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SchlüchternerMung

Erscheint Atittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familieufreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

M 8. Samstag, den 28. Sammt 1893.

Kaisers Geburtstag.

Zum Geburtstage gehört ein Geburtstagsgeschenk. Was können wir aber unserem Kaiser Anderes geben, als das erneute Gelübde unwandelbarer Liebe und Treue?

Als unser Kaiser im Jahre 1888 die Regierung übernahm, da sagte er zu den Vertretern des preußischen Volkes:In bewegter Zeit habe ich die Pflichten des Königlichen Amtes übernommen; aber Ich trete an

die Mir nach Gottes Fügung gestellte Aufgabe der Zuversicht des Pflichtgefühls heran und halte dabei das Wort des großen Friedrich gegenwärtig, in Preußen der König des Staates erstes Diener

mit mir daß ist.'

Wenn der Kaiser seine Ehre darin findet, zu dienen, so muß erst recht der Unterthanen Wahlspruch fein: Ich dien'."

Zum rechten Dienst gehört vor Allem aber rechte Freudigkeit. Leider geht diese Freudigkeit immer weiteren Kreisen verloren. Woher stammt die stetig wachsende Unzufriedenheit, die Niemand mehr leugnen kann? Ich gebe es zu, daß Vieles in unserem Vater­lande besser fein könnte; aber wo wäre dies nicht der Fall? Und ist es darum schon nöthig, daß unser zur Schwermuth neigendes Volk gleich Alles grau in grau sieht? Ein Christ darf kein Schönfärber sein; er muß ein offenes Auge für die sittlichen Schäden seines Volkes haben und mit heiligem Ernste an der HeiUng derselben arbeiten. Aber er darf noch viel weniger ein Schwarzseher werden.

Wir befinden uns in einer Uebergangszeit, und eine solche gleicht immer einer Wanderschaft durch die Wirte. Da darf ein Volk nicht fortwährend nörgeln md murren, sonst geht es demselben, wie dem Volke Jsrcrl, das um seines Murrens willen vierzig Jahre in ter

Wüste bleiben mußte.

Israels Fehler war, dc und Bedrüngniß alle Schw

es

Schmutzwasser der Anstalt, darunter neuerdings Excremente von Cholerakranken, werden auf Riesel­felder geleitet. Die Abflüsse der letzteren gehen in die wilde Saale. Wenige Schritte unterhalb wird das Trink- und Gebrauchswasser der Anstalt dem Flusse entnommen." Ob wohl nun derartige Anstaltsverhält­nisse sich nirgends sonst in Deutschland finden? Aber ganz abgesehen davon ist es notorisch, daß es mit dem Trinkwasser vielfach schlecht bestellt ist, ohne daß die Leute, welche dasselbe genießen, darauf achten. Es gibt genug Brunnen, bie sich in der Nähe von Dnngstätten befinden, es gibt genug Flußläufe, die stellenweise durch­aus gesundheitswidriges Wasser enthalten. Man weiß es nicht, oder man achtet nicht darauf, und deshalb erscheint eine ausnahmslos streng durchgeführte sanitüts- polizeiliche Kontrolle des Trinkwassers unbedingt ge­boten. Die Cholera kehrt sich, wie der Fall in Niet­leben beweist, nicht an die ungesunden und engen Ver­hältnisse der Großstädte, sie erscheint, wo sie einen günstigen Boden, die uns bisher unbekannten Existenz­bedingungen findet. Und diese Bedingungen werden augenscheinlich am leichtesten durch ungesundes oder verunreinigtes Trinkwasser geschaffen. Alle unsere großen medizinischen Autoritäten sind nicht ohne Be- sorgniß wegen eines neuen und heftigen Auftretens der Cholera zum Frühjahr, sie betonen, und die Erfahrungen geben ihnen 9iedjt, daß alle Absperrungen keinen wirk­lichen Schutz vor der Epidemie verbürgen, daß die Cholera da erscheint, wo sie ihre Existenzbedingungen findet. Darum muß in jedem Orte, mag er groß oder klein sein, das Erforderliche gethan werden, damit wir nicht von dem schlimmen Gaste abermals überrumpelt werden. Es handelt sich ja doch nicht blos um so und so viele Sterbefülle irgend einer Stadt, um eine schwere Heimsuchung für einzelne Gemeinden, sondern es kommen

Ueber die am Dienstag abgehaltene Sitzung der Militärkommission verbreitet jetzt das offiziöse Telegraphen- bureau nachstehende Mittheilung: Der Reichskanzler erklärte, der Vorschlag einer erhöhten Rekruteneinstcllung innerhalb der gegenwärtigen Präsenzstärke enthalte über­haupt kein Angebot gegenüber der Regierungsvorlage; seine Annahme würde die Ausbildung gefährden, die Mobilmachung in gewissen Zeiten des Jahres unmöglich machen, also die Armee schwächen. Dieser Vorschlag sei, weil er die Landesvertheidigung gefährde, unannehm­bar. Wenn zur Bekämpfung der Vorlage auf den Dreibund hingewiesen werde, so habe er selbst die hohe Bedeutung desselben stets anerkannt und seinerseits alles gethan, um ihn zu erhalten und zu stärken. Das Ver­langen der Heeresverstärkung beruhe weder auf Gering­schätzung des Dreibundes und seiner militärischen Macht, noch auf einem Zweifel an seiner Fortdauer, sondern auf der Erkenntniß, daß auch mit dem Dreibund Deutschland in einem Krieg mit überlegenen Kräften zn rechnen haben werde.

Großes Aufsehen erregt gegenwärtig im Centrum der Stadt eine Spielaffaire allerschlimmster Art, durch welche ein hiesiger Industrieller, dessen Vermögen vor surfet Zeit noch auf eine Million Mark geschützt wurde, arg geschädigt worden ist. Der Betreffende hat mit mehreren anderen Kaufleuten in einer Privatwohnung drei Tage und drei Nächte hindurch Karten gespielt (!) und dabei, so unglaublich dies auch klingen mag, circa 600,000 Mark verloren, die er seinen glücklichen Mit­spielern in Checks auf eine hiesige Bank, bei welcher er sein Vermögen deponirt, schlank auszahlte. Einer der Gewinner, ein in der Nähe des Alcxanderplatzcs wohn­hafter kleiner Agent hat nicht weniger als 120,000 Mark gewonnen. Der Rest des Vermögens des be­treffenden leidenschaftlichen Kartenspielers ist durch Intervention von Verwandten für seine Kinder sicher gestellt worden.

Eine Dynamitpatrone fand der Heizer einer großen Fabrik in Köpenick unter dem Kohlenvorrath. Wäre der gefährliche Explosionsstoff unter den Kessel ge­kommen, so hätte unabsehbares Unheil entstehen können. Der Mann erhielt 30 Mark als Belohnung für seine Aufmerksamkeit.

Halle a. S., 25. Januar. In der Irrenanstalt Nietleben sind bis jetzt im Ganzen 105 Erkrankungen und 33 Todesfälle zu verzeichnen. In Trotha ist von den erkrankten Personen eine gestorben; bei einer anderen ist Besserung eingetreten.

Aus Thüringen. Ein neuesSchwitzmittel" originellster Art hat die Frau eines Schreiners in B.

in Zeiten der Nsch auch die Rückwirkungen auf jms. gesummte öffentliche den von Gott er- Lebern Jir^DörMre trat die Epidemie in bemerkens-

auf den

wühlten Führer des Volkes schob, niemals aber der eigenen Sünden und Versäumnisse gedachte. Aechlich geht es jetzt bei uns. Wir verlangen, daß alles Heil von Oben her, von den Regierenden im Lande sonnte, und vergessen, daß es aus dem Volke selbst heaus- wachsen muß. Ein sittliches, für seine heiligsten öüter begeistertes Volk ist immer stark und groß. Es kann wohl vorübergehend Niederlagen erleiden, aber nmals völlig zu Grunde gehen.

Wenn Sturm droht, dann birgt sich der S-mann nicht feige, grollend in die Kajüte, dann hißt es: Alle Mann auf Deck!" So muß in dieser ernsten Zeit jeder Vaterlandsfreund aus seinem Posten in und dafür sorgen, daß in seinem Hause, in seiner Uigebung, Gottesfurcht und Sittlichkeit, Einfachheit un! Pflicht­erfüllung herrsche. In Zeiten heiteren Sonmscheines sich um den Thron zu schaaren, ist leicht, t trüben Tagen zeigt sich erst die wahre Treue.

Wir wollen uns die Freude am VWmde nicht verderben lassen und zu unseres Kaiser Geburtstage geloben:

Wir wollen sein ein einzig Volk von Blü.-n, 3n seiner Noch uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein, wie die Pater waren, Eher den Tod, als in der Knechischast leben Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Und uns nicht fürchten vor der Macht der tnschen.«

werther Weise nur in Hamburg auf; es war doch aber, als ob ein Alp auf unserem gesummten Verkehrsleben laste. Die fremden Länder schlössen sich gegen uns ab, der Absatz stockte, der Verdienst ging zurück und Sorge und Mißtrauen erfüllten die weitesten Kreise. Diese Erscheinungen womöglich noch in vergrößertem Maßstabe wiederkehren zu sehen, das ist die Aussicht, welche bei dem Wiedererscheinen der Cholera droht, und deshalb sollte nirgendwo gesäumt werden, sofort beim Eintritt einer milderen Witterung die erforderlichen Schritte zu thun. Man weiß schon, wie es kommt, wenn darauf gewartet wird, daß jeder Einzelne seine Schuldigkeit selbst thut. Es geschieht das Meiste nur halb, und Gleichgiltigkeit, Bequemlichkeit und Vertrauensseligkeit lassen über so manche dunkle Punkte fortsehen. Das Auftreten der Epidemie in Nietleben, der nun auch schon Aerzte zum Opfer gefallen sind, ist hochbedauerlich; gibt es den Antrieb, daß nun endlich einmal überall das Erforderlichste geschieht, dann wird es doch sein Gutes gehabt haben.

Eine nothwendige Matzrel

erscheint es angesichts des ebenso plötzlichenpie heftigen Auftretens der asiatischen Cholera in dcrfrreuanstalt zu Nietleben bei Halle, genau die Dualitäten Wassers in allen großen und kleinen deutschen On zu unter­suchen, welches als Trinkwasser Berwerng findet. Der Nietlebener Fall, der zeigt, daß fidue Cholera auch unter den ungünstigsten Temperaturhältnissen schnell entwickeln kann, und durchaus nicht die Siede­hitze des Hochsommers gebunden ist, bewei nicht nur, daß die Cholera selbständig, ohne Uebergung ent­stehen kann, daß das Wasser die Brutstätter Cholera- bazillen ist, sondern auch, daß die in Hambr gemachten trüben Erfahrungen bei Weitem nicht diejenBeachtung im Deutschen Reiche gefunden, welche siverdienen. In Hamburg ist die Qualität des Trinssers als eine unglaubliche geschildert, und über die U:suchungen des Professors Dr. Koch in der unterehördlicher Leitung stehenden Anstalt Nietleben bringue Saale- jeitung das folgende, verblüffende Ergeb:Das;

Deutsches Reich.

Berlin, 25, Jan. Der Großfürst-Thronfolger von Rußland ist gestern Abend Abend um ^lO Uhr hier eingetroffen und am Bahnhof von S. M. dem Kaiser sowie sämtlichen Prinzen des kgl. Hauses und den meisten zur Zeit hier weilenden fremden Fürsten em­pfangen worden. Der Kaiser und der Großfürst um* armten und küßten sich wiederholt. Nachdem der Groß­fürst mit dem Kaiser die Front der auf dem Bahnhof ausgestellten Kompagnie des Kaiser Alexander-Garde- Grenadicr-Regiments abgeschritten hatte, geleitete der Kaiser den Großfürsten im offenen Wagen nach der russischen Botschaft, in der der Großfürst wohnen wird. Auf dem ganzen Weg vom Bahnhof nach der Botschaft, die unter den Linden liegt, brächte eine dichtgedrängte Menschenmenge dem Gast des Kaisers stürmische Ovationen dar. Am hiesigen Hof hat heute die Vermählung der Prinzessin Margarethe, jüngsten Schwester des Kaisers, mit dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen in Anwesenheit der sämmtlichen zur Zeit in Berlin weilenden Fürstlichkeiten programmmäßig statt- gefunden. Die Neuvermählten begaben sich Abends nach Potsdam, von wo sie morgen wieder nach Berlin kommen. Hier nehmen sie vor ihrer Abreise nach Philippsruhe noch kurze Zeit im Palais der Kaiserin Friedrich Wohnung.

erfunden, der wegen der Gichtschwitzen sollte, wie ein Braten". Da nun das Bett diese Hitze hervorzubringen nicht im stande war, so band die be­sorgte Frau den Mann (mit dessen Zustimmung) auf ein Brett, hüllte ihn tüchtig in Wolltücher und schob ihn in den geheizten Backofen. Als sie nach Be­sorgung einiger Hausarbeit nachsah, fand sie den lieben Mann beinahe zu Tode geschwitzt. Er verzichtete unter Fluchen auf eine derartige Kur und muß es sich nun gefallen lassen, dergedörrte Schreiner" zu heißen.

Zserloh«, 22. Januar. Bei 1 Grad Kälte und heftigem Schneegestöber zog heute Mittag unter Blitz und Donner ein Gewitter über unsere Stadt. Ein Blitzschlag fuhr in die Telephonleitung.

Aus Oberfranken, 22. Jan. Von einem traurigen Geschick ist eine Familie in Kulmbach heimgesucht worden. Der vcrheirathete Biersieder Weith und sein Sohn sind am 19. d. Mts. zu gleicher Stunde verunglückt. Der junge Weith, in der Schobertschen Mälzerei in Eckersdors bei Bayreuth beschäftigt, kam dem Riemen der Trans, mission zu nahe, dieser riß ihn in die Höhe und zer- chmetterte ihn zwischen Decke und Transmissionsstauge. Kaum war dieses Unglück den Eltern telegraphisch ge­meldet, als von diesen ein Telegramm an den Ver­unglückten ein traf, laut welchem sein Vater durch einen Sturz von der Treppe das Genick gebrochen hatte. An ein Grabe der Verunglückten trauert die schwergeprüfte Wittwe und Mutter mit fünf unmündigen Kindern.

Aus Elsaß-Lothringen, 19. Januar. In Folge der großen Kälte und des starken Schneefalls macht sich namentlich in Lothringen ein verstärktes Auftreten der Wölfe bemerklich. Trotz der ausgesetzten hohen Schuß- prämien und der eifrigen Verfolgungen durch das Forst- personal ist es bis jetzt noch nicht gelungen, diese