SchlüchtemerMung
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Samstag, den 18. März
^Noniifmrots-^iiite
Bestellungen auf das 2. Quartal 1893 (April, Mai, Juni) der
Rache gegen die Behörden im Ort Lagerdorf die Häuser des Richters und anderer unliebsamer Personen, zusammen 46 Gebäude, in die Luft. Ein Thäter wurde verhaftet, in seiner Wohnung wurden viele Dynamitbomben gefunden.
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Die Expedition.
Prüfung der Handfeuerwaffen. । ber Küste abmarschirten, inzwischen vermuthlich bereits Am bevorstehenden 1. April tritt auch das Gesetz' eingetroffenen bedeutenden Verstärkung der Besatzung k;„ M..N'....„ <n.,e*r«tt» ^ tk™^ dqu Tabora errungen worden ist.
betr. die Prüfung der Laufe und Verschlüsse der Hand
feuerwasfen vom 10. Mai 1891 seinem vollen Umfang nach in Kraft. Nach diesem Zeitpunkt dürfen die der Prüfung und Abstempelung unterliegenden Handfeuerwaffen ohne die vom Bundesrath vorgeschriebenen Stempel nur dann noch feilgehalten oder in den Verkehr gebracht werden, wenn sie vorher mit dem von dem Bundesrath festgestellten „Vorrathszeichen" versehen sind. In Ausführung dieses Gesetzes bestimmen bie Minister des Innern und für Handel und Gewerbe durch eine im „Ministerial-Blatt für innere Verwaltung" bekannt gemachte Verfügung vom 4. Januar er., daß die Anbringung des Vorrathszeichens für den Bezirk einer Stadtgemeinde von mehr als 20,000 Einwohnern, sowie für die Stadt Suhl durch die Ortspolizeiverwaltung erfolgen soll, während im klebrigen in den einzelnen Regierungsbezirken bezw. Kreisen 1 bis 3 Ortspolizeibchörden mit Anbringung des Zeichens beauftragt werden. Für den Regierungsbezirk Potsdam ist der Behörde in Brandenburg und für den Regierungsbezirk Frankfurt a. O. den Behörden in Frankfurt o. O. und Sorau die Anbringung übertragen. Letztere erfolgt frei von Gebühren und Kosten, doch fallen dem Antragsteller die Auslagen für Fracht, Porto und Transport einschließlich des Verpackungsmaterials zur Last. Den Regierungspräsidenten ist es überlassen, innerhalb ihrer Bezirke weitere Stellen mit der Anbringung des Vor- rathszeichens zu beauftragen. Der Stempel für das Vorrathszeichen soll von der Gewehrfabrik in Spandau bezogen werden.
— Die Bcrlinei Korbmacher haben jetzt tüchtig zu thun. Die Militärverwaltung läßt zur Zeit hier 600,000 Kugelkörbe anfertigen. Gestelle aus Weiden- geflecht, welche zum Transport der Munition der Festuugsgcschütze an Stelle der für unpraktisch erkannten Eisenklammern verwendet werden sollen.
Königsberg. An der Kurländischen Küste unweit Libau stecken, wie ein Telegramm ans Riga meldet, zweiunddreißig Dampfer in Eisschollen fest. Die Lage der Dampfer ist zum Theil bedenklich; die zur Rettung derselben unternommenen Versuche blieben bisher ohne Erfolg.
Auklam 13. März. Ein eigenthümliches Malheur passirte der Tertiärbahn Jarmen-Friedland. Ein Zug wurde nämlich, wie der Anklamer Ztg. mitgetheilt wird, in der Nähe von Wegezin von dem starken Winde um- gewcht. Personen sind glücklicher Weise nicht vcr-
Deutsches Reich.
— Der Kaiser hat eine Kabinets-Ordre vollzogen, wodurch der bekannte graue Mantel (Paletot), wie er in den letzten Monaten probeweise vielfach getragen wird, an Stelle des bisher üblichen schwarzen Mantels (Paletots) für die Generale der preußischen Armee als Dienstkleidungsstück eingeführt ist. Für alle anderen Offiziere und Mannschaften bleibt zunächst der schwarze Mantel Dienstkleidungsstück.
— Wie nunmehr feststeht, werden der Kaiser und die Kaiserin ihre Reise nach Rom am 18. April antreten, aber wahrscheinlich schon am 1. Mai wieder zurückkehren. Der Kaiser wird nicht vom Reichskanzler begleitet sein, sondern vom Staatssekretär des Auswärtigen, Freiherrn von Marschall, und dem Chef des Militär-Kabinets. Außerdem geht mir dem Kaiserpaar eine glänzende militärische Suite und das Gefolge der Kaiserin.
— Der Reichskanzler hat bei den Bundesregierungen angeregt, die Behörden anzuweisen, daß sie für rechtzeitiges Umstellen aller öffentlichen Uhren Sorge tragen, damit diese vom Morgen des 1. April ab alsbald die Neue einheitliche Zeit zeigen.
* — 13. März. Nach amtlicher Meldung aus Tabora (Deutsch-Ostafrika) hat der dortige Commandirende, LieutenantPrince, die Macht des unbotmäßigen Negcrhäupt- lings Sikki, der trotz seiner vor einigen Monaten erfolgten scheinbaren Unterwerfung fortfuhr, durch seine zweideutige Haltung die Stellung der Deutschen in Tabora zu gefährden, endgültig gebrochen. Nachdem Lieutenant Prince drei Tage hindurch vom 10. bis 13. Januar d. J. die festungsartige Residenz des Häuptlings Sikki belagert, wurde dieselbe in siegreichem Ansturm genommen, wobei Sikki fiel. Der Tod dieses einflußreichen Häuptlings bürgt für die nachhaltige Stärkung der deutschen Herrschaft in Tabora. Der diesseitige Verlust beträgt: ein farbiger Offizier und 4 farbige Soldaten todt, 17 farbige Soldaten verwundet. Hervorzuheben ist, daß dieser Waffenerfolg vor Ankunu der mit Jahresanfang von
letzt worden.
Ein uachahmungswcrthes Beispiel giebt der Stadtrath in Gotha dadurch, daß er vom 1. April ab die in den Handel gebrachte Milch von dem städtischen Unter» suchungsamt auch auf das Vorhandensein des vorge- schriebenen Minimal-Fettgehaltes (2,5 Prozent Butter- fett) prüfen lassen wird. Wer unter der Bezeichnung „Milch" solche Milch in den Handel bringt, welcher durch gänzliche oder theilweise Entrahmung ein Theil des Milchfettes entzogen ist, wird bestraft.
Am Freitag Abend hatten sich in Weimar auf öffentliche Einladung hin etwa 40 unbeweibte Vertreter des starken Geschlechts aller möglichen Altersklassen, vom Jüngling an, dem der erste Flaum ums Kinn sprießt, bis zum gereiften Mann, von dessen Haupt die letzte Locke trauernd Abschied nahm, im Restaurant der „Erholung" zusammengefunden, um dem „längst gefühlten Bedürfniß" nach einem Junggesellenverein ab» zuhelfen. Während sich hinter den erleuchtenden Parterre- geschosses die neueste Blüte des Weimaraner Vereins- lebens entfalten sollte, hatte sich draußen rasch eine Schaar weiblicher Gegendemonstranten angefammelt, die durch Schreien und Gestikulieren und, als das nicht verfing, durch ein Sand-Bombardement an die Fenster die Konstituierung des vermeintlich eheflüchtige Tendenzen verfolgenden Bundes zu verhindern suchte. In Wahrheit aber war die Erregung unter den „Damen" durchaus verfehlt, denn nach kurzem Gang der Verhandlungen war der hochwichtige § 1, der Ziel und Zweck des neuen Vereins barlegte, in folgender verheißungsvoller Form angenommen: „§ 1. Der weimarische Jung- gesellcnbund hat den Zweck, seine Mitglieder so bald als möglich zu veranlassen, in den heiligen Stand der Ehe zu treten." Und um dies zu ermöglichen, werden im § 4 „Familienväter, die heiratsfähige Töchter haben, gebeten, dem Vorstand unverzüglich dieselben, unter Angabe der Mitgift, anzumelden."
Oberwiesenthal, 14. März. Ein Jagdpächter, der ein in der Nähe des Keilberges im Erzgebirge liegendes Revier gepachtet hatte, merkte, daß ein Wilddieb seinem Wildbestand arg zusetzte, und versprach dem eine Belohnung von 35 Gulden, der ihm den Thäter genau bezeichnen würde. Da ereignete sich nun, daß der Sohn den eigenen Vater anzeigte und ihn auf zwei Monate hinter Schloß und Riegel brächte. Als dem Sohn die versprochene Belohnung vorenthalten wurde, verklagte er den Jagdpächter, wurde aber vom Gerichte mit seiner Forderung abgewiesen.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern. 17. März.
* — Als kommissarischer Kreisphysikus für den Kreis Schlüchtern wurde Herr Dr. med. Stern zu Schlüchtern bestellt.
* — Der Forstaufschcr Secier ist zum Förster in Schwarzenfels ernannt worden.
* — Wir machen darauf aufmerksam, daß das jetzt wieder wie alljährlich im Frühjahr in Uebung kommende Abbrennen der Raine rc. als ein gefährlicher Unfug angesehen und demgemäß der Thäter im Betretungsfalle bestraft wird.
* — Bei uns eingegangen ist ein Aufruf an die Landwirthe Hessens zum Beitritt zwecks Gründung eines Bundes der Landwirthe in Süddeutschland, zu einer Versammlung am 25. März d. J. in der Stadthalle zu Mainz. Da das Schriftstück für unser Blatt zu umfangreich ist, so bemerken wir nur, daß dasselbe n. A. von folgenden Herren aus hiesiger Gegend unterzeichnet ist: Oeconom C. A. Leipold in Schlüchtern, Amtsrath KloKermann auf Johannisberg bei Fulda, A. Knauer und Reul in Alteuhaßlau bei Gelnhausen, Wilh. Koch auf Bruder- Diebacherhof bei Hanau, Rodrian, Hühnerhof bei Gelnhausen, Dr. Schindler, Hof Eich, Schoulau zu Hof Träges bei Meerholz, Spamer, Kinzighcimerhof u. s. w.
* — Auf die nächsten Mittwoch den 22. d. Mts. stattfindende General-Versammlung des laüdwirthschafl- lichen Kreis-Vereins (siehe Jnseratcntheil) wird an dieser Stelle besonders aufmerksam gemacht) den Bund der Land
Wirthe,1 (die großartige Bewegung innerhalb wirtschaftlichen Kreise) Organisation, Ziele dieses Bundes näher beleuchtet zu sehen, interessant, sodann die Frühjahrsbestellung,
der land- u. s. w. ist gewiß Saatgut»
Ausland.
Budapest, 13, März. Die Bergarbeiter des Temcser Komitates sprengten mit gestohlenem Dynamit aus
Wechsel rc. und weiter, die zeitgemäßen Vorträge eines wissenschaftlichen und praktisch gebildeten Fachmanns, dürften Themas sein, welche jeden denkenden Landwirth zur Theilnahme an dieser Versammlung veranlassen sollten.
* —' Die „Offenb. Ztg." schreibt: Aus allen Gegenden laufen Nachrichten ein, daß die Veterinärärzte wegen der gegenwärtig massenhaft auftauchenden Vieh- krankheiten stark in Anspruch genommen seien. Die Erkiankung der Thiere besteht meistens in Rückenmarks- lähmung und Darmentzündung und wird von den Sachkundigen vorzugsweise auf die Fütterung mit gefrorenen Kartoffeln und Rüben zurückgeführt. Auch das in Folge des Keimens sich bildende Solanin der Pflanzen wird als Kranksheitserreger bezeichnet. Zur Beseitigung des gesundheitsschädlichen Solanins empfiehlt sich die Wcgschüttung der Brühe, in welcher die Kartoffeln und Rüben gekocht wurden. Als Ersatz des mangelnden Heus verabreiche man mehr Kraftfuttermittel, Kleie, Leinkuchen rc. Bet leichteren Krankheitsfällen verabreiche man den Thieren schleimige Substanzen und Wein.
— Gegenwärtig reisen Agenten im Lande herum, um deutsche Mädchen nach Chicago zu verlocken. Das Anpreisen verstehen diese Kunden aus dem ff, aber man hüte sich, diesen Leuten Gehör zu schenken, denn die Gefahren, die drüben lauern, sind große und schwere, also Vorsicht!
—r. Steinau, 15. März. Als Bürgermeister für die Stadt Steinau ist Herr Amtsgerichtsexpedient Fink gewählt und bestätigt worden.
Fulda, 15. März. Der gestern dahier abgchaltene Pferdemarkt war ziemlich lebhaft und ging der Handel besonders in geringerer Waare flott. Für bessere Pferde war wohl Nachfrage vorhanden, aber in Folge der hohen Preise wenig Absatz. Im Ganzen war der Markt mit über 100 Pferden befahren. Heute ist der Handel ruhiger. Bessere Pferde wurden hauptsächlich von Sal. Goldschmidt aus Bebra und Daniel und Kalmann Stern aus Salmüuster vorgeführt. In Anbetracht der günstigen Lage Fuldas müßte jedoch der Markt bedeutend besser befahren sein und wäre wohl von einer etwas frühzeitigeren und regeren Thätigkeit des Komitees ein größerer Aufschwung unserer Pferdemärkte zu erwarten.
HÜnfcld, 13. März. Ein schwerer Unglücksfall