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Erscheint Mittwoch n. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. »Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Jf 58. Mittwoch, den 22. Juli 189L
Fortbildungsschulen.
In seinem Buche: Die Frau und der Sozialismus wendet sich Bebel gegen E. Richter, der in seiner bekannten Brochüre mit Recht gesagt hatte, daß der Zukunftsstaat, wie ihn Bebel schildere, Engel und nicht Menschen voraussetze, indem er ausführt: Nein, nicht Engel brauchen wir, wohl aber gebildete Menschen, die nicht durch den mehr als mangelhaften Unterricht, den die gegenwärtige Gesellschaft für ausreichend hält, in ihrem Erkenntnißstreben zurückgehalten werden. So gewiß es aber ein tausendfach erwiesener Irrthum ist, zu meinen, daß das Wissen den Menschen besser mache, so behält doch das Wort: Wissen ist Macht! seine Wahrheit. Nicht nur, daß es fähiger macht, seinen Beruf besser auszurichten, es bewahrt auch davon, daß man den Irrthümern, welche uns gefangen nehmen wollen, wehrlos gegenübersteht. Zumal in unseren Tagen, wo die Selbstverwaltung der Communen, das allgemeine Wahlrecht, das ganze öffentliche Leben so mannigfache Ansprüche an die Arbeitskraft und das Wissen des Einzelnen stellt, muß von denselben ein größeres Maß von Wissen erwartet werden. Gewiß, unsere Schulen sind bestrebt, diesem erweiterten Bedürfniß entgegenzukommen, und der Lehrplan derselben ist ein weit umfassenderer geworden, als in noch nicht lange zurückliegender Bergangenheit. Allen Respekt auch vor dem, was sie leisten, aber man braucht die Schularbeit und die Hindernisse, die derselben entgegenstehen, nur oberflächlich zu kennen, um einzusehen, daß sie bei dem besten Willen und dein größten Eifer ihren Schülern das nicht geben können, was dieselben nöthig haben. So bleibt's dem späteren Leben überlassen, der Lehr- meister zu sein. Aber theils muß dann oft ein Lehrgeld gezahlt werden, das zu hoch erscheint, theils ist's dann für das Lernen zu spät, der Kampf um's tägliche Brod hat gegen alle anderen Interessen abgestumpft.
Aus dieser Erkenntniß heraus hat man für die ton« firmirte Jugend obligatorische und fakultative Fortbildungsschulen begründet. In Berlin sind'neuerdings von sozialdemokratischer Seite Curse errichtet worden, um der Heranwachsenden Jugend Gelegenheit zu geben, sich weiter zu bilden und um sich durch den vom Parteistandpunkt beherrschten Unterricht überzeugte Anhänger und Agitatoren zu schaffen. Solcher Fortbildungsschulen sind bis jetzt sechs gegründet, die seit einigen Monaten in Wirksamkeit sind und, wie der „Vorwärts" behauptet, ein alle Erwartung übertreffendes Ergebniß haben. Die Zahl der Schüler soll 2745 betragen. Für den Unterhalt der Schulen zahlen die Mitglieder des Vereins, welche diese Schulen in's Leben gerufen, monatlich 25 Pf., die Schüler 50 Pf. Schulgeld. Die systematischen Unterrichtskurse wurden von ständig angestellten Lehrern über folgende Fächer abgehalten: Deutsche Sprache, Naturwissenschaft, Geschichte, Nationalökonomie, Buchführung, Rechtschreiben, Rechnen, Zeichnen, Stenographie. — Sollte sich allein auf jener Seite solche Opferwilligkeit für geistige Interessen, solcher Bildungstrieb finden? Haben die jungen Leute in unseren Dörfern, nachdem sie konfirmirt sind, nur noch Sinn für das, was in allerdirektester Beziehung zur Erwerbung des täglichen Brods steht, fragen sie außer diesem nur etwa noch danach, wie sie sich vergnügen können? Gibt's bei uns keine Persönlichkeiten, welche willig und bereit sind, für die geistige und damit auch materielle Förderung derselben etwas zu leisten? Mit guter Zuversicht glauben wir annehmen zu dürfen, daß es weder an Bildungstrieb, noch an solchen fehlt, welche denselben zu befriedigen geneigt und geeignet sind. Darum diese Anregung: Fortbildungsschulen für unsere konfirmirte männliche Jugend einzurichten.
1. Die Schüler. Der Schulzwang besteht für Alle bis zum zurückgelegten 14. Lebensjahr; ihn auf ein späteres Lebensalter auszudehnen, ist trotz aller dahin gehenden Wünsche nicht zu erwarten, zumal Schwierigkeiten entgegenstehen, die z. Z. wenigstens un- überwindbar. Die proponirten Fortbildungsschulen sind also auf Freiwilligkeit angewiesen. Niemand kann zu ihrem Besuch durch irgend welche polizeiliche Vorschrift gezwungen werden. So nachtheilig das scheint, so hat es doch auch seine Vortheile. Von einem Schüler, der freiwillig kommt, kann erwartet werden, daß er nicht nur die Schulbank drückt, sondern auch wirklich etwas lernen will. Dazu: je allgemeiner die Einrichtung wird, je mehr ihr Srgen erkannt wird, um so größer wird
auch der moralische Druck, der auf den Einzelnen zum Besuch ausgeübt wird. Auf die Zeit vom 14. bis 17. Lebensjahr das Recht zum Besuch eines solchen Fort- bildungskursus zu beschränken, ist gewiß nicht am Platz. Wer konfirmirt ist und das Streben hat, sich fortzubilden, ist willkommen. Die Einrichtung aufsteigender Classen wird nur eine Frage der Zeit sein. Wer zu einem Cursus sich angemeldet hat, verpflichtet sich zugleich denselben ganz durchzumachen.
2. Die Lehrer. Voraussetzung ist, daß jedes Kirchspiel, das nicht zu sehr auseinanderliegt, eine Fortbildungsschule und zwar in dem von allen Seiten am leichtesten erreichbaren Ort bekommt. Die, welche als Lehrer für dieselbe in Anspruch zu nehmen sind, sind damit schon gegeben, es sind hie Lehrer des Kirchspiels und der Pfarrer, welche die einzelnen Lehrgegenstände je nach Meinung und Befähigung unter sich verteilen. Bei einem Kirchspiel, in dem z. B. 3 Lehrer und 1 Pfarrer stehen, ist die Arbeit für den Einzelnen nicht so bedeutend, daß er sie nicht umsonst thun könnte.
3. Es wird wohl nirgends Anstand haben, daß das Schullokal zu gedachtem Zweck benutzt wird. Die konfirmirte Jugend auf dem Lande braucht sich ebensowenig der Schulbänke zu schämen, wie Gymnasiasten, Seminaristen und Studenten.
4. Wann sollen diese Stunden gehalten werden? Im Sommerhalbjahr wird sich kaum eine passende Zeit finden. Beschränken wir uns deshalb zunächst auf das Winterhalbjahr von Michaeli bis Ostern. Auch da ist uns der Abend verfügbar etwa von 7—9 (10). Es stehen da, wenn an 5 Tagen Unterricht ertheilt würde, mindestens 10 Stunden zur Verfügung. Dabei ist der Sonntag außer Rechnung gelassen, dessen Nachmittag oder Abend für ein freieres Zusammenkommen (Gesang) reservirt bleiben könnte.
5. Was soll getrieben werden? Im Einzelnen kann man über das Nothwendige oder dringend Wünschens- werthe eines einzelnen Fachs verschiedener Ansicht sein. Als nothwendige Unterrichtsgegenstände erscheinen mir: 1. Religion, 2. Deutsch, 3. Rechnen, 4. Geschichte und Geographie (Gesellschaftskunde, Verfassungskunde). Zur Herstellung eines genauen Lehrplanes würde der Rath erfahrener Schulmänner gewiß nicht fehlen.
6- Die Kosten sind kaum der Rede werth. Die Salarirung der Lehrkräfte würde sich leicht so regeln, daß dieselben gern auf eine solche verzichten. Bleibt nur Licht und Heizung, was mit einem Schulgeld von 20 Pf. pro Monat bei vorausgesetzter allgemeiner Theilnahme wohl bestricken werden könnte. Vielleicht auch würde die Gemeindekasse für einen so eminent dem Wohl der Gemeinde dienenden Zweck eintreten.
7. Wer soll anfangen? Die vorgeschlagene Einrichtung dient zum Besten der Gemeinde. Darum möchte sich der Bürgermeister des Kirchspiels mit dem Pfarrer und Lehrern in Verbindung setzen, sich der Geneigtheit derselben vergewissern, mit denselben zur Anmeldung zu dem Cursus auffordern. Haben die Eltern das Beste ihrer Heranwachsenden Söhne im Auge, sind diese nicht allzu fest davon überzeugt, daß sie genug gelernt haben, daß vielmehr ihr späteres Fortkommen wesentlich durch ihre Theilnahme gefördert wird, so folgt dem guten Anfang auch ein guter Fortgang.
Deutsches Reich.
— Der preußische Kultusminister Graf von Zedlitz- Trütschler hat, wie die „Post" erfährt, an die Geheim- räthe Prof. Dr. Eugen Hahn und Ernst von Bergmann die Aufforderung gerichtet, ihm binnen 24 Stunden eine Antwort auf die gegen sie öffentlich erhobenen Anklagen deS Assessors Leidig zu ertheilen. Es handelt sich bekanntlich um das Einimpfen von Krebsgift.
* — Die „Nordd. Allg. Ztg." weist auf die Mittheilung der „Franks. Ztg." über das Bestehen eines 600 Mitglieder zählenden Revanche-Verems mit dem Sitze in Nancy hin, welcher den Zweck verfolge, die Rückkehr von Elsaß-Lothringen zu Frankreich zu betreiben und im Handel und Industrie fremde Konkurrenz fernzuhalten.
* — Ueber die Monopolisirung des Petroleumhandels in den Händen der Standard Oil Company und des Hauses Rothschild ist das Aeltestencollegium der Berliner Kaufmannschaft von dem Handelsminister aufgefordert worden, seine Wahrnehmungen mitzutheilen. Das Aeltesten- collegium hat darauf geantwortet, daß die Regierung zwei
Mittel in der Hand habe, um das emporwachsende Mono- pol zu unterdrücken. Das Nächstliegende wäre die schleunige Aushebung des besonderen Zolles auf die Petroleumsfässer. Das zweite Mittel gegen die Monopolgefahr wäre die Verschiedenheit unseres Zolles auf rohes und rafsinirtes Petroleum zu Gunsten des ersteren, wie eine solche z. B. in Oesterreich-Ungarn und in Frankreich besteht. Sie würde gestatten, das Rohöl unabhängig von der Standard Oil Company mittelst Pipeline-Certificates auf offenem Markte einzukaufen, und es, sei es in Tanks, sei es in Fässern, diesseitigen Raffinerien zuzuführen, welche theils direct, theils indirect durch den Bezug der Apparate und Chemikalien deutsches Capital und deutsche Hände vielfach beschäftigen und die deutschen Konsumenten vor Ueber- theuerung bewahren würden. Bei der jetzigen Zollbehandlung ist die Raffinerie von ausländischem Petroleum in Deutschland kaum möglich.
* — Falsche Fünfzig- und Fünf-Markscheine. Von den neuesten falschen Fünfzigmarkscheinen wird folgende Beschreibung amtlicherseits veröffentlicht: Das Papier besteht aus zwei zusammengeklebten Blättern, zwischen welchen die aus gefärbter Jute und aus Hanf bestehenden Fasern eingepreßt worden sind. Die Tönung des Faserstreifens der echten Reichskassenscheine ist durch Ueber« pinseln mit blauer Farbe, die Risfelung durch ungleichmäßig verlaufende Striche mit einer Ziehfeder oder einer Nadel nachgeahmt. Die Zeichnung beider Seiten ist nicht als Kupferdruck, sondern als photographische Kopie hergestellt. Das Falschstück ist 55 Millimeter zu breit und 2 Millimeter zu hoch. Die rothe Werthbezeichnung „Fünfzig Mark", der Kontrolstempel und die Nummer sind nicht mit Typen aufgedruckt, sondern durch Uebertuschen der Photographischen Zeichen mit rother Wasserfarbe nachgebildet und mit einer glänzenden Lack- oder Collodiumschicht überzogen. Auf der Schauseite ist außerdem die Zeile „Fünfzig Mark", sowie der linksseitig angebrachte größere Reichsadler zur Erzielung des dunkleren Farbentones mit Umdrncktinte nachgezeichnet. — Ferner sind wiederholt falsche Fünfmarkscheine aufgetaucht, von denen jedoch leider die nähere Beschreibung noch fehlt. Die Reichsschuldenverwaltung sichert Demjenigen eine Belohnung bis zu 2000 Mark zu, welcher einen Versertiger oder wissentlichen Verbreiter falscher Fünf- oder Fünfzigmarkscheine der Polizei ober dem Gerichte derartig bezeichnet, daß er mit Erfolg zur Untersuchung und Strafe gezogen werden kann.
— In dem unweit Köpenik belegenen Dorfe Rudow fand dieser Tagen eine Bauernhochzeit statt. Das junge Paar hat als Morgengabe ihrer Eltern einen Bauernhof erhalten, der einen Werth von über 100,000 M. haben dürfte. Der Werth des Diadems, das die junge Frau gelegentlich des Kirchganges trug, wurde von Kennern auf 10,000 M. geschätzt, das Brautkleid war von theuerstem Seidenstoff und die drei Meter lange Schleppe wurde von drei kleinen Mädchen getragen. Die Hochzeitsmahlzeit war im Gasthause hergerichtet und soll für hundert Gäste über 3000 M. gekostet haben.
Posen. Der letzte Jagelloue. In Grodno starb am 16. d. M. der Arzt Fürst Jgnaz Jagello, der letzte Sprosse des Königshausis der Jagellonen, das einst in in Lithauen regierte. Fürst Jagello war durch Arbeiten über die Cholera in Egypten, das er während der Epidemie besucht hatte, bekannt geworden.
Sorau, 13. Juli Einen wenig höflichen Ulk gegen eine Damengesellschaft hat sich jüngst ein hiesiger Einwohner gemacht. Das „S. Wochenbl." erzählt darüber: Ein „Frauenkränzchen" unternahm per Omnibus ohne jegliche männliche Begleitung — abgesehen vom Kutscher — einen Ausflug nach Sagan. In schlankem Trabe rollte der Kremser dahin. Die Freude der Insassen ob des vergnügten Ausfluges schien sich den Anwohnern und Passanten der Straße mitzutheilen; denn nur lachende Gesichter waren es, welche dem Gefährt nachblickten. Auf der Chaussee, in Marsdorf, sowie bei der Einfahrt in Sagan überall dieselbe Erscheinung, über welche die Kränzchenfrauen anfangs wohl verwundert waren, welche sie schließlich aber als eine Huldigung Hinnahmen, die holden Frauen von Rechswegen gebührt. „Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten." Als in Sagan das Ziel erreicht war und die erste der Frauen den Kremser verlassen hatte, kam des Räthsels Lösung. Am Wagenschlag hing ein Plakat mit der riefen« großenJnschrift: „Lauter alte Weiber ausSorau." Tableau