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SchlüchtemerMtung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtcm Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk.Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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M 43. Mittwoch, den 31. Mai 1893.

Eine Mahnung des Kaisers.

In Gegenwart unseres Kaisers wurde am 18. Mai in Görlitz das dort für den unvergeßlichen Kaiser Wilhelm 1. errichtete Denkmal enthüllt. Bei dem Fest­mahl hielt der Kaiser an die Versammelten eine tief ergreifende Ansprache, die ihren Eindruck auf Niemanden verfehlen kann.

In eine ernste Zeit ist unser Fest gefallen, sagte der Kaiser. Daher sei das Denkmal eine Mahnung an uns Alle! Festzuhalten gilt es, was Kaiser Wilhelm einst geschaffen und gewollt, sicher zu stellen gilt es die Zukunft unseres gefammten deutschen Vaterlands. Dazu bedarf unsere Wehrkraft einer erheblichen Verstärkung. Die Nation habe Ich aufgefordert, uns dazu die Mittel zu bewilligen. Hinter dieser Frage stehen alle anderen Fragen und Rücksichten für den Augenblick zurück. Zur Lösung dieser die Lebensexistenz Deutsch­lands bedingenden Frage bedarf es der vollkommenen Einheit. Was uns Deutsche privatim auch trennen und auf verschiedene Bahnen lenken möge, das sei für jetzt bei Seite gesetzt, bis die Aufgabe vollbracht ist. Wie die Lausitz und die anderen Theile der Monarchie treu zur Dynastie und Krone stehen, so mögen die deutschen Stämme in Erinnerung au die große Zeit vor 22 Jahren, fest um ihre Fürsten geschaart, durch das Band gemeinsam vergossenen Blutes zusammcn- gekittet, dem Vaterland seine Freiheit und sein Zukunft erhalten."

Kaiser Wilhelm wendete sich mit diesen Worten an das ganze deutschr Volk! In dem Kainp.se um die Militärvorlage gehen nur allzu leicht die großen Ziele und Gesichtspunkte in der Fluth militärisch-technischer Erörterungen unter. Das ist in den Reichstags- Verhandlungen der Fall gewesen und man wird auch bei den Wahlen auf gegnerischer Seite versuchen, nach demselben Rezept zu »erfahren, um im Volke diese'.vc Wirkung zu erzielen. Nur aus dem mangelnden Ver­ständniß des Zwecks und der Bedeutung der Vorlage ist der bisherige Mißerfolg zu erklären. Kaiser Wilhelm stellt nun Zweck und Bedeutung mit einfachen, zu Herzen sprechenden Worten hin:F e st z u h a l t e n gilt es, was Kaiser Wilhelm I. einst geschaffen und gewollt, sicher z n stellen gilt es die Zukunft unseres gesammten deutschen Vaterland s." Nach­

Die Heere der europäische» Großmächte.

Friedcnsstä rken.

Infan­terie.

Kaval­lerie

Feld-Artillerie

Festungs­Artillerie

Pioniere, Eisen­bahn­truppen

Gesammte Friedensstärken:

Gc. schütze

Bespannte Muni- tions- wagen.

Bataillone

Escadrons

Com- papnien

Com­pagnien

Offiziere

Mann- schasien

Pferde

Rußland.....

Frankreich.....

Deutschland .... Oesterreich..... Italien...... Rußland und Frankreich Dreibund.....

1010'/4 616 540 458 346

1626',4 1344

650

458

465

252

144

1108

861

3240 2880 2604 1790 1242

6120 5042

1038

91

1038

91

216 100 124

72

68 316 264

146 116

101

72

64

262

237

35,000 27,000 20,554 17,180 15,000 62,000 52,734

983,000

520,000

495,000

296,000

219,000

1,503,000

1,010,000

152,000 132,000

94,000 65,000 40,000

284,000 199,000

Übermacht vcr Friedensstärke ve» i , Oqo i, sweibunoe» über den Sreibun» | M

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(Zeder mm entspricht 10 *,VeU Mann.)

dem der Kaiser selbst dies ausgesprochen, wird Niemand im Volke mehr im Unklaren bleiben können über die Bedeutung der nunmehr dem Volke selbst zur Ent­scheidung vorgelegten Frage. Will das deutsche Volk, daß das Werk des großen Kaisers zerstört werde oder erhalten bleibe, will das deutsche Volk die Zukunft des Vaterlandes sicherstellen oder nicht, das ist die Frage, über die es bei den Wahlen seine Stimme abgeben soll.

Aber nicht nur durch militärisch-technische Einzel­heiten, über die der Laie ein Urtheil abzugeben schwer im Stande ist, und die dazu noch stets in falsches Licht gestellt und verschoben werden, sucht man die große zur Entscheidung stehende Frage zu verdunkeln, sondern in ihrer Noth glaubt die Opposition auch von dem Auswerfen fernliegender politischer Fragen sich für ihre Ziele bet den Wahlen Hoffnung machen zu können. Möchte die Nation sich hierdurch nicht beirren lassen: denn hinter der Frage der Nothwendigkeit der Ver­stärkung der Wehrkraft stehen doch alle anderen Fragen, wie unser Kaiser selbst sagt, für den Augenblick zurück. Haben wir erst für die Sicherheit Deutschlands gesorgt, dann mögen sie wieder hervor treten; sicherlich werden sie dann auch zu ihrem Rechte kommen. So lange jene die Lebensexistenz Deutschlands berührende Frage nicht gelöst ist, bedarf es der vollkommenen Einigkeit, um das zu erreichen, was uns vor allem Noth thut. Die Frage der militärischen Sicherheit Deutschlands darf keine Parteifrage sein. Das ist es, was der Kaiser allen Deutschen mahnend zürnst. In den Zeiten der Gefahr, in dem letzten großen Kriege waren mir einig, und kein Deutscher zweifelt daran, daß wir auch in einem neuen Kriege einig sein und Schulter an Schulter zusammenstehen werden. Aber es gibt auch Gefahren, denen man schon in Friedenszeiten vorbeugen kann ; und wir "Wen jetzt vor einer solchen Gefahr! Deshalb ruft uns unser Kaiser zu, daß wir, wie vor 22 Jahren um unsere Fürsten geschaart und durch das Band gemeinsam vergossenen Blutes zu- sammenslehcn sollen, um kein Vaterlande seine Freiheit und Zukunft zu erhalten. Diese Mahnung so hoffen wir wird einen mächtigen Widerhall im Volke finden und bewirken, daß wir auch jetzt in der Wahlschlacht uns als ein einzig Volk von Brüdern bewähren und in keiner Noth uns trennen und Gefahr!

8,706,000 Mann

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser erfreut sich nach den hier cingegangcncn Nachrichten des allerbesten Wohlseins. Am 31. d. M. Nachmittags gedenkt der Kaiser bekannt­lich in Danzig einzutreffen, um daselbst der Taufe und dem Stapellauf der auf der Schichauschen Werft neu- erbauten geschützten Kreuzer-Korvette beizuwohnen. Nach Beendigung der Festlichkeiten in Danzig tritt der Kaiser sodann mit den Herren seiner Begleitung seine Rückreise nach Berlin an.

Der Reichsanzeiger veröffentlicht das Gesetz betr. einige Abänderungen iinb Ergänzungen der Militär- pensionsgesctze vom 27. Jun 1871 und vom 4. April 1874, sowie des Reichsbeamtengesetzes vom 31. März 1873 und des Gesetzes über den Reichs Jnvalidenfonds vom 11. Mai 1877.

* Die Aussetzung des Unterrichts wegen großer Hitze ist vom preußischen Kultusminister dahin geregelt worden, daß an den Tagen, an welchen des Morgens um 10 Uhr das hunderttheilige Thermometer 25 Grad zeigt, der Unterricht am Nachmittage ausfallen muß und am Morgen nicht über 4 Stunden dauern darf. Bei überfüllten Klassen und bei engen Klassenzimmern kann auch bei geringerer Temperatur eine Aussetzung des Unterrichts erfolgen. Kinder, welche einen weiten, schattenlosen Weg zu machen haben, sollen art heißen Tagen von einem zweiten Gange zur Schule befreit werden. Es kann auch angebracht sein, den Unterricht an solchen Tagen durch Jugendspiele angemessen zu unterbrechen. Die Ausführungen dieses Erlasses sollen angeordnet und überwacht werden entweder von dem Vorsteher der Schule, von dem Ortsschulinspektor oder in Filialen von dem Orts-Schulvorstand. ,

* Gegenüber dem Angesichts der für Oesterreich- Ungarn angeordneten Außerkourssetzung der Vereins- thaler und Bercinsdoppelthaler österreichischen Gepräges ausgesprochenen Wunsche, die Annahme dieser Münzen in Deutschland zu verweigern, hebt derReichsanz." hervor, daß die Vereinsthaler und Vereinsdoppelthaler österreichischen Gepräges ihrer Außercourssetzung für Oesterreich-Ungarn ungeachtet innerhalb Deutschlands nach wie vor zum Werthe von 1 Thaler -----' 3 Mk. gesetzliches Zahlungsmittel sind. Daß diesen Münzen die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel im deutschen Reiche noch nicht entzogen ist, beruht, wie das bezeichnete offizielle Blatt erklärt, auf einer zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn abgeschlossenen Vereinbarung, in welcher die kaiserlich deutsche Regierung sich ver­pflichtet hat, von einer Außcreourssetzung der öster­reichischen Vereinsthaler innerhalb Deutschlands vorläufig abzusehen, während die Regierungen Oesterreich-UngarnS sich verpflichteten, einen bestimmten Betrag (26 Millionen M.) in solchen Thalern von der kaiserlich deutschen Regierung zur Einschmelzung zu übernehmen.

Zu dem langatmigen Wahlaufruf des Zentrums bemerkt jetzt die der Zentrumspartei bisher so wohl­geneigt geweseneKreuz-Zeitung", was folgt:Endlich ist der Wahlaufruf des Zentrums erschienen. Das alte Sprüchwort, daß gut werde, was lange währt, hat er Lügen gestraft; noch niemals ist uns ein ungeschickteres Machwerk vorgekommen. Offenbar ist die unglaubliche Länge desselben dazu bestimmt, die Massen der Wähler von dem gründlichen Lesen desselben abzuhalten und sie so über die grenzenlose Verlegenheit hinwegzutäuschen, n die das Zentrum unter Dr. Sieberd Führung ge­rathen ist. Nur so ist es zu erklären, daß sich Männer mit so klarem Kops und so langer parlamentarischer Erfahrung wie Frhr. v. Heeremann und Dr. Brüel haben bereit finden lassen, ihre Unterschrift zu wider­spruchsvollen Sätzen herzugeben, wie sie sich über die Militärvorlage im Eingang des Aufrufs finden. Im übrigen acceptieren wir die Versicherung des Zentrums, daß es den Wahnideen des Liberalismus den Krieg erklären will. Gewisse Anzeichen ließen uns bisher befürchten, daß es mit dieser Kriegserklärung manchen Mitgliedern der Partei kein rechter Ernst sei.

Die reisenden Schausteller Deutschlands haben vor kurzem eine Wander-Versammlung abgehalten. Sie wollen eine Statistik unffteßen über die Höhe der von den Schaustellern gezahlten Eisenbahnfrachten, Platz- miethen, Entschädigungen an Armenkassen rc., damit der Oesfentlichkcit gezeigt werde, wie lebensfähig der Stand der Schausteller sei und welchen Antheil dieser an der Aufbringung der Staats- und Gemeindesteuern habe.