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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg
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Mittwoch, den 19. Juli
1893.
Bekanntmachung.
Die Herren Bürgermeister werden hiermit veranlaßt, sofort die Landwirthe ihrer Gemeinde, welche sich in Fnttcrnolh befinden, aufzufordern, sofort anznmelden, welche Futtermittel sie duich Vermittelung des lanb= wirthschaftlichen Kreis-Vereins zu beziehen wünschen, sodann die.Bestellungen entgegenzunehmen und ein Ver- zeichniß über alle gemeinten Bestellungen nach folgenden Rubriken:
Es sind bestellt worden Ctr.
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Namen der Besteller.
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mir binnen längstens 8 Tagen einzureichen. Gegenwärtig kosten pro Zentner etwa:
Biertreber Mais
Roggenkleie Weizenkleie
6,— 6,50 6,— 5,50
Mark
Reismehl je nach Fett- und
Proteingehalt . . . 4,50
Oelkuchen . . Grobe Reiskleie
bis 6 Mark bis 7 „ Mark
. . 6,50
. . 2,75
Obige Artikel werden Waggonweise bezogen und wird darauf Bedacht zu nehmen sein, allein oder mit den Nachbargemeinden eine Waggonladung zur uüchst- gelegenen Bahnstation zu ei halten.
Alle diejenigen Landwirthe, welche nicht in der Lage sind, den Kaufpreis baar oder in der nächsten Zeit bezahlen zu können, erhalten Zahlungsfrist bis 1. Oktober 1894, vorausgesetzt, daß die Gemeinde für die spätere Einzahlung Bürgschaft leistet. Kaufmann Ferdinand Renner Hier hat Vorrath von mehreren Hundert Centner grober Reiskleie, welche derselbe zu 2 Mark 75 Pfg. pro Centner abläßt, dieselbe kann für Rindvieh zum Trenken nach stattgcfnndeuer Ansäuerung mit Hefen nur empfohlen werden.
Schlüchtern, den 17. Juli 1893.
Der Königliche Landrath: Roth, Geheimer Rcgieruugs-Ralh.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Juli. Nach Schluß des Reichstags wird, wie die „Krzztg." hört, der Kaiser mit der Kaiserin und zahlreichem Gefolge auf S. M. Jacht „Hohenzollern" eine Seereise in der Ostsee unternehmen, auf der voraussichtlich Bornholm und Gothland berührt werden. Da der Kaiser der zwischen dem 1. und 8. August in Cowcs stattfindenden Regatte wie im vorigen Jahre beiwvhnen wird, so wird die Kaiserin in Kiel verbleiben, während das Gefolge den Kaiser nach England begleitet.
— Der Kaiser und die Kaiserin haben Sonnabend die Reise nach Kiel angetreten, von wo sie sich noch Bornholm einschiffen. Der Kaiser beabsichtigt am 25. d. Mts. nach Kiel zurückzukehren, dort einen Tag zu verweilen und am 27. sich nackt Cowes zu begeben, um dort ungefähr eine Woche der Regatta beizuwohnen. Am 7. August wollte der Kaiser in Helgoland eintreffen und von dort bis zum 14. August nochmals Kreuzertouren unternehmen. — Großes Aufsehen erregte der Kaiser am Sonnabend dadurch, daß er während der Debatte über die Militärvorlage gegen 4 Uhr im Reichs- tagsgebäude erschien und sich ins Bundesrathszimmer begab. Er ließ den Reichskanzler, den _ Staatssekretär im Auswärtigen Amte Führn. v. Marschall und den Abg. v. Stumm zu sich rufen und unterhielt sich mit ihnen u. A. über die Frage, wann die Schlußsitzung zu Ende gehen werde. Ein solcher Zwischenfall ist noch Nie dagewcsen. Von der Endabstimmung über die Militär- Vorlage und dem Schluß der Reichstagssession wurde dem Kaiser durch den Grafen Caprivi unverzüglich Mittheilung gemacht.
— 15. Juli. Reichstag. Dritte Lesung der Militärvorlage. Nach Annahme des Artikels 1 wurden durch Aufstehen sämmtliche Artikel ohne weitere Abstimmung angenommen. Sodann wurde die ganze^Vorlage in namentlicher Abstimmung mit 201 gegen 185 Stimmen
endgültig angenomiucu.
— Die Kosten der HeercsvcrstärMng beziffern sich
auf zusammen 71 282 547 Mark, davon dauernde Aus-1 schlössen werden. Woher soll die immer steigende Zubusie gaben 23 22184 8 Mark, einmalige 48 060 699 Mark.' mit der gearbeitet werden muß, genommen werden? Wir
Die einmaligen Ausgaben setzen sich folgendermaßen zusammen: Für die Verwaltung des Reichsheeres in Preußen 27 985 034 Mk., in Sachsen 3 503 973 Mk., in Württemberg 2638616 Mk.; hierzu kommen noch zu Garnisonbauten in Elsaß-Lothringen 5 838 00J Mark, für Erwerb und Einrichtung von Pionier-UebungSplätzen in Straßburg und Metz 800 000 Mk., die auf Bayern entfallende Summe von 4006144 Mk. und endlich der aus Anlaß der Heeresverstürknug sich ergebende Mehr- bedarf an eisernen Vorschüssen im Betrage von 2 728 332 Mk., so daß die Summe der einmaligen Ausgaben insgesammt beträgt 48 060 699 Mk., welcher Betrag durch Anleihe zu decken ist.
Hamburgs 11. Juli. In welchem Umfange dem Hamburger Staat aus der Choleraepidemie des vorigen Jahres die öffentliche Waisenpflege erwachsen ist, ergiebt sich aus einem Nachtragsetat des Waisenhauses. Danach sind im Waisenhause selbst 600 Kinder statt bisher 400 zu verpflegen. Die Zahl der außerhalb Hamburgs untcrgebradjten Waisen wird auf rund 1000 angegeben und die der sogenannten Kostender auf 2000, so daß dem Staate ca. 4200 Kinder zur Last fallen. Im Vorjahre betrug die Zahl der Waisen kaum die Hälfte.
Bramstedt in Holstein, 14 Juli. Der vor 8 Tagen auf den benachbarten Haiden und Moorflüchen infolge artilleristischer Schießübungen ausgebrochene Brand greift immer weiter um sich und umfaßt jetzt eine Brandfläche von anderthalb Quadratmeilen, 3000 Soldaten sind unaufhörlich beschäftigt, Feuergrüben zu ziehen, um dem Brande Einhalt zu thun, jedoch bislang vergeblich. Das Feuer ist stellenweise in das zwei Meter tiefe Moor eingedrungen, glimmt teilweise unter der Oberfläche fort und durchbricht dieselbe plötzlich an anderer Stelle. Es sind bereits Getreidefelder zerstört. Das Dorf Leut- föhrden ist bedroht. Den großen Schaden hat der Militürfiscus zu tragen.
Münster, 11. Juli. Ein Holzfabrikarbcitcr hatte heute das Unglück, in eine Kreissäge zu stürzen, die ihm sofort ein Bein absägte. Auf dem Transport nach dem Krankenhause starb der Verunglückte an Blutverlust.
Haltern. (Münsterland.) (Keine Gemeindesteuer.) Nicht viele Städte unseres deutschen Reiches wird es geben, in denen die Bürger nicht allein feine Commu- nalsteuer zahlen, sondern sogar alljährlich von der Steuer- kasse sich Geld holen können. So können sich 400 Bürgerfamilien in diesem Jahre wieder 14 000 Mark theilen. Diese rühren von den Holzverküufen her, welche die Stadt alljährlich in den umfangreichen städtischen Waldungen vornehmen laßt.
Uom Harze, 11. Juli. Ein Waldbrand von seltener Ausdehnung, der fast 400 Morgen 40 bis 50jährigen Fichtenbestand vernichtet, hielt vorgestern die Gegend von Elbingerode in größter Aufregung. Gegen 1000 Waldarbeiter, Feuerwehrleute u. s. w. waren zur Löschung des gewaltigen Brandes, den die Sturmglocke während des Gottesdienstes verkündete, von allen Seiten herbei- gecilt, doch konnte dem eigentlichen Feuer nicht zu Leibe gegangen werden, da die unglaubliche Gluth jede Annäherung überhaupt unmöglich machte, und bei der ungeheuren Ausdehnung eine einheitliche Leitung ausgeschlossen war. So mußte man sich darauf beschränken, entferntere Schneusen durch Abhauen von Bäumen zu erweitern und auf diese Weise der Verwüstung Halt zu gebieten. Viele Verletzungen kamen vor. So wurde u. a. ein Förster von einem durch Brand verletzten Hirsch überrannt und dadurch nicht unwesentlich verletzt. Während des Brandes wurde ein Theil der Mannschaften abgerufen, da in der Nähe der Rübelander Pulverfabrik ein WieseN- und int Forstrevier Schierke ein zweiter Waldbrand ansgcbrochcn war.
Halle. Durch den heftigen Rückgang deS Silber- preises wird auch die deutsche Silberproduktion hart' getroffen, die namentlich int Mansfeld'schen betrieben wird. Ein Bericht des „Mansfelder Bergb." läßt sich hierüber in nachstehender Weise aus: „Wir dürfen die Verhältnisse nicht bemänteln, noch verschleiern, es muß offen und rückhaltslos die Wahrheit gesagt werden. Bleiben die jetzigen Silberpreise fortbestehen oder verschlechtern sie sich, wie es vorauszusehen ist, noch mehr, so ist unser altberühmter Mansfelder Bergbau nicht mehr
lebensfähig, und alle Schächte und Hüllen müssen ge
haben eine entsetzliche Aussicht vor uns. Ueber kurz oder lang werden, wenn diese Preisverhältnisse fortdauern, sämmtliche Mannschaften brodlos, die Beamten müssen entlassen werden, die Geschäftsleute, Handwerker und Gartenbesitzer verlieren ihre kaufkräftige Kundschaft. Die Gemeinden kommen um ihre Abgaben, welche die Gewerkschaft und ihre Angestellten leisteten, und der Staat büßt Millionen von Steuern und Eisenbahn- frachten ein." Das sind in der That bcklagcnswcrthe Konsequenzen in der Silberkrisis. Dieselben würden sich viel weniger fühlbar machen, wenn nicht die Bimetallisten den Silberpreis lange Zeit auf einer künstlichen Höhe erhalten hätten, welche dazu führte, daß die Silberproduktion auch da betrieben wurde, wo sie den natürlichen Verhältnissen nach unlohnend war. Der Sturz des Silberpreises fügt Deutschland auch in anderer Hinsicht schwere Verluste bei. Der Silberumlauf des deutschen Reiches wird auf ca. 400 Millionen geschätzt. Nach dem neuesten Ausweis über die in den deutschen Münzstätten stattgehabten Ausprägungen waren an Silber 463,545,279 M. ausgeprägt. Auf dieser Summe ruht jetzt ein Verlust von nahezu 200 Millionen.
Zwickau, 13. Juli. Der Wirth des Gasthofes „Zur Fichte" in Stahlberg, ein in den besten Jahren stehender Mann, begab sich vor einigen Tagen im erhitzem Zustande in den Keller, um Bier anzustecken, wurde aber bei seinem Wiedereintritt in die Gaststube zu seinem Schrecken gewahr, daß er das von einem Gaste ihm auf den Tisch gelegte Geldstück nicht sehen konnte, ebensowenig die Gegenstände in seiner Nähe. Es war durch den plötzlichen Uebergang aus der Wärme in die kalte Kellerluft Lähmung der Sehkraft eingetreten und hat sich solche bis heute leider nicht zum Besseren gewendet.
Ausland.
Petersburg, 12. Juli. In hohen Hofkreisen ist man über die freundschaftliche Aufnahme des Thronfolgers in Berlin und die ihm erwiesenen Aufmerksamkeiten sehr befriedigt. Man erblickt darin einen Beweis, daß die guten Beziehungen zwischen den Höfen von Berlin und Petersburg trotz allen Polemiken der russischen Presse ungeschwächt fortbestehen. In diesen guten Beziehungen liege eine Bürgschaft für den Frieden.
Frankreich. Die Cholera gewinnt mehr und mehr an Ausdehnung. In Südfrankreich, besonders in Marseille, hat die Sterblichkeit in den letzten Tagen zugenommen. Die Zahl der täglichen Todesfälle, die dort in normalen Zeiten durchschnittlich etwa 35 beträgt, ist am 4. Juli, wahrscheinlich in Folge der starken Hitze der vorhergehenden Tage, auf 49 und am 5. Juli auf 76 gestiegen. Im vergangenen Monat sind dort täglich 7—9 Cholerafülle zum Teil mit tödtlichem Ausgang vorgekommen. Auch aus Nizza und Umgegend werden Fälle von cholcraartigen Erkrankungen gemeldet. Es sind dort im Verlauf der letzten drei Wochen gegen dreißig Personen dieser Krankheit erlegen. Im Arondissement von Tsulon sind fünf Erkrankungen an Cholera und vier Todesfälle vorgekommen. In Ungarn sind in Szaimar, in Decs, Siebenbürgen, im Bereger Comilat und der Theisgegend zahlreiche choleravcrdächtige Erkraukungen und viele Todesfälle vorgekommen Im Ort Tisz Akerecß sind in 7 Tagen 14 Erkrankungen an Cholera und 5 Todesfälle vorgekommen. In Hetyen, gleichfalls im Bereger Comitat, sind 11 Personen erkrankt und 3 gestorben in den letzten 4 Tagen. In den russischen Gouvernements, in denen die Cholera den ganzen Winter über nicht vollständig erloschen war, greift sie jetzt weiter um sich. Aus Moskau werden seit dem letzten Juni 32 Krankheitsund 11 Todesfälle gemeldet. Auch in St. Petersburg sind solche Fälle vorgekommen; da aber bis heute keiner tödilich verlaufen ist, haben die Aerzte noch nicht volle Gewißheit über den Charakter der Erkrankungen. Im Hospital von Cl-Tor in Arabien sind 85 cholerakranke Pilger ausgenommen worden; 40 Choleratodtesfälle haben daselbst stattgefunden.
Asien. Der von den egyptischen Quarantäne- Behörde nach Mekka geschickte Sanitätsbeamte hat einen grausigen Bericht über den Zustand der Pilger eingeliefert. Die Todesfälle an Cholera (waren zweimal so hoch, als offiziell angegeben worden war. Im Muna-Tbal wurde es un- möglich, die Todten alle zu begraben, bi her denn der Weg von Muna nach M kki ganz mit Lachen besät war. In Mekka blieben die Opfer der Epidemie