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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familicnfreund" vierteljührl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

Anzeichen Wirthschaftlicht'» Aufschwungs.

Das Wirthschaftsjahr 1892 hat manche ungünstige Erscheinungen zu Tage treten lassen. Namentlich hatten wir eine stark vermehrte Einfuhr neben einer Verminderung her Ausfuhr gegenüber dem Vorjahr. Nach den vor­läufigen Werthberechnungen steigerte sich die Einfuhr von 4403 auf 4403 Millionen Mark, also um etwa 60 Millionen Mark, während die Ausfuhr von 3340 auf 3358 Millionen Mark, also um 12 Millionen Mark zurückging. Auch die Handelskammerberichte sprechen sich über Gestaltung der wirthschaftlichen Ver­hältnisse nicht günstig aus. Diese und ähnliche Merk­zeichen werden aber gar zu leicht als feststehende Be­weise Eingenommen und selbst dann noch verwerthet und festgehalten, wenn sich in den Verhältnissen schon längst ein Umschwung wahrnehmen läßt.

Daß die ungünstige Beurtheilung der Verhältnisse während des vergangenen Jahres nicht vollständig zu­treffend ist, ergibt sich aus dem schon von dem Staats- secretär des Auswärtigen neulich hervorgehobenen Um­stand, daß allerdings die Mehreinfuhr gegenüber dem vorhergegangenen Jahre stark war, daß aber die Mehr- einfuhr im Betrage von 166 Millonen Mark auf Roh­stoffe fiel, während sich die Einfuhr von Fabrikaten um 65 Millonen Mark gemindert hat. Eine vermehrte Einfuhr von Rohstoffen ist aber kein ungünstiges Zeichen; sie beweist vielmehr die gesteigerte Fabrikations­und Consumtionsfähigkeit im eigenen Lande. Während die verminderte Fabrikat-Einfuhr einen Rückgang in ber Konkurrenz des Auslandes mit unserer Fabrikations- thätigkeit bedeutet.

Wie dem nun aber auch sei, so liegen genügend deutliche Anzeichen vor, daß, wenn das Jahr 1892 in seiner Gesammtheit wirthschaftlich ungünstige Ergebnisse aufzuweisen hatte, doch in seinem letzten Theile sich ein Umschwung und Aufschwung angebahnt hat, der im Januar 1893 sogar noch weitere Fortschritte gemacht hat. In den letzten beiden Monaten des Jahres 1892 hat sich die Ausfuhr erheblich gesteigert, im November von 18,9 auf 19,2 und im Dezember von 16,4 auf 17,6 Millionen Mark; ein Stillstand der Einfuhr ist wenigstens für den Dezember festzustellen; von 23,3 auf 23,2 Millionen Mark. Andere Zeichen bestätigen die hieraus zu ziehenden günstigen Schlüsse: so hat sich der Versand von Steinkohlen von der Ruhr und von Oberschlesien seit dem Monat November zu einer außerordentlichen, die gleiche Zeit des Vorjahres weit hinter sich zurücklassenden Höhe erhoben, welche auf eine gesteigerte Thätigkeit der Industrie hinweist; ins­besondere hat sich der Versand aus Oberschlesien im November stark vermehrt.

Für den Monat Januar dieses Jahres hat die Besserung, die sich in den Ein- und Ausfuhrverhältnissen im November und Dezember zeigte, ungehalten. Liegen hierüber auch keine Werthberechnungen vor, so zeigen die Ziffern der ein- und ausgeführten Mengen doch zur Genüge, daß wir uns in stetig aufsteigender Richtung bewegen. So ist die Einfuhr im Januar d. I. gegen den Monat des Vorjahres um mehr als 700000 Kilogramm zurückgeblieben; namentlich gründet sich dieser Rückgang auf die verminderte Einfuhr von Weizen und Roggen; auf der anderen Seite hat aber was ein günstiges Zeichen ist die Einfuhr von Fabrikations-Rohstoffen (Baumwolle, Flachs, Rohseide) sehr stark zugenommen. Die Ausfuhr hat sich ins­gesammt von 13,1 im Januar 1892 auf 13,7 im Januar d. Js., also um etwa 600 000 Kilogramm ge­hoben, und zwar fällt die Zunahme des Exports ins­besondere auf Sprit und Rohzucker; die Zuckerausfuhr hob sich von 167 auf 243 Doppclccntner.

Wir wissen sehr wohl, daß alle diese Zahlen noch nicht als ein vollgültiger Beweis vollständig ver­änderter wirthschaftlicher Verhältnisse anzuschen sind. Aber sie genügen, um es als ungerechtfertigt erscheinen zu lassen, daß jetzt immer noch die Vorstellungen von dem Darniederliegen aller wirthschaftlichen Verhältnisse aufrecht erhalten werden. Wenn diese Verhältnisse immer noch als ein Beweis für die Unmöglichkeit verstärkter Ausgaben für das Heerwesen angeführt werden, so ist es geboten, die Thatsache festzustellen, daß Anzeichen eines wirthschaftlichen Um- und Auf­schwungs vorhanden sind, die die für die angebliche Leistungsfähigkeit vorgebrachten Entwände erst recht nicht als stichhaltig erscheinen lassen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser gab am Sonntag zu Ehren des Geburtstages des Prinzregenten von Bayern eine Frühstückstafel, zu welcher der Gesandte Graf Lerchen selb und die Mitglieder der Gesandtschaft Einladungen erhielten.

Am Freitag haben in ber Militärkommission des Reichstages die ersten grundlegenden Abstimmungen statt- gefunden. Es sind sowohl die Regierungsvorlage, wie auch der Antrag Richter, es bei der bisherigen Friedens­stärke zu belassen, wie endlich der Antrag Bennigsen, die vierten Bataillone schon jetzt zu bewilligen nbgclehnt worden. Ein der Regierung irgendwie annehmbarer Gegenvorschlag wurde bisher nicht gemacht und so fragt man sich allseitig, was nun kommen werde. Die zweite Lesung wird am 16. März beginnen.

Gegen denBund der Landwirthe" soll jetzt be­reits ein Gegenbund gegründet werden. Ein Komitee sammelt vorerst Namen und Gelder, um dann einen Deutschen Landbund" zu gründen. Dieser neueste Bund will, wie versichert wird, . parteipolitische In­teressen erfolgreich unterdrücken", aber alle Parteien, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, zu einer selb­ständigen parlamentarischen Wirthschaftspartei zu Gunsten der Landwirthschaft vereinigen.

12. März. Handwerkerpartei. Am Freitag Abend beschloß hier eine große Handwerker-Versammlung, an der Forderung der Einführung des Besähiguugs- Nachweises unter allen Umständen festzuhalten und den Vorstand des Central - Ausschusses der vereinigten Jnuungs-Verbände Deutschlands anfzusordery, dahin zu wirken, daß eine deutsche Mittelstandspartei gegründet wird, wodurch nur Handwerker-Candidaten zu den Wahlen in den Reichstag und Landtag gelangen können.

* Verkürzung der Staatszuschüsse für die Fort­bildungsschulen. Wie gemeldet wird, theilt der Rhein. Kur." eine vom preußischen Handelsminister an sämmtliche Regierungspräsidenten erlassene Verfügung mit, wonach die bisherigen Staatszuschüsse für die Fortbildungsschulen in jedem Regierungsbezirk um 10 pCt. verkürzt werden sollen. Wo die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden weniger als sechs be­trägt, soll unter Umständen der Unterricht ganz ein­gestellt werden.

Die Deutsche Volksbaugesellschaft in Berlin be­zweckt, die nicht Kapitalkräftigen in den Besitz eigener, kleiner Landhäuser nebst Gurren-zu setzen, welche durch Kaufvertrag in den Besitz des Erwerbers übergchen, ohne das es dazu besonderer Mittel bedarf. Der Erwerber hat zu dem Ende eine Lebensversicherung abzuschließen, welche in der Regel auf die Dauer von 30 Jahren abgekürzt wird, und hat außer der Prämie für diese Lebensversicherung, welche die sicherste Amortisation des Kaufpreises bildet, nur noch eine jährliche Abgabe von 4 pCt. des Erwerbspreises als Miethe zu zählen. Stirbt der Erwerber während der Versicherungszcit und wäre dies auch schon in den ersten Tagen nach dem Ab­schlüsse der Versicherung, so würde das Anwesen'chulden- freies Eigenthum der hinterlassenen Familie oh ic jede weitere Zahlung werden. Erreicht er aber das vorge­sehene Alter, so wird er selbst schuldenfreier Eigenthümer des Besttzthums ohne jede weitere Zahlung. Wer kleine Anzahlungen zu leisten im Stande ist, spart dafür die Lebensversicherung in Höhe ber Anzahlung und die vier Prozent Miethsabgabe. Wer etwa die Hälfte abzu- zahlen vermag, dem besorgt die Gesellschaft für den Rest eine Hypothek zu mäßigem Zinsfuß; damit wird er sofortiger buchmäßiger Eigenthümer des Anwesens. Es erhellt daraus, daß es aus diese Weise Jedem möglich ist, sich ein eigenes Heim auf eigener Scholle zu erwerben. Kündigungen und Micthsstcigcrungen sind für ihn nicht mehr zu befürchen. Die Bäume, die er in seinem Garten selbst sich pflanzt, die Anlagen, die er sich schafft, werden ihm zur Freude, seinen Kindern zur Erquickung und zum Segen gereichen. Die Deutsche Volksbungesellschaft hat unter Anderem in der Umgebung von Berlin vier größere Kolonien gegründet: in Neu- Rahnsdorf an der Niederschlesisch-Mürkischen Bahn, in Groß-Lichterfelde 'an der Potsdamer Bahn, in Groß- Lichterfelde (Giesendorf) an der Anhalter Bahn und in Hermsdorf an der Nordbuhu, Die Preise der Anwesen mit Garten beginnen mit 4000 Mark und steigen bis zu 25,000 Mark.

In emeiü Jahre sind beim Oberverwaltung!?

| gericht gegen 25,000 Steuersachen in Folge des neuen Einkommensteuergesetzes eingegangen, d. h. mehr Sachen, als jenes Gericht seit seinem Bestehen zusammengerechnet hatte. Alle Richter, die in anderen Senaten irgendwie entbehrt werden können, werden zum Steuersenat ab- commandirt. Die anderen Senate tagen jetzt nur selten, in mancher Woche gar nicht.

Hamburg, 8. März. Die Kosten, welche die Cholera im Jahre 1892 dein hamburgischen Staat verursacht hat, belaufen sich auf rund 4,500,000 Mk. Trotzdem wird der Jahresabschluß des hamburgischen Staates sich nicht so ungünstig stellen, wie man anfänglich befürchtete. Den großen, unvorhergesehenen Ausgaben stehen Extra- Einnahmen von sehr erheblichem Umfange gegenüber. So verstürben im letzten Jahre zwei Millionäre mit einer Hinterlassenschaft von mehr als 100 Millionen Mark, Kaufmann Th. Wille und Rentier Abraham Schult, aus welcher Masse der Staat eine ganz erhebliche Erbschaftssteuer vereinnahmen wird.

Braunschweig, 8. Mär' ^m entsetzliches Unglück ereignete sich auf der Karlshütte bei Delligsen. Den Arbeitern des Werkes ist es-erlaubt, außer der Betriebs­zeit das für ihren Bedarf erforderliche Holz mittels der Kreissäge zu zerschneiden. Bei dieser Gelegenheit kam der Former Temme der Kreissäge zu nahe. In einem Augenblick die Säge macht ca. 800 Touren in einer Minute war der Körper des Unglücklichen von der linken Schulter bis zur rechten Hüfte buchstäblich durchschnitten.

Danzig, 7. März. In einer westpreußischen Militärmusikkapelle starb vor zwei Jahren ein Horn­bläser an der Schwindsucht. Sein Instrument wurde von einem jungen, von Gesundheit strotzenden Militär­musiker weitergeblasen. Vor Kurzem ist nun dieser auch an der Schwindsucht gestorben, und man nimmt an, daß die tückische Krankheit vom Mundstück über- trugen worden ist. Das Instrument ist desinfizier worden.

Mainz, 9. März. Vor einigen Tagen operirte Herr Dr. Reisinger ein Mädchen, das ein Gebiß ver­schluckt hatte. Der Patientin mußte dabei der Unter­leib geöffnet werden, um die Zähne herauszuholen. Wie demMarzer Anzeiger" mitgetheilt wird, läßt ihr Befinden die Hoffnung zn, daß sie völlig genesen werde. Die glückliche Operation weckt natürlich das lebhafteste Interesse aller Aerzte.

Bom Main, 8. März. Bauernbrod! In Folge des an verschiedenen Orten noch immer ziemlich hohen Brodpreises (im Verhältniß zum Getreidepreis) mehren sich bei uns die Fälle, daß Landleute ihr Getreide selbst verbacken und es in der benachbarten Stadt als Bauernbrod" verkaufen lassen. Bei den erheblich billigeren Preisen findet das zumeist recht gute Bauern- brod raschen Absatz. Eine nächahmenswerthe Ein­richtung hat der Stadtmagistrat in Kulmbach getroffen. In der Erwägung, daß es sowohl für den Vichbesitzer wie für das Publikum von Vortheil sein würde, wenn Gelegenheit zum direkten Kauf vom Thierzüchter unter Vermeidung des Eingreifens eines Händlers und Metz­gers bestände, ist den Viehbcsitzcrn in Kulmbach die Benützung der städtischen Freibank in folgender Weise zugänglich gemacht worden: Vichbesitzer, die bis zu 3 Stück Rindvieh besitzen, dürfen jährlich einmal, solche mit einem Viehstand bis zu 5 Rindern dürfen jährlich zweimal, solche mit einem Viehstand von mehr als 5 Rindern dürfen jährlich dreimal je ein Stück schlachten und auspfünden. Die neuerlich erst getroffenen Be­stimmungen finden schon in diesem Jahr Anwendung.

Ausland.

Boston, 10. März. Eine gewaltige Feuersbrunst hat einen großen Teil des Gcschüftsviertcls, u. a. auch das Geschäftslokal der Singer-Nähmuschincu-Gesellschuft, sowie ein großes Hotel und mehrere andere Geschäfts- Häuser zerstört. Drei Personen sind bei dem Brand umgekommen, während viele verletzt worden sind. Der Schaden wird auf 3 Millionen Dollars geschützt.

Nach Depeschen, welche aus Rio de Jineiro ein- getroffen sind, nimmt das gelbe Fieber dort in sehr beunruhigender Weise zn; besonders aber in Santa tritt die Krankheit seit Mitte Februar äußerst ver­heerend bösartig auf. Die Zahl der Todesfälle belauft sich bereits auf mehrere Hundert. Ein italienisches SchiffMarin" hatte allein 16 Todte, unter denen sich der Capitän befand.