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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
85. Samstag, den 24. Oktober 1891.
N-stollnrrn^ °“f ^ „Schlüchterner Zeitung" ytfllUUllyt ll werden noch fortwährend von allen
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Deutsche- Reich.
Berlin, 21. Oktober. Der Kaiser hatte am Dienstag im Neuen Palais zu Potsdam eine längere Konferenz mit dem Reichskanzler van Caprivi und gewährte dem Maler Leubach eine Sitzung, welcher das erste authentische Bollbart-Portrait des Monarchen malen wird. Am Mittwoch sorgen hatte der Kaiser einen längeren Spaziergang in der Umgebung von Potsdam unternommen und hörte nach demselben die laufenden Vor- träge. Am Nachmittage empfing der Kaiser den früheren Kriegsminister von Verdy, welchem der Orden pour le m 6 rite für Kunst und Wissenschaft verliehen ist. General von Verdy dankte für diese Auszeichnung und überreichte Kaiser Wilhelm zugleich sein neues Buch: „Studien über den deutsch-französischen Krieg."
* — 22. Okt. Ihre Maj. die Kaiserin feiert heute ihren dreiunddreißigsten Geburtstag. Das deutsche Volk verehrt in der erlauchten Frau ein schönes Vorbild echter Frauentugend, die treue Gattin seines Kaisers, die liebevolle Mutter einer blühenden Knabenschaar, aus ber der älteste zu Deutschlands zukünftigem Herrscher berufen ist. Um so williger und freudiger sind ihr heute Aller Herzen zugewandt, um so wärmer bringt ihr Deutschland seine Huldigung dar, um so heißer ist der Wunsch, daß die Kaiserin Augusta Victoria noch lange Jahre an der Seite ihres Hohen Gemahls schalten möge!
* — König Karl von Rumänien trifft nächste Woche zum Besuche am hiesigen Hofe ein und wird etwa 3 bis 4. Tage hier verweilen. Die Königin von Rumänien hat sich in Palanza überraschend schnell erholt. Die Verlobung des rumänischen Thronfolgers mit Prinzessin Maria, ältesten Tochter des Herzogs v. Edinburgh, gilt als sicher bevorstehend.
* — Von verschiedenen Seiten wurde in diesen Tagen gemeldet, daß in Spandau und Metz Versuche angestellt würden, die zweijährige Dienstzeit praktisch zu erproben, indem mehrere Bataillone aus Rekruten und im zweiten Jahre dienenden Leuten zusammengestellt werden sollten. Das „Bert. Tagebl." erklärt, diese Mittheilung dahin ergänzen zu können, daß diese „Versuche" nicht nur beim 4. Garderegiment, sondern bei allen Armeekorps angeordnet sind und daß diese nach Ablauf derselben über die praktischen Resultate an's Kriegsministerium zu berichten haben.
* — Dem Bundesrath wird ein Gesetz über die Einziehung der Vereinsthaler österreichischen Gepräges zugehen, zu welchem also auch der Reichstag seine Zustimmung zu geben hat. Die Gesammtsumme der in Deutschland umgehenden geprägten Vereinsmünzen belauft sich auf 31060321 Thaler in Eiuthal.rstücken, und «55 528 Thaler in 28 764 Doppelthalerstücken, zu- > sammen 31115 849 Thaler oder 93 347 547 Mark. Es wird nun angenommen, daß etwa 20 pCt. des ursprünglich ausgeprägten Betrags durch Einschmelzung, anderweite Verwendung, Verlust u. s. W. ausgeschieden sind, sodaß der Gesammtbetrag der wohl ausschließlich in Deutschland befindlichen Vereinschaler österreichischen Gepräges auf etwa 75 Millionen Mark zu veranschlagen wäre. Die Münzstücke sollen zu 3 Mark gleich einem Thaler eingelöst und der daraus entstehende Verlust aus den bereiten Mitteln der Reichs. Hauptkasse gedeckt werden. Mit d esem Vorgehen bekundet die Reichsregierunz den erfreulichen Entschluß, die deutsche Münzreform, die leider infolge des Sinkens des Silberpreises eine Unterbrechung erlitten hat, zu Ende zu bringen.
* — Die Aenderung im Spielplan der preußischen Klassenlotterie, welche wir bereits kurz mittheilten, stellt sich nach einer Zuschrift der Generallotterie-Direction an die Collecteure folgendermaßen dar: Es wird beabsichtigt, von der 186. Lotterie ab an Stelle der bisherigen Lose in Achiel-Abschnitten Loose in Zehntel- Abschnitten auszugeben, damit die bis jetzt durch die Kgl. Lotterieeinnehmer noch nicht befriedigten Bewerber um einzelne Achtelabschnitte, insbesondere auch die bisher zur Kundschaft der Privathändler gehörigen Spieler kleiner Antheilscheine in die Lage versetzt werden, einzelne Zehntel-Abschnitte aus den Staatskolleeten direkt zu erwerben. Die Lotterie-Einnehmer we den daher ver
anlaßt , die Spieler von Achtclloosen schon bei der Erneuerung der Loose 4. Klasse der 185. Lotterie darauf aufmerksam zu machen, daß sie zur ersten Klasse der 186. Lotterie an Stelle der bisher entnommenen Achtcl- ab'chnitte nur eine gleiche Anzahl von Zehntelabschnitten erhalten werden, weil die bei jedem Loose nach der Zehntheilung desselben verfügbar werdenden zwei Zehutelabschnitte von den Einnehmern an neue Bewerber um kleine Loosabschnitte abgegeben werden sollen. Der Preis eines Zehntelabschnittes wird für jede Klasse Mk. 4,20 betragen.
— Selten dürfte ein Selbstmordversuch einen so komischen Abschluß gefunden haben, wie der, den kürzlich die b kannte Schauspielerin Fräulein Valeska * * in Berlin unternommen hatte. Fräulein Valeska, die Tochter eines Industriellen, ist seit kurzem mit dem Sohn eines Dresdener Großkaufmanns verlobt. Vor einigen Tagen von einem Gastspiel in H. zurückgekehrt, wurde ihr berichtet, daß ihr Verlobter hinter ihrem Rücken ein intimes Verhältniß mit einer in der Mohrenstraße wohnenden Modistin angeknüpft habe. Mit einem Miniaturrevolver, dem „zarten" Angebinde ihres künftigen Gatten bewaffnet, begab sich die Künstlerin zu einer Zeit, zu der sie gewiß sein konnte, ihren Verlobten dort zu treffen, in die Wohnung der Modistin. Sie fand denn auch richtig ihren Bräutigam bei der Letzteren. Einen vernichtenden Blick auf die Missethäter werfend, zog Valeska mit Blitzesschnelle den Revolver aus der Tasche, richtete die Mündung desselben zum Entsetzen per Anderen gegen ihre Stirn, drückte ab und starrte, von Eau des mille fleurs triefend, verblüfft das „Mordinstrument" an, um es dann, beim Verlassen des Zimmers, dem treulosen Geschenkgeber mit einem halblaut hervorgestoßenen Fluch vor die Füße zu werfen. Der Miniatmrevolver bestand nämlich aus einem Lopritz- flacon, einem sogenannten Jux-Artikel. Er hatte ganz genau das Aeußere eines gelarenen Revolvers und dadurch den Irrthum herbeigeführt und den Selbstmord verhindert.
Aus Ostpreußen. Infolge der umfangreichen Ans- Wanderung nach den Jndustriebezirken des Westens wie and) nach Kiel zum Bau des Nord-Ostsee-Kanals hatte sich in letzter Zeit in Ostpreußen ein erheblicher Mangel an Forstarbcitcrn bemerkbar gemacht. Um Abhilfe zu schaffen, hat die Königliche Forstverwaltung in der Ro- minter Hoide die Anlegung von Kolonien mit gutem Erfolg zur Durchführung gebracht. Die Ansiedler erhalten größere Flächen des namentlich im Herbste des vorigen Jahres durch heftige Stürme arg gelichteten Waldes zur Urbarmachung und mehrjährigen freien Benutzung. Roggen, Kartoffeln, Gemüse, Flachs rc. rc. werden auf dem tragfähigen Boden mit gutem Erfolg angebaut. Der Zudrang von Kolonisten ist ein großer.
In Hamburg sind zwei Dampfer aus Afrika eingc- troffen, auf denen während der Ueberfahrt Fieber-Epidemien herrschten. Am Brod des einen stürben 12 Mann von der schwarzen Besatzung, am Brod des andern sind von 27 Passagieren 17 gestorben.
Köln, 20. Oktober. Mehrere Mitglieder der aus etwa 60 Köpfen bestehenden Zigeunerbande, welche Donnerstag Abend zwischen Raderthal und Mannsfeld lagerte, führten in der Nacht einen frechen Straßenraub aus. Sie überfielen auf der Landstraße einen Handelsmann und eine Botenfrau, mißhandelten Beide in unmenschlicher Weise und nahmen dem Ersteren 400, der Frau 80 Mark ab. Als die braunen Räuber den Streich vollführt hatten, fuhr die Bande, welche. nach Aachen zu reifen beabsichtigte, in ihren Wagen davon. Wann wird endlich dieser Landplage ein Ende gemacht?
Bei Duisburg fand am Montag ein Eisenbahn- Zusammenstoß statt, bei welchem 20 Güterwagen zertrümmert und ein Bremser verletzt wurde. — Am Bahnhof in Barmen entgleisten 7 Personenwagen, wobei zwei Reisende leicht verletzt wurden.
Ein Geschäftshaus in Worms ist auf ein neues Mittel verfallen, um Käufer aus den umliegenden Orten anzulocken. Den Käufern von Waaren im Preise von mindestens 6 Mark wird nämlich bei Vorzeigung eines Retourbillets 3. Klasse das Fahrgeld zurückerstattet. Kunden von weitergelegenen Stationen müssen für mindestens 12 Mark kaufen, wenn sie diese Bonifikation genießen wollen. Bei größeren Einkäufen wird das Fahrgeld für zwei Personen vergütet.
Seligenstapt, 16, Oktober. Das hiesige Braun
kohlenbergwerk, Grube „Amalie" ist am 1. Oktober er an den Baron Freiherr» von Pelser Berensberg aus Herzogenrath bei Aachen übergegangen. Derselbe läßt nunmehr sämmtliche Fabrikgebäulichkeiten behufs Verstärkung des Betriebes und besserer Ausbeutung der Kohlenlager abbrechen und an anderer Stelle wieder aufbauen. Die Braunkohle erfreut sich als rentables Heizmaterial stets wachsender Beliebtheit und wird selbst in industriellen Betrieben mit Vortheil verwendet. Die chemische Fabrik zu Fecheuheim bezieht z. B. neuerdings täglich mehrere Waggon Braunkohle».
Ausland.
Italien. Eine neue Insel in Europa! Drei Kilometer von der Insel Pontelleria ist am 17. d. in westlicher Richtung eine heftige Erhebung des Meeresspiegels, begleitet von Rauchsäulen und leichten Erdstößen, wahrzunehmen. Auf dein Meere findet auf einem etwa einen Kilometer langen, von Süden nach Norden verlaufenden Streifen unter Rauchentwicklung und rollendem Geräusche eine fortwährende Eruption von Steinblöcken statt. — Nach einer weiteren Meldung ist aus bem Meere ein Erdstreifen hervorgetreten, welcher nach Norden zu noch an Ausdehnung gewinnt. Die Eruption von Steinblöcken, welche zu beträchtlich-r Höhe emporgeschleudert werden, schreitet in gleicher Richtung fort. (Wir erinnern daran, daß Falb den 17. d. als den zweitstärksten kritischen Tag dieses Jahres bezeichnet hat. Die gewaltigen Stürme der letzten Tage im atlantischen Ozean, der Witterungs- umschlag in Deutschland und die genau auf das Datum eingetroffene Eruption in Italien haben die Falb'sche Prognose wieder einmal in ganz auffallender Weise bestätigt
London, 30. Oktober. Gestern hat in ganz England und Irland ein starker Stu.m gewüthet. Verschiedene Gegenden sind überschwemmt, besonders in Südirland. In den zentralen Grafschaften Englands und in Südwales sind große Mengen Vieh ertrunken. Auf dem Kanal sind zahlreiche Havarien und mehrere Schiffbrüche mit Menschenverlust vorgekommeu.
Amerika. Petroleum und Wissenschaft. Zur Be« gründung der neuen Universität zu Chicago, welche die „erste Hochschule der neuen Welt" werden soll, hat der Präsident der „Standard Oil Company", Herr Rocke- feller, zehn Millionen Dollars beigesteuert. In einer Zuschrift an den ersten Rektor der Universität, Professor Harper, hat nunmehr derselbe Herr erklärt, daß die von ihm geleitete Gesellschaft ihn ermächtigt habe, zur ferneren Ausstattung der Hochschule und der damit zu verbindenden wissenschaftlichen Anstalten noch weitere zehn Millionen Dollars zur Verfügung zu stellen. Die Summe könne während der nächsten Jahre nach Vorlegung der darauf bezüglichen Pläne erhoben werden. — In Jacksouville in Florida entstand in der Kirche der protestantischen Neger eine Panik infolge Erlöschens der Gasflammen. Mit den Rufen: „Die Welt geht unter" stürzten die 800 Anwesenden nach den Thüren, wobei 24 Personen, meist Frauen und Kinder, ums Leben kamen; 90 Personen sind schwer, viele andere leicht verwundet.
Lokale- und Provinzielle-, Schlüchtern, 23. Oktober.
* — Als Geschworene für die nächste Schwurgerichtssitzung zu Hanau wurden nachstehende Personen aus dem Kreise Schlüchtern ausgeloost: Oekonom Hafner in Schlüchtern, Bauer Lang in Nicdcrzell und Bauer Jöckel in Romsthal.
*— Herr Rechnungsrath Kaiser hier tritt in Kürze mit Pension in den Ruhestand.
* — Der abnorm milde Nachsommer dieses Jahres verunlaßt viele Pflanzen in Garten, Feld und Wald, noch ein Mal Blüthen zu treiben. So steht in einem Garten hier ein Apfclbaum in voller Blüthe, blühende Rosen, Erdbeerpflanzen mit Blüthen und Früchten zugleich sind in den Gärten nicht selten, im Walde trifft man hin und wieder blühende Heidelbeeren und auf geschützten Plätzen Frühlingsblumen inmitten saftiggrünen Grases — für Ende Oktober eine seltene Erscheinung.
— Die Jäger und Fo stwiythe wissen aus dem Blühen des Haidekrautes im Herbste d e Strenge des darauf folgenden Winters zu bestimmen und irren hierin selten. Die Pflanze, von der Natur zur Ernährung deS Wildes und der Vögel bestimmt, blüht, wenn ein milder Winter