SchlüchternerMung
Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" n. »Jllustrirtem Familienfreund" Vierteljahr!. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 P-.
35 82. Mittwoch, den 12. Oktober 1892.
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"^ die „Schlüchtcruer Zeitung" S^tm-UUBiy^ei werden noch fortwährend von allen ~- Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Dcursches Strich.
Berlin. Der Kaiser hat Sonntag Abend Weimar wieder verlassen und ist nach Potsdam zurückgekehrt. Montag Abend reist der Kaiser nach Wien.
— Glückwunsch des Kaisers an den neuen Oberbürgermeister von Berlin. Der Kaiser hat die Bestätigung seiner Wahl am Freitag dem Oberbürgermeister von Berlin Zelle durch folgendes Telegramm angekündigt: „Oberbürgermeister von Berlin, Herrn Zelle! Marmorpalais, 7. Oktbr. 1892, 8 Uhr 50 Min. Spreche meinen Glückwunsch zur Wahl aus, die ich um so freudiger bestätige, als ich weiß, wie sehr Ihnen das Wohl meiner Residenzstadt am Herzen liegt. Ich hoffe Sie recht lange an der Stelle zu sehen und mit Ihnen manches schöne Werk zusammen zur Verschönerung Berlins und zu seiner Fortentwicklung durchzuführen.
- Ihre treuen Gesinnungen gegen mich und mein Haus wohl kennend, bin ich der Ueberzeugung, die Wahl konnte keinen Besseren und Geeigneteren treffen. Wilhelm I. R.
— Die Nachricht, daß der preuß. Staatshaushalt für 1893/94 mit einem Fehlbetrag von 86 Mill. Mk. abschließen werde, wird jetzt offiziös bestritten.
— Offiziös wird jetzt versichert, daß die preußische Regierung keine Vermehrung der Lotterieloose eintreten lassen wollte.
— Eine Anzahl höherer Regierungsbeamten ist von den Regierungen in den Provinzen nach Berlin befohlen worden, um an einem Cursus für innere Mission theil- zunehmen. An der Hand von Vorträgen socialpolilischen und religiösen Charakters soll beu Rcgierungsveamten Gelegenheit gegeben werden, den Fragen der inneren Mission näher zu treten und in ihrem Berufskreise dafür wirksam zu sein.
— Der Bankier Hugo Löwy in Berlin ist wegen einfachen Bankerotts, Betrugs und Unterschlagung zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängniß und 2000 M. Geldbuße, ferner wegen Steuervergehens zu 576 M. Geldbuße verurtheilt worden. Den Antrag des Staatsanwalts, der Gerichtshof solle sich für unzuständig erklären, weil betrügerischer Bankerott vorliege, hatte der Gerichtshof abgelehnt,
* — Eine Skatpartie von sechsundfünfzigstündiger Dauer hat sich, wie ein Berichterstatter meldet, in geringen Pausen ein sehr reicher Berliner Grundstücks- spekulant geleistet und hierbei die Kleinigkeit von zwei- i hunderttausend Mark veiloren. Da er auf einen solchen i Schlag nicht vorbereitet war, bot er zur Deckung der Schuld zuerst Wechsel an, zahlte aber, als diese abgelehnt wurden, am folgenden Tage die Summe in baar aus. Pour corriger la fortune — im guten Sinne gemeint — ließ er sich dann zu einer Partie Franzefuß herbei und vermehrte dadurch seinen Verlust noch um 84,000 Mark.
Stuttgart. Ueber das Befinden der Königin- Wittwe von Württemberg bringen Stuttgarter Blätter eine Meldung aus Friedrichshafen, nach der seit einigen Tagen eine Wendung zum Schlimmeren eingetreten ist, die sich in krankhaften Erscheinungen der Lunge und Nieren, sowie in einer besorgnißerregenden Schwäche äußere. Nach den neuesten Nachrichten liegt die Königin Olga so schwer an der Brustfellentzündung darnieder, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.
Weimar, 9. Okt. Die kirchliche Feier anläßlich der goldenen Hochzeit des grobherzoglichen PaareS wurde gestern von dem Generalsuperinlendenlen Hsse vollzogen. Die Theatervorstellung nahm einen glänzenden Verlauf. Besonders wirtsam waren die lebenden Bilder. Nach Schluß der Vorstellung brächte der Oberbürgermeister Papst auf das Jubelpaar ein Hoch aus, welches mit Begeisterung aufgenommen wurde. Während der Vorstellung saß der Kaiser zwischen dem Großherzog und der Gioßherzogin. — Heule Vormittag 10'/a Uhr fand in der festlich geschmückten Stadtki.che ein Dankgottesdienst statt. Das großherzogliche Paar, welches in einem offenen Wagen zur Kirche fuhr, wurde von der zahlreichen Menschenmenge stürmisch begrüßt. Dem Gottesdienste wohnten außerdem noch Se, Majestät der Kaiser, die Königin-Regentin der Niederlande, der Groß- Herzog und die Großherzogin von Baden, der Großfürst
Wladimir nebst Gemahlin, Erzherzog Rainer und ber Herzog von Aork bei.
Gotha. In der Nähe des Nesselberges im Gothaischen mußten vor einigen Tagen zwei stattliche Hirsche getötet werden, da sich dieselben mit ihren Geweihen so verfangen hatten, daß sie nicht wieder auseinander gebracht werden konnten.
Magdeburg, 8. Okt. Auf dem Pionier-Uebungsplatz ist eine Flattermine zu früh explodiert, wodurch fünf Pioniere schwer verletzt worden sind. Ein^r davon ist bereits seiner Verwundung erlegen.
Aus Franken, 6. Oktober. Eine reckt nachahmens- werthe Einrichtung hat die „Landwirthschaftliche Versuchsstation für Bayern" in München getroffen. Sie besorgt unentgeltlich die Untersuchung bayrischer Böden auf Kalkgehalt, wenn der Bodenbesitzer eine Probe der Ackerkrume einsendet. Die Zusendung darf sogar unfrankiert geschehen. Die Versuchsstation ertheilt dann Vorschläge über die anzuwendende Kalkdüngung. Für die Exaktheit der Untersuchung und den Werth des Rathschlags bürgt der Name des Vorstandes: Prof. Dr. Soxhlet. Hoffentlich findet die Einrichtung in Franken recht häufige Anwendung.
Mannheim, 7. Oktober. Die hiesige Schutzmannschaft geht, wie die „Neue Bad. Landesztg." berichtet, von Haus zu Haus und macht die Bewohner darauf aufmerksam, daß auffallend viele falsche Zweimarkstücke zirkulircn und mahnt unter Bekanntgabe der Erkennungszeichen der Falsifikate bei Einnahme dieser Münzsone zur Vorsicht.
In Schleitheim hatte ein Mann, Georg Meier, davon gehört, daß in Hamburg Todtengräber und Leichenträger für den höchsten Lohn nicht zu haben seien. Darum reifte er do thin in der Hoffnung auf reichen Verdienst. Es ging ihm aber, dem „Schaffhauser Boten" zufolge schlecht. Schon nach einigen Tagen kehrte er wieder in feine Heimath zurück. Er konnte in Hamburg keine Anstellung erhalten, so daß ihm nichts anderes übrig blieb, als sich wieder der Heimath zu« zuwenden. Nachdem ihm das Reisegeld ausgeglngcn, wurde er vom Schweizerverein in Frankfurt unterstützt. Fatal ging es ihm bei seiner Ankunft in Schleitheim. Da er aus einer von der Cholera inficirten Gegend kam, wollte ihn Niemand in's Haus lassen, nicht einmal seine eigene Familie; er wurde deshalb in das Absonderungs- Haus gebracht und wird dort wohl etliche Tage verbleiben müssen. Eine empfindliche Strafe für eine nicht genugsam überlegte Reise.
Bei Abbruch eines alten Gebäudes in Neuerbe ist kürzlich ein Münzenfund gemacht worden. In der Grundmauer fand man 40 gelbe spielmarkenähnliche Münzen, der betr. Schachtmeister und ein Arbeiter, der Finder, theilten sich in den Fund, den sie für werthios hielten. Schließlich bot der Finder seinen Theil einem Erfurter Händler an und erhielt für seine 20 Stück Münzen 3 Mk. Inzwischen ist fcstgestcllt worden, daß die Münzen gute rheinische Goldgulden sind, und der betreffende Händler soll nun zur Verantwortung gezogen werden. Derselbe behauptet jetzt, den wahren Werth der Münzen nicht gekannt zu haben. Er will sie an zwei ihm unbekannte holländische Damen verkauft hrb.m.
* — Wie sich die Landleute in der Läneburger Haide gegen die Hausirer schützen, giebt der Jahresbericht der Lüneburger Handelskammer zu erkennen. „Viele Lmdwirthe," so heißt eS in dem Bericht, „verschließen ihre Gehöfte, wenn ein Detailreisender in Sicht kommt. In manchen Gegenden haben sich sogar Vereine gebildet, welche ihren Mitgliedern bei Vermeidung einer Geldstrafe zur Pflicht machen, nicht von Hausirern zu zu kaufen. Es ist dies bezeichnend dafür, daß auch der ländliche Besitzer dies Geschäft für ein schädliches hält, weil durch dasselbe den kleinen Landleuten, Tagelöhnern, Knechten und Mägden Waaren, welche sie recht gut entbehren könnten, zu hohen Preisen auf Kredit verkauft und somit viele Existenzen ruinirt werden."
Ausland.
England. Alfred Tennyson, der gekrönte Dichter Englands, ist in der Nacht vom Mittwoch, den 5. Oktober zu Donnerstag den 6. Oktober um l’/s Uhr gestorben. 1809 zu Somerby in Lincolnshire geboren, hat er das zwei und achtzigste Jahr überschritten. In seiner Dichtung wie in seinem Leben war er eine specifisch englische Erscheinung. Von allen seinen Gedichten das bekannteste, schönste und herzergreifendste ist „Enoch Aiden", die
Geschichte des Seefahrers, der nach langer Irrfahrt heimkehrend sein Weib glücklich verheirathet findet und schweigend, ohne sich zu ei kennen zu geben, wieder in Dämmerung und Verscholleuheit entschwindet; es sichert seinem Namen die Unsterblichkeit.
Rußland. Der Ruf ergeht an die kleinen deutschen Kapitalisten, denn Rußland unterhandelt mit Berliner Bankiers wegen einer neuen großen Anleihe. Hoffentlich wird die Großfinanz kein Geschäft abschließen, wenn aber, dann ist es am deutschen Publikum, sich nicht aufs Glatteis führen zu lassen.
Lokales uad provinzieller. Schlächtern, 11. Oktober.
— Das Oberverwaltungsgericht hat jüngst eine Entscheidung gefüllt, die für die Kriegervereine von besonderer Wichtigkeit ist und die Unzulässigkeit der Heranziehung derselben zur Entrichtung von Tanzlustbarkeits- fteuer betrifft. Der Magistrat von Spandau hatte von einem dortigen Kriegervereine, der sein Stiftungsfest feierte und aus diesem Anlässe einen Ball veranstaltete, hierfür die ortsstatutarische Tanzsteucr verlangt, da der Ball, zu welchem auch Gäste geladen waren, deshalb als ein öffentliches Tanzvergnügen anzusehen sei. Auf die Klage des betreffenden Kriegervereins entschied der Bezirksausschuß zu Potsdam, daß der Kriegerverein, wie überhaupt militärische Vereine, Vergnügungssteuern dieser Art nicht zu enteisten brauche, weil der Zweck solcher Vereine in der Hauptsache nicht der Veranstaltung von Lustbarkeiten, sondern der Pflege des Patriotismus und der Kameradschaftlichkeit gelte. Der Magistrat Spandau legte hiergegen Berufung ein, doch erkannte das Oberverwaltungsgericht zu Berlin entsprechend dem Potsdamer Erkenn nisse.
— Falsche preußische Thalerstücke m't dem Münz« zeichen A und der Jahreszahl 1861 befinden sich seit einiger Zeit im Umlauf. Die gefälschten Geldstücke sind an ihrem Mindergewichte, dem bleiernen Glänze und fast gläsern Rande von den echten Thalern leicht zu unterscheiden.
Herbstein, 7. Okt. Aus dem benachbarten Dorfe Hoffmanrsfeld ging am 4. d. M. Abends, ein 27 Jahre alter unverheiratheter Schmied, Namens Döring auf den „Anstand" um sich bei dem schönen Mondlicht ein Häschen oder Reh am Waldessaume zu erlegen. Der alte Vorderlader zersprang und zerschmetterte ihm die linke Hand. Döring lief jammernd ins Dorf, verließ dasselbe aber bald wieder, wahrscheinlich aus Furcht, als Wilderer erkannt und bestraft zu werden. Döring wurde später auf dem Felde mit durchschnittenen Halsadern todt aufgefunden. Der zum Sachbefund erschienene Arzt konstatirte, der Bluterguß aus der zerschmetterten Hand sei so bedeutend gewesen, daß auch ohne das Durchschneiden der Halsadern der Tod hätte erfolgen müssen. Döring war früher Soldat und galt sonst als unbescholiener Mensch. Das Wildern war sein Unglück.
Frankenberg, 6. Oktober. Wie sich in den Archiv- Akten in Kassel gefunden, hat vor etwa 1000 Jahren in Räubern ein Goldbergw erk bestanden und wird auf Veranlassung Königlicher Regierung neuerdings an genannter Sülle mietet nachgeforscht. So hat ein Obersteiger mit 2 Leuten feit August d. Js. daselbst Nachgrabungen gehalten und sind diese aus alte Bergwerksanlagen gestoßen und haben dieselben altes Ausbauholz von außerordentlicher Festigkeit (ähnlich wie Ebenholz) sowie Erze zu Tage gefördert. Zweimal bereits sind Bergräthe an Ort und Stelle gewesen — das letztenmal vor ca. 14 Tagen — und haben Proben der genannten Erze zur weiteren Untersuchung ihres Metallgehaltes mitgenommen. Von dem Ausfall dieser Untersuchung hangt es nun ab, ob weitere Schritte in dieser Angelegenheit geschehen werden. Die Orte, wo die Bergleute eingeschlagen, heißen „Goldkaute" und „Singen“, daher das alte Sprichwort: „In Haubern in der Singen, da ist noch Gold zu sinnen, wer es aber will haben, muß tief unter der Erde und dem Wasser graben." Das Dorf Haubern verdankt dem Bergwerk seine Entstehung und hieß ursprünglich Hauern.
Guvensberg, 7. Okt. Die Kartoffelernte hat auch in unserer Gegend recht günstige Ergebnisse geliefert. Die zahlreichen Knollen besitzen theilweise ein recht ansehnliches Gewicht. Herr Lehrer Krüger zu Ober- vorschütz erntete Kartoffeln im Gewicht von über 1 Va Pfd., bei einer Knolle fehlten nur wenige Gramm