SchWernerMung
Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" n. „Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg
L-
Mittwoch, den 22. März
K6omlements-Kinladung.
Bestellungen auf das 2. Quartal 1893 (April, Mai, Juni) der
^^^ „Acütücüternee Zeitung" ^MD^ bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten- gefl. aufgeben zu wollen und zwar möglichst bald, da die Nachlieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis. Die Expedition.
Deutsches Reich.
Berlin. ■ Der Kaiser hat am Sonnabend den Offizier- Reitslunden-Besichtigungen bei den Kürassieren und den Dragonern beigewohnt.
— 17. März. Die Militärkommission hat heute die zweite Lesung beendigt und die Vorlage gegen die 6 konservativen Stimmen abgelehnt. Darauf sind alle Anträge abgelehnt worden. Nächste Sitzung nach Ostern.
— Wie fast vorauszusehen war, hat auch die zweite Lesung der Militärvorlage in der Kommission zu keinem Resultat geführt, indem weder die Regierungsvorlage noch die einzelnen Parteianträge eine Mehrheit erzielten. Abg. Grober (Ctr.) wurde zum Berichterstatter an das Plenum ernannt. Die Entscheidung im Plenum des Reichstages wird voraussichtlich Ende April erfolgen.
— Seit einigen Tagen ist den großen Blättern die Rede davon, daß mehrere in hohen Kommandostellcn sich befindende Offiziere um ihren Abschied eingekommen seien. Dem Vernehmen nach soll . sich unter der Zahl derselben auch der kommandierende General des 7. Armeekorps, v. Albedyll, befinden, ebenso der in Bromberg stehende Generallieutenant v. Albedyll, ferner der Generalmajor von Heydwolf (Brannschweig), der Kommandeur her 21. Division, Generallieutenant v. Goetze, endlich der Gouverneur von Köln, Generallieutenant v. Schkopp.
* — Das Gesetz über die Verlegung des Bußtages hat, wie die „Post" meldet, die königliche Sanktion erhalten und dürfte in diesen Tagen veröffentlicht werden. Das Gesetz tritt mit dem 1. April d. I. in Kraft; demnach füllt der auf den 26. April angesetzte Bußtag fort. Nach dem neuen Gesetz gilt alsdann der Mittwoch vor dem letzten Trinitalissonntag als Bußtag, in diesem Jahre also der 22. November.
— Der Herr Justizminister hat die Wiederzulassung von Anwärtern zum dreijährigen Vorbereitungsdienste für die Gerichtsschreiber-Prüfung verfügt, jedoch mit der Bestimmung, daß für den Oberlaudesgerichts-Bezirk Frankfurt a. M. die Zahl der in diesem Jahre zuzu- lassenden Anwärter auf 10 zu beschränken sei. Da die Liste für diese Anwärter seit 1888 geschlossen war, so bietet sich für junge Leute, welche die Berechtigung zum „Einjährig - Freiwilligen - Dienst" erlangt und das 18. Lebensjahr zurückgelegt haben, günstige Gelegenheit zum Unterkommen.
* — Es ist interessant, zu beobachten, daß von verschiedenen Seiten große Anstrengungen gemacht werden, um die Bezeichnung „Bauer" wieder zu Ehren, zu bringen. Bekanntlich nennen sich die Bauern in manchen Gegenden mit Vorliebe „Ockouomen", in anderen wieder „Besitzer". Nun treten auch Behörden für die Reaktivitung dieser Benennung ein, wie folgende amtliche Bekanntmachung des Landraths v. Boddieu- Filehne zeigt: „Es ist aus bäuerlichen Kreisen mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß die Bezeichnung „Bauer" zur Ungebühr mehr und mehr, besonders auch durch Einfluß der Behörden, verschwindet. Ich werde von jetzt ab diese ehrende Bezeichnung in den amtlichen Schreiben wieder überall gebrauchen und namentlich den nichtssagenden Ausdruck „Besitzer" dadurch ersetzen, da ich weiß, daß unsere bäuerlichen Wirthe das Land nicht blos besitzen, sondern auch bebauen wollen, was ihnen eben zur Ehre gereicht."
AuS Sachsen Die landwirthschaftlichen Vereine im Königreich Sachsen sind von ihrer Oberleitung ersucht worden, die Bestrebungen des „Bundes der Landwirthe- von Vereins wegen nicht zu unterstützen. Die Oberleitung warnt vor einer Zersplitterung der Kräfte, hebt hervor, daß die sächsischen Landwirthe nicht nöthig hätten, die eigentlich landwirthschaftlichen Ziele des Bundes auf dem Umwege über Berlin zu erstreben und betont ferner, daß es sich darum verbiete, die politischen
vernehmen; von bösen Ahnungen erfaßt, ging man daran, die Thüre des Hanfes einzuschlagen. Man drang in die Schlafkammer . . . Entsetzen und Grauen lähmten im ersten Augenblick die Herzen der Eindringenden! Da lagen, blutüberströmt, schwer röchelnd und mit dem Tode ringend die Wittwe Reitsberger, die beiden 23= und 15jährigen Töchter, während die dritte Tochter, ein 14jähriges Mädchen, hinter einem Schranke zusammen- gebrochen gefunden wurde. Alle vier Menschen waren von ruchloser Hand auf eine geradezu bestialische Weise ermordet worden! Mit kalter Grausamkeit hatten der oder die Mörder, wohl mit einem Hammer oder einer Hacke, sämmtlichen vier Menschen die Schläfen zertrümmert, und außerdem gegen Haupt und Hals der Aermsten so entsetzliche Schläge geführt, daß sie unbedingt den Tod zur Folge haben mußten. Dem verheerenden Elemente, das an zwei Stellen des Hauses, links und rechts der Feuermauer in raffinirtester Weise gelegt worden war, konnte kein Einhalt mehr gethan werden; das Haus bräunte bis aus den Grund nieder. Acht Stück Vieh wurden dem Feuerbrande entrissen. Während die Feuerwehr den Brand zu löschen versuchte, wurden die zu Tode verwundeten armen Frauen in ein Haus des Dorfes gebracht, wo nach einander um '/,3 Uhr Morgens die beiden ältesten Töchter, dann um '/-4 Uhr die Mutter und endlich zwischen 6 und 7 Uhr das jüngste Kind, ohne wieder das Bewußtsein erlangt zu haben, verschieden. Ob der oder die Mörder es auf einen Raub abgesehen hatten, ist bis jetzt noch nicht festzustellen, da man noch nicht weiß, wie viel Geld die Wittwe im Hause hatte.
Ausland.
Paris, 18. März. Der 'Senatspräsident Jules' Ferry ist gestern Abend um 6 u4 Uhr gestorben. Der Tod ist in Folge einer Herzkrankheit eingetreten, an der Ferry seit dem im Januar 1888 auf ihn verübten Attentat gelitten hatte. Die Revolverkugel, die sich auf der Rippe abgeplattet hatte, hatte eine Herzkontusion herbeigeführt; die erste Krisis war in der Nacht zum Freitag eingetreten. Der Tod Jules Ferrys hat in Paris einen ähnlich erschütternden Eindruck gemacht wie s. Zt. der Tod Gambettas. Zahlreiche Politiker haben sich gestern Abend noch nach dem Sterbehaus begeben und sich dort in die Kondolenzliste eingetragen. Im Auftrag des Präsidenten Carnot erschien her General Bonns, außerdem waren Floquet, Cl^meuceau und viele Freunde Ferrys herbeigeeilt, die alle tief bewegt waren; der Vizepräsident des Senats, Bardeaux, ist ohnmächtig geworden.
Rußland. Ein Bericht des Petersburger „Wjedom." aus Kaluga schildert die furchtbaren Folgen, unter denen die Bevölkerung des Gouvernemets Kaluga während des an Frösten «lind Schneestürmen kaum jemals übertroffenen Winters zu leiden gehabt. So weit bis jetzt festgestellt, sind 45 Personen im Frost und Schneegestöber um- gekommen, besonders gelitten haben die Kreise Maszalsk und Kosselsk. Einen Entsetzen erregenden Anblick bot ein Haufen erfrorener Schulkinder, die auf dem Wege zur Schule vom Schneesturm ereilt und erst nach einigen Tagen aufgefunden wurden. Fünfzehn Kinder lagen eng aneinander geschmiegt und waren zu Tode erstarrt.
Amerika. Chandlers Einwanderungs - Contract- Arbeits-Bill wurde, wie man telegraphisch berichtet, am 3. März in Washington vom Präsidenten Harrison unterzeichnet und ist somit zum Gesetz geworden. Nach dieser Vorlage müssen die Dampfschiffgesellschaften am Hafen der Abschifsung eine authentische Namensliste der Emigranten jedes Schiffes aufnehmen. Diese Listen, welche ausführliche Jnformatinuen in Bezug auf die Auswanderer enthalten sollen, müssen dann bei der Ankunft an einem amerikanischen Hafenplatze den Inspektoren eingehändigt werden. Zweifelhafte Punkte bezüglich der Zulassung von Einwanderern sollen von vier Beamten entschieden werden, gegen deren Entscheidung jedoch an den Schatzsekretür appelirt werden kann. Personen über 16 Jahre, die weder lesen noch schreiben können, oder Krüppel, oder blind sind, oder andere körperliche Gebrechen besitzen, werden, wenn sie nicht gemessen können, daß sie dem Staate nicht zur Last fallen werden, von den Vereinigten Staaten ausgeschlossen. Ferner sind ausgeschlossen Mitglieder von Gesellschaften, welche ungesetzmäßige Zerstörung von Eigenthum oder Leben begünstigen oder rechtfertigen.
l Ziele des Bundes der Landwirthe in den landwirthschaftlichen Vereinen zu verfolgen, weil gerade der Ausschluß politischer Bestrebungen den sächsischen Vereinen eine werthvolle Ausnahmestellung außerhalb des Vereins- gesetzes gewähre.
Halle. „Das Testament eines Millionärs und Selbstmörders", unter dieser Ueberschrift berichtet die „New-Uorker Handelszeitung" über eine nach Deutschland zum Theil nach Berlin gefallene Millionen-Erbschaft folgende Einzelheiten: Der reichedeutsche Grundeigenthnms- Händler Edward H. M. Just, der sich unlängst in einem Anfall von Melancholie erschossen hat, hat in seinem nun eröffneten Testament feine Angestellten, wie seine Verwandten in Deutschland in sehr liberaler Weise bedacht. Es erhalten: seine Schwägerin Anna Kühne in Dresden und seine Brüder Fritz und Hermann Just in Berlin, sowie sein Neffe Karl Just je eines der dem Verstorbenen, einem Junggesellen, gehörigen eleganten Häuser an der West 132. Straße. Den Rest des Nachlasses, welcher über zwei Millionen Dollars betrügt, erben die Schwester des Verstorbenen, Elise Baumann in Halle, und seine Brüder Karl Just in Eisleben und Johannes Just in Halle zu gleichen Theilen.
Herr Professor Dr. Schafft vom Realgymnasium zu Gera hat in einem Vortrag über Regelmäßigkeiten im Gang der Witterung nachgewiesen, daß alle 35 Jahre ein regelmäßiger Wechsel von regnerisch-kühlcr nnd trocken-warmer Witterung eintritt, sodaß wir bis Ende 1899 noch eine Zunahme der Trockenheit, dann aber wieder eine Periode der Fcuchtigkeitsznnahmc zn erwarten haben. (Störungen und Ausnahmejahre sind bei dieser Regel nicht ausgeschlossen. Schon jetzt sollen sich Gemeinden und Private auf zunehmenden Wassermangel e i n r i ch t c n!
Ein sehr bedeutender Münzenfund ist vor Kurzem in der Nähe eines Dorfes in der Gegend von Wölfen - büttel gemacht worden. Bei der Urbarmachung eines wüsten Terrains stießen die Arbeiter auf einen verrosteten Kasten, der gegen 900 große und kleine Silber- münzen enthielt. Da diese alle aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammen, ist anzunehmen, daß die Bergrabung des Schatzes zur Zeit des dreißigjährigen Krieges stattgcfnnden hat. Reich ist der Fund besonders an alten seltenen Thalern unb Schaustücken, darunter ein sogenannter Dickthaler des Grafen Ernst II. von Hohnstein vom Jahr 1539.
Blankendurg a H., 17. März. Die gestern gemeldete Dynamitexplosion, welche in der Arbeiterbude der den Harzer Werken gehörenden Eiseusteiugrube „Bolkmarskeller" bei Hüttenrode stattfand, ist durch den Vorarbeiter Behme absichtlich veranlaßt worden. Acht Arbeiter, darunter Behme, sind gctödtct, sechs davon ganz in Stücke gerissen worden.
München 13. März. In Salmdorf, einem kleinen Dorfe hinter Riem, war gestern, Sonntag, Nachmittag ein kleiner Markt gewesen. Da plötzlich Nachts gegen 12 Uhr tönte der grausige Ruf „Feuer" durch den schlummernden Ort und schreckte die Bewohner aus den Betten. Ein Einwohner hatte entdeckt, daß in dem etwa dreißig Schritt von dem Dorfe abseits und einsam gelegenen Anwesen der Gütlerswittwe Anna Reitsberger Feuer ausgebrochen war. Das Haus bewohnte die etwa 55= bis 56jährige Wittwe Reitsberger mit ihren 14- bis 23jährigen Töchtern. Bald war das ganze Dorf auf den Beinen und an der Brandstätte. Seltsamer Weise regte sich in dem brennenden Hanse Niemand, so daß man zu fürchten begann, die Inwohner seien vielleicht schon im Rauch erstickt. Man rief, man pochte an die Fenster, man schlug gegen die Thüren — keine Antwort! Da glaubte man, im Innern des Hauses, in der nach hinten gegen das Feld zn gelegenen Schlafkammer der Bewohner ein dumpfes Röcheln zu