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SchWernerMung

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Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familieyfreund" vierteljährl. 1 Mk.

Samstag, den 15. Juli

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1893?

NsHoHi^a^ auf btc »Schlüchterner Zeitung" ^tmullily^»» werden noch fortwährend von allen ;-__^ Postanstalien und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

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Deutsches Reich.

Berlin, 11. Juli. Der russische Großfürst-Thron­folger traf um 8 Uhr 35 Min. auf der Wildparkstation ein und wurde vom Kaiser empfangen und nach herzlicher Begrüßung nach dem neuen Palais geleitet, bis wohin das Lehr-Jnfanteriebataillon Spalier bildete. Zu dem Diner zu Ehren des Großfürsten waren ungefähr 24 Einladungen ergangen. Außer dem Hofstaate und dem Gefolge war auch Staatssekretär Frhr. von Marschall anwesend. Der Großfürst saß zur Rechten der Kaiserin, zur Rechten des Kaisers saß der Botschafter Graf Schuwaloff, zur Linken der Admiral Kremer. Auf der Fahrt nach Berlin verweilte der Kaiser mit dem Groß­fürsten allein ini kaiserlichen Salonwagen. Nachdem der Kaiser auf dem Bahnhöfe Friedrichsstraße von dem Großfürsten sich auf's Herzlichste verabschiedet, trat der Großfürst um 11 Uhr 25 Min. die Weiterreise nach Petersburg an. Der Kaiser kehrte nach der Wildpark­station zurück.

S. M. der Kaiser ist in der Nacht vom vorigen Dienstag zum Mittwoch einem unvermeidlich scheinenden Unfall entronnen. Kurz nach 9 Uhr verließ der Kaiser­in Begleitung des dienstthuenden Flügeladjutanten in einem vierspännigen Wagen die Kaiser-Franz-Grenadier- Kaserne in der Blücherstraße in Berlin, wo er den Abend bei dem Offizierkorps verbracht hatte, um sich nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurückzugeben. Als die Equipage bei Wannsee die ziemlich abschüssige Strecke zwischen dem Bahnhof und dem Kaiserpavillon befuhr, kam dieselbe an eine frisch aufgeschüttete Ste^e, die zwei vorher dort angcfahrenen mit lang heraus­ragenden Bretterstapeln beladenen Wagen zum Hinderniß geworden war. Die beiden Gefährte waren direkt in einander hineingefahren und versperrten die Straße. Das Gefährt des Kaisers näherte sich in raschem Tempo; glücklicherweise waren mehrere auf einem Ausflug be­findliche Berliner Herren in dichter Nähe, welche den Kutscher, der durch das Laternenlicht des eigenen Wagens geblendet wurde und in der herrschenden Finsterniß nichts bemerkt hatte, auf die drohende Gefahr durch lauteHalt"-Rufe aufmerksam machten. Dicht vor den aus dem Bretterwagen herausragenden Balken gelang es dem Kutscher noch, die Pferde zu varieren und die kaiserliche Equipage zum Stehen zu bringen. _ Der Leibjäger stieg vom Bock, um die Pferde auf bet schmalen Wcgestrecke langsam vorwärts zu führen, und so wurde im letzten Augenblick die Gefahr glücklich ab- gewandt und der Kaiser konnte seinen Heimweg nach dem Neuen Palais fortsetzen.

Heu-Import nach Europa. In Newyork ist der deutsche Dampfer Freiburg von 1908 Tons Tragfähigkeit nach Havre mit Heu beladen worden. In Stettin sind mehrere Dampfer gechartert, um Heu aus Kanada nach Deutschland zu bringen.

* Eine dauernde polizeiliche Ueberwachung ber Bäckerei-, Konditorei-, Fleischerei- und ähnlichen Betriebe haben die Minister für Handel und Gewerbe sowie für Kultusangelegenheiten angeordnet, um festzustellen, in welchem Umfange thatsächlich noch die Unsitte verbreitet ist, daß Werkstätten als Schlafstätten benutzt werden. Die den Ministern behändigten Ergebnisse der im vorigen Herbst allgemein veranstalteten Erhebungen gestatten noch kein sicheres Urtheil, vielmehr neigen die Minister der von einigen Berichterstattern ausgesprochenen Ansicht zu, daß der Uebelstand vielfach übersehen oder nicht in vollem Maße gewürdigt wird, wie dies zur genauen Feststellung erforderlich ist. Die durch eine regelrechte Beaufsichtigung der erwähnten Anstalten gewonnenen weiteren Resultate sind durch die Regierungs­präsidenten bis zum 30. Juni k. Js. einzureichen.

Aus dem Osten Deutschlands wird in Bezug auf das Ergebniß an Futtermitteln unter dem 8. d. Mts. berichtet: Bis auf Hafer sind in den östlichen Provinzen durchgängig alle Futtermittel weit besser ge­diehen, als man vor einigen Wochen noch geglaubt hatte-^Nämentlich in Heu, wie auch in Roggen und Weizen, herrscht, wenn auch nicht in großem Umfang, Neberfluß, sodaß es den Militärverwaltungen nicht schwer

fällt, ihren Bedarf sich zu beschaffen. Sie zahlen im Durchschnitt für den Zentner Heu 3 Mark.

Dortmund, 8. Juli. Vor einiger Zeit saßen in ber Naumannschen Wirthschaft mehrere Stammgäste und dachten, wie man zu sagen pflegt, an gar nichts. Einem derselben krabbelten auf dem Kopf die Fliegen in un­verschämter Weise umher, was das Gespräch bald auf die lästige Fliegenplage brächte. Ein anderer Gast meinte, es müsse mehr zur Vertilgung der Fliegen ge­than werden, er wolle es wohl übernehmen, einen Sack voll dieser. Plagegeister zur Stelle zu bringen. Ein dritter Gast bezweifelte dies. Er meinte, ein ganzer Sack, ordentlich vollgestopft, müsse wenigstens 50 Pfd. wiegen. Es würde dem Vorredner recht schwer fallen, so viel Fliegen zu erschlagen. Das Ende der Debatte war eine Wette zwischen den Herren M. und R. M. verpflichtete sich, einen Sack voll Fliegen im Gewichte von 50 Pfd. dem Herrn R. für den Preis von 120 Mk. zu liefern. Und er kam seiner Verpflichtung nach. Einige Tage vor dem Lieferungstermine brächte der Spediteur Wahl einen Sack voll Fliegen in die Nau- mannsche Wirthschaft. Der Wirth verweigerte aber die Annahme, da das Zeug einen üblen Geruch hatte. M. ließ nun den merkwürdigen Sack beim Spediteur lagern und erschien am Lieferungstage bei R., zeigte ganz geschäftsmäßig eine Probe der sonderbaren Waare vor und erklärte, daß 50 Pfund derselben Qualität bei Wahl lagerten. R. war ganz verdutzt und weigerte sich, die todten Fliegen abzunehmen. Jetzt klagt M. auf Abnahme. Wie hat der gute Mann nun die 50 Pfund Fliegen bekommen, ist er etwa auf der Jagd gewesen? Nein, er hat sie von Amerika bezogen, wo ein schwung­hafter Handel mit getrockneten Fliegen betrieben wird. Der merkwürdige Sack hatte auf dem Dortmunder Zollamte Verwunderung erregt. Man wußte dort an­fangs nicht recht, als was man den Inhalt an- sehen sollte, und entschied sich endlich fürausländisches Geflügel."

Nürnberg, 11. Juli. Die Regierung bewilligte 300,000 Mark zur Abhilfe der Futternoth in dem Regierungsbezirk Mittelfranken.

Ausland.

Chicago, 11. Juli. Ein unweit der Ausstellung belegenes Lagerhaus ist abgebrannt. Infolge Einsturzes des Daches wurden dabei 20 Feuerwehrleute in die Flammen geworfen und kamen ums Leben. Fünf andere wurden durch den Einsturz eines Thurmes zer­schmettert. Sechzig Personen trugen Verletzungen davon. Der Schaden wird auf eine Million Dollars geschätzt; das Ausstellungsgebäude blieb unbeschädigt.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 14. Juli.

* Am 10. Juli fand in Kassel unter dem Vorsitz des stellvertretenden Regierungspräsidenten, Herrn Ober- regierungsrath von Pawel im Regierungsgebäude eine Konferenz zur Erörterung der Angelegenheit, betreffend Ausdehnung der Handelskammer-Organisation im Rcg.- Bez. Cassel statt. In derselben wurde nach längerer Berathung der Beschluß gefaßt, die Handelskammern zu Kassel und Hanau zu belassen und der letzteren die Kreise Schlüchtern, Fulda und Hünfeld, der ersteren die übrigen Kreise in Kurhessen zuzutheilen. In Zukunft muß, wie wir weiter erfahren, jedes kaufmännische Ge­schäft, das 20 Mk. und mehr Gewerbesteuer bezahlt, sich im Handelsregister eintragen lassen und Mitglied der Handelskammer werden.

* Aus der Schwurgerichtsverhandlung vom 10. Juli. Angeklagt ist der Knecht Georg Bernstein von Mottgers wegen wissentlichen Meineids, und der Bauer Herber von Neustall bei Ulmbach wegen Verleitung dazu. Beide Angeklagte wurden aus Untersuchungshaft vor­geführt. Die Verhandlung ergab Folgendes: In dem Hause des Angeklagten Herber wohnt die 71 jährige Wittwe Wiegand im Auszug. Der Frau war von der Gemeinde aus dem Staatswald zwei Haufen Buchen­reisig zugewiesen worden. Als Herber mit seinem Knecht Bernstein das Holz anfuhr, verwechselte er einen Haufen Buchenreisig mit einem Haufen Eichenreisig, der ihm zugetheilt war, indem er die Nummernknüppel gegenseitig verwechselte mit der Bemerkung,für die Alte ist das Dreckzeug gut." Der Minderwerth des Eichenreisig zu dem Buchenreisig betrügt nur 70 Pf. Die Sache wurde

jedoch bekannt und Herber wurde wegen Diebstahls zur Anzeige gebracht. In dem Termin am 10. August vor dem Königl. Amtsgericht Salmünster bestritt Herber die That, ebenso beschwor der als Zeuge vernommene Knecht Bernstein, nichts von der Sache zu wissen, noch auch sich selbst dabei betheiligt zu haben. Bernstein, welcher vorher dem dortigen Bürgermeister die Sache eingestanden, ließ sich, als er dem Bürgermeister gegenübergestellt und daran erinnert wurde, nunmehr die Wahrheit zu sagen, nicht dazu bewegen. Heute gibt er an, da er wegen Diebstahl bereits mit 8 Monaten Gefängniß vorbestraft, sich vor der Strafe gefürchtet, und deshalb damals nicht die reine Wahrheit von seiner Betheiligung aus- gesagt zu haben, auch habe sein Dienstherr Herber auf ihn eingewirkt, er solle die Unwahrheit sagen,es wäre ja Niemand dabei gewesen, und wenn wir es läugnen, dann kommt nichts heraus". Bernstein, der von dem Gerede, daß er falsch geschworen habe und eingezogen werden solle, gehört hatte, ließ sich von Herber den noch rückständigen Lohn von 125 M. geben, um sich nach Amerika überzuschiffen. Er kam jedoch nur bis Antwerpen, welche Route ihm als am sichersten empfohlen war. Das Reisegeld war ihm jedoch inzwischen knapp geworden, und schrieb er deshalb an den Schwager des Herber um weitere 150 M., er könne sonst nicht fort. Der Brief wurde angehalten und Bernstein in Antwerpen verhaftet und zurückgebracht. Bernstein ist geständig, wissentlich vor dem Amtsgericht in Salmünster die Unwahrheit gesagt und dies mit einem Eid bekräftigt zu haben. Herber, der ein vermögender Bauer ist und wegen Diebstahls eine Strafe von etwa 3 Tagen zu erwarten gehabt hätte, sucht heute durch allerlei Aus­reden seine Unschuld darzuthun. Die Geschworenen erkennen Bernstein des wissentlichen Meineids und Herber der Beihülfe zur Verleitung schuldig und wurde Bernstein zu 1 Jahr 3 Monaten und Herber zu 1 Jahr 1 Monat Zuchthaus verurtheilt und für beide auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren erkannt.

* Schwurgerichts-Verhandlnng vom 11. Juli. Der aus Untersuchungshaft vorgeführte Briefträger und frühere Schuhmacher Philipp Sauerwcin von Schlüchtern ist wegen dreier Unterschlagungen im Dienst und zweier öffentlicher Urkundenfälschungen angeklagt. Er hatte im Oktober vorigen Jahres von einer Bauersfrau in Nicderzell 10 Mk., im Februar in Hohcnzell 30 Mk., und im April in Ahlersbach 23,71 Mk. zur Ablieferung an das Postamt in Schlüchtern zwecks Weiterbeförderung an die Bestimmungsorte erhalten, die Gelder jedoch nicht abgeliefert, sondern die ersten Beträge theilweise, den letzten von 23,71 Mk. aber ganz für sich verwendet, auch den Empfang nicht der Vorschrift gemäß in sein Annahmebuch eingetragen. Als nach einigen Tagen die Frauen in Niederzell und Ahlersbach ihm dem Post- einlieferungsschein anverlangten, fälschte er beide Scheine, um so die Zahlenden zu beruhigen. Der Angeklagte leugnete Anfangs, legte aber zuletzt ein offenes Geständniß, ab und gibt als Grund der That an, daß er durch Unglück in der Familie und den knappen Verdienst von 1,40 Mk. pro Tag sich nicht anders zu helfen gewußt habe, als in größter Bedrängniß einen Theil des Geldes für sich zu verwenden, um es später wieder zu ersetzen, was er ja auch gethan hat. Die Geschworenen sprechen den Angeklagten in allen Fällen schuldig unter Annahme mildernder Umstünde, worauf das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts gemäß ihn zu einer Gesammtstrafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß verurtheilt.

* Die Herbstzeitlose kommt in diesem Jahre früher zum Vorschein, weshalb darauf zu achten ist, daß sie nicht unter das Viehfutter kommt. In einigen Dörfern bei Heldburg ist das Vieh durch den Genuß von Herbstzeitlose schwer erkrankt, ein Stück ist daran verendet, ein anderes konnte durch eingegebenes Gegen­gift gerettet werden.

* Auf Verhaltungsmaßregeln bei Gewittern hinzuweisen, dürfte in jetziger Jahreszeit am Platze sein. Also: Die beim Pflügen beschäftigte Person spanne sofort vor Eintritt des Gewitters das Vieh aus und treibe es aus der Nähe des Pfluggeschirres, denn bekanntlich ziehen alle Eisen- und Stahltheile leicht den Blitz an, wie aus diesem Grunde namentlich mähende Landleute gleich ihre Sensen rc. nieberlegen sollen. Dann laufe man nicht im Trab nach Hause; immer inmitten des Weges, hat man das Vieh oder Fuhrwerk bei sich, so