chlüchternerMung
Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. —Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg
Samstag, den 8. Juli
j^fMIitnimi “^ die „Schlüchterner Zeuu ig" werden noch fortwährend von allen
——^^— . -- ! Postanstalten undLandbriestrügeru
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. 4. Juli. Zu der heute Mittag von Seiner Majestät dem Kaiser in Person gehaltenen Reichstags- eröffnung waren fast sämmtliche Mitglieder des Reichstags erschienen. Se. Majestät verlas die Thronrede, welche erklärt: Die politische Lage Europas sei seit der Berathung der abgelehnten Militärvorlage in nichts verändert; die Beziehungen des deutschen Reichs zum Auslande seien zur großen Befriedigung Se. Majestät nach wie vor durchaus freundlich und frei von jeder Trübung. Dagegen habe sich das Verhältniß der militärischen Kraft Deutschlands zu derjenigen unserer Nachbarn noch ungünstiger gestaltet als im verflossenen Jahre. Die weitere Ausbildung unserer Wehrkraft sei mit Rücksicht auf die bezüglichen Fortschritte des Auslandes zu einer zwingenden Nothwendigkeit geworden. „Zur Erfüllung der Mir verfassungsmäßig obliegenden Pflichten — so lautet wörtlich dieser Theil der Thronrede — erachte Ich es als unumgänglich nothwendig, mit allen Mitteln auf die Herstellung einer ausreichenden wirksamen Vertheidigung der vaterländischen Erde hinzuwirken." Die neue Vorlage, welche dem Reichstag- ungesäumt zugehen werde, mindere die erstere Vorlage erheblich herab in den Forderungen an die persönliche Leistungsfähigkeit und die Steuerkraft des Volkes. Die schleunigste VerabschicWng dieser neuen Vorlage sei nöthig, damit schon die diesjährige Rekrutencinstellung aus der dadurch geschaffenen neuen Grundlage geschehen könne. Die Frage, wie die erforderlichen Mchrbedürs-
Die Futternoth auf dem flachen Lande nimmt immer mehr bedenklichere Dimensionen an. Auch das gesegnete Elsaß hat schwer darunter zu leiden. So erzählt das „Elsässer Journal": Ein Schweinehändler in Rosheim hat in der Umgegend von Schlettstndt gegen ein junges Schwein ein noch ziemlich brauchbares Pferd emgchandelt. Und ferner: Ein Ackers- manu von Schiltigheim wollte vorige Woche zwei junge Pferdchen, die er nicht mehr ernähren konnte, ertränken. Eine barmherzige Seele trat noch rechtzeitig ein und kaufte die beiden Thiere für 4 Mark. Ein Doppelgespann für 4 Mark!
Heldburg, 2. Juli. Von dem Ausfall der Heuernte in hiesiger Gegend kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man erführt, daß eine hiesige Frau von einem Stück Wiesenland, für welches sie 46 Mark Pachtgeld zu zahlen hat, 23 (schreibe: dreiundzwanzig, Pfund Heu geerntet hat. Da kommt das Pfund Heu gerade auf 2 Mark!
Lokales und Provinziealles.
* Schlächtern, 7. Juli.
* — Die General-Versammlung des landwirth- schaftlichen Kreis-Vereins am Mittwoch war von circa 140 Mitgliedern besucht und wurde um halb 4 Uhr von dem Vorsitzenden Herrn Geheimen Rcgiernngs-Rath Roth eröffnet. Derselbe theilte der Versammlung mit, daß er sich durch die im Kreise bestehende große Futternoth veranlaßt gesehen habe, den Kreis-Ausschuß zu einer Sitzung einzuberufen, um über die Maßregeln zur Abhülfe der großen Noth Beschluß zu fassen. Der Kreis-Ausschuß hat daraufhin beschlossen: 1. Bei dem nächsten Kreistage zu beantragen, dem landwirthschaft- lichen Kreis-Verein ein Kapital von 20,000 Mark zum
Nisse zu decken seien, bilde den Gegenstand fortgesetzter Ankauf von Futtermitteln zur Verfügung zu stellen; Erwägung; bis zum Ablauf des gegenwärtigen Etats-'die Futtermittel sollen dann an die Kreisinsassen nach jahres würden zur Deckung des Mehrbedürfnisses die T " s ' 2 7 _7 ".....
Watrikularbeiträge herangezogen werden. Die Thronrede schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß dem Kaiser und seinen hohen Verbündeten zur Durchführung der Heeresreform die patriotische opferbereite Unterstützung des Reichstages nicht fehlen werde. Der Kaiser hat die Verlesung der Thronrede, die zum Schluß zwei Mal von Beifall unterbrochen wurde, mit folgenden freigesprochenen Worten beendigt: Gehen Sie hin, meine Herren, unser aller Gott verleihe Ihnen seinen Segen zum Zustandebringen eines ehrenvollen Werkes für das Wohl unseres ■ Vaterlandes. Amen. (Tiefe Bewegung in der Versammlung.)
— Der Reichstag ist zu einer wohl kurzen, aber für, die Geschicke des Vaterlandes überaus wichtigen Session zusammengetreten. Wenn man seinen Berathungen nicht ganz mit der Spannung entgegensieht, die in der Bedeutung der sofort zu erledigenden Vorlage begründet wäre, so liegt dies vor Allem au der allgemeinen Ueberzeugung, daß die Genehmigung des neuen Militärgesetzes diesmal gesichert sei. Das Interesse wendet sich von der Hauptfrage zwei Specialfragen zu: der Deckung derKosten und der zweijährigen Dienstzeit.
— Die Handelszeitung des Berl. Tageblatts schreibt: „Wie verlautet, sind in London Ankäufe von Heu und Stroh aus Rußland gemacht; es sei bereits von dort eine Schiffsladung unterwegs. Da dieses Futter aus den russischen Steppen stammt, einer Gegend, wo Cholera und Viehseuchen fast nicht auf- höreu, ist es angezeigt, auf die hiermit verknüpfte Gefahr hinzuweisen. Der Ansbruch der Rinderpest in England im Jahre 1866 war auf eben diese Quelle zurückzuführen."
* — Die Beurlaubung von Soldaten während der Erntezeit ist eine von der Landwirthschaft in früheren Jahren stets mit Dank empfundene Geflogenheit der Militärverwaltung. Auch in . diesem Jahre sind bie Regiments- und Bataillonskommandeure bereits angewiesen worden, Soldaten znr Unterstützung ihrer Angehörigen bei der Ernte, soweit die dienstlichen Interessen dies gestatten, in die Heimath zu beurlauben.
Potsdam, 3. Juli. Ein Sohn des Wildmeisters Weber im benachbarten Wildpark, dessen Tochter sich iw Frühjahr in Athen von einem Theile der Akropolis Herabstürzte — die junge Dame gehörte zu der Um- gibung der Kronprinzessin Sophie von Griechenland hvt sich gestern erschossen. Es ist dies das vierte Kind, welches Wildmeister Weber durch Selbstmord verliert.
Bedürfniß mit einer Zahlungsfrist bis 1. Oktober 1894
vergeben werden und zwar ohne Berechnung von Zinsen; 2. um für Winterarbeit zu sorgen, soll der sofortige Ausbau von vier Kreischausscen beantragt werden unb. 3. soll der Versuch gemacht werden, höheren Orts eine Frachtermäßigung für Basaltsteine zu erwirken, damit ein Versand dieser Steine nach Norddeutschland, wo sie gesucht werden, ermöglicht wird. Der Herr Vorsitzende theilte ferner mit, daß von dem Vorstände des Vereins Bekanntmachnngen in norddentschen Zeitungen erlassen worden seien, in welchen die dortigen Landwirthe auf die günstigen Viehverkäufe im hiesigen Kreise in Folge des großen Futtermangels aufmerksam gemacht worden sind. In Folge dieser Bekanntmachungen seien nun über 200 Anfragen und meist von großen Besitzern, die bald mehrere Waggons Vieh zu kaufen beabsichtigen, eingegangen und daß deshalb die Abhaltung einiger Märkte unbedingt nöthig werden wird. Dies soll geschehen, sobald die Herren Bürgermeister würden ein Verzeichniß des zum Verkauf gestellten Viehes eingesandt haben. Die Mittheilungen des Herrn Vorsitzenden nahm die Versammlung mit Freuden auf und wurde nach einiger Diskussion folgender Beschluß gefaßt: Das Vorgehen des Vorstandes, die Viehverkäufe in jeder Beziehung am besten und leichtesten zum Abschluß zu bringen, kann nur in allen Punkten gebilligt werden und soll in jedem Amtsgerichtsbezirk ein Viehmarkt ab- gehalten werden. Das vom Kreise zur Verfügung ge-' stellte Darlehn von 20,000 Mark wird dankend an-j genommen und soll nach Beschluß des KreiS-Ausschusses Verwendung finden. Um halb 7 Uhr wurde die Ver-
* — Hanauer Schwurgericht vom 3. Juli. Aus Untersuchungshaft vorgeführt werden die Taglöhner Andreas Faust und Ferdinand Schmidt, sowie der Maurer Friedrich Schnell von Giescl, welche der Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg angeklagt sind. Zu ihnen gesellt sich noch ein vierter Angeklagter, der sich bis jetzt auf freiem Fuße befand, und nur der einfachen Körperverletzung beschuldigt ist. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Gelegentlich Kaisers Geburtstagsfeier (27. Januar) halten mehrere junge Leute bereits über zwei Faß Bier getrunken, als der Wirth der vorgerückten Zeit wegen gegen 2 Uhr Nachts Feierabend bot, mit dem Vorschlag, den Rest des im dritten Faß befindlichen Bieres am anderen Abend zu trinken. Ein Maurer, Franz Flach, damit nicht einverstanden, beharrte darauf, daß das Bier noch getrunken werde, oder lasse er es in die Stube laufen, was er dann auch that. Es entstand darüber ein Wortwechsel, der mit dem Hinausbringen des Flach endete. Auf fortgesetztes Schimpfen und Herausfordern trat der Angeklagte Schmid dem Flach entgegen, und stieß ihm vor die Brnst, daß er hinfiel, während Ferd. Schnell mit einer Latte auf Flach losschlug. Verletzungen sind hierbei nicht entstanden. Auf dem Heimwege kam es dann aber zu dem Haupt- zusammentreffen zwischen Flach, Faust, Schmidt und Friedrich Schnell. Schmidt entriß dem Flach einen über zwei Meter langen armsdicken Knüppel mnd stieß ihm damit gegen die Brust, daß er taumelte. Nunmehr kam auch Faust hinzu mit einem Knüppel und schlugen sie nun gemeinschaftlich, Friedrich Schnell mit der Faust, die Angeklagten Faust und Schmidt mit Knüppeln auf Flach los, bis dieser regungslos zu Boden stürzte. Schnell nahm hierauf Reißaus, während die beiden Anderen noch fortwährend mit ihren schweren Knüppeln den Flach mißhandelten und ihm dabei den Schädel zertrümmerten, so daß er am folgenden Tage an den Verletzungen erlegen ist. Faust und Schmidt wurden je der schweren Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg schuldig erkannt und Faust zu 4, Schmidt zu ®a JahrenGefängniß verurtheilt. Friedrich Schnell dagegen wurde wegen schwerer Körperverletzung zu 9 Monaten, unter Anrechnung von 5 Monaten Untersuchungshaft, ferner Ferdinand Schnell zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt.
* — Schwurgerichtssitzung vom 5. Juli. Der heutigen Verhandlung gegen den Hüttner' Joh. Möller von Ahlcrsbach wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg geht folgender Sachverhalt voraus: Am 31. Oktober war der Angeklagte mit seinem Schwager Henning, dem Ackermann Blum und dem Schmied Blum, nachdem sie ihre verschiedenen Einkäufe erledigt hatten, mit anderen Ahlersbachcru in einer Wirthschaft in Schlüchtcrn zusammengetroffen. Hier wurden nun zwischen Henning und dem Ackermann Blum verschiedene Stichelreden über Schuldenbezahlen rc. geführt, die auch später in einer Wirthschaft in Herolz, wo sie abermals eingekehrt waren, sich wiederholten, von den Anwesenden aber als Scherz aufgefaßt wurden. Unterwegs, kurz vor Ahlcrsbach, kam es jedoch zwischen dem Ackermann Blum und Henning zur Rauferei in einer Dorn hecke. Der etwas zurückgebliebene Angeklagte kam hinzu und suchte die Streitenden auseinander zu bringen, was ihm auch schließlich gelang. Inzwischen war der mit seinem Fuhrwerk etwas vorgefahrene Schmied Blum ebenfalls zurückgekommen und schlug dem Angeklagten mit der Peitsche auf die Stirn, daß sofort das Blut floß. In Ahlersbach vor dem Henning'schen Hause trafen die vier Mann wieder zusammen und entstand
sammlung geschlossen.
* — Gegen den Futtermangel! Bei verherrlichenden „.—. ,.,...„ V.MW ..„, „„„„
Futternoth, die sich voraussichtlich leider noch fühlbarer j Stein auf den Kopf, ebenso brächte der Schmied Blum machen wird, wollen wir nicht unterlassen, dies dem Möller eine Verletzung am Kopfe bei, so daß beide AufmKk'nmlcit der Landwirthe auf den Anbau der noch zur Erde fielen. Der Schmied Blum brächte alsdann
hierbei eine regelrechte Schlägerei. Der angeklagte Möller schlug dabei dem Schmied Blum mit einem
lauge nicht genügend beknnnteu Herbst- oder Stoppel- den Ackermann Blum noch nach Hause, beachtete seine rüben hinzulenken. Die Herbst- oder Stoppelrüben, die Wunde nicht weiter, arbeitete vielmehr nach wie vor in
im Juli und August in frisch umgcackerte Stoppelfelder gesät werden, liefern bei reichlichem Ertrag ein ganz vorzügliches frisches Winterfutter für das Vieh. Bei der Ernte im Oktober und November werden die Blätter abgeschnitten und die Rüben im Keller oder in trockenen Gruben, nicht zu dicht übereinander, aufgeschichtet. Auf den Hektar rechnet man 10 Kilogramm Aussaat. Ebenso zu empfehlen ist Anbau der Sand- oder Zottelwickc,
Wunde nicht weiter, arbeitete vielmehr nach wie vor in
seiner Werkstätte, ohne einen Verband anzulegen oder ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auf dem Gerichtstisch steht eine Blechdose mit Fettinhalt, womit er die Wunde einschmierte, auch wandle er Leinöl zur Heilung an, bis nach etwa 14 Tagen sich erhebliche Schmerzen mit Fieber einstellten und schließlich am 23. November, nach verspäteter ärztlicher Hilfe, der Tod
eintrat. Der als Sachverständige vernommene Arzt hob
deren Anbauwürdigkcit auf Sandboden wohl überall hervor, es sei sehr wahrscheinlich, daß der Mann bei
bekannt ist.
sofortiger Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe nicht gestorben