arbeiter ganz entschieden vor. Auf den Kruppschen Zechen war verkündet, daß, wer Montag nicht wieder mit der Arbeit begonnen habe, als entlassen betrachtet werden würde, und dem­gemäß handelt nun auch die Zechenverwaltung. Mehreren hundert streikmüden Arbeitern, die gestern aufHolland" wieder anfahren wollten, wurde bedeutet: am 6. Mai sollten sie mal wiederkommen und nachsehen, ob sie wieder anlegen könnten. Und aus Hüningfeld wird ge­meldet, daß, nachdem der Konsum schon am vorigen Freitag geschlossen, gestern den in der Kolonie wohnen­den Familienvätern, 150 an der Zahl, die Wohnung gekündigt sei, und heute sollen die Inhaber der Kolonie beimalten Schacht" ebenfalls ihre Kündigung er­halten. Es sind diese Thatsachen gewiß zu bedauern, aber das Vorgehen der Zechen ist in jeder Weise durch das Verhalten der Leute ein gerechtfertigtes. In Dortmund und Bochum sind bedeutende Verstärkungen der Gensdarmerie von weit her herangezogen, aber Gott sei Dank, finden die bis an die Zähne bewaff­neten reitenden Patrouillen wenig oder gar keine Arbeit. Eine arge Ausschreitung wird jedoch aus Hüningfeld gemeldet. Auf Bergleute, die am Tage ihre Schicht verfahren hatten und am Abend ruhig bei ihrer Mahl­zeit saßen, wurde durch das Fenster geschossen, glück­licherweise ohne zu treffen.

Trier. DieTrier. Ztg." schreibt: Das schon lange umlaufende Gerücht, daß der heilige Rock im Laufe dieses Jahres zur Ausstellung kommen werde, tritt neuerdings mit großer Bestimmtheit auf und wird wenigstens mittelbar von Personen, die Bescheid wissen können, bestätigt. Bei der Wichtigkeit der Frage für unsere Stadt glauben wir deshalb, von demselben noch­mals Vermerk nehmen zu sollen. Die Ausstellung im Jahre 1814 begann am Helenentage, am 18. August und dauerte 7 Wochen. In dieser Zeit wurde die Reliquie nach einer annähernden Schätzung von zu­ständiger Seite von einer Million und fünfzigtausend Pilgern besucht. Das war zu einer Zeit, als noch keine Eisenbahnen vorhanden waren, wo man also zu Fuß oder zu Wagen Trier erreichen mußte. Wie sich der Besuch heute, bei unseren ausgebildeten Verkehrs­verhältnissen gestalten würde, läßt sich danach unschwer ermessen. Die Erhebung des im Dome eingemauerten heil. Rockes fand 1844 am Peter- und Paulstage, 29. Juni, im Beisein von Vertretern der Regierung, des Landgerichtes, der Stadt und des Gymnasiums statt. In der Zwischenzeit wurde das Kleinod, wohl verwahrt und versiegelt, in der Heiligthumskammer des Doms bis zum 18. August aufgehoben.

Neunkirchen. Im Saargebiet ist eS nun doch zu einem Streik gekommen. Allerdings haben ihn nicht die Bergleute, sondern die Hausfrauen von Neunkirchen unternommen. Was den Arbeitern so selten gelingt, den Neunkirchener Frauen glückt es sie haben den Streik mit vollem Erfolge durchgeführt. Der Streik richtete sich gegen die Bäckermeister von Neunkirchen. Diese Herren hatten beschlossen, vom 26. April ab die bisher in Neunkirchen üblichen Brötchen und Wecken zu 3 Pfennig das Stück abzuschaffen und nur noch Brödchen zu 5 Pfennig zu verkaufen. Sie erließen eine Bekanntmachung, in welcher viel von Fortschritt, Dezimalsystem, größerer Bequemlichkeit u. s. w. die Rede war, und argwohnten nicht im Entferntesten, daß ihre ingeniöse Neuerung einen irgendwie nennenswerthen Widerstand finden werde. Aber die Hausfrauen von Neunkirchen, welche konservativ sind wie alle Damen,

Da bei den Bäckern kein Zureden half, unterließen es am Sonntag Morgen sämmtliche Neunkirchener Haus­frauen, die Kaffeebrötchen zu kaufen. Die Herren Bäcker- Meister machten lange Gesichter. Schon am Montag aber gaben sie bekannt, daß wieder Dreipfennigbrötchen bei ihnen zu haben wären.

Kreuznach, 2. Mai. In der verflossenen Nacht haben Diebe die katholische Pfarrkirche mit Gewalt er­brochen und daraus sämmtliche Gold- und Silbersachen, die Monstranz, Leuchter und Becher gestohlen, sowie die Opferstöcke geleert. Axt und Leiter der Diebe sind ge­funden, die Diebe selbst noch nicht ermittelt.

Mainz, 29. April. Gestern Abend ist ein hiesiger Polytechniker mit drei Offizieren der hiesigen Garnison zusammen gerathen und schwer verwundet worden. Wie erzählt wird, habe es sich um eine Licbesgeschichte gehandelt, wobei ein Lieutenant vom 87. Infanterie- Regiment mit dem Polytechniker Streit bekam und Letzterer eine Forderung erhielt, der er jedoch keine Folge leistete. Gestern Abend sei über den Fall noch­mals verhandelt worden und der Polytechniker habe wiederholt erklärt, sich seinem Gegner nicht zu stellen. In Folge dessen hatte der Lieutenant mit noch zweien Kameraden den Gegner von der Schillerstraße bis zur Insel verfolgt und seien daselbst mit blanker Waffe auf den Polytechniker, der im kritischen Moment völlig ohne Hilfsmittel zur Gegenwehr war, eingedrungen, wodurch derselbe an Hals, Handgelenk rc. so zugetichtet wurde, daß er schwer blutend die Hilfe eines Arztes suchen mußte und auf dessen Anrathen in das Hospital gebracht wurde. Der hiesigeAnzeiger" erfährt noch, daß der Säbel des einen der Offiziere bei der ^aufti in S'»cke ging und der abgebrochene Theil auf der Straße gefunden wurde.

Jn Straubmg wurden zwei dumme Jungen, ein 20j. Dienstknecht und ein 19j. Wasserarbeiter, welche zwei Balken einer Brücke ausgehoben und so an eine Haus- lhüre gelehnt hatten, daß sie den Oeffnenden erschlagen konnten, wegen dieser boshaften Büberei zu 2 Jahren Gefängniß verurtheilt.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 6. Mai.

* Das neueste Regierungs-Amtsblatt veröffentlicht das vorläufige Ergebniß der Volkszählung vom 1. December 1890 hinsichtlich des Regicrungsbezirk» Cassel. Wir entnehmen demselben in Bezug auf den Kreis Schlüchtern folgende Zahlen:

Die Anzahl der Wohnhäuser in den 4 Städten, 42 Landgemeinden und 9 GutSbezirken betrug 4364 bewohnte und 73 unbewohnte, dazu 19 andere Baulich­keiten zu Wohnungen, wie Zelte, Hütten, Schiffe rc. Die Zahl der Haushaltungen betrug 5686 und 8 Anstalten, in welchen 13,970 männliche und 14,535 weibliche Personen, zusammen also 28,505 sich befanden, gegen 28,989 in 1885, mithin Abnahme für den ganzenKreiS 484. Die vier Städte zählten 974 bewohnte und 20 unbewohnte Wohnhäuser, sowie 6 Zelte rc. Haus­haltungen waren 1458 und 2 Anstalten. Die Stadt­bewohner bezifferten sich auf 3479 männliche und 3475 weibliche, zusammen also 6954 Personen, gegen 6926 in 1885, mithin 28 Seelen Zunahme. Die länd­lichen Orte zählten 42 Ortschaften und 9 Guts­bezirke mit 3390 bewohnten und 53 unbewohnten Wohn­häusern, sowie 13 sonstige Wohngelegenheiten. In denselben befanden sich 4228 Haushaltungen und 6 An­stalten. Der Landbewohner waren es 10,491 männliche und 11,060 weibliche, zusammen 21,551, gegen 22,063 in 1885, also Abnahme 512. Die Stadt Schlüchtern zählte in 327 bewohnten (3 unbewohnten, 2 Zelte rc.) Wohnhäusern 520 Haushaltungen und 2 Anstalten mit 1356 männlichen und 1316 weiblichen, zusammen 2672 Personen, gegen 2635 in 1885; Zunahme 37 Seelen. Die Stadt S te in au hatte in 302 bewohnten (2 un­bewohnte und 4 Zelte) Wohnhäusern 478 Haushaltungen mit 1063 männlichen und 1087 weiblichen, zusammen 2150 Personen, gegen 2189 in 1885; Abnahme 39. Die Stadt Salmiinster zählte 200 (1 unbewohntes) Wohnhäuser mit 278 Haushaltungen und 568 männ­lichen und 623 weiblichen, zusammen 1191 Personen, gegen 1219 in 1885; Abnahme 28. Die Stadt Soden zählte in 145 bewohnten (14 unbewohnten) Wohnhäusern 182 Haushaltungen mit 492 männlichen