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J& 18. Samstag, den 4. Mürz 1893.

Deut sches Reich.

Berlin, 25. Febr. Der Kaiser ist der Freimaurer- Loge, der sein Vater und sein Großvater angehörten, nicht selbst beigetreten, aber seines Wohlwollens entbehrt die Freimauerei darum durchaus nicht. Bei dem jüngsten Besuch des Prinzen Friedrich Leopold in der Loge Friedrich Wilhelm zur Morgenröthe konnte demHamb. Korr." zufolge der Großmeister Zöllner hervorhebcu, daß der Kaiser die direkte Veranlassung zu dem Eintritte des Prinzen in die Loge gewesen sei.

Das Geburtstagsgeschenk des Kaisers für den Reichskanzler ist, wie schon kurz erwähnt, ein kostbarer Ehrensäbel. Die Klinge trägt in Goldbuchstaben die Widmung des Gebers; die Kaiserliche Krone und die Grafenkrone sind als Embleme am Griffe angebracht. Unter einem Rcliefmedaiüou, das die wohlgctrosfcuen Züge des Kaisers wiedergibt, befinden sich die Zeilen: Alle Zeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit."

Richt uninteressant sind die Nachweisungen, die der Budget-Kommission des Reichstags über die Be­lastung des einzelnen Infanteristen ertheilt worden sind. Es sind die folgenden: 1. Gewicht der jetzigen Be­lastung des Infanteristen einschließlich Zeltausrüstung mit Messingbeschlägen 31,aas Kilo. Diese Zahl stellt das Durchschnittsgewicht der Belastung einschließlich Spaten dar; dasselbe ist ermittelt aus den Wägungen mehrerer Armeekorps. 2. Durch Verwendung von Alu­minium wird die Belastung verringert: bei der Zelt­ausrüstung um 200 Gr., bei der Feldflasche um 400 Gr., bei dem Kochgeschirr um 425 Gr., im ganzen 1,025 Kilogr. 3. Bei Ersatz der im Frieden vorräthig gehaltenen eisernen Portion durch eine erst im Mobilmachnngsfnll hergestellte Portion verringert sich deren Gewicht um 0,560 Kilogr. 4. Gewicht des nur von der Hälfte der Mannschaften getragenen Spa^-ms 0,950 Kilogr. 5. Die Gesammtbelastung betrügt mit­hin nach Verlauf der ersten Zeit: für die eine Hälfte der Infanterie 20,66 8 Kilogr., für die andere Hälfte 28,ti8 Kilogr. 6. Sonst noch in Erwägung genommene und im Versuch begriffene Erleichterungen belaufen sich auf 3,387 Kilogr. 7. Nach Durchführung der er­wähnten Erleichterungen wird die Gesammtbelastung nach Verlauf der ersten Zeit betragen für eine Hälfte der Infanteristen 26,38i Kilogr., für die andere Hälfte 25,431 Kilogr.

* Die Einführung der Einheitszeit, welche in Deutschland am 1. April d. Js. erfolgen soll, wird im Osten Deutschlands, bis zur Elbe, eine kaum bemerkbare Aenderung im bürgerlichen Leben hervorrufen, da die Zeitvcrschicbung nur im äußersten Osten, jenseits der Weichsel, mehr als 10 Minuten beträgt. Links von der Elbe, besonders aber am Rhein und noch mehr an den Vogesen, wo es sich um größere Zeildifferenzen handeln wird, mag man Anfangs einige Schwierigkeiten haben, aber das Beispiel Badens, wo die mitteleuropäische Zeit schon seit länger als einem Jahre eingeführt ist, zeigt, wie leicht diese Schwierigkeiten überwunden werden. In Berlin wird die jetzige Mittagszeit (12 Uhr) künftig 7 Minuten nach 12 Uhr fallen; die Leute, die gewohnt sind, um 12 Uhr zu Mittag zu essen, müssen künftig 7 Minuten früher essen oder sie müssen ihre Tischzeit auf 12 Uhr 7 Minuten verlegen. Ebenso wird es mit allen, an eine bestimmte Zeit gebundenen Vorrichtungen z. B. Arbeitszeit in Fabriken und Geschäften, Schulunterricht und bergt sein, und in denjenigen Fällen, wo die Zeitfeftsetzungen durch freie Vereinbarung geschehen, wird man gut thun, sich möglichst gleichzeitig darüber zu verständigen. Unsere Taschenuhren, sowie die sonstigen mechanischen Zeitmesser, werden wir am 1. April auf mitteleuropäische Zeit stellen müssen und wenn sie sonst richtig gehen, so werden sie auch diese korrekt anzeigen; wie sich die Besitzer von Sonnenuhren mit der mitteleuropäischen Zeit absinden werden, müssen wir diesen überlassen.

Viele preußische Städte, welche im vorigen Jahre bei der Einführung der Selbsteinschätzung die Höhe der Kommunalabgaben herabsetzen konnten, müssen in diesem Jahre wieder zu höheren Sätzen greifen, weil die Steuersumme zurückgegangen ist in Folge der traurigen wirthschafilichcn Ergebnisse des Vorjahres. So muß Berlin, das 1892 neben seiner bekannten hohen Mjethssteuer 70 pCt. Kommunalzuschlag erhob, in dwsem Jahre zu 90 pCt. übergehen. Vor der Selbsteinschätzung wurden WO pCt erhoben,

Auf den preußischen Staatsbahnen soll neuer­dings die Auslegung von Anzeigebüchern in den Wagenabtheilungen der wichtigeren Schnellzüge, sowie der Aushang von geschäftlichen Bekanntmachungen aller Art in den Wartesälen und Vorfluren der Eisenbahn­stationen zugelassen werden. In Folge dessen sind bereits zahlreiche Gesuche von Unternehmern an den Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtet und an die zuständigen Direktionen zur Erledigung abgegeben worden. Zur Vermeidung von Verzögerungen empfiehlt es sich, wie derBerl. Aktionär" betont, daß die Unternehmer ihre Gesuche stets unmittelbar an diejenige Direktion richten, in deren Bezirk sie zugelassen zu werden wünschen.

27. Februar. Die Stadt Berlin erhält eine Million Mark zur Errichtung eines Findelhauses (Kinder-Asyl). Theaterdirektor Albert Schmidt hatte diese Summe der Stadt vermacht. Die Erben erhoben dagegen Widerspruch. Das Landgericht I. hielt den Einspruch für berechtigt. Das Kammergericht entschied zu Gunsten der Stadt.

Aus Schleswig, 27. Febr. Ueber den Untergang des großen deutschen DampfersOlympia" auf der Rhede von Aarhus berichtet dasBerliner Tageblatt" folgende Einzelheiten: Der dänische DampferDronning Lovisa", durchbrach die Eisbarre in der Aarhuser Bucht und erreichte glücklich den Hafen. Der deutsche Dampfer Olympia" und der englische DampferSicilian" suchten derDronning Lovisa" in der eben hergestellten Fahrrinne zu folgen. Der Druck der Eismassen war indeß ein gewaltiger. DieOlympia", die an der Spitze war, blieb im Eise stecken, und dasselbe Schicksal ereilte bald dem englischen Dampfer. DieOlympia" vermochte dem furchtbaren Eisgang nicht zuwiderstehen; mehrere Platten zersprangen; das Wasser drang in das Schiff. Der Kapitän muffte mit der Besatzung das sinkende Schiff verlassen, das unter dem gewaltigen Druck des Eises zu krachen begann. Gegen Mitter­nacht zerschnitt das Eis den Schiffskoloß der ganzen Quere nach in zwei Theile und bald versanken beide Wrackstücke in die Tiefe, so daß am nächsten Morgen auch nicht die geringste Spur des Dampfers zu er­blicken war. Die Besatzung fand gastliche Aufnahme auf demSicilian", am nächsten Tage trafen die Schiffbrüchigen in Aarhus ein; dieOlympia" war ein Hamburger Schiff; die Mannschaft besteht über­wiegend aus Deutschen.

Ein nicht uninteressantes Schauspiel ist gegenwärtig in den Straßen der Stadt Freiburg i. B. zu sehen, welches tagtäglich eine große Zahl Neugieriger ver­sammelt. Es ist dies ein verhältnißmäßig kleiner eiserner Wagen, auf dem ein Patent-Petroleummotor steht, welcher eine auf demselben Wagen angebrachte Zirkularsäge und Holzspaltmaschine betreibt. Dieser Wagen wird nun von Haus zu Haus und Straße zu Straße gefahren, überall, wo eingemachtes Brenn­holz liegt, macht er Halt und in kurzer Zeit ist das Holz gesägt und gespalten. So können täglich 2 Personen 20 Klafter Holz sägen und spalten und zwar bei dem geringen Petroleumverbranch von etwa 10 Liter.

Aus Oberfranken, 28. Febr. In der verflossenen Nacht wurde der Gendarm Fuchs von Weidenberg bei einem Patrouillengange erschossen und heute frug als Leiche aufgefunden. Das Dienstgewehr des Fuchs war abgeschossen, woraus geschlossen wird, daß es zwischen Fuchs und einer oder mehreren anderen Personen, vermuthlich Wilderern, zu einem Zusammenstöße ge­kommen ist.

Zur Linderung der Noth unter den Arbeitslosen in Weißensels, die sogar in einer Siebener-Deputation beim Magistrat um Hilfe gebeten hatten, war von den städtischen Körperschaften die sofortige Inangriffnahme städtischer Arbeiten beschlossen und für solche ein Kredit von 2500 Mk. bewilligt worden. Mit dieser Summe hätte schon mancher Familie geholfen werden können. Von 40 Arbeitslosen, die vom Magistrat als Arbeiter angenommen worden, haben aber nur 8 die Arbeit an­genommen, die übrigen 32 haben sie verschmäht! Wenn im Reichstag wieder eine Nothstandsdebatte statt finden sollte, wird man gut thun, sich dieses Falles zu erinnern.

Freiberg in Sachsen, 26. Febr. Eine furchtbare That wird der 21 Jahre alte Schlächtergeselle Emil Richard Gehlert aus Ober-Colmnitz mit dem Tode zu büßen haben. Der Genannte faßte im vorigen Herbst

den Entschluß, seinen Vater aus bem Wege zu räumen und am 24. Oktober lauerte er demselben auf u, tobtete ihn meuchlings durch einen Gewehrschuß. Der Verbrecher wurde bald ermittelt und besaß jetzt die un­sagbare Frechheit und Gemeinheit, seine eigene alte Mutter der That zu beschuldigen. Als die gänzliche Haltlosigkeit dieser Verdächtigung nachgewiesen war, gab brr Angeklagte in der gestrigen Verhandlung vor dem hiesigen Geschworenengericht seine Schwester als Thäterin an, die das Verbrechen auf Geheiß der Mutter verübt haben sollte. Aber auch die Schuldlosigkeit dieses jungen Mädchens stellte sich heraus, dagegen wurde dem Angeklagten durch Zeugen das Verbrechen nach- gewicscn. Seine Verurtheilung zum Tode war die Folge; eine vom Vertheidiger beantragte Ueberweisung des Verbrechers zur Untersuchung an eine Irrenanstalt wurde vom Gericht abgelehnt.

Lokales und Provinzielles.

Aus dem'Regierungsbezirk. 26. Febr. Auf dem am 21. d. Mis. in Bebra abgehaltenen Verbandstage der Genossenschaften nach Raiffeisenschem System im Regierungsbezirk Kassel, auf welchem von 159 zum Verbände gehörigen Vereinen 53 durch Delegirte ver­treten waren, wurde eine Resolution gefaßt, in welcher das volle Vertrauen der Versammlung zu der Central- verwaltung in Neuwied seinen Ausdruck fand. Auch wurde der in der Versammlung anwesende Generalanwalt Herr Direktor Bremer von Neuwied aufgefordert, auf dem diesjährigen Vereinstage der Deutschen Raiffeisenschen Darlehnskassen, welcher in Straßburg abgehalten werden wird, dahin zu wirken, daß der nächstjährige Vereinstag in Kassel stattfinden möge.

Cassel, 24. Febr. Dieser Tage traf die Allerhöchste Cabinetsordre hier ein, daß das Husaren-Regiment Landg " Friedrich II. von Hessen-Homburg an dem im kommenden Herbst im Elsaß vor Seiner Majestät dem deutschen Kaiser stattsindenoen großen Manöver Theil nehmen wird und zwar ist das Husaren-Regiment der aus sechs Kavallerie-Regimentern bestehenden Kavallerie-Division des VIII. Armeecoips zugetheilt worden.

Cassel, 26. Februar. Der Schreinergeselle Johann Heinrich Härtung aus Hertingshausen wurde bekanntlich vom hiesigen Schwurgericht wegen Ermordung des jungen Mädchens aus Niederzwehren für schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe von 12 Jahren verurtheilt. Bevor das Urtheil jedoch rechtskräftig wurde, legte der Vertheidiger des Angeklagten, Herr Rechtsanwatt Levie, Revision an das Reichsgericht ein und erzielte auch den Erfolg, daß das Urtheil des Schwurgerichts aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung vor das Schwurgericht zu Cassel verwiesen wurde. Inzwischen ließen Anzeichen und Wahrnehmungen erkennen, daß der Geisteszustand des Härtung eine Störung erlitten habe, weshalb derselbe auf Antrag des Herrn Vertheidiger der Jrrenheilanstalt Marburg zur Beobachtung des Geisteszustandes überwiesen wurde. Diese Beobachtung und Untersuchung des Härtung durch die dortigen Irren­ärzte hat nun ergeben, daß derselbe völlig geistig um- nachtet ist, auch eine Aussicht auf Heilung nicht besteht, so daß Härtung demnächst in die Irrenanstalt nach Henna überführt werden wird.

Corbach, 24. Febr. Ein Forstaufseher aus Gold­hausen, der während der strengen Kälte vor einigen Wochen in halberstarrtem Zustande ausserhalb des Dorfes aufgefunden wurde, befindet sich im Arolser Krankenhause, woselbst ihm beide Hände und sämmtliche Zehen amputirt wurden.

Fronhausen, 28. Februar. In der Nacht zum Sonntag hat auf einem Bauernhöfe hier 1. eine Frau ein Mädchen, 2. ein Pferd ein Fohlen, 3. eine Kuh ein Kalb, 4. ein Schaf ein Lämmchen geboren! Das ist in der That ein Segen, wie er wohl kaum jemals auf einmal vorgekommen ist.

Aus dem Kreise Ziegenhain. Ganz unerklärlich sind die gegenwärtigen Viehpreise, besonders für fettes Schlachtvieh. Die Getreidepreise stehen niedrig, der Körnerertrag im Vorjahre war gut, Kartoffeln hat es ebenfalls in Menge gegeben, sodaß Futtermittel zum Mästen der Schweine in Menge vorhanden sind, trotz­dem stehen die Preise für fette Schweine hoch und steigen noch immer, es werden bis über 60 Mk. pro Zentner gezahlt. Der Preis für die Sangferkel steigt