Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf
—^—™- — ■ ■■■iM«iMiin«iMaaiMai»«aTOwgmimm.rwaM^mreai«nmy7Mara»tMra.m?smatt!Bajav.»MBmiB:raii^~»^^ iwii.m« m—^—»M—^—■————^
^ 24. Mittwoch, den 23. März 1892.
gMMBBHBEBiiaMWMi^-g?a!iafeW^^^^^
Abonuements-Einladung.
Bestellungen auf das 2. Quartal 1892 (April, Mai, Juni) der
^ME»* „8ct»kücüterner Zeitung" "^^^M bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gefl. aufgeben zu wollen, und zwar möglichst bald, da die Nachlieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis.
Schlüchtern, im März 1892. Der Herausgeber.
DeutsrhrS Reich.
Berlin. Der Kaiser hat sich zur Erholung von dem Jufluenzaanfall nach Hubertusstock begcbeu. Das Befinden des Kaisers soll zwar im Allgemeinen ein zufriedenstellendes sein, jedoch dem Monarchen von den Aerzten für die nächsten Tage die größte Ruhe und Schonung dringend anempfohlen worden sein, weswegen der Kaiser auch mit schwierigen Entscheidungen nicht behelligt werden darf.
— Preußen steht gegenwärtig in dem Zeichen einer Ministerkrisis, welche Bedeutung für ganz Deutschland hat. Wie ein Blitz aus heiterm Himmel ist die Krisis hereingebrochen, die heute die gesammte politische Welt in Spannung und Aufregung erhält. Am Donnerstag Vormittag präsidirte der Kaiser einem Kronrathe, der, wie jetzterst als feststehend gelten darf, sich mit dem Welfen- fonds und der Frage der Entschädigung der ehemals reichsunmittelbaren Fürsten beschäftigte. Der Kronrath hatte bereits mehrere Stunden gedauert, als der Kaiser am Schlüsse der Sitzung die Frage des Volksschulgesetzes berührte, um seiner Meinung dahin Ausdruck zu geben, daß man das Gesetz nicht auf der jetzigen Grundlage -zu Stande bringen dürfe, sondern eine Fassung suchen müsse, welche den Oppositionssturm beschwichtige und namentlich den Mittelparteicn die Zustimmung ermögliche. In Folge dessen reichte der Kultusminister Graf Zedlitz sein Entlassungsgesuch ein und verharrt auf demselben. Auch der Mimstcrpräsident Graf Caprivi, der sich wiederholt in Sachen des Volksschulgesetzes mit seinem Kollegen im Kultusministerium für solidarisch erklärt, hat seine Entlassung nachgesucht, doch soll der Kaiser sie abgelehnt haben, und glaubt man nicht, daß Graf Caprivi darauf bestehen wird. Auf den Ansgang der gegenwärtigen Krisis, welche von großer Bedeutung für die nächste Entwickelung unserer innerpolitischen Verhältnisse ist, sieht die ganze civilistrte Welt mit großer Spannung.
* — 18. März. Es ist Thatsache, daß der Cultusminister gestern unmittelbar nach dem Kronrath sein Entlassungsgesuch einreichte. Die heutige Sitzung des Staatsministeriums bezweckte besonders, ihn zur Zurücknahme des Gesuches zu bewegen Alle Versuche blieben erfolglos. Der Minister nimmt nicht Theil an der Abendsitzung der Volksschulgesetzcommission. AIs Nachfolger wird der Chef des kaiserl. Civil-Cabine^s von Lucanus genannt. — In Bezug auf die augenblickliche Lage ist festzuhalten, daß es sich bisher nur um eine Krisis im Kultusministerium handelt. Der Kaiser hat das Entlassungsgesuch des Grafen Zedlitz bisher nicht angenommen, da er während seines Aufenthalts in Hubertusstock mit schwierigen Entscheidungen nicht behelligt werden darf. In Bezug auf den Reichs kanzler glaubt niemand, daß dessen Entlassungsgesuch, wenn es überhaupt an den Kaiser gelangt ist, angenommen werden wird, ebenso wenig, daß Graf Caprivi darauf bestehen würde.
— Das Armee-Vorordnungsblatt enthält die kaiserliche Kabinetsordre betr. die in diesem Jahre abzuhaltenden großen Truppenübungen. Kaisermanöver haben bekanntlich das 8., 14. und 16. Armeekorps.
* — Der letzte Kronrath beschäftigte sich, wie gemeldet wird, mit der Frage der Entschädigung der bisher steuerfreien Reichsunmittelbaren. Es verlautet jetzt, daß eine Entschädigung beschlossen worden ist, die weit hinter den Wünschen der Betheiligtcn zurückbleibt.
— Ueber eine neue Schloßlotterie in Berlin bringt die „Nordd. Allg. Ztg." folgende Mittheilung, für die sie aber keine Verantwortung übernehmen will: „Ber der neuen Schloßlotterie handelt es sich um die Aufbringung von 2 bis 2-/2 Millionen Mark, welche zur Niederlegung der Häuser am Schloßplatz zwischen der Breitenstraße und der Spree, sowie zu einer Abrundung M rothen Schlosses erforderlich sind. Es ist die An
lage einer großen Terrasse auf der Südseite des königl. Schlosses Projektirt, deren Ausblick durch die geplanten Nicdcrlegnngen wesentlich gewinnen würde. Der Plan der neuen Lotterie ist nicht nur vollständig fertiggcstellt, sondern die Loose sind — vorbehaltlich der Genehmigung der Lotterie von Seiten des Ministeriums des Innern — durch ein Finanzkonsortium bereits fest übernommen worden."
— 19. März. Von den an den hiesigen Straßen- krawallen am 25. und 26. Februar Betheiligtcn ver- urtheilte die Strafkammer acht wegen Landfriedensbruchs zu 15 bis 38 Monaten Gefängniß, die übrigen wurden wegen Betheiligung an einem Auflaus und des Widerstandes zu 2 und 12 Monaten Gefängniß, einer wegen Majestätsbeleidigung und Beleidigung der Schutzmann- schaft zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt.
* — Durch die soeben erfolgte Wahl des sozialdcmo kratischen Kandidaten im Reichstagswahlkreise Auerbach- Kirchberg, wird das dritte Dutzend Sozialdemokraten im Reichstage voll.
* — Ueberall neue große Zeitungen! In Berlin soll vom 1. April ab ein neues Blatt unter dem Titel „Der Abend" erscheinen und auch in Köln wird, und zwar mit dem Tiiel: „Westdeutsche Zeitung" eine neue große politische Zeitung herausgegeben werden. Als Heraus-eber wird der langjährige politische Redakteur der „Kölnischen Zeitung", Dr. Hans Kleser genannt. Auch von dieser soll die erste Nummer am 1. April das Licht der Welt erblicken.
Darmstadt. Das Begräbniß des Großherzogs von Hessen hat am Donnerstag unter ungeheurem Andrang der Bevölkerung stattgefunden. Noch nie hat man auf den Darmstädter Bahnhöfen eine solche Menschenmenge gesehen, doch wird dem Publikum in allen Berichten eine musterhafte Haltung nachgerühmt. Die Trauerfeier, die sich auch äußerlich in imponierenden Formen bewegte, zerlegte sich in drei Theile: die Einsegnung im Neuen Palais, den Zug von dort zur Begräbniß- stätte und den Schlußakt im Mausoleum auf der Rosen- Höhe. Zur Einseznungsfeier waren etwa 150 Personen im Audienzsaal des Neuen Palais anwesend, unter ihnen die Kaiserin Friedrich mit ihren Töchtern und der Großherzog von Baden. Unter den zahllosen Trauerzeichen, die den Sarg bedeckten und umgaben, befand sich auch ein goldener Lorbeerkranz, den der Kaiser hatte niederlegen lassen. Der Hofprediger Stoiber hielt die Trauerrede. Um H2I2 Uhr setzte sich der Leichenzug, in welchem alle Uniformen des deutschen Heeres sowie viele fremdländische vertreten waren, nach der Rosenhöhe in Bewegung, wo die fürstlichen Damen die Leiche erwarteten. Hofprediger Ehrhardt segnete die Leiche zur letzten Ruhe ein, worauf die Truppen durch Gewehr- und Geschützsalven dem Heimgegangenen die letzten soldatischen Ehren erwiesen.
Königsberg. Ueber die Erschießung eines militärischen Arrestanten durch seinen Transporteur, worüber wir bereits eine kurze Notiz brachten, werden der „Königsb. All em. Ztg." noch folgende Einzelheiten gemeldet: Zwei Arbeckssoldaten befanden sich unter der Bewachung eines Unteroffiziers und zweier Gefreiten auf dem Wege von Magdeburg nach Königsberg in einem Coups dritter Klasse des Berlin-Eydtkuhner Personen- zuges. Während der eine Arrestant sich völlig ruhig verhielt, machte der andere seinen Begleitern viel zu schaffen. In der Gegend von Filehne, Abends gegen 5 Uhr, drängte er sich in ausfälliger Weise an die Coupö- thür, ohne auf die mehrfachen Aufforderungen, zurückzu- treten, zu achten, so daß der Unteroffizier sich genöthigt sah, Hand an ihn zu legen, wobei er durch den thätlichen Widerstand des Arrestanten an der Hand verletzt wurde. Nunmehr schritt der Unteroffizier dazu, den
hartnäckigen Renitenten, der ihm sogar das Seitengewehr zu entreißen versuchte, mit Gewalt von der Coup6chüre zu entfernen. Als dieser aber durch das Fenster griff, um anscheinend die Thüre von außen zu öffnen und zu entfliehen, legte er das Gewehr an und streckte den Arrestanten mit dem zweiten Schusse — der erste versagte — nieder. Die Kugel war durch den Kopf gegangen und hatte den sofortigen Tod zur Folge. Das Coupö, in dem sich der blutige Vorfall abspielte, bot einen gräßlichen Anblick dar. Der Fußboden desselben war fast zur Hälfte mit einer Blutlache bedeckt, die eine Scitenthüre bis zum Fenster, sogar die Trittbretter waren mit Blut getränkt. Das Geschoß hatte noch die Holzfüllung der Wagenthür sowie die äußere Zinkblech- bekleidung des Wagens durchgeschlagen. — Das genannte Blatt fügt hinzu: „Ob der Thatbestand, sowie er uns geschildert wird, der Wahrheit genau entspricht, wird die bereits eingeleitete Ui ersuch ang ergeben "
Eisenach. Bei der neuerdings stattgefundcncn Verpachtung der Wirthschaftsräume auf der Wartburg wurden diese von dem seitherigen Pächter des Restaurant „Wolfsschlucht" in Eisenach für 30,000 M. erpachtet. Gegen das vorher gezahlte Pachtgeld sind dies rund 12,000 M. mehr! In dieser Summe liegt gleichzeitig der Lohn für die verschiedenen Führer.
Düsseldorf, 17. März. Inhaber des Looses, auf das der vis jetzt noch nicht erhobene dritte Hauptgewinn der Ausstelluugs-Lottene zu Frankfurt am Main in Höhe von 20,0C3 Mark gefallen ist, ist, wie sich jetzt herausgestellt hat, ein armer Fabrikarbeiter, in der Düsselstraße hier wohnhaft — gewesen. Er hatte das Loos einem Lehrling mitgegeben, der bei dem Collekteur fragen sollte, ob es mit einem Gewinn herausgekommen fei; der Junge hatte diesen Auftrag verschwitzt, dem Manne aber die angebliche Antwort des Collekteurs, daß das Loos nicht gezogen sei, mitgebracht, worauf das Papier in die Aschevkiste wanderte. Nachdem er jetzt erfahren ha«, daß sein Loos mit einem großen Gewinn gezogen wurde, ist er untröstlich. Er hat das Ausstellungs-Comitö durch den Collekteur um Auszahlung des Geldes bitten lassen.
Duisburg, 18. März. Auf dem Schraubendamp'er- Schleppboot Heinrich ist in der Nähe der Werthhäuser Fähre zu Hochfeld bei Duisburg gestern Abend um 11 Uhr der Kessel explodirt. Das BootSdeck wurde vollständig in der Mitte aufgerissen. Sechs Personen sind todt, darunter der Kapitän.
Koblenz, 21. März. In der vergangenen Nacht kam es zwischen dem Lieutenant Salisch vom 28. Regiment und einem Civilisten zu einem Streit, in dessen Verlauf der Lieutenant seinen Gegner erstach. Der Tod des Civilisten erfolgte auf der Stelle.
Corboch Das königliche Lhrerseminar in Homberg wird demnächst auch vier Schulamtskandidaten an Waldeck abgeben. Dieselben sollm sofort angestellt werden. Dennoch bleiben mehr als 20 (!) Stellen mit je 6CJ ganzen Mark Gehalt unbesetzt.
Wildlingen, 18. März. Ein seltenes Schauspiel bot sich am Mittwoch den Arbeitern im Steinbruch an der Steinbrücke. Als dieselben eine Sprengung Vornahmen, erhob sich von einem nahen Baume ein Habicht und stürzte sich auf den in der Nähe stehenden Knecht des Herrn Zimmermeistes Schäfer von hier, krallte sich aus dessen Brust fest und versuchte mit dem Schnabel in das Gesicht des Erschrockenen zu hacken. Dem hinzueilenden Collegen des Knechtes gelang es, den Habicht mit dem Peitschenstiele zu erschlagen.
Ausland.
Rußland. Aus Warschau erfährt die „Vossische ung", der kürzlich erfolgte Rücktritt des Platzcommau-