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Erscheint Mittwoch ».Samstag Preis mitKreisblatt" 11.JAustrirtem Familienfreund" Vierteljahr!. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg

.N 6. Samstag, den 21. Januar 1893.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Jan. Die Unpäßlichkeit des Kaisers ist ziemlich gehoben. Es handelte sich um einen leichten Katarrh, den der Monarch vermuthlich in Straßburg sich zugezogen hat, wo er nahezu vier Stunden auf freiem Felde bei grimmiger Kälte zu Pferde saß. Die bevorstehenden Hosfestlichkeiten haben somit keinerlei Unterbrechung zu besorgen. Zu den PermählungSfeierlichkeiten treffen folgende Fürstlichkeiten . Hier ein: Die Könige von Sachsen und Dänemark, der Großfürst Thronfolger von Rußland, die Großherzöge von Baden, Hessen und Sachsen, die Herzöge von -Edinburgh, Cambridge und Connaught, der Erbgroß- Herzog von Sachsen und die Prinzen Adolf zu Schanmburg-Lippe und Albert zu Schleswig-Holstein. Zum Ehrendienst beim russischen Thronfolger sind Generalstabschef Graf v. Schliessen und Oberst Frhr. Bülow kommaudirt.

Das neue Hansirergesetz. Das im Bundesrath eingebrachte neue Hansirergesetz besagt : 1. Der Hausir- schein ist nur giltig für den Bezirk der Behörde, welche ihn ausgestellt hat. 2. Er kann auf kürzere Zeit, als für das Kalenderjahr, ertheilt werden. 3. Die Aus­stellung des Hausirscheins ist in gewissen Fällen ab­hängig von dem durch die zuständigen Behörden fest- . . zuftellcndcn Bedürfniß. 4. Der Hausirschein ist auch für Denjenigen nothwendig, welcher an seinem Wohn­ort oder am Sitze seiner gewerblichen Niederlassung das Gewerbe im Umherzieheu betreibt, d. h. von Hans zu HauS hausirt. 5. Handelsreisende, welche auf Grund des §. 44 der Gewerbeordnung ihr Gewerbe ohne Waudergewerbeschein ausüben, dürfen Bestellungen auf Waare nur bei solchen Gewerbetreibenden (also Nicht bei Privatkunden) suchen, in deren Gewerbebetriebe Waaren der «»gebotenen Art Verwendung fiuMi. Durch diese Bestimmungen sollen die hauptsächlichsten - Mißstüudc des Hausirhandels beseitigt werden, nämlich die Uebervortheilung des Publikums, die Gefährdung der wirthschaftlichen Existenz der ansässigen Detail- Händler und Handwerker, namentlich in den mittleren und kleineren Städten, der Ankauf von Gegenständen, ( welche keinem reellen Bedürfnisse entsprechen und das Drängen von Handel und Industrie in eine unsolide Richtung.

In der Budget-Kommission des Reichstages ge­langte am Dienstag der Etat der Post- und Telegraphen- Berwaltung zur Berathung. (Einnahme 255,7 13,050 M.) Staatssekretär Dr. v. Stephan hält die finanzielle Lage der Postverwaltung für außerordentlich günstig. Dies sei der Beweis, daß auch auch der Handel sich hebe. Graf Behr (Reichsp.) bespricht die Zeitungsbeförderung und beruft sich auf eine Broschüre, nach welcher, wenn die Zeitungen den richtigen Preis bezahlen wurden, die Post eine Mehreinnahme von 10 Millionen Mark haben würde. Redner weist nach, wie jetzt einzelne Zeitungen vier bis fünf mal mehr als andere bezahlen müßten. Staatssekretär Dr. v. Stephan giebt zu, daß der Zeitungstarif unrichtig sei. Eine radikale Reform würde aber sehr tief einschneiden. Immerhin werde ein Gesetz baldigst die Sache regeln müssen. Seit Jahresfrist schweben zwischen den verbündeten Regierungen darüber Verhandlungen. Nach den letzten Verhandlungen mit Württemberg hoffe man in dieser Angelegenheit eine Konferenz im April oder Mai in Stuttgart abzuhalten. Im Herbste werde dann im Reichstage eine Vorlage gemacht werden. Allerdings werde dann wie um die Leiche des Pratroklos gekämpft werden. Er betone aber, daß eine Aenderung eintreten müßte. Die Einnahme wurde bewilligt.

Sonntagsruhe. Der preußische Handelsminister stellt in seinem Erlasse betr. die im ganzen Lande nnge- vrdncten Erhebung über die Wirkungen der Sonntags- " ruhe im Handelsgewerbe auf Grund der eingclanfeuen Beschwerden die Ausdehnung der Verkaufszeit bis 4 llljr Nachmittags in Aussicht.

Unter den im Geheimen Konsistorium zu Rom am Montag zu Kardinälen ernannten Prälaten befinden sich auch der Fürstbischof Kopp von Breslan und der Erzbischof Crementz von Köln.

Halle, 17. Januar. In der Provinzial-Jrrenansialt starben in den letzten beiden Tagen rasch 7 Personen an einer Epidemie, 18 weitere erkrankten. Die Krank­heit hat anscheinend den Charakter der asiatischen Cholera, hoch wird erst die bakteriologische Untersuchung heute

Gewißheit gehen. Die Anstalt ist vollständig abgesperrt.

Helle, 19. statt. Die bacteriologische Untersuchung ergab, daß die verdächtigen Erkrankungen in der Irren- anstalt in Nietleben die asiatischer Cholera seien. DerHaitischen Ztg." zu Folge sind bis gerstern Abend 11 Uhr 28 Erkrankungen und 13 Todesfälle Dorgefonnnen. Der Landrath des Saale-Kreises machte das Auftreten der asiatischen Cholera bekannt.

Die Strafkammer in Naumburg hat den Arbeiter Sander aus Weißenfels, der sich für seinen Bruder, den Schlosser S., ausgegeben und als solcher eine diesem auferlegte 12tägige Gefängnißstrafe verbüßt hatte, für diese seine Gefälligkeit zu 1 Monat Gefängniß verurl heilt; natürlich muß der früher Verurtheilte auch selbst noch seine Strafe ab büßen.

Stettin. In der Ostsee haben sich bedeutende Eismengen gesammelt, so daß die Schiffahrt für mehrere Wochen unmöglich gemacht sein wird. Von den meisten Leuchttürmen aus ist kein offenes Wasser mehr zu sehen.

Ostrowü, 16. Jan. Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts verhandelte gegen den Geschäftsreisenden Udo Stein aus Berlin wegen Urkundenfälschung und Betruges. Stein nahm für die Wäschefabrik seines Bruders Bestellungen auf und sandte den Kunden in mehreren Füllen mehr Waare, als dieselben bestellt hatten, indem er die Bestellzettel fälschte. Der vom Rechtsanwalt Dr. Friedmann aus Berlin vertheidigte Angeklagte wurde unter Ausschluß mildernder Umstände zu 2hr Jahren Zuchthaus, 600 Mark Geldstrafe und Ehrverlust auf drei Jahre verurteilt.

Neustadt a. H, 15. Januar. Ein Brand in dem Striebinger'schen Möbelgeschäfte in der Nacht zum Freitag, der dem Geschäftsinhaber das Leben kostete, ist durch eine Lampen - Eplosiou verursacht worden. Striebinger wollte mit seinem Bruder, der die Lampe trug, etwas aus der Werkstatt holen. Beim Aufmachen der Thüre explodirte wohl in Folge des Luftzuges die Lampe und die umherstiegenden Funken setzten alsbald die in der Werkstelle liegenden Polstermatcrialien in Brand. Da zahlreiche Flaschen mit Spirituslack, Polituren rc. dort anfgcstapelt waren, explodirten infolge der Hitze auch diese, wodurch die ganze Werkstelle zer­trümmert wurde. Diese Explosion, die so heftig war, daß sie in ganz Neustadt gehört wurde, warf Strieberger so heftig gegen eine Mauer, daß er mit einer großen Wunde am Kopfe unter die brennenden Trümmer zu liegen kam, während der Bruder des Besitzers mit schweren Brandwunden im Gesicht und an den Händen in den Hof geschleudert wurde. Aus den Trümmern, die bei der grimmigen Kälte durch das hineingespritzte Wasser zu einem großen Eisklumpen zusammengefroren waren, konnte der Leichnam Striebinger's erst nach an­gestrengter mehrstündiger Arbeit entfernt werden. Das Befinden des schwer verletzten Bruders ist bedenklich.

Als Kuriosum theilt man aus Gössenheim mit, daß im abgelaufenen Jahr unter 29 daselbst vorgc- kommenen Geburten nicht weniger als 28 männliche Sprößlinge waren. Als Gegenstück ist hinwieder aus EussenHeim zu vermelden, daß in dieser Gemeinde von 39 vorgckommcnen Geburten nicht ein einziger Knabe zu verzeichnen ist. Die beiden Gemeinden können später einmal hinsichtlich derVerheirathung einander aushelfen!

Bayreuth, 12. Januar. Eine hiesige junge Dame, die einzige Tochter eines Lehrers, hatte sich zu fest ge­schnürt und ging zum Tanzsaale. Im Garderobe- zimmer wollte sie die Ballschuhe anziehen, sie bückte sich und fühlte sich bald darauf unwohl. Ohne getanzt zu haben, begab sie sich nach Hause; es wurde der Arzt gerufen, und dieser stellte fest, daß in Folge zu engen Schnürens ein Darm geplatzt fei.

Pforzheim, 14. Januar. Ein in ärmlichen Verhält­nissen lebendes Mädchen wurde in EnsingeN verhaftet, weil in seinem Besitze eine Werthsumme von 20,000 Mark gefunden wurde, über deren Herkunft es sich nicht ausweisen wollte. Auch der Bräutigam des Mädchen, der sich durch außerordentlichen Gcldverbrnuch ausfällig machte, ein junger Goldschmiedegescttc aus Pforzheim, wurde in Stuttgart in Haft genommen. Die Untersuchung lieferte nach demBeob." das merk­würdige Ergebniß, daß das Mädchen nahezu 50,000 Mark von einem reichen Privatier in Baden-Baden geschenkt erhalten hatte. Beide Personen wurden des­

halb aus der Untersuchungshaft entlassen, in die sie etwas voreilig gebracht waren.

Mainz, 17. Jan. Nach den Mittheilungen hiesiger Blätter ist heute Nacht der Militär-Wachtposten an dem Zeughans wir hatten bis zu 20 Grad Kälte erfroren.

Mainz. Es machen sich Bestrebungen geltend mit Rücksicht auf das Wiedererscheinen der Cholera das deutsche Bundesschießen in diesem Jahre in Mainz nicht stattfinden zu lassen. Der geschäftsführende Ausschuß soll, wie derFrankfurter Zeitung" mitgetheilt wird, für die Verlegung sein.

Aus Walveck, 12. Jan. In Corbach ist ein ganz besonderer Sonderling gestorben. Christian Heine be­wohnte seit 25 Jahren einen verfallenen Keller, den mit einem Platze im Hospital zu vertauschen, die Be­hörde vergeblich ihn zu veranlassen suchte. Er kochte sich seine Speisen nie auf einem Heerde, vielmehr über einem Feuer, das er aus selbst zusammengeholtem Reisig mitten im Keller anzündete. Er kaufte nur alte Kleider, die er erst trug, nachdem er große Löcher in dieselbe gemacht hatte. Um 6 Uhr Abends legte er sich schlafen, um 3 Uhr Morgens stand er auf. Dieser Sonderling ist 83 Jahre alt geworden.

Ausland.

Wien, 16. Januar. In Jessenitz (Bezirk König grätz) ist eine Zigenncrsamilie von sechszehn Köpfen erfroren; sämmtliche Personen waren todt. In P r a g ist heute Nacht ein Wachtposten auf den Hradschiner Schanzen erfroren. Bei einer Feldübung der Geniesoldaten bei Prag erlitten 18 Mann an Händen, Ohren und Nasen schwere Frostwunden; die­selben wurden ins Spital gebracht. In Trieft herrschte gestern furchtbarer Sturm, die Molen waren mit Eis bedeckt, im Hafen mußten die Arbeiten eingestellt werden, der Schiffsverkehr war unterbrochen.

Petersburg, 17. Januar. Auf der Slatonst- Samarschen Eisenbahnlinie ist ein in voller Fahrt be­findlicher Eisenbahnzug in Brand gerathen. Achtund- vierzig Rekruten sind dabei umgekommen, sieben erlitten Brandwunden. Einer der Verletzten ist an der Ver­wundung gestorben.

Madriv, 17. Jan. In ganz Nordspanien herrschen große Kälte und Schneestürme. In Madrid ist in Folge der Kälte die Sterblichkeit an Lungenentzündung außergewöhnlich groß.

Newyork, 13. Januar. Aus allen Theilen des Landes wird über eine ungewöhnliche Kälte berichtet. Viele Flüsse, die sonst in strengen Wintern offen bleiben, sind diesmal zugefroren. Unterhalb der Ningarafälle hat sich eine Eisbrücke aus 6 Fuß hoch gefrorenem Schaum gebildet und verschiedene Personen sind bereits darüber gegangen. Im Hafen von Newyork erschweren Waffen schwimmenden Eises die Schifffahrt und nur Ebbe und Fluth verhindern die Bildung einer festen Eisdecke von Ufer zu Ufer.

Pittsburg, 16. Januar. Der Prozeß gegen bett Vorsteher der Arbeiterschaft in Homestead, Dempsey, und die übrigen der Vergiftung von Arbeitern der Carnegieschen Werke angeklagten dauert fort. Der Koch Gallahger giebt zu, daß Dempsey ihm und den anderen Köchen ein Pulver gegeben habe, das dazu verwandt worden sei, die Nahrung der Arbeiter zu vergiften.

Melbourne. Eine große Testamentsverhandlung, die das allgemeine Interesse sehr in Anspruch genommen hat, ist nunmehr beendet, und zwar im Sinne der öffentlichen Meinung. Die Sache verhielt sich wie folgt: Am 20. Juli v. Js. starb in Melbourne ein gewisser Walsh, der ein Vermögen von etwa 500 000 Mk. hinterließ. Am Tage vor seinem Tode war Walsh zur Abfassung eines Testaments bewogen worden, wodurch er seinen Sohn und dessen Kinder auf ein geringes Pflichttheil setzte und fast das gesummte Vermögen katholischen Kirchen und Anstalten vermachte. Der Sohn focht das Testament mit Erfolg an; es ist jetzt als un­gültig erklärt worden.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 20. Januar.

In der Nacht vorn Mittwoch auf Donnerstag sank die Temperatur auf 23 Grad Kälte. Der strenge Frost, der nun schon seit 10 Tagen anhält, verursacht