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MchternerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

M 17. Mittwoch, tat 1. Mrz 1893.

Deutsches Reich.

Berlin Der Kaiser und die Kaiserin haben an­läßlich des Geburtstages des Königs von Württemberg ein Diner veranstaltet, welchem eine musikalische Abend- unterhaltung folgte. Der Kaiser hat den Grasen Caprivi, der am Freitag seinen 62. Geburtstag feierte, besonders ausgezeichnet; er machte ihm in großer Uniform einen längeren Besuch und verlieh ihm einen prachtvollen Ehrcusäbel.

Der Großherzog von Oldenburg beging am 27. Februar sein vierzigjähriges Regierungs-Jubiläum.

Die Novelle zum UnterstützungswcDsitzgcsetz wird in Bälde dem Reichstage zugehen. Das Alter für Erwerbung oder Verlust des Unterstützuugswohnsitz- rechtes soll von 24 Jahren auf 18 Jahre herab­gesetzt werden.

Nach einer neueren Verfügung des Ministers des Innern scheint es geboten, roth und grün gefärbte Gläser von der Verwendung für die Laternen der 9tab» fahrer allgemein auszuschließen, da sie zu Irrthümern bei der Beobachtung der Nachtsignale durch die Eisenbahn- betriebsbeamten Veranlassung geben können. Gegen die Verwendung anders gefärbter Gläser zu jenem Zwecke, sowie auch von helltönenden Glocken für die Fahrräder walten keine Bedenken ob.

Hamburg 21. Februar. Auf Anordnung der Be­hörde wurde die Leiche eines im September v. Js. auf der Straße in Folge der Cholera umgefallenen und verstorbenen Mannes wieder ausgegraben. Die An­gehörigen waren nämlich der festen Ueberzeugung, daß sich bei der Leiche 21,000 Mk. befinden müßten. Die Erben erkannten den Verstorbenen sofort wieder, doch fand sich von den vermeintlichen Schätzen nichts vor.

Ein Einjährig-Freiwilliger des 31. Infanterie- Regiments in Alton« hat am Kaisersgeburtstag in dem

Lokal, in welchem seine Kompagnie das Fest feierte, die

Taschen eines Kameraden ausgeleert und ist hierbei ab- Aus Oberfranken, 24. Februar. Der Soldat,

gefaßt worden. Vom Militärgericht ist er nun zu Herold des in Bayreuth garnifonirenben Infanterie-! Bahn bereits am 1.' Oktober d. Js. wird «folgen einem Jahr Festung, zu dreijährigem Nachdienen und Regiments hat einen äußerst verwegenen Streich aus- können. Durch diese Bahn wird eine wesentliche Er­den damit verbundenen Nebenstrafen verurtheilt worden, geführt, der ihm eine empfindliche Strafe eintragen' leichterung der Verwerthung der Rhönprodukte (Holz,

Der Berurtheilte gehört einer angesehenen Familie an.

Miinchen. Ein netter Vergleich. Am königlichen Landgerichte München II. behauptete in einer Ver­handlung wegen Uebertretung des Viehseuchengesetzes in der letzten Woche ein Bauer, daß er seinen Stall des- infizirt gehabt hätte, während ein als Zeuge ver­nommener Gendarm das Gegentheil behauptete.Nun," meinte der Vorsitzende,wie hat denn der Stall aus­gesehen, war er ausgeweißt oder schmutzig?"Keines von Beiden, insbesondere aber nicht reinlich! Ungefähr so wie dieser Sitzungssaal hier!" erwiderte der Gendarm. Sehr richtig!" bemerkte hierzu ein Beisitzer, während Alle in ein schallendes Gelächter ausbrachen.

Darmstadt, 26. Februar. Nachdem das Reichs­gericht die Revision des wegen Mordes zum Tode verurtheilten Pflasterers Kramm verworfen hatte, glaubte man allgemein, der Großherzog werde in diesem Falle von dem Begnadigungsrecht Gebrauch machen. Kramm wurde als der von Schreck Verführte angesehen und hat auch während der Schwurgerichtsverhandlungen in Darmstadt lange nicht den ungünstigen Eindruck, wie Dieser gemacht. Der Großherzog hat aber das Todesurtheil bestätigt, die Hinrichtung fand heute Vor­mittag halb 7 Uhr statt. Kramm ist gebrochen und reumüthig gestorben. Die Hinrichtung wurde, wie bei Kuhmichel, durch den sächsischen Scharfrichter Brand im Hofe deS Arresthauses vollzogen. Schreck, der Hauptschuldige an dem Morde des Landwirths Schul- meyer, hat sich bekanntlich im Gefängniß erhängt. Kramm war noch nicht 20 Jahre alt; seine Leiche wurde der Gießener Klinik überwiesen.

Karlsruhe. Durch die Presse lief kürzlich die Notiz, der Sitz des ersten deutschen Mädchengymnasiums werde Weimar sein. Bekanntlich geht die Gründung dieser Schule vom VereinFrauenbildungs- Reform" aus,

dessen Vorstandssitz z. Z. Weimar ist; wie indessen der Vorstand des genannten Vereins mittheilt, ist jene Ortsangabe irrthümlich. Das Mädchengymnasium wird ; in Carlsruhe eröffnet. Baden ist dasjenige Land im deutschen Reiche, wo die vom VereinFrauenbildungs- j Petersburg, 23. Februar. In Südrußland ist die Reform" vertretenen Bestrebungen um Zulassung der' Cholera im Zunehmen begriffen. In einigen Gouver- Frau zu Universitätsstudien die wohlwollendste Auf-1 nements erkranken täglich an 5C0 Personen.

nähme, und wo diese so wichtige sociale Frage bei der! Sibirien. Strenge Kälte. Ueber anhaltend strenge Regierung wie bei der Volksvertretung die Verständniß- Kälte berichten die sibirischen Blätter. Seit längerer

vollste Würdigung gefunden hat. Das Schulgeld be­trügt jährlich 200 Mk.; Anmeldungen von Schülerinnen und alle Anfragen über die Schule nimmt der Vor­stand des VereinsFrauenbildungs-Reform" in Weimar entgegen.

24. Februar. Ueber schwere Soldatenmißhand­lungen berichtet derSchw. Bote" aus Durlach in Baden. Es wurden fünf Beschuldigte verurtheilt: ein Feldwebel, dessen Mitwirkung wesentlich darin bestand, die Mißhandelten, die sich beschweren wollten, an der Erhebung der Beschwerde zu hindern, zwei Vizefeldwebel und zwei Unteroffiziere, davon einer nicht mehr bei der Linie. Verurtheilt wurden der Unteroffizier, der wegen gleicher Vergehen schon einmal bestraft worden ist, zu 2/2 Jahren Festung und Degradation, der Unteroffizier a. D. zu einem Jahr vier Monaten Festung, ein Vicefeldwebel, der einen Soldaten mit glühenden Kartoffelstücken speiste, zu 9 Monaten Festung, ein Vieefeldwebel zu 3 Wochen und der Feldwebel zu 7 Tagen Arrest.

Man schreibt aus Mainz, 22. Febr:In hiesiger Gegend circulirt zur Zeit massenhaft falsches Geld und zwar hauptsächlich Ein- und Zweimarkstücke. Dieselben sind theilweise sehr gut nachgeahmt und lassen sich von den ächten sehr schwer unterscheiden, so daß ein hiesiger sehr geübter Kassenbeamter in der letzten Zeit mehrfach täglich beim Kassenabschluß einige Falsifikate vorfand. Nur an dem geringeren Gewicht und dem etwas helleren Glänze lassen sich die falschen von den ächten Stücken unterscheiden. Aus der massenhaften Verbreitung der gefälschten Stücke vermuthet man mit Recht, daß man es mit einer wohlorganisirten Falschmünzerbande zu thun hat, die sich gegenwärtig die hiesige Gegend zum Operationsfeld auserkoren. Trotz eifriger polizeilicher Nachforschungen hat man bis jetzt noch keinen Anhalts­punkt, der zur Entdeckung der Bande führen könnte."

dürfte, da er wegen eines ähnlichen Reales mit sechs

Monaten Festung bestraft und in die zweite Klasse des Soldatcnstnndes versetzt wurde. Er hat sich am ver­flossenen Sonnabend vom Regimente entfernt und einen neuen Gefreiten-Anzug mitgenommen, den er entwendet hat. Er durchstreifte Oberfranken und kam am Montag nach Haisdorf, wo er angab, es finde am Nachmittage in der Umgegend ein Gefechtsschießen statt. Herold be­stellte für Offiziere, Mannschaften und Pferde Quartier, für die Offiziere ein feines Diner und kaufte Hafer um hohe Preise für die Pferde; er selbst ließ es sich an nichts fehlen. Als das Militär, wie selbstverständlich, ausblieb, erklärte Herold, das Militär müsse kommen, jedenfalls zwei Tage später würde es eintreffen. Es wurde daher für Mittwoch abermals ein feines Diner für die Offiziere hergerichtet. Der Bürgermeister von HarSdorf suchte nun den Ausreißer auf und bat ihn, mit zum Telegraphenamt zu gehen, welcher Bitte Herold nachkam. Unterwegs trat Herold in einen Laden, um Kautabak zu kaufen, und ist dann unter Hinterlassung einer bedeutenden Zechschuld verschwunden. Die Hars- dorfer glauben heute noch nicht, daß sie geprellt sind; denn ein Gefreiter habe Quartier gemacht, und dann sei die Sache in Ordnung.

Gera. Am Montag hat ein Heizer der Weimar- Geraer Eisenbahn zwischen den Kohlen seiner Lokomotive eine Dynamitpatrone gefunden. Dieselbe war wahr­scheinlich infolge eines Versehens eines Bergmanns auf der westfälischen Zeche, von der die Kohlen bezogen waren, dazwischen geraten.

ArrslanÄ.

In der Wohnung eines Agenten in Budapest war ein aus Wien bezogenes Klavier ausgestellt worden. Als ein 12jähriges Mädchen sich ans Klavier setzte und die Tasten berührte, explodirte eine Dynamitbombe, welche im Klavier versteckt gewesen war und bei Berührung der Tasten das Klavier zersplitterte. Das Mädchen ist schwer verwundet.

Zeit erreichen die Fröste in Sibirien 45 Grad Räaumur und sind von einem so starken Reif begleitet, daß man auf 56 Faden nichts sehen kann. Aus einem Kübel in die Luft geworfenes Wasser gefriert im Niederfallen und kommt als ein Eisnadelregen zur Erde. In Jenisseisk kann man es in den Wohnungen kaum auf eine Temparatur von 34 Grad Wärme bringen. Eine so anhaltende und strenge Kälte ist seit Jahrzehnten nicht beobachtet worden.

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Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 28. Februar.

Erben werden gesucht. Nach einer der Bürger

meistcrei Mainz aus Amerika zugegangenen Mittheilung starb am 30. Dezember 1892 in Kolumbus ein Deutscher Namens Johann I a k o b y mit Hinter­lassung eines Vermögens von 1618000 Dollar. Jakoby, der ledig war und keine Leibeserben hinterließ, wanderte Ende der 40er oder Anfangs der 50er Jahre im Alter von ca. 20 Jahren nach Amerika aus. Er war ein Sonderling, seinen Bekannten gab er nie Auf­schluß darüber, aus welcher Gegend Deutschlands er sei, er sprach auch nie von Eltern, Geschwistern oder Ver­wandten. Seines Zeichens war er Schuhmacher oder betrieb in Columbus zuerst ein Schuhgeschäft und später eine Wirthschaft. Die Schusterei soll er in Mainz ge­lernt haben, und es wird vermuthet, daß er in dieser Stadt oder in der Umgebung (auf Hessischem oder Nassauischem Gebiete) geboren war. Wenn die Erben des Genannten nicht ermittelt werden," fällt sein nicht unbedeutender. Nachlaß dem Staate Missisippi anheim.

Vam Rhöngebirge, 19. Februar. Ein wichtiger Schritt für die weitere Vervollständigung unseres Eisen­

bahnnetzes wird gegenwärtig durch den Bau der Bahn­strecke von Neustadt an der Saale nach Königshöfen im Grabfelde gethan, welcher rüstig vorwärts schreitet, so daß gutem Vernehmen nach die Eröffnung dieser

Vieh, Obst, nützliche Materialien :c.) nach Skiern hin geboten, da von Bischofsheim bis Neustadt bereits Bahnverbindung vorhanden ist. Die Gegend um Bischofsheim ist namentlich reich an herrlichen Produkten des Obstbaues. Dabei wäre jedoch auch sehr zu wünschen, daß die von den Rhönbewohnern schon lang ersehnte Bahnverbindung Gersfeld-Bischofsheim ebenfalls bald hergestellt würde, weil dann eine sowohl in industrieller, wie in touristischer Beziehung höchst er­sprießliche direkte, die ganze hohe Rhön durchquerende Bahnverbindung von Fulda nach Königshöfen vor- Handen wäre.

Bom Vogelsberg, 18. Februar. Ein heiteres und doch so ernstes Stückchen hat sich in einem Dorfe un­weit Schotten zugetragen. Die Frau eines Federvieh­händlers, welche nicht im besten Einvernehmen mit ihrem Manne lebte, wollte denselben dieser Tage ins bessere Jenseits befördern. Sie wollte sich zu diesem Zwecke aus einer Apotheke Rattengift verschaffen. Allein der Apotheker gab ihr, seiner Instruktion gemäß, keins, mit dem Bemerken, sie müsse eine Bescheinigung vom Bürger­meister mitbringen. Des anderen Tages kam zufällig ihr Mann in dieselbe Apotheke. Der Apotheker, der die Eheleute kannte, fragte ihn, ob sie viel Ratten hätten, seine Frau hätte gestern Gift haben wollen. Der Mann sagte, er wüßte von keinen Ratten; das Gift wäre vielleicht zu einem anderen Zwecke bestimmt gewesen. Wenn sie wiederkäme, solle er ihr anstatt Gift gestoßenen Zucker geben, was der Apotheker auch fest versprach. Nach zwei Tagen kam die Frau dann auch wirklich wieder mit einer Bescheinigung, welche der Bürgermeister arglos ausgestellt hatte. Der Apotheker gab ihr anstatt Gift, seinem Versprechen gemäß Zucker. Als sie des Mittags heim kam, sagte sie, ihr wäre nicht gut, sie wollte ihm einige Pfannkuchen, die er gern, backen. Der Mann ahnte nichts gutes, indeß sämmtliche Kuchen. Nach einiger Zeit verstellte er sich und sagte, es wäre ihm gar so weh, es würde immer schlimmer mit ihm und auf einmal fiel er vom Stuhl und stellte sich todt. Die Frau eilte nun in die obere Stube im zweiten Stock, wo ein Loch beim Ofen war, damit die Wärme im Winter in diese Stube zog, ließ ein Seil herunter und band es ihrem Manne, der noch regungslos dalag, um den Hals. Dann eilte sie wieder