chlüchternerMung
Erscheint Mittwoch u. Samstag — ^reis mit „Srcisblau“ u. „JAnstrirtem Familienfreund" vicrteljährl. 1 -Bit. —Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg
Mittwoch, den 26. Juli
1893
Besann irnnchnng.
! Goldproduktion und der Goldwerth fii fr. Das baurt
Die Herren Bürgermeister werden hiermit veranlaßt/ aber nur so lange, bis die höher gelegenen Goldadern sofort die Landwirthe ihrer Gemeinde, welche sich in ' erschöpft sind. Dann tritt wieder der regelmäßige und Futtcrnolh bcfiubeti, aufzusordern, sofort anzumelden, für Goldbergweike besonders charakteristische, äußerst
welche Futtermittel sie durch Vermittelung des land- wirtyschaftlichen Kreis Vereins zu beziehen wünschen, sodann die Bestellungen entgegenzunehmen und ein Ver- zcichniß über alle gemachlcn Bestellungen nach folgenden Rubriken:
Es sind bestellt worden Ctr.
K
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mir
Namen der Besteller.
A
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Z
Q
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binnen längstens 8 Tagen einzureichen. Gegenwärtig kosten pro Centner etwa:
Biertreber .
. . 6 —
Mais.......6,50
Roggenkleie......6,—
Weizeukleie......5,50
Reismchl je nach Fett- und
Proleingehalt . . . 4,50
Oelkuchen......6,50
Grobe Reiskleie . . . . 2,75
Mark
bis 6 Mark bis 7 „
Mark
Obige Artikel werden Waggon» eise bezogen und wird darauf Bedacht zu nehmen sein, allein oder mit den Nachbargemeinden eine Waggonladung zur nächst- gelegenen Bahnstation zu erhalten.
Alle diejenigen Landwirthe, welche nicht in der Lage sind, den Kaufpreis baar ober in der nächsten Zeit bezahlen zu können, erhalten Zahlungsfrist bis 1. Oktober 1894, vorausgesetzt. daß die Gemeinde für die spätere Einzahlung Bürgschaft leistet. Kaufmann Ferdinand Fenner hier hat Vorrath von mehreren Hundert Centner grober Reiskleie, welche derselbe zu 2 Mark 75 Pfg. pro Centner abläßt, dieselbe kann für Rindvieh zum Freuten nach stattgefundener Ansänerung mit Hefen nur empfohlen werden.
Schlüchtcrn, den 17. Juli 1893.
Der Königliche Landrath: Roth, Geheimer Regierungs-Rath.
: langsame Abbau in sein Recht
Deutschland, das Goldwährung hat, wird von der Silderkrisis so gut ivie gar nicht berührt. Die Lage ist aber auch jetzt durchaus ungeeignet, eine Aenderung unseres Währungssystems vorzunehmen.
Zur Zeit kostet die Standard-Unze Silber in London etwa 34 Pence. Vor einigen Tagen war sie bereits auf 30 Pence herabgesunken. Sie kann und wird wahrscheinlich künftig ebenso tief ober noch tiefer sinken. Dieser Preisstand des Silbers bedeutet, daß der thatsächliche Werth unserer silbernen Reichsmark etwa 45 Pfennige Gold beträgt. Unsere Silbermark gilt eben eine Mark Gold nur deshalb, weil unser Staat verpflichtet und jederzeit in der Lage ist, die Silbermark in Gold vollwerthig einzulösen, d. h. weil wir eben Goldwährung haben. Führen wir die Silberwährung wenn auch nur in der abgeschwüchten Form der Doppelwährung ein, so hätten wir nur noch die Silbermark als gesetzliches Zahlungsmittel. Dann müßte, alle übrigen Verhältnisse gleichgefetzt, die Valuta gegenüber den Waaren, den Immobilien und den Arbeitslöhnen im Preise allmählich um die Hälfte sinken. Es würden sich also die Arbeitslöhne verdoppeln. Doch hätten die Arbeiter nichts davon, da sich auch die Preise der Nahrungsmittel und Verdrauchsgegenstände verdoppeln würden.
Einen einmaligen Vortheil hätte ein Theil der Grundbesitzer und zwar nur derjenige, dessen Güter verschuldet sind. Ein Gut im Werthe von 300,000 Mk., das mit 100,060 Mk. Hypotheken bellastet ist, würde alsdann 600,000 Mk. werth sein. Die Schuld aber würde nach wie vor 100,000 Mk. betragen. Dem betreffenden Gutsbesitzer gehörte also früher H des Werthes seines Grund und Bodens zu eigen. Nach Einführung der Silberwährung würde er % desselben
eigenthümlich besitzen. Er könnte verhüllnißmäßig die Höhe seiner
also, ohne
Verschuldung
Deutschland und der Silbersturz.
„Am Golde hängt, nach Golde drängt doch alles!" fingt schon Gleichen im „Faust" und man könnte das auch auf die Finanzpolitik der Neuzeit übertragen, die das mehrtausendjährige Reich des Silbergeldes zu Grunde gelten läßt, um der Gvidgcwührnng allgemeine Anerkennung zu verschaffen.
„Für den „kleinen Mann" ist die Währungsfrage ein Buch mit sieben Siegeln. Ob er ein Zehnmarkstück, 10 einzelne Markstücke ober 2 Fünfmark-Scheine sein eigen nennt — er besitzt zehn Mark. Für den Welthandel und den Verkehr im Großen gestaltet sich die Sache indessen in ganz anderer Weise und für den Einsichtigen, der den Gang der Dinge aufmerksam verfolgt, war die jetzt eingetretene Silderkrisis ein Er- eigniß, das nicht überraschend gekommen ist, wenngleich ein äußerlicher Anlaß sein Eintreten beschleunigte.^ Die indische Regierung hat nämlich vor^ Wochen die bis dahin freigegebene Ausprägung des Silbers für private Rechnung verboten. Und das war nothwendig, wenn Indien, das reichste Land der Welt, nicht dem finanziellen Ruin entgegengeführt werden sollte.
Sehen wir erst einmal zu, wodurch das Silber in Neuerer Zeit so bedeutend an Werth verloren hat. Zunächst dadurch, daß mehrere Wclthandclsmüchte die Goldwährung einführten, wodurch eine größere Nachfrage nach Gold entstand, Silber aber dem Verkehr entzogen wurde. Sodann nahm auch die Silber- gewinnung einen gewaltigen Umfang an (in den letzten Jahren stieg dieselbe von 23/* auf 4*/< Millionen Kilogramm jährlich); es kam also weit mehr Silber auf den Weltmarkt, als dieser aufnehmen mochte. Diese Produktionsvcrmehrnug aber hatte ihren Grund in der Verbesserung der Technik; das Silber wird^ fast niemals in gediegenem Zustand gefundeus es muß immer ei st „gewonnen" werden und darin hat die Technik gewaltige Fortschritte gemadjt, denen die erwähnte Bfehrerzeugung zu bauten ist. „ .
Anders verhält es sich mit dem Gölde, Werden Neue Goldgruben aufgefunden, so steigt natürlich d-e
gegen früher zu vergrößern, ganz bequem noch weitere 100,000 Mark Hypotheken aufnehmen. Die Hypotheken gläubiger und sonstigen Rentenbesitzer aber wurden verlieren, da sich der reelle Werth und die Kaufkraft ihres HypüthekenbesitzcS um die Hälfte vermindert hätte. Denn mit den 100,000 W., die seine Hypothek werth ist, könnte er infolge der Entfernung der Valuta jetzt nur halb so viel kaufen als früher, da ja alle Waaren und aller Grundbesitz jetzt doppelt so viel kosten als ehedem
Verlieren und ins bitterste Elend gestoßen würden ferner alle kleinen Beamten und Staatsdiener, da sie nun ihr Gehalt in Silber auSgezahlt erhielten und infolge der Verdoppelung des Preises aller Nahrungs- und Bedarfsmittel nur halb so viel kaufen könnten als früher. Selbst der freikonservative Abg. Dr. Arendt, der bekannte Anhänger der Silberwährung, hat erklärt, daß zur Zeit eine Aenderung unseres WährungsshslemS gänzlich aussichtslos sei.
Deutsches Reich.
Berlin, 22, Juli. Aus Saßnitz wird vom Sonnabend gemeldet: Heute Nachmittag trafen vor Saßnitz der Aviso „Blitz" und zwei Torpedoboote ein. die den „Hohenzollern" salutirten. Die von dem Kaiserpaare beabsichtigte Wagenfahrt nach Slubbenkammer unterblieb in Folge eines kleinen Wolkenbruchs, der um 4 Uhr niederging. Trotz des furchtbaren Gusses harrten Hunderte von Badegästen am Strand aus, bis um 4 h., Uhr die Kaiserin an Land kam, um die Prinzen Friedrich Leopold von Preußen in den Blockhäusern am Ulskahn zu besuchen. Der Kaiser blieb zunächst noch an Bord. Die Abreise erfolgte am Sonntag.
— Die Kaiserin wird, wie aus Kassel geschrieben wird, am Donnerstag, den 27. d. Mts. von Kiel aus die beabsichtigte Reise nach Schloß Wilhelmshöhe an- treten. Die Ankunft daselbst erfolgt Morgens 7 Uhr mittels Sondcrzugcs. Der Aufenthalt der Kaiserin auf Schloß Wilhelmshöhe dürfte bis Mitte August währen.
— Da die erhöhte Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, wie sie in der vom Reichstag angenommenen Militärvorlage festgesetzt ist, bereits am 1. Oktober d. I. zur Durchführung gelangen soll, so müssen die nothwendigen Bauten und Baracken, Stallungen, Reit-
bahnen, Menagcanstaltcn ferner die Anlage von Schicß- stäuden, die Errichtung bezw. Erweiterung von Garnison- lazaretten und Magazinanlagen und alle anderen Einrichtungen unverzüglich in Angriff genommen werden. Die Vorbereitungen sind von der Heeresverwaltung seit längerer Zeit schon getroffen worden, sodaß die Arbeiten sofort beginnen können. Namentlich müssen die Baracken bis zum Einrücken der neuen Rekruten im November vollkommen bewohnbar fertiggestellt sein. Die Baracken, für die das sog. Pavillonfystcm vorgeschrieben ist, werden in Backsteinen ausgesührt und sollen nur außer dem Erdgeschoß noch ein einziges Stockwerk enthalten. In hygienischer Beziehung sollen sie allen wissenschaftlichen Anforderungen thnnUchst entsprechen.
— Die Schraube zieht bereits an. Nach einer Petersburger Depesche des „Bureau Reuter" verlautet in Petersburger militärischen Kreisen, die russische Regierung werde die Annahme der Militärvorlage in Deutschland demnächst mit der Bildung eines 19. und 20. Armee- corps beantworten.
— Neue Quittungskarten für die Alters- und Jnvaliditätsversicherung liegen augenblicklich dem Bundcs- rath zur Probe vor. Dieselben gleichen in Formal und Farbe den bisherigen Quillungskarten. von denen sie aber in Einrichtung und Stoff avweichen. Der Stoff besteht aus 50 Prozent Cellulose, 25 bis 30 Prozent Leinen und 20 bis 25 Prozent Baumwolle, hat eine mittlere Reißlänge von 4500 Meter, eine mittlere Dehnung von 4 Prozent, läßt bei der Verbrennung einen Aschengehalt von nicht mehr als 4 Prozent zurück und weist im Quadratmeter ein Gewicht von 277 bis 283, im Durchschnitt 280 Gramm, auf. Eine ansehnliche Reihe von großen Versicherungsanstalten hat 225,000 Stück Quittungskarlen aus dem neuen Stoff auSgegeben, und die Urteile lauten überwiegend dahin, daß diesen Karten unbedingt der Vorzug vor den alten gebühre. Dazu komme, daß auch hinsichtlich des Herstellungspreises der neue Stoff Vortheile vor den älteren Karten gewähre. Es darf als sicher angenommen werden, daß der BundeS- rach sich in zustimmendem Sinne zu den Vorschlägen äußern wird.
— 21. Juli. Angeblich auf Grund zuverlässiger Informationen ergänzt das „Kleine Journal" seine von der „Nordd. Allg. Zig." bementirte Meldung, daß das Gesuch eines Assessors um eine Amlsrichterstelle im Hinblick auf seine Zugehörigkeit zur jüdischen Religion vom preußischen Justizminister abschlägig beschicken sei, dahin, daß seit mehreren Wochen ein Knmmergcrichlsbezirk das Princip durchgeführt ist, keine jüdischen Richter mehr anznstcllen. Den gegenteiligen Vorschlägen des Kammcr- gerichts-Prändenten Dreukmann sei vom preußischen Justizminister keine Folge gegeben.
— Eine Uebersicht über die ortsüblichen Löhne gewöhnlicher Tagesarbeiter veröffentlicht das Centralblatt für das deutsche Reich " Danach schwankten die ortsüblichen Tagelöhne erwachsener Männer zwischen 1 und 2 Mark, nur wenige größere Städte mit einigen Vororten erreichen 3 Mark. In Nordostdeutschland sind nur wenige Punkte, wo es mehr als 1 Mark bis 1 Mark 50 Pfg. giebt und in weiten Distrikten sinkt der Lohn unter 1 Mark. Weit günstiger steht es in Nord- westdeutschlaud, wo 1 Mark 50 Pf. bis 2 Mark die Regel bilden und häufig 2 Mark 50 Pf., ja selbst 3 Mark erreicht werden. Mitteldeutschland weist recht verschiedene Verhältnisse auf. Im Allgemeinen schwanken zwar die Löhne zwischen 1 und 2 Mark, erheben sich jedoch in mehreren Distrikten bis zu 2,50 Mark und 3 Mark und sinken dabei 'doch wieder vereinzelt bis unter 1 Mark hinab. In West- und Süddeutschland herrscht entschieden ein Lohn von 1,50 bis 2 Mark vor) daneben giebt es aber dann im rheinisch-westfälischen Industriegebiet und mehreren sonstigen kleinen Bezirken sogar 2,50 Mark. In Bayern hingegen überwiegen mit Ausnahme des südwestlichen Theiles und vereinzelter Städte außerordentlich geringe Löhne. Den absolut niedrigsten Stand des Tagelohnes mit 85 Pf. weisen einige Gebiete Schlesiens auf.
Hamburg. 20. Juli. Die etwa 100 Mann zählenden Schutztruppen, die heute mit der „Marie Woermann" den Hafen verlassen und für Südwestafrikn bestimmt sind, haben gleichzeitig auch die Eigenschaft von Ansiedlern. Der Gedanke, den Mitgliedern der Schutztruppe zugleich die Möglichkeit der Ausicdluug zu gewähren, ist als ein