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@rf ijeint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. »Jllustrkrtem Familienfreund" vierteljührk. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf _______ _ ,.-»__^-~jn~^-^-^s--^~"^^w;*^~,fcl,^''*'*^;lc^''m^!?aKfta;^^^iüitl*^^-*-^'^y~--^ > ; ^'S^M^7-^^-»^^iS«SS-D»>L-^^-><^^-i^»-««^!^MLI-«^^L«NW»««I<-MM»r^^-«WL;-2>0>i^^«V-L^^

^ 62. Mittwoch, den 3. August 1892.

Deutsches Ikeich.

Berlin, 30. Juli. Se. Majestät der Kaiser ist heute f-üh 6 Uhr von Potsdam nach Wilhelmshaven abgereist und begibt sich von dort nach Cowes in England.

Die Ansprache, welche der Kaiser am Mittwoch bei der Taufe des Panzerfahrzeuges Heimdal hielt, lautet: Ais jüngstes Mitglied meiner Marine stehst du, stolzer Bau, um Hinabzugleiten und deine ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen. Mögen deine guten Eigenschaften dazu beitragen, die achtungsgebietende Stellung Meiner Marine zu erweitern und zu vertreten, und du stets eine von Gehorsam, Disziplin und Berufstrene geleitete Besatzung führen. Es gilt jetzt, dir einen Namen zu geben, welcher der Urgeschichte unserer alten Vorfahren entnommen werden soll. Du sollst den Namen eines Gottes führen, dem die Hauptaufgabe oblag, die Waffe zu führen und die Thore des Götterreichs offen zu halten. Er trug ein Horn, welches die Götter zum Kampfe rief, und wenn es ertönte, Verwirrung und Verderben in die Reihe der Feinde brächte. Gleite hinab, stolzes Schiff, mögest auch du wie jener Gott ein treuer Hüter unserer Gestade sein, im Kampfe Schrecke» und Verwirrung unter die Feinde bringen und unserer Nation und Flagge Ehre und Ruhm bringen. Dein Name seiHeimdal"!

Auf die Umfrage wegen Abhaltung einer Welt­ausstellung in Berlin haben verschiedene Bundesregierungen ablehnend geantwortet. Auch aus den Kreisen der In­dustriellen liegen vielfach Ablehnungen vor, während andere die eventuelle Bereitwilligkeit zur Beschickung aus nationalen Rücksichten erklären.

29- Juli. (Aufhebung der lex guene.) Die Berl. Pol. Nachr." schreiben officiös, daß behufs Deckw g des preußischen Deficits die Aufnahme einer Anleihe von 40 Millionen nothwendig wäre, und dadurch eine Belastung der Staatskasse mit jährlich 1'/, Millionen entstehe. Statt dessen werde, da die lex Huene nur ein Provisorium für Ueberweisung der Grund- und Gebäude­steuer an die Gemeinden sei, von Seite der Regierung die Aufhebung derselben geplant, wodurch die bisher überwiesenen Summen im letztjährigen Betrage von 57 Millionen frei werden.

Die Geschichte vom kleinen Finger und der ganzen Hand erlebt jetzt die Regierung in ihren Ost­provinzen. Die in Oberschlesien ins Werk gesetzte und von Fürstbischof Kopp befürwortete Petition betreffend den polnischen Sprachunterricht soll es bereits auf 126 380 Unterschriften gebracht haben. Die Petition ver­langt nicht nur den Religionsunterricht in polnischer Sprache, sondern auch das Polnische als lehrplanmäßigen Unterrichtsgegenstand und Ertheilung des gesammten Schul­unterrichts in polnischer Sprache.

In den sauren Apfel der abermaligen Militär- Vermehrung wird demnächst der deutsche Reichstag zu beißen haben. Nach derPost" handelt es sich um die Ergänzung der Batterien bei sechs Feldartillerie- Regimentern rc., ferner um Vermehrung der Fußartillerie und des Trains. Auch eine Neubildung von 3 bis 4 Pionier-Bataillonen ist vorgesehen.

* Da die weiße Farbe bei dem Gebrauch des rauchschwachen Pulvers ein weithin sichtbares Ziel liefert, so werden höherer Anordnung nach die Schimmel demnächst ganz aus dem Bestände des deutschen Heeres ausgeschieden werden.

Hiesigen Zeitungen wird aus Thorn gemeldet: Sämmtliche aus Rußland ankommende Reisende werden in Thorn ärztlich untersucht. Die Reisenden im Schlaf­wagen dürfen den Wagen nur in Thorn, sonst nicht verlassen. Die Untersuchung der Passagiere des Schlaf­wagens und die Desinfektion des letzteren findet in Berlin statt.

Die Berliner Polizei geht gegen die dortigen Looschändler vor. Beschlagnahmt sind in Berlin in der letzten Zeit Lotterieloose und Antheilscheine in ziemlich großem Umfange, besonders solche von der Mühlhausener Geldlotterie, die Hundertstel solcher Loose für je zehn Pfennige. Die Geldlotterie selbst, welche zum Ausbau der Marienkirche dient, ist staatlich genehmigt, aber in der Zerlegung der Loose erblickt man die Veranstaltung einer selbständigen Lotterie, die mit Strafe bedroht ist. Außerdem sind auch Antheilscheine der preußischen Staats­lotterie, die gesetzlich verboten sind, beschlagnahmt.

Die Zahl der Konkurse im Deutschen Reiche. Die Zahl der innerhalb des Jahres 1891 im Deutschen

Reiche ei öffneten, im Sinne der Konkursordnung selb­ständigen Konkurse betrug 7623, d. h. auf 100000 Einwohner 15, 3. Die entsprechenden Zahlen für die einzelnen Gebietsabschnitte sind überaus verschieden. Die Extreme sind Reuß ä. L. mit 51,9 und Bremen mit 45,6 einerseits und Waldeck mit 3,5 Konkursen auf lOOOOO Einwohner andererseits.

Das große Comite für die Sammlungen zu Gunsten des Metzgers Buschhoff macht bekannt, daß es bis heute 27,451 Mk. 50 Pfg eingenommen hat. Busch- hoff befindet sich gegenwärtig zur Erholung in Bad Nauheim und seine Frau in Bad Oeynhausen sie Habens ja dazu!

Aus Kiel kommt die Nachricht von einem Unfall, der unsere Marine betroffen hat und dem mehrere Menschen­leben zum Opfer gefallen sein sollen. Freitag Vormittag wurden von einem Torpedoboot in der Wicker Bucht (bei Kiel) Schießübungen abgehalten. Die Ruder-Barkasse des Torpedobootes war gegen 11 Uhr mit dem Aussuchen eines Torpedos beschäftigt, als das Torpedoboot mit voller Kraft heranschoß und die Barkasse mittschiffs mit solcher Gewalt traf, daß die Barkasse förmlich durch­schnitten wurde und sofort unterging. Die am Bord zweier Hafendampfer befindlichen Augenzeugen, welche dem erschütternden Vorgänge beiwohnten, bemerkten nun, daß von der aus 7 Matrosen bestehenden Besatzung der Barkasse alsbald 3, welche Rettungsgürtel trugen, wieder auftauchten und an Bord des Torpedobootes gerettet wurden. Ob die übrigen 4 Mann ertrunken sind oder später gerettet wurden, hat man bisher nicht er­fahren können.

Thorn, 30. Juli. DieOstdeutsche Zeitung" meldet, daß in Thorn ein amtliches Telegramm eingetroffen sei, wonach das Auftreten der Cholera in Warschau be­stimmt constatirt worden sein soll.

Auf welche verwerfliche Weise sich heutzutage Faulenzer ihren Tazesunterhalt verdienen, zeigt folgender Fall. Am Eingang des sog.Radauplatzes" beim Mitteldeutschen Bundesschießen zu Weißenfels hockten 5 bis 6 er­barmungswürdige verkrüppelte und blinde Menschenge­stalten herum, die um ihres Elends willen viel beschenkt wurden. Im Hintergrund aber stand ein eleganter Italiener, der seineWerkzeuge" beobachtete und ihnen am Abend die Tageskasse abnahm, von der etwa 4 Franken (3 Mk) als Tagelohn dem Krüppel hinzezählt wurden, während der gewiß fünf- bis sechsmal höhere Rest in die Taschen des HerrnUnternehmers" wanderte.

Ein eigenthümlicher Unfall hat sich kürzlich in dem Dorfe Warrengen am Galtgarben bei Königsberg ereignet. In der Nacht wurde, wie dieHart. Ztg." mittheilt, die Frau eines Käthuers durch das Stöhnen ihres drei Jahre alten Söhnchens geweckt, welches auf einer Holzbank an der Wand schlief. Die Mutter gab darauf aber nichts weiter, bis plötzlich das Kind furchtbar aufschrie und zu Boden fiel. Nachdem Licht angezündet war, stellte sich nun die gefahrvolle Situation heraus, in welcher sich das Kind, ja die ganze Familie befand, denn zwei aus­gewachsene Kreuzottern befanden sich im Bett des Kindes, von denen eine sich vollständig um das rechte Bein des Kindes gewunden hatte. Dieses hatte auch bereits einen Biß erhalten, und schon gegen Morgen begann das Oberbein anzuschwellen, und als man hierher zum Arzt kam, hatte die Geschwulst bereits den Unter! ib ergriffen. Die Gefahr konute noch beseitigt werden. Man ermittelte unter der Bettbank im Lehmboden ein Loch, durch welches die Thiere Eingang in die Wohnung gefunden hatten. Beim Untersuchen ergab es sich, daß dasselbe in den Garten mündete, der unmittelbar an einem Waldgraben liegt und in dem man noch zwei junge Schlangen fand.

Die Schildbürger sind noch nicht ausgestorben Als Belag zu dieser Behauptung folgende Mittheilung der Mind. Ztg." aus Herne: In der Mühlenstraße in gerne ließ sich ein ehrsamer Bürger ein Haus bauen. Der Bau ging rüstig von starten und in die Höhe, jedoch während der ganzen Bauzeit sagten sich Bauherr und Bauunternehmer, an dem Hause ist etwas nicht richtig; was mag es nur sein? Man kam aber nicht dahinter. Der Bau wurde hoch, der übliche grüne Baum aufgesetzt, das Dach schließlich gedeckt und soweit war Alles in Ordnung. Aber jetzt großes Staunen; was hatte man bei dem Bau vergessen? Ja, was? die Schorn­steine ! Das Haus war oh e Kamin fertig geworden. Da man nun zum mindesten im Winter heizen muß ^wenn man anch im Sommer das Essen auf einem

Petroleumapparat kochen kann und die Ofenrohre doch nicht gut durch die Fenster nach außen leiten kann, so wird man wohl dazu übergehen müssen, die Kamine von unten an nachzumauern. So geschehen in Herne im Monate Juli 1892.

Muhlheim, a. d. Ruhr, 21. Juli. Der Kassirer des hiesigen socialdemokratischen Metallarbeiterverbandes ist nach Verübuug erheblicher Unterschlagungen unter Mitnahme des noch vorhandenen Kassenbestandes von etwa 6000 Mk. plötzlich abgereift.

In Ettlingen erschoß der ausgetretene Zögling des dortigen Lehrerseminars Breitenbacher aus Mannheim die 16jährige Tochter des Obermeisters Maisch, weil sie seine Liebesanträge abgewiesen hatte, sodann tödtete er sich selbst.

Gießen, 25. Juli. Heute Nacht kam es in der WirthschaftZur Insel Helgoland" zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Militär und Civilisten. Die Prügelei dauerte eine Stunde lang. Der Schutzmann Donges, der interveniren wollte, wurde fürchterlich durch­geprügelt, dem Hilfsschutzmann Koch, wie es heißt, ein Ohr halb abgehauen und ein Arm zerschlagen.

Aus dem Elsaß. Ein Beispiel treuer Pflichter­füllung wird aus Mühlhausen i. E. berichtet. In der vergangenen Woche hielten die Garnisonen von Mül- Hausen, Colmar und Schlettstadt eine mehrtägige Uebung in den Vogesen ab. Auf einem nächtlichen Patrouillen- ritt kam ein Dragoner des in Mülhausen garnisonirenden Bad. Dragonerregiments No. 22 in die Nähe eines Abgrundes, sein Pferd wurde auf dem infolge des lang­andauernden Regens aufgeweichten Boden unruhig und stürzte mit dem Reiter ungefähr 15 Meter tief hinab. Als der Dragoner nach einer 36stündigen Bewußtlosig- .... wieder zu sich kam, fand er, daß sein Roß in einen Sumpf gestürzt war, und bei seinem Bemühen, Heraus- zukommen, sich immer tiefer hinein gearbeitet hatte. Er versuchte nun, sein Pferd, das bis an den Leib im Sumpfe steckte, frei zu machen, aber vergeblich. Da beschließt nun der pflichtgetreue Soldat, sein Pferd nicht zu verlassen. Er tränkt es und füttert es mit Gras und stillt seinen eigenen Hunger mit Waldbeeren und einem Stückchen Kommisbrod, das er noch bei sich hatte. Am dritten Tage endlich gelingt es ihm, fein Pferd aus dem Sumpfe heraus zu bringen. Inzwischen hat man überall nach dem verschwundenen Dragoner geforscht, aber vergeblich. Nunmehr findet ihn zufällig sein früherer Quartiergeber, er wird in sorgsame Pflege genommen, ist aber infolge der Aufregung und Entbehrungen so schwach, daß er das Bett hüten muß. Seit dieser Woche ist Roß und Mann wieder gesund in der Garnison, und ein vierwöchiger Urlaub wird unseren braven Dragoner, übrigens ein geborener Elsässer, die gehabte» An­strengungen vergessen lassen.

Altenburg (bei Heftrich), 28. Juli. Heute wurde unser diesjährigerJakobimarkt" abgehalten. Auf dem­selben war außerordentlich viel Rindvieh jeglicher Gattung aufgetrieben, was nicht anders zu erwarten war, da in Folge des herrschenden großen Futtermangels viele Landleute genöthigt sind, Vieh zu verkaufen. Da auf dem Markte aber nur wenige Käufer erschienen waren, so wurde sämmtliches Rindvieh, welches zur Zucht be« stimmt ist, zu bedeutend billigeren Preisen, wie bisher verkauft. Man kann annehmen, daß jedes Stück Rind­vieh im Durchschnitt um 30 bis 60 Mark billiger ge­worden ist. Heute wurden Kühe von tadelloser Qualität zu 220 Mark verkauft, schöne Rinder von zwei Jahren konnte man schon zu 170 Mark erstehen. FetteS Rind­vieh bester Qualität kostete im Zentner 66 Mark, fettes Rindvieh geringerer Qualität wurde bedeutend billiger verkauft. Nur Schweine wurden zu höheren Preisen verkauft. Fette Schweine kosteten im Centner 60 bis 62 Mark, Läufer 35 bis 40 Mark und 5 bis 6 Wochen alte Ferkel 25 bis 30 Mark.

Ausland

Wien, 30. Juli. In Duuna-Szerdahely bei Preß- bürg erkrankten 8 Personen an der Cholerine, 1 Kind starb. Man glaubt, daß die Krankheit durch fremde Passanten eingeschleppt fei.

Paris, 30. Juli. Gestern kamen zwölf neue Cholerafälle im Männerquartier der Irrenanstalt in Bonneval vor. Einer war sofort todt. Aus Saint-Maur g und Auneau wird je ein plötzlicher Todesfall

PariS, 29. Juli. Loubet erließ ein ^^