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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. ..Jllustrirtem Familienfreund" viertcljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
^ 86. Mittwoch, den 28. Oktober 1891.
lUftJhtttrt^tt °uf die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - - Postanstalten undLandbrieftrügern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsche- Reich.
Berlin, 23. Oktober. Der „Rat.-Ztg." zufolge hat sich der Kaiser gestern seinen Sollbart abnehmen lassen. Es war eine Geburtstagsüberraschung für seine Gemahlin, der, wie man daraus schließen darf, der Vollbari nicht sonderlich gefallen hat.
* — 25. Oktober. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten am Sonntag Vormittag dem Gottesdienst in der Friedenskwche zu Potsdam bei. Am Nachmittag empfingen dieselben den in Potsdam eingetrosfenen Herzog Albrecht von Württemberg, welcher offiziell die Thronbesteigung des Königs Wilhelm notifizirte. Am Abend war Galatafel zu Ehren des Gastes.
— Die „Börsen-Zeitung" will wissen, daß der Zar am Donnerstag Nachmittag hierselbst auf der Durchreise eintreffen und vom Kaiser Wilhelm II. auf dem Bahnhöfe empfangen werden wird. Den vorläufigen Bestimmungen zufolge soll ein längerer Aufenthalt des russischen Kaiserpaares in Berlin nicht geplant sein.
— Der für Dienstag bevorstehende Besuch des Königs von Rumänien wird in verschiedenen Kreisen als besonders bedeutungsvoll in politischer Hinsicht angesehen.
— Der Besuch der Königin -Regentin von Holland und vielleicht auch der jungen Königin wird am Berliner Hofe im Frühling erwartet.
* — In Berlin sind jetzt die Sicherheitszustände sehr im Argen. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht von einer Mordthat berichtet wird. Jetzt ist auch ein „Jack der Aufschtitzer" i i Berlin aufgetaucht.
der nach dem Vorbild des unheimlichen Londoner Mörders
in der Nacht vom Samstag auf Sonntag eine Frauens-. fängniß erhielt. Mehr wäre besser; denn für eine halbe Person ermordete und zerschnitt. Als Thäter hat man Million kann man sich schon ein paar Jahre einsperren einen Handlungscommis Namens Ernst Schulze gefaßt, ob's aber der rechte ist, steht noch nicht sicher.
— Das wichtigste Ereigniß des sozialdemokratischen Parteitags in Erfurt ist oie durch den Austritt der Opposition aus der Partei vollzogene Spaltung in derselben, womit die Sozialdemokratie in Deutschland in eine neue, für ihre Zukunft vielleicht entscheidende Phase der Entwickelung eingetreten ist. Die 5 Delegirten, welche den Erfurter Parteitag unter Protest verlassen hatten, haben am Dienstag in Berlin eine Versammlung abgehalten, in welcher zunächst die Fraktionsanhänger unter heftigem Tumult an die Luft gesetzt wurden. Nachdem die Haltung des Parteitages von verschiedenen Rednern in der heftigsten Weise getadelt worden war, wurde eine siebengliederige Kommission gewühlt, um die Organisation der nicht mehr znr sozialdemokratischen
Partei zählenden Sozialisten vorzubereiten.
Hamburg. Die dänische Heeresverwaltung hat soeben große Ankäufe von Pferden in Norddeutschland bewirkt. Die von ihr entsandte Remontekommission hat vorzugsweise auf schwere Pferde, die für Zwecke der Artillerie geeignet sind, ihr Augenmerk gerichtet und nach dieser Richtung umfassende Ankäufe bewirkt. Es ist diese Thatsache um so bemerkenswerther, als bis vor Kurzem noch Dänemark einen erheblichen Ueberschuß an vorzüglichem Pferdematerial hervorbrachte und an Deutschland abgeben konnte. Insbesondere pflegten unsere Pferdebahn- und Omnibusgesellschaften ihren Pferde- bestand in Dänemark regelmäßig zu ergänzen. Damit scheint es vor der Hand zu Ende zu sein.
Bremeu, 22. Oktober. Hier traf die erste größere Sendung amerikanischen Specks ein, bestehend aus 50 Kisten ä 500 Pfund. Da die Certisikate sich in Ordnung befanden, wurde die Einführung der Sendung unbeanstandet gestattet.
Aus Brandenburg. Wiederum ist durch einen Hirsch ein entsetzlicher Unglücksfall herbeigeführt worden. In dem Dorfe Schwochow bei Pyritz unterhält der dortige Gutsbesitzer in seinem umzäunten Garten einen zahmen Hirsch und eine Hirschkuh, welche vom Gärtner gepflegt wurden. Dieser war kürzlich im Hause seines Herrn
beschäftigt, und ein Anderer sollte statt seiner die Thiere füttern. Als nun der damit beauftragte Arbeiter ganz sorglos das Gehege der Hirsche betrat, stürzte sich das
!viaiuv uu» ^^gv „. ^^ - , ,—o- i—7 — den großen Brand in Billingshausen, der 50 Gebäude männliche Thier mit voller Wuth auf ihn, warf ihn zur ^zerstört hat, muthwillig veranlaßt zu haben, zu 10Jahren Erde und schlitzte ihm mit seinem Geweih den Bauch auf. Zuchthaus verurtheilt.
Die Arbeitslosigkeit wird in Magdeburg von T>g zu Tag größer. Die Maschinenfabrik von Wolfs in Buckau hat in der letzten Zeit nur eine fünfstündige Arbeitszeit und zwar in zwei Schichten von 7-12 und 1—6 Uhr eingehalten. Von Montag ab ist nun vierstündige Arbeitszeit eingeführt, und 160 Arbeiter sind entlassen worden. In der Fabrik von Garrett Smith u. Co. wird jetzt nur noch 25 Stunden in der Woche gearbeitet. Auch die Fabrik vou Schäffer und Buddcuberg hat für einen Theil der Arbeiter die Arbeitszeit verkürzt. Aehuliches wird von anderen Maschinenfabriken gemeldet.
Nette Zustände scheinen sich nach der „Br. Ztg." in der Stadt Neisse entwickeln zu wollen. Der dortige Gastwirthsverein zahlt 5 Mark Belohnung an jeden Denuncianten, der einen ohne Concession mit Spirituosen handelnden Kaufmann anzeigt. Dazu wird jetzt aus Neisse geschrieben, daß bei der Behörde bereits 16 Denunciationen eingelaufen sind. Nunmehr haben die Neisser Kaufleute den Entschluß gefaßt, in gleicher Weise gegen diejenigen Gastwirthe vorzugehen, welche die Polizeistunde überschreiten oder Hazardspiele dulden. Und die Fleischerinnung hat beschlossen, gegen diejenigen Gastwirthe vorzugehen, welche außer dem Hause Well- wurst verkaufen.
Myslowitz, 19. Oktober. Nach vierzigstündigem Umherirren in der Myslowitz Grube ist dem „Oberschl. Anz." zufolge der Häuer Pvloczek aus Myslowitz wieder auf der Fahrt zu Tage gekommen und hat seinem Steiger sofort gemeldet, daß er in der Grube dem Berggeist begegnet sei und dieser ihn dort umhergeführt habe. P. läßt sich von feinem, Aberglauben nicht abbringen, sondern weigert sich, wieder einzufahren.
Der Lederfab ikant H. Knoch - Hirschberg in Gera hat die Kleinigkeit von mehr als einer halben Million veruntreut, wofür er nur 2 Jahre 10 Monate Ge-
lassen, um dann als halber Millionär zu leben.
Im Mühlgraben bei Gotha ist ein sechs Monate altes Kind als Leiche aufgefunden worden. Die Polizei hat bereits die Mutter des Kindes, die den Mord begangen hat, ermittelt. Es ist die Frau eines in sehr ärmlichen Verhältnissen lebenden Schuhmachergesellen in Gotha, die durch Noth zu diesem Schritt getrieben worden sein will.
Suhl, 23. Oktober. Bekanntlich sind vor einiger Zeit in unserer Nachbarstadt Themar Erkrankungen und Todesfälle in Folge des Genusses von trichinenhaltigem Schweinefleisch vorgekommen. Ein Schwein aus demselben Stall, in welchem dies infizirte Thier gestanden hat, wurde hierher verkauft und beim Schlachten desselben hat sich jetzt ergeben, daß es ebenfalls sehr stark mit Trichinen behaftet war. Dieser Fall mag allenthalben zur Warnung dienen.
Bamberg, 21. Okt. Das Eggolsheimer Eisenbahnunglück dürfte dem bayerischen Fiskus an Entschädigungen für die Verletzten 25,000 bis 30,000 M. kosten. Es ist dies eine verhältnißmäßig geringe Summe, die deshalb so niedrig ist, weil erstens die Heilung und Verpflegung der Verunglückten zum größten Theil im hiesigen Krankenhaus und in der Universitätsklinik zu Erlangen erfolgt ist, welche Anstalten sehr billige Tarfe haben, zweitens die Verletzten zum größeren Theil Damen waren, welche Familien nicht zu alimentieren haben, und drittens dauernde Erwerbsunfähigkeit oder Siechthum in keinem Fall verblieben ist.
Würzburg, 22. Okt. Das Militärgericht verur- theilte den Sergeanten Mach aus Saargemünd, welcher durch fortgesetztes Stoßen gegen den Oberschenkel eines Soldaten Muskelzerreißung und Beinhaut-Entzündung verursachte, zu zweieinhalb Monaten Gefängniß. Trotz des ärztlichen Gutachtens nahmen die Geschworenen an, daß die Verletzungen nicht direkte Folge der Mißhandlung gewesen seien. — 23. Okt. Das Militärgericht verurtheilte den Sergeanten Gutgesell vom 1. Chevaul.- Regiment, welcher den Gemeinen Helbig derart mit kaltem Wasser waschen und übergießen ließ, daß Helbig stumm wurde, zu sechs Monaten Gefängniß und Degradation. „ (F. Z)
Das Schwurgericht in Würzburg hat den Musiker Mohr, der in der Du kenheit gestanden hatte, 1883
Konstanz. In der letzter Tage abgehaltenen Sitzung der Konstanzer Strafkammer erhielt Wilhelm Läufer von Sumpfohren wegen beschimpfender Unruhen an einem Grabe 14 Tage Gefängniß. Der Angeklagte schändete das Grab seiner eigenen Frau dadurch, daß er die Blumen, welche auf demselben gepflanzt wurden, Herausriß, Dornsträucher darauf steckte und mehrere Male das Kreuz entfernte.
Lothringen. In dem 5 km von der deutschen Grenze entfernten Orte Bussang fand am letzten Sonntag eine Festlichkeit statt, auf welcher verschiedene hervorragende Franzosen Ansprachen hielten. Wie weit man sich dabei verstieg, zeigt eine Aeußerung des ehemalicen Ministerpräsidenten Fei ry, der nach der deutschen Grenze deutete und unter ungeheurem Jubel ausrief: „Dort ist das Thor unserer Hoffnung."--(Uff Kette!)
Mühlhausen i. E., 20. Oktober. Gestern Morgen ist hier von einem 73jährigen Arbeiter ein Mord an einem 70jährigen Kameraden verübt worden. Beide bewohnten seit Jahren dasselbe Zimmer, schliefen in dem gleichen Bette und arbeiteten auch in derselben Fabrik nebeneinander, waren also unzertrennliche Kameraden, leider aber auch nur zu sehr einig, wenn es an's Trinken ging. So waren sie auch Sonntag Abend betrunken und kamen spät heim. Dort entspann sich ein Streit, wobei der 73jühttge dem anderen eine schwere Verletzung am Unterleibe beibrachte, die den Tod desselben zur Folge hatte.
Aus dem Elsaß. Eine beachtenswerthe Kundgebung über die Stimmung in den Reichslanden ist die des Kreistages von Hagenau. Die, so viel bekannt, lediglich aus Eingeborenen bestehende Vertretung dieses Kreis s hat dem Statthalter innigsten Dank für die Milderung des Paßzwanges ausgesprochen und gleichzeitig die Ueberzeugung ausgedrückt, daß durch diese Maßregel die deutsche Gesinnung der Bevölkerung mehr befestigt und letztere es als Ehrenpflicht betrachten werde, darüber zu wachen, daß seitens der im Lande geduldeten Fremden keine Verletzung des Gastrechts stattfinde.
Aus RheiuhesstN, 22. Oktober. Aus einer Concurs- Masse kamen dieser Tage an verschiedene Gläubiger je 25 Pfennig zur Auszahlung. Den auswärts wohnenden Gläubigern wurde ihr Guthaben mittels Posteinzahlung zu^estellt. Da für die Anweisung 20 Pfg. in Abzug gebracht und die übrigen 5 Pfg. als Bestellgeld einbehalten wurden, so erhielten die Bezugsberechtigten den Abschnitt der Postanweisung ohne Geld.
Mainz, 21. Oktober. Ueber die Art und Weise, wie -die kürzlich aus dem Darmstädter Gefängniß entsprungenen beiden Verbrecher (Kretschmar von Boben- Hausen und Dörr von Angersbach) bei Lampertheim verhaftet wurden, erhält der „Mzr. Anz.« nachstehende interessante Mittheilung: Die Kerls staken in einem großen Strohhaufen, waren mit Schusterkneipen bewaffnet und wollten den Feldschützen niederstechen. Dieser verlor aber die Kaltblütigkeit nicht. „Das Feld ist umstellt", sagte er, „wenn Einer vou Euch Widerstand leistet, wird er ohne Weiteres niedergeschossen." Die Ausbrecher glaubten es und gingen mit. Sie waren fürchterlich ausgehungert und der Hunger war eigentlich ihr Bezwinger. Der Feldschütze wurde aber wegen seines umsichtigen Verhaltens belobt.
Bom Rhein. Bei dem Zersägen eines starken, wohl 100jährigen Buchenstammes in der Nähe Wesels hat der Besitzer unten zwischen den Wurzeln, ringsherum eingewachsen, eine alte silberne Spindcluhr von Thalergröße gefunden. Das Zifferblatt war auf Kupfer emailliert, das Räderwerk stark verrostet, aber gut erhalten, sogar die um die Walze laufende Kette war noch vorhanden.
Eine blödsinnige Wette hat in Zserlohn wieder ein Mal der Kneip-Uebermuth gezeitigt. Ein junger Mann hatte sich anheischig gemacht, fünf Minuten lang direkt vom Krahnen Bier zu trinken. Sofort war die Wette g macht, und schon hielt der Held seinen Mund unter den Bierkrahnen. Er schluckte gut; aber nach zwei Minuten war er todtenblaß und sank bewußtlos zusammen. ■ Nun liegt er an einer Unterleibs-Entzündung schwer krank darnieder.
Wildlingen, 23. Okt. Vor einigen Tagen sahen wir, schreibt die „Wild. Ztg.", wie ein hiesiger Landwirth beim Scheine der Laterne eine Wiese mähen ließ. Sicherlich auch ein Zeichen von dem gerade zu landwirthschaft- lichen Arbeiten her, sehenden Man el an Arbeitskräften.
Nidda, 23. Oktober. Einem Oekonomen auf den