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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Wustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

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Mittwoch, den 8. Februar

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1893.

Die großen Gesichtspunkte.

nach denen die Militärvorlage zu beurtheilen ist, werden von dem preußischen Generalmajor z. D. und ottomanischen Generallieutenant Freiherr v. d. Goltz Pascha in einem neuen von der Köln. Ztg. gebrachten Artikel wie folgt zusammengefaßt:Wir sind durch die rastlose Arbeit Frankreichs und Rußlands in der kriegerischen Machten!- faltung von beiden Staaten überholt worden. Unsere Hoffnung auf den Sieg im künftigen Kriege, der über Deutschlands Schicksal entscheiden soll, kann sich nur noch darauf gründen, daß der Himmel uns glücklichere Feldherrn scheere als unsern Feinden und daß unsere Soldaten tapferer und gewandter sein werden als die ihrigen. Dies ist ein unserm Gefühl sehr sympathischer Anker- grund, der jedoch die kritische Untersuchung auf seine Sicherheit nicht zu ertragen vermag. Die Zukunft und Selbstständigkeit des Vaterlandes sind daher in Gefahr, und, was das Schlimmste ist, sie sind insofern durch unsere Schuld in Gefahr, als wir es ver­schmähten, jährlich an 100,000 junge deutsche Männer, welche Waffen tragen können, für den Waffendienst auszubilden, sodaß wir für die Größe und den Bestand des neuen deutschen Reiches nicht einmal die volle Wehrkraft einzusetzen vermögen.

Demgegenüber sollen nach der Militärvorlage jähr­lich 60,000 von jenen 100,000 Mann mehr in's Heer eintreten, d. i. Jahr für Jahr die volle Streiterzahl von _ zwei Armeecorps. Um dies möglich zu machen, ist für alle Fußtruppen eine Dienstzeit angenommen worden, welche kürzer ist als jetzt die des kleinern Theils der Mannschaft, aber länger als die, welche der größere Theil bisher unter den Waffen zubrachte. Durch sorgfältig überlegte Vorkehrungen ist dabei ge­währleistet, daß die Ausbildung sich intensiver gestalten könne und daß die mit so kostbaren Mitteln geschaffene Truppe nicht im Mobilmachungsfalle in der Art wie bisher zerrissen und zersplittert werde. Die künftige Feldarmee nimmt mehr von der Gleichartigkeit, der Festigkeit und dem inneren Zusammenhänge des Friedensstandes in den Krieg mit hinüber als bis jetzt: sie wird jünger und stärker.

An Streiterzahl werden wir demjenigen unserer Gegner wieder überlegen sein, dem wir es Nach dem Verhältnisse der natürlichen Kräfte sein können und also auch fein müssen. Damit ist uns ein wichtiger und materieller Faktor für die Aussicht auf den Sieg wiedergegeben, und jedenfalls werden wir alles gethan haben, was in unsern Kräften steht, um die Größe und dem Glanz des Reichs, die auf uns von ruhmgekrönten Vätern überkommen sind, auch in Zukunft unversehrt zu erhalten.

Wer den Inhalt der Rcgicrungsvorschlüge so in ihrem Kern zusammenfaßt, kann nothwendigerweise nur zu dem Schlüsse kommen:Die Vorlage in ihrer vollen Ausdehnung muß erhalten bleiben, nur die einzelnen Theile können, insofern das Ganze nicht dadurch beein­trächtigt wird, der Umwandlung unterliegen." Denn die Erklärung:Wir wollen die Vorlage im ganzen Umfange nicht, sind aber zur Verständigung über einzelnes bereit," beruht auf gänzlicher Verkennung der eigenthümlichen Stärken des neuen Gesetzentwurfs, die grade in seiner umfassenden Anlage zu suchen sind."

Möge der als ausgezeichneter Militärschriftsteller be­kannte General Recht behalten, wenn er nach -Wieder- legung der hauptsächlichsten Einwände gegen die Vorlage sagt:Doch wir werden uns nicht dauernd übertreffen lassen. Auch in unserm Volke lebt eine heiße Liebe zum Vaterlande, Freude an seiner Größe und seinem Ruhme, Stolz auf seine kriegerische Stärke und nach einigem Zögern und einiger Bedenklichkeit werden diese Empfindungen ebenso wie die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit einer Erweiterung unserer kriegerischen Verfassung sich wieder Bahn brechen. Sie wird wie wir hoffen, ohne ernstes Zerwürfniß zwischen Regierung und Reichstag zur Aunahmeund zur Durchführung kommen. Wir werden die ersten bleiben da, wo wir es solange waren, in der Entwicklungeincs nationalen, alle Kräfte des Volkes gleichmüßigund gerecht in Anspruch nehmenden Heerwesens."

Deutsches Reich.

Berlin. S. M. der Kaiser ist in der Nacht zum Sonnabend von dem Begräbnis des Herzogs von Mtibor, das am Freitag in Rauben in Oberschlesien

in feierlichster Weise stattgefunden hat, nach Berlin znrückgekehrt.

Die neuen Militärforderungen haben einen Vor­schlag wieder in den Vordergrund treten lassen, der vor zwölf Jahren bereits auch den Reichstag beschäftigt hat: die Einführung einer Wehr stcuer, die von der großen Zahl der militärfreien, aber völlig erwerbs­fähigen Männer zu erlegen wäre. Eine solche Steuer besteht in der Schweiz, Oesterreich-Ungarn, Frankreich und Serbien; sie ist in der Einführung begriffen in Rumänien und in Aussicht genommen in Italien und Rußland. In einer soeben erschienenen Broschüre von Carl Snur über die Wehrsteuer wird der Ertrag der­selben für Deutschland auf Grund des Gesetzentwurfs von 1881 auf 18 Millionen Mark jährlich berechnet. Nach jenem Entwürfe sollte während 12 Jahren von den Befreiten eine jährliche feste Abgabe von 4 Mark und zugleich von denjenigen, deren Jahreseinkommen 1000 Mark übersteigt, eine progressiv geordnete Ein­kommensteuer erhoben werden. Jedenfalls ist es nicht unwahrscheinlich, daß die Wehrsteuerfrage auch parlamentarisch in bestimmter Form wieder zur Er­örterung gebracht wird.

Den Inhabern des Eisernen Kreuzes wird es erfreulich sein, zu vernehmen, daß der Großherzog von Baden einer bcz. Abordnung gegenüber versprochen hat, bei seiner demnüchstigen Anwesenheit in Berlin in erster Reihe die Bestrebung um Gewährung eines Ehrensoldes mit dem Kaiser befürwortend zu besprechen; handle es sich doch hier um eine Angelegenheit, die, ' wie kaum eine andere, der Befürwortung werth sei. Der Prinz- regent von Bayern soll für die bayrische Armee für das Eiserne Kreuz bereits einen Ehrensold bewilligt haben. Bei solcher Fürsprache steht es um die Sache nicht schlecht.

2. Febr. In der im Norden von Berlin ge­legenen Gerichtstraße ist am gestrigen Spätnachmittage ein Raubmord an einer Gemüsehändlerin Lischonski und deren dreijährigem Söhnchen verübt worden. Die Mutter ist in hoffnungslosem Zustande in die Zljarite gebracht, der Knabe ist todt. Das vorhandene Geld wurde geraubt. Die Thäter sind noch nicht ermittelt.

1. Febr. Ein Diebstahl en gos, wie er selbst in Berlin wohl noch nicht vorgekommen ist, wurde, wie aus einem Anschlag an den Säulen bekannt gegeben wird, am Geburtstage des Kaisers im Hause Nettelbeck- straße 78 ausgeführt. Am Abend ° des genannten Tages ist dort von Dieben eine Wohnung vollständig ausgeräumt worden. ^Das gesummte Mobilar eines Speisezimmers, eines Salons und eines Schlafzimmers ist mit Hülfe von zwei Möbelwagen entführt worden, ohne daß bisher eine Spur vom Verbleib dieser Sachen zu ermitteln war. Eine Belohnung von 100 M. wird Dem versprochen, der nachweisen kann, wohin das ge­stohlene Mobilar gebracht wurde.

Stettin, 3. Februar. In Bezug auf den Tod des Premier-lieutenants v. Charnier bei der bekannten Minen- Explosion ist ein besonderer Umstand festgestellt wordeu. Durch die Pulvermine, welche bekanntlich von einer Abtheilung des hiesigen Pionierbataillons bei dem Dorfe Daber gelegt war, um das gefrorene Erdreich zu sprengen, konnte der Offizier gar nicht so zerfleischt werden, wie es geschehen ist. Es ist nun ermittelt worden, daß der­selbe aus Vorsicht die sämmtlichen noch zur Verwendung bestimmten Dynamitpatronen in seinen Taschen getragen hat. Diese sind in dem Augenblick, als die Mine sich entzündete und der Offizier in Feuer und Pulverdampf gehüllt war, zur Explosion gekommen.

Jnsterburg, 2. Februar. Ein dreifaches Todesurtheil ist heute früh hier vollstreckt worden. Die Gutskncchte Wahnkat, Bolz und August, die vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt worden waren, weil sie in der Nacht zum 27. September 1891 ihren Dienstherrn, Guts­besitzer Reiner auf Schöneberg bei Goldap, ermordet und ihm 400 M. geraubt hatten, wurden durch den Scharfrichter Reindel aus Magdeburg enthauptet.

Leipzig, 30. Januar. Das Reichsgericht hob heute das Urtheil des Landgerichts Nürnberg vom 14. Ok­tober v. Js. auf, wodurch der Braumeister Georg Regner von der Anklage der Verletzung des Nahrungs- mittelgesetzes freigesprochen wurde. Derselbe hatte im Biere eine todte Katze mitgekocht. Das Landgericht hatte angenommen, daß hierin keine Verfälschung des Bieres vorliege.

Plane», 1. Febr. Der 13jährige Schulkunde Her­

mann Schaufuß hatte in der Absicht, einen von Bronnbach kommenden Güterzug zum Entgleisen zu bringen, einen großen Stein auf die Schienen gelegt. Der Stein, der 30 Zentimeter lang und 20 Zentimeter hoch war, wurde von der Maschine zerkleinert und bei Seite ge­schleudert, so daß ein Unfall nicht entstanden ist. S. wurde zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt.

Essen a. d. Ruhr, 3. Februar. Die Firma Krupp beabsichtigt, in der Gemeinde Altendorf, wo bereits die meisten Arbeiter des großen Werkes wohnen, noch eine Arbeiterkolonie zu erbauen. Dem Vernehmen nach sollen auf einem großen, vor einigen Jahren angekauften, in der Ortschaft Holsterhausen gelegenen Grundstücke eine ganze Reihe von 1'/-stückigen Arbeiterwohnhäusern mit kleinen Gürtchen, jedes für zwei Familien berechnet, angelegt werden. Damit nähert man sich dem Cottage- system, das in Bezug auf Gesundheit und Entwickelung des Sinnes für Haus und Familie das Ideal der Arbeiterwohnungen ist. Das wäre dann die sechste Arbeiterkolonie für die Fabrikangehörigen. In dem Zeitraum von 1863 bis 1873 wurden die Arbeiter- kolonien Westend mit 326, Nordhof mit 157, Baumhof mit 83, Krouenbergmit 1250 (jetzt 1400) und Scheder- Hof mit 772 Wohnungen erbaut, die beiden letzteren in Altendorf gelegen, im Ganzen also ca. 2650 Wohnungen. Die Firma besitzt gegenwärtig mit anderen zerstreut liegenden Häusern im Gebiete der Stadt Essen und der Bürgermeisterei Altendorf über 3350 Wohnungen mit über 20,000 Seelen. Das ganze Etablissement hat mit seinen Außenwerken über 70,000 Fabrikangehörige.

Cnxh-rfc» Grausige Tage haben die drei Matrosen des untergegangenen norwegischen VollschiffesThekla" aus Tönsberg hinter sich, die an Bord der dänischen BarkHermann" in Cuxhafen eingetroffen und daselbst wie bereits mitgetheilt, wegen Kannibalismus verhaftet worden sind. Diese drei Matrosen, zwei Norweger Namens Ole Andersen aus Tönsberg und Christian Hjalmar Jacobsen aus Christiansand, und ein Schwede Namens Alexander Johanssen aus Fitkcrbckskilde, be­richten: die Thekla befand sich auf der Reise von Phil­adelphia nach HGre mit einer Ladung Petroleum. Das Schiff wurde durch starke Stürme Ende Dezember schwer- leck; die Mannschaft mußte sich entschließen, es im Boot zu verlassen. Einem Boot mit acht Mann, dem Kapitän und dem Steuermann an Bord, gelang dies; die anderen Boote kenterten und zertrümmerten, so daß neun Mann an Bord blieben, die sich in den Fockmast retteten. Das Schiff, dessen Deck geborsten und voll Wasser war, trieb fortwährend unter Wasser; Nahrung hatten die Leute nicht; 5 Matrosen sprangen nach und nach im Wahnsinn über Bord und ertränken. Nun blieben noch 4 Matrosen übrig; jene 3 oben erwähnten und ein Holländer. Sie litten während der Zeit, vom 22. Dezember bis 7. Januar, die entsetzlichsten Qualen; ihre einzige Erfrischung war der Thau, der sich auf den Raaen und am Mast ansammelte und den sie ab- leckten. Am 13. Tag dieses entsetzlichen Daseins erbot sich der Holländer, sein Leben für die anderen zu opfern; dies grausig-großmüthige Anerbieten wollten seine Ge­nossen nicht annehmen, es sollte vielmehr das Los ge­worfen werden. Es traf den Holländer; er wurde getödtct, sein Blut wurde mit Mühe aufgefangen und davon ernährten sich die Ueberlebenden. Inzwischen waren an diesen schon vier Schiffe vorübergesegelt, ohne sich zu näheren; auch die am 7. Januar in Sicht kommende dänische Bark hat, da sie das Wrack zuerst für einen Dampfer hielt, schon vorübergehen wollen. Endlich hielt sie aber doch zum unaussprechlichen Jubel der drei Treibenden auf das Wrack zu, schickte ein Boot ab und rettete die Unglücklichen unter vielen Schwierig­keiten. Ueber das Schicksal der übrigen Mannschaft, die sich im Boot rettete, ist bis jetzt nichts bekannt ge­worden ; anzunehmen ist wohl, daß sie umgekommen ist.

Wilhelmshafen, 3. Februar. An Bord des Panzer­schiffesOldenburg" kamen vor etwa Jahresfrist seitens einiger Heizer außergewöhnliche Insubordinationen vor, die nahezu an Meuterei streiften und damals nicht ge­ringes Aufsehen erregten. Die Hauptschuldigen sind erst in den letzten Tagen, da die Untersuchung sich wegen der inzwischen eingetretenen anderweiten Kommandirungen einiger Zeugen sehr in die Länge zog, verurtheilt. Es wurden verurtheilt der Oberheizer Adam wegen Auf­ruhrs gegen Vorgesetzte, Gehorsamsverweigerung u. s. w. zur Entfernung aus der Marine und 5 Jahren Zucht-