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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKrcisblatt" u. ^Quftrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Jf 76. Mittwoch, den 23. September 1891.

Bestellungen auf das 4. Quartal 1891 (Oktober, November, December) der

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die Ueberlieferung der Geschichte für unser Vaterland besonders wichtig ist. In diesem Orte hat der korsische Eroberer deutsche Fürsten auf das Schwerste gekränkt und unser niedergeworfenes Vaterland tief gedemüthigt. Damals keimte in der Seele Meines Herrn Urgroßvaters der Gedanke an den Widerstand aufs Aeußerste, der dann zur sühnenden Erhebung des Jahres 1813 heran- reifte. Vor acht Jahren war es Meines Herrn Groß­vaters Majestät, dessen kiiegsgcwohnter Blick auf dem Armeecorps ruhen durfte, welches unter dem Feldmar­schall Grafen Blumenthal vor seiner Seiner Majestät sein Manöver aus.ührte: lauter große, wichtige und erhebende Momente! Das Korps, welches damals in bewährten Häuten lag, hat auch in der jetzigen Zeit seinen Höhepunkt vollkommen innegehalten, und Ich hoffe, daß das Korps in jeder Beziehung in Krieg und Frieden zu Meiner Zufriedenheit in den Händen von Eurer Excellenz sich bewähren wird, als gute, scharfe und schneidige Waffe. Ich erhebe Mein Glas und trinke auf das Wohl des 4. Armeecorps und seines Führers! Sie leben hoch! und nochmals hoch! und zum dritten Male hoch!"

Eisenach, 16. September. Ein Bahnarbeiter fand auf dem Bahnhöfe ein Portemonnaie mit einem Inhalt von rund 6000 Mark. Er machte sich sofort daran, den Verlierer dieser werthvollen Geldtasche aufzufinden, was ihm schließlich auch gelang. Und so händigte er der weinenden Dame, welche das Portemonnaie verloren, ihren Schatz wieder aus. Die Dame, gerührt ob dieses Edelsinnes des schlichten Arbeiters, öffnete schnell bereit die Börse und übergab dem ehrlichen Finder großmüthig zwanzig Pfennige! Wahrlich doch sehr edel!

Aus dem Zsergebirge schreibt man vom 6.: Erst die Kühe und dann das Kind! Bei Mildenau im Be­zirk Friesland war der dortige OekonomH. mit seinem 11jährigen Knaben auf dem Felde, um Heu einzufahren. Ein heftiger Sturmwind erschwerte die Arbeit. Der Knabe lenkte die Kühe, plötzlich stürzte der Wagen um und begrub den Knaben, der indessen in einen Graben zu liegen kam und so vor dem Erstickungslode sicher war. H. hörte die Hilferufe seines Kindes, aber das Unwetter veranlaßte ihn, erst seine Kühe in Sicherheit zu bringen. Er leitete sie in sein einide Minuten ent­ferntes Gehöft. Dann erst ging er auf das Feld zurück, um sein Kind zu retten. Doch zu spät. Inzwischen hatte der wolkenbruchartige Regen den Graben mit Wasser gefüllt und der Knabe, der sich nicht heraus­arbeiten konnte, war ertrunken.

Bom Neckar, 13. Sept. Folgender Rechtsstreit er­regt hier Interesse: Der Landwirth Bcrger zu D. verkaufte vor einiger Zeit ein uraltes, außergewöhnlich großes Weinfaß um 20 Mark. Da der Käufer das Riesenfaß nicht unzerlegt aus dem Keller zu bringen vermochte, ließ er es von einem Küfer auseinander­nehmen. Dabei ergab sich, wie die Darmst. Ztg. mit- theilt, die überraschende Thatsache, daß das Faß innen eine dicke Kruste Weinstein enthielt. Es wurden sogar nicht weniger als 7 Centner (?) Weinstein losgeschlagen und um 560 Mark verkauft. Der Verkäufer erhob jedoch Anspruch auf den Weinstein, bezw. auf den Erlös, da er nur das Faß, nicht aber den Weinstein verkauft habe. Der deswegen angestrengte Prozeß wurde kürzlich vom Landgerichte zu Ungunsten Bergers entschieden. Letzterer legte nunmehr gegen diese Entscheidung beim Oberlandesgerichte Berufung ein.

Wegen Beschimpfung der evangelische Kirche wurde der katholische Geistliche in Thannweiler im Kreise Schlettstadt zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Die Beschimpfung erfolgte von der Kanzel herab in einer Predigt üb t die Mischehe, zu welchem Thema dem Geistlichen eine Ehe Anlaß gegeben, die er kirchlich ein- zusegnen sich weigerte, weil der evangelische Bräutigam darauf bestand, seine Kinder in seinem Glauben erziehen zu lassen, woraus sich das Paar protestantisch trauen ließ. Der katholische Geistliche erklärte eine solche Ehe

Deutsche- Reich.

Berlin, 18, Sept. DemBerliner Tageblatt" wird aus Bagamoyo gemeldet, daß die Ueberreste der Expedition Zelewski, die Lieutenants Tettenborn und Heydebreck und die Unteroffiziere Kay und Wutzer mit 65 Mann gestern Nachmittag dort eingetroffen seien.

* Auf dem Schießplatz bei Jüterbogk ist die Ladung eines im Panzerthurm befindlichen 5,3 Cm.-Geschützes explod.rt, als man versuchte, das Geschoß, welches versagt hatte, zu entladen. Dem Büchsenmacher Schmidt wurde die rechte Hand abge­rissen; Major von Eckartsberg und Hauptmann Eck wurden nicht schwer, dagegen der Büchsenmacher und zwei Kanoniere schwer verwundet.

* Die in Berlin erscheinendeWochenschrift für deutsche Bahnmeister" veröffentlicht folgende Erklärung: Zum Bochumer Prozesse bemerke ich, daß ich in meiner neunzehnjährigen Dienstzeit als Bahnmeister keine besseren Schienen als diejenigen von Krupp und keine schlechteren als die von Bochum kennen gelernt habe und zwar auf den Bahnstrecken Deutz- Gießen, Hamm- Dortmund, Dortmund Hagen (rhein.), Unna Hagen (B.-M.) Im Tunnel bei Schwerte mußten wegen Bruchs in einem Doppelgeleise von 860 lfd. Meter von Schienen des Bochumer Vereins aus dem Jahre 1884 (Vertrag Nr. 118) ausgewechselt werden: im Jahre 1888 12 Stück, im Jahre 1889 21 Stück, im Jahre 1890 37 Stück. Die Garantiezeit war mit dem Jahre 1889 abgelaufen und da die Fehler, weshalb die Brüche 1890 entstanden, nach 1889 entdeckt wurden, konnte kein Ersatz beansprucht werden. Wegen des großen Verschleißes und der zu befürchtenden Gefahr mußten Ende 1890 alle Schienen ausgewechselt werden. Schwerte, 13. Sept 1891. Der Königliche Bahnmeister Düpmann." Dieses von einem königlichen Beamten herrührende, mit That­sachen belegte Zeugniß ist für die Geschäftsführung des Bochumer Vereins derart belastend, daß man gespannt sein darf, welche Antwort erfolgen wird.

* E n Aufruf wendet sich an die deutschen Frauen, einem Bunde zur Abwehr der Mode, Vögel als Kleider­putz zu verwenden, beizutreten. Das Protektorat über diesenDeutschen Bund gegen den Vogel-Massenmord für Modezwecke" hat die Frau Herzogin Wilhelm von Mecklenburg übernommen.

* Die direkien Nachforschungen nach dem Raubmörder Wetzel sind von der Spandauer Polizei eingestellt worden. Die noch zuletzt vor zwölf Tagen von dem Polizeikommissar Kliem aufgenommene Ver­folgung einer vermeintlichen Spur ist ergebnißlos ge­wesen. Der Beamte ist am Mittwoch unverrichteter Sache nach Spandau zurückgekehrt. Der Mörder ist nach London entkommen, und oort ist seine Spur ver­loren gegangen.

Aus Mühlhausen i. Th wird vom Sonnabend ge­meldet: Se. Majestät der Kaiser vereinigte nach beendigtem Manöver die Generale und höheren Öfficiere zur Kritik um sich, in welcher er das gesammte Manöver einer eingehenden Betrachtung unterzog. Se. Majestät sprach beiden Armeecorps seine volle Zufriedenheit mit Ausbil­dung und Leistungen aller Truppen aus und hob hervor, wie sich namentlich die Reserve-Division in jeder Weise kriegstüchtig gezeigt habe. Der commandirende General des XL Armeecorps, General der Infanterie v. Grolmanl. ist ä la suite des 4. Garde-Resiments zu Fuß ce- stellt worden Zahlreiche Beförderungen und Ordens- B-rleihungen haben am gestrigen letzten Manövertage statt- gefunden.

Der Trinkspruch des Kaisers, welchen derselbe in Erfurt auf das 4. Armeecorps ausbrachte, lautet nach dem preußischenStaatsanzeiger" folgendermaßen: Ich freue Mich, Meine vollste Zufriedenheit mit dem 4. Korps heute nach gelungener Parade aussprechen zu können. Die streitbaren Söhne Thüringens, der Alt­mark und Sachsens in diesem Orte zu "besichtigen, ist Mir eine um so größere Freude, als dieser Boden durch

für einewilde Ehe", ein unrechtmäßiges, unerlaubtes und darum unsittliches Zusammenleben, für ein Kon- kubinat, sprach dem protestantischen Geistlichen die Bc- fugniß zur Einsegnung, da sie nicht geweiht seien, und der Katholikin, die so schlecht sei, einen Protestanten zu heirathen und sich von einem protestantischen Geistlichen trauen zu "lassen, jede Frömmigkeit und Ehrbarkeit ab, da sie dadurch eine furchtbar schwere Sünde auf sich lade. (Und umgekehrt?)

Kupserdreh, 16. Septbr. Durch das Unglück auf Steingatt" (der Fahrschacht stürzte in seiner ganzen Länge sich in zusammen und konnten die Bergleute nur durch die Luftschächte sich retten) ist die Mehrzahl der 400 Arbeiter dieser Zeche in große Noth gerathen, da die Leute hier meist ein eigenes Häuschen mit etwas Ackerland besitzen, und es in der Nähe vielfach an lohnender Arbeit gebricht. Vorläufig ist nicht daran zu denken, daß die Zeche den Betrieb wieder aufnehmen kann, da die Wasserhaltungsmaschinen zerstört sind und die Grube deshalb versaufen muß.

Bochum. Der Bochumer Verein für Bergbau und Stahlfabrikausn hat an dieEmsztg." in Papenburg folgendes Schreiben gerichtet:Sie haben kürzlich in Ihrer Zeitung d. d Aschendorf, 30. August, die Mit­theilung gebracht, es seien im Laufe des Monats August von Bochum nach Aschendorf rc. 300 Schienen geschickt, von denen 72 Stück meist durch Kitt verdeckte Fehler und Mängel gezeigt hätten und ausgeworfen seien. Mangels näherer Bezeichnung des Lieferanten ist Ihr Bericht so aufgefaßt worden, als ob diese Schienen aus unseren Fabriken stammten. Dies ist aber nicht der Fall. Die Schienen sind vielmehr von einem erst im vorigen Jahre gegründeten Stahlwerk geliefert worden, zu welchem der unterzeichnete Verein keinerlei Beziehungen hat. Der Verwalinngsrath. I. A: Pinagel. Der Generaldirektor Baare." Also, daßgeflickte Schienen" überall mit unter­laufen, diese Möglichkeit wird auch hier von Herrn Baare durchaus nicht bestritten, sondern vielmehr vorausgesetzt. Das Publikum aber will überhaupt keinegeflickten Schienen", gleichgiltig, von welchem Werke dieselben ge­liefert sind. Mit demneugegründeten Werk" sind ziem­lich unverblümt die Westfälischen Stahlwerke gemeint, in deren Interesse eine schleunige Untersuchung jetzt eben­falls liegt.

Nusland»

Triest, 17. Septbr. Auf der int Bau begriffenen Privateisenbahnlinie der Firma Olivieri stürzte ein Tunnel ein und begrub 52 Arbeiter. Bisher wurden 20 Todte hervorgezogen. Man befürchtet, daß alle um« gekommen sind.

Die Hungersnoth in einzelnen Gouvernements von Rußland zwingt die Petersburger Regierung fortgesetzt zu Maßnahmen, über welche der Draht Folgendes berichtet: Nachdem die heilige Synode und die Gesell­schaft des Rothen Kreuzes bereits zur Sammlung privater Spenden für die Nothleidenden in den von der Mißernte betroffenen Gegenden Rußlands geschritten, macht das Ministerium bekannt, daß die Regierung für die Nothleidenden 22 Millionen Rubel angewiesen habe und daß die Notleidenden mit Saatkorn zur Bestellung der W nterfelder versorgt sind. Ein der Bekanntmachung beigcgeber.es Verzeichnis nennt schließlich 13 Gou­vernements als durchweg von der Mißernte heimgesucht, während dies bei acht anderen nur theilweise der Fall ist.

Spanien Während sonst erste Berichte über Kata­strophen zu übertreiben pflegen, um von späteren günstigeren Berichten in erfreulicher Weise korrigirt zu werden, werden die Berichte über die Ueberschwemmung von Consuegra, einer Stadt von 7521 Einwohnern, immer schlimmer. Nicht mehr 1500 Opfer, nicht mehr 2000, sondern % der Bevölkerung, also über 5000, sind ums Leben gekommen. Nach amtlichem Bericht sind mehr als 500 Häuser vollständig zerstört, und nicht eins ist unbeschädigt geblieben. Das ganze Thal