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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtem Familienfreund" Vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf
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Samstag, den 8. Oktober
1892
liM(*ihit1rti>ti °"^ die „Schlüchterner Zeitung" 5*l|UUUIIl)l werden noch fortwährend von allen -- -- - - Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Sketch.
Berlin, 6. Oktober. Se. Majestät der Kaiser hatte gestern Nachmittag eine Conferenz mit dem Reichskanzler Grasen v. Caprivi. Später empfing der .Kaiser den kommandirenden General des I. Armeekorps, General v. Werder. — Prinz Friedrich Leopold, bisher Major a la suite des Regiments der Garte du Corps, ist zum Oberstlieutenant ernannt worden.
— Zum Distanz ritt Berlin-Wien. Der erste österreichische Offizier, welcher in Berlin eingetroffen ist, ist der Premierlieutenant v. Miklos vom 16. Husaren regimcnt, welcher Dienstag Vormittag gleich nach halb 10 Uhr über Erwarten früh in B.rlin ankam. Er hat den in der Lufilinie 574 Kilometer langen Weg in 74 Stunden 24 Min. 32 Sck zurückgelegt, während auf mindestens 85 bis 90 Stunden gerechnet war. Sein Pferd war eine 6jährige braune Stute „Marcsa", die während des ganzen Rittes nur dreimal drei llStunden geruht hat. Lieutenant von Miklos wurde von dem zahlreich versammelten Publikum mit lautem Jubel begrüßt^ er dankte mit kräftigcni Hurrah. Nach kurzem Aufenthalt am Zielpunkt begab er sich ins Hotel. Das Pferd fraß, nachdem es etwas umhergeführt war, sofort Gras und wurde dann in die Kaserne des 1. Garde- Dragoner-Regiments gebracht. Lieutenant von Miklos ist täglich 180—190 Kilometer geritten. Nur anderthalb Stunden später traf der Husarenlieutenant von Csavossy auf ponnyartigem Wallach ein. Roß und Reiter waren sehr frisch. Mit diesem Reiter langte auch der erste Wiener Radfahrer, der von dort Sonnabend früh 6 Uhr abgefahren war, in Berlin an. Der dritte Wiener Ankömmling war ein Dragonerlieutenant Scherber, Nr. 4 der Husarenlieutenant Karl Schmitt von Földvar, der 79 Stunden und 10 Minuten gebraucht hatte. Roß und Reiter waren auffallend frisch. Alle Reiter, sowie die folgenden, wurden mit lautem Jubel begrüßt. Der erste Wiener, Lieutenant Miklos, hatte zuversichrlich seine A-kauft in Berlin schon für 4 Uhr Morgens angekündi^t. Die österreichischen Reiter, die zuerst in Berlin anlangten, haben in den letzten 24 Stunden ihre Pferde mit Brod und Cognac gehalten. Die zum Theil recht bös mitgenommenen Thiere erholten sich aber rasch. — Als bisher schnellster aller österreichischen Reiter hat Mittwoch früh um 6 Uhr 51 Minuten 59 Sekunden der Oberlieutenant Graf von Starhemberg auf dem schwarzbraunen Wallach „Athos", einem prächtigen Vollblut, das Ziel passirt. Graf Starhemberg ist am Sonntag als Letzter vom Starter entlassen worden und hat die Strecke in 71 Stunden 34 Minuten zurückgelegt. Der beste bisher von deutscher Seite erzielte Record weist cira zwölf Stunden mehr auf. Graf Starhemberg ist eine elegante, sympathische Erscheinung; er war vollkommen frisch, obgleich er während der Tour insgesammt nur sechs Stunden geruht hat. — Von den deutschen Distauze- reitern ist Dienstag Abend 7 Uhr 35 Minuten Prinz Friedrich Leopold als Erster in Wien an's Ziel gelangt. Er hat die Tour in 85 Stunden 45 Minuten zurückgelegt. Als Zweiter traf Secondelieutenant Hehl ein, der 1 Stunde 20 Minuten später von Berlin abaeritten war, als der Prinz, also nur 84 Stunden 25 Minuten gebraucht hatte. Dritter war Rittmeister v. Tepper- Laski; derselbe hat bisher die beste Zeit, da er nur 83 Stunden 23 Minuten brauchte, obgleich er unterwegs thierärzkliche Hülfe für sein ertränktes Pferd hatte in Anspruch nehmen müssen. Von den deutschen Reitern passirten gestern ferner das Ziel die Lieutenants Dietze, Frhr. v. Schuckmann und v. Reitzenstein. Herzog Ernst Günther ist 100 Kilometer von Wien mit dem Pferde gestürzt und mußte den Ritt aufgeben. Die deutschen Reiter wurden bei ihrer Ankunft in der Kaiserstadt an der Donau enthusiastisch begrüßt. Die Reiter waren frisch und die Pferde befanden sich meist in guter Verfassung. Premierlieutenant v Reitzenstein hat 73 Stunden und 6 Minuten zu dem Ritt gebraucht und steht somit nur eine Stunde und 40 Min. hinter der bisherigen besten Leistung des Oesterreichers Grafen Starhemberg zurück.
— 3. Oktober. Der Kultusminister Dr. Bosse hat durch Erlaß vom 21. September d. Js. dem Zentral
ausschriß zur Förderung der Jugend- und Volksspiele
in Deutschland behufs Unterstützung seiner Bestrebungen eine einmalige Beihülfe von 2000 Mark bewilligt. Eine annähernd gleiche Summe ist dem Zentral-Ausschuß von einer Anzahl deutscher Städte zugeflossen, die diese Bewilligung zunächst auf fünf Jahre ausgesprochen haben. Aus der erwachsenen Bewegung ist als be- besonders erfreulich hervorzuheben, daß das Interesse der Gemeinden an der Förderung dieser körperlichen Uebungen fast durchgehends ein sehr reges geworden ist, und daß insbesondere die Zahl der Spielplätze erheblich zugenommen hat.
— 1. Oktober. Die hiesigen Banquiers August H. F. Schultze und Erich Viert, welche sich heute Vormittag selbst der Staatsanwaltschaft stellten, bekannten, Depots unterschlagen zu haben. Man beziffert den Betrag der veruntreuten Gelder auf 300,000 Mark. Die hiesige Börse erleidet keine Verluste. Die beiden Banquiers genossen wegen des Renommes ihres alten Hauses hohes Vertrauen. Soweit bekannt, machten sie teine Spekulationsgeschäfte und machten auch keinen übertriebenen Aufwand; zur Kundschaft gehörten viele Offiziere, auch viele kleine Leute. Eine gerichtliche Aufnahme der Bestände hat noch nicht stattgefunden. Viele Kunden fanden sich vor dem Geschäftslokal ein, welches jedoch geschlossen war.
* — Für Bäcker und Metzger schreibt der „Reichsanzeiger: Es ist zur Sprache gebracht worden, daß die Werkstätten zur Herstellung, u. s. m. von Nahrungsund Genußmitteln, z. B. in Brod- und Kuchenbückereien, Konditoreien, Wurstfabriken und dergl., nicht selten als Schlafstellen für Gehilfen und Lehrlinge benutzt werden. Daß eine solche Verwendung nicht nur unappetitlich, sondern auch für die Schläfer in jenen Räumen sowohl, wie unter Umständen für die Konsumenten jener Artikel gesundheitszefährlich ist, leuchtet ein. Die Regierungspräsidenten sind vom preußischen Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelenheiten zum Bericht über den Umfang dieser Unsitte und die nöthigenfalls gebotenen Maßregeln dagegen aufgeforbert worden.
* — Ueber die unvernünftige Form des Brod- veikaufs werden in einem Artikel der „Grenzboten" Betrachtungen avgestellt, die darauf hinauslaufen, daß man bei der Backwaare, wie bei fast allen anderen Waaren des Verbrauchs, den Preis wechsele und eine bestimmte Größe beibehalte, nicht umgekehrt. Man hat 10, 20-, 50-Pfennigbrvte, statt Ein-, Zwei-, Fünf pfundbrode. „Es ist so, wie wenn der Tischler Fünf und Zehnmarküühle, der Kleiderkaufmann Zehn- und Zwanzigmarkröcke führen und sie mit ab- und auf» schlagenden Holz- und Tuchpreisen größer und kleiner „bauen" wollte. Die einzig richtige Verkaufsweise ist auch beim Brode keineswegs unerhört. Sie war z. B. hedem in der Knappschaftsbäckerei des niederschlesischen Kohlenreviers eingeführt und wurde in der Theuerungszeit der fünfziger Jahre auch anderwärts nachgeahmt. Ein wohlhabender Lederhändler in Landeshut gründete eine große Bäckerei und ließ darin ein sehr nahrhaftes Brod backen, das bei seiner verhältnißmäßigen Billigkeit eine Wohlihat für den Ort wurde. Ohne das Kolbebrod würden die Armen des Städtchens damals noch weit mehr gelitten haben, denn sich an Bäckerbrod satt zu essen war für sie schlechterdings unmöglich. Kolbe ließ die Brode immer gleich groß herstellen, ungefähr zu drei und sechs Pfund. Auf jedem Wockenmarkte kaufte er so viel Getreide ein, als in sieben Tagen voraus sichtlich verbraucht wurde, und mit dem Marktpreise des Getreides schlug sein Brod auf und ab. Bei der heutigen Markrechnung wäre die Berechnung ungemein einfach. Schlägt der Centner Roggen eine Mark auf oder ab, so wird das Pfund Brod um einen Pfennig theuerer oder billiger verkauft. Daß das Pfund Roggen etwas weniger als ein Pfund Mehl, und das Pfund Mehl etwas m^r als ein Pfund Brod ergibt, kann dabei außer Acht gelassen werden. Für den rechtschaffenen Bäcker gibt es keine bequemere Art des Brod- verkaufes als diese; die wöchentliche Preisberechnung nimmt keine Minute Zeit weg; wenn er dabei die Pfennigbrüche nach oben abrundet, so wird es ihm Niemand verübeln.
Wie groß augenblicklich der Nothstand in Hamburg ist, ergibt sich u. A daraus, daß allein dort ungefähr 6000 junge Kaufleute wegen der schlechten Geschäftslage stellenlos find,
Minden, 3. Okt. Ein schreckliches Unglück trug sich gestern an der Portastraße zu. Ein Malergehülfe war an einem Wirthshause damit beschäftigt ein Schild auf- zumalen. Nachdem er das aus zwei Leitern bestehende Gerüst aufgebaut hatte, fiel der junge Mann plötzlich von demselben auf ein mit speerförmigen Spitzen versehenes vor dem Hause angebrachtes Gitter; er blieb an den Spitzen, welche ihm in den Körper drangen, hängen. Als er von dem Gitter abgenommen wurde, strömte das Blut aus den Wunden und nach wenigen Minuten war der Unglückliche eine Leiche.
Helmstedt, 4. Oktober. Ein originelles Mittel der Selbsthülfe haben seit einigen Tagen die hiesigen Manu- fakturisten angewendet. Es hat sich hier ein Wanderlager niedergelassen, wovon wir seit Jahren verschont geblieben sind. Die Manufakturisten haben sich vereinigt und halten den ganzen Tag hindurch abwechselnd, stets zu Zweien, treulich Wache vor dem Geschäftslokale des Wanderlagers, um zu sehen, wer hineingeht und kauft. Wie wir hören, hat dieses auch hier so viel gewirkt, daß sich die Leute doch geniren hineinzugchen; der Unternehmer macht daher kein Geschäft und wird wohl bald das Weite suchen.
Magdeburg, 3. Oktober. Der Wohlthätigkeitsverein „Deutsche Reichsfechtschule" hat beschlossen, sieben bedürftige Hamburger Kinder, denen die Seuche ihre natürlichen Ernährer entrissen hat, in seinen drei Waisenhäusern zu Lahr, Magdeburg und Schwabach aufzu- nehmen und dort zu erziehen. Es entspricht dies dem Aufwand eines Capitals von 20,000 Mark.
Halle. Die unter der Bezeichnung „Sachsengänger" bekannten Arbeiter aus den Provinzen Schlesien, Posen und Preußen, die alljährlich im Frühjahr des lohnenderen Erwerbes wegen dem „Zug nach dem Westen" folgen, beginnen bereits, wenn auch vorläufig nur in kleineren Kolonnen, die Rückwanderung in die Heimat. Zum weitaus größten Theil aus der Provinz Sachsen, dann aber auch aus Braunschweig, Hannover, Westfalen, ja sogar aus der Rheinprovinz kommend, passieren sie zumeist Magdeburg, das als der Hauptfammelort anzusehen ist. Welchen Umfang diese Arbeiterwanderungen angenommen haben, kann daraus ersehen werden, daß von Magdeburg aus im Herbst 1889 rund 13 000, 1890 rund 11 000 und 1891 rund 15 500 Arbeiter in ihre Heimat zurück befördert worden sind. Nimmt man hinzu, daß noch in guter Theil der im südlichen Theil der Provinz Sachsen und in den anhaltischen und thüringischen Ländern beschäftigten Arbeiter den Weg über Halle einschlägt, so läßt sich der Umfang dieser Bewegung ermessen.
Ein komischer Vorfall wird von Karlsruhe erzählt. Spaziergänger hörten in einer Straße in der westlichen Außenseite der Stadt den immer kläglicher werdenden Ruf: „Fritz, Du bringst mich um: es ist zu heiß!" Ein Verbrechen muthmaßend, drangen sie in die Wohnung und fanden einen Schneider, der seiner an Rheumatismus leidenden Frau Gemahlin mit einem sehr heißen Bügeleisen den Rücken bügelte. Homerisches Gelächter ohne gerichtliches Einschreiten war die Folge dieses unfreiwilligen Augenscheins.
Mannheim, 3. Oktober. Der nach großen Unterschlagungen flüchtig gewordene Socialistenführer Hänsler ist in Chicago verhaftet worden. Zwei Criminalschutzleute werden sich demnächst zur Ueberführung des Häusler nach Chicago begeben.
Ausland.
Wien, 5. Okt. Prinz Friedrich Leopold ist gestern Abend um 7 Uhr 45 Minuten als erster in Floridsdorf eingetroffen; wenige Sekunden später langte Lieutenant Hehl an. Als dritter ist um 8 Uhr 20 Minuten Rittmeister v. Tepper-Laski vom dritten Husarenregiment im Schritt hier eingetroffen.
London, 5. Okt. Aus Boston wird gemeldet, daß alle Papierfabriken geschlossen werden mußten, weil es ihnen an Lumpen zur Verarbeitung fehlt. Die Zufuhr von Lumpen ist durch Verbot des Gesundheitsamtes sistirt worden.
Ottawa, 29. September. Der canadische Kommissar für Milch wirthschaft, Robertson, hat einen Riesenkäse machen lassen, wie er noch nie gesehen worden ist. Der Käse wird in der canadischen Abtheilung auf der Ch'cagoer Weltausstellung ausgestellt werden. Er wiegt 22,000 Pfund und 10 000 Kühe haben drei Tage lang die Milch für diesen Käse geliefert. Die Qualität des