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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtcm Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzergn kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,
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Samstag, den 12. August
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1893.
Truppenverstärkung und ErstUbahnen.
Nachdem endgültig beschlossen worden ist, alsbald eine wesentliche nummerische Verstärkung der deutschen Heeresmacht eintreten zu lassen, wird es eine der ersten Aufgaben der Heeresverwaltung sein, dafür zu sorgen, daß die vermehrte Truppenmacht im Kriegsfall so rasch als möglich an die feindliche Grenze befördert werden kann. Bekanntlich werden für diese Eventualität die Eisenbahn-Fahrpläne halbjährig in den dazu berufenen Konferenzen der Linien - Kommissionen fest- gestellt, so daß selbst bei urplötzlichen Ausbruch von Armseligkeiten die Truppentransporte in der glattesten Weise bewirkt werden können. Diese Fahrordnungen müssen aber bei der neuen Lage der Dinge eine wesentliche Umgestaltung erfahren. Außerdem sind nach dem bereits vor einiger Zeit eingeforderten und inzwischen abgegebenen Gutachten der größeren Eisenbahn - Direktionen eine theilweise Vergrößerung der Maschinen- und Wagen-Parks, die Anlage neuer Schic- nenstränge (darunter die Herstellung des zweiten Geleises auf mehreren Linien), die Schaffung weiterer Blockstationen, bauliche Erweiterungen u. s. w. nothwendig, da bei den jetzt vorliegenden Militärfahrplänen schon ziemlich die äußerste Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen zugrunde gelegt ist. Wie die Münchener „Allgemeine Ztg." erfährt, wird sich bereits die nächste (in Wiesbaden stattlfindeude) Linienkommission - Konferenz mit diesen Fragen zu beschäftigen haben. Dieselbe ist bis zur Stunde noch nicht einberufen, wird aber voraussichtlich Ende September zusammentreten. Außerdem tritt die Frage der nothwendigen Erweiterung des Eisenbahnnetzes in dem strategischen Interesse in den Vordergrund. Hier handelt es sich um mehrere Bahn- prvjtkte, deren Ausführung der rascheren und sichereren Beförderung der Truppen sehr zu statten kommen müßte. Beispielsweise kommt hier eine Linie Gerstun- gen-Philippsthal-Hünfeld in Frage, da diese den Weg von Berlin, Sachsen und Thüringen nach Frankfurt- Elsaß, sowie nach Koblenz-Lothringen wesentlich abkürzen und die Bergstrecke Gerstungen-Bebra entlasten würde. Endlich plant man die Vermehrung der Truppen- Verpflegungsstationen.
Deutsches Reich.
— Berlin. Für die Entlassung der Schulkinder aus der Schulpflicht hat der Enltusminister folgende Grundsätze ausgestellt: Nach achtjährigem Schulbesuch und erlangter sittlicher und geistiger Reife werden zu Ostern die Kinder entlassen, die bis zum 30. September desselben Jahres das vierzehnte Lebensjahr vollenden, und bei zweimaliger Schulentlassung außerdem zu Michaelis Diejenigen, die bis zum 31. Dezember desselben Jahres das 14. Lebensjahr vollenden. Ausnahmen bezüglich des Erfordernisses des achtjährigen Schulbesuches sind bei den Kindern zu machen, die aus entschuldbaren Gründen (weiter und schlechter Schulweg, Krankheit, körperliche und geistige Schwäche bei Beginn der Schulpflicht, Ueberfüllen der Schulen, Abwesenheit im Auslande) vom achtjährigen Besuch zurückgehalten worden sind. Auch können Kinder, die acht Jahre die Schule besuchen würden, unter Berücksichtigung ausreichender, in der Person ber Kinder, oder der Eltern liegender Gründe, insbesondere wegen bedrängter wirth- schaftlicher Verhältnisse oder besonderer Gelegenheit zu einem guten Fortkommen, schon zn Ostern entlassen werden, wenn sie erst bis zum 31. Dezember das 14. Jahr vollenden. Bezüglich des Beginns der Schulpflicht soll auf die Eltern dahin eingewirkt werden, daß sie zu Ostern die Kinder der Schule zuführen, die das sechste Lebensjahr vom 1. Oktober des vergangenen Jahres ab vollendet haben, oder bis zum 30. September des laufenden Jahres erreichen werden.
— Aus den Entscheidungen des Reichsgerichts. Der Stadt F. stand die Unterhaltungspflicht an einem Kanal zu. Au diesem Kanal war schon seit einiger Zeit eine Platte schadhaft. Dadurch stieß einem Passanten ein Unfall zu und dieser verlangte von der Stadt Schadenersatz. Die Stadtgemeinde wendete ein, sie dczw. ihre Organe hätten die Mangelhaftigkeit der betr. Stelle nicht gekannt. Das Reichsgericht spricht sich dahin aus: „Da die Thatsache unbestritten ist, daß der beklagten Stadtgemeinde die UnterhaltungSpflicht an dem Kanale obliegt, ist die Verantwortlichkeit der Beklagten für den vom Klüver in Folge jenes Unfalls
erlittenen Schaden angenommen worden. Dieser ihrer Ersatzpflicht kann sich die Beklagte nicht deshalb entziehen, weil sie bczw. ihre Organe die Mangelhaftigkeit der betr. Platte nicht gekannt haben. Eine derartige Unkenntniß wäre vielleicht zu berücksichtigen, wenn der Mangel durch eine plötzlich cingetrctene Beschädigung herbeigeführt worden wäre; in der That handelt es sich aber um einen länger dauernden fehlerhaften Zustand, für welchen der Reparaturpflichtige verantwortlich ist, ob er denselben gekannt hat oder nicht, und ob er von Anfang an bestanden hat oder erst im Lauf der Zeit eingetreten ist, weil nämlich die Obliegenheit des zur baulichen Erhaltung eines Werkes Verpflichteten nicht bloß in dem Ansbessern entdeckter Mängel, sondern auch in dem geeigneten Nachforschen nach verborgenen Mängeln besteht. "Manchem „Vater einer Stadt" dürfte dieses Urtheil Anlaß geben, beim Durchschreiten des Gebiets solche Nachforschungen anzustellen und er dürfte dabei eine Menge nicht nur verborgener, sondern sehr offen zu Tage liegender Mängel entdecken, z. B. nicht ganz verwahrte Wasserläufe, Brücken mit zu weiten Gittern, würd) die Kinder hiiidurchfallen können u. a. m. Die Verartwortung kann unter Umständen auch materiell für eine Stadt und ihre Vertreter eine recht große werden!
Vorige Woche ist in Hamburg der Gründer der in der ganzen Welt bekannten Thier-Importfirma, Herr Karl Hagenbeck, im Greisenalter gestorben. Der biedere Mann, welcher zu den Patriziern der Hansastadt zählte, war in Hamburg ungemein populär und wurde überall, wo er sich zeigte, lebhaft als „Papa Hagenbeck" begrüßt. Anders wurde er gar nicht angesprochen. Interessant ist, daß der „alte Hagenbeck", wie er selbst oft lächelnd zum Besten gab, seine Thierhandlung mit einem Seehund in einem Wasserbottig gegründet hatte. Aus diesem bescheidenen Anfang entstand die Weltfirma, welche von dem gegenwärtig 49 Jahre alten Sohn des Verblichenen, Herrn Karl Hagenbeck, und dessen Schwester Fräulein Christiania repräsentiert wird und aus fernen Welt- theilen Thiere nach Europa importiert. Um einen Begriff von der Ausdehnung des Geschäfts zu geben, führen wir an, daß Hagenbeck im letzten Jahre 200 Elefanten, 150 Panther, 70 Löwen, 80 Strauße, 300 Giraffen, 1600 verschiedene Reptilien und 40 000 exotische Vögel im Handel umsetzte.
—■ Das Landgericht in Hamburg hat am Freitag einen Hippodrombesitzer aus München wegen Entführung der unmündigen Tochter einer in Nymphenbnrg wohnenden Wittwe zu 18 Monaten und dessen Schwester, eine Gesindevermietherin, wegen Beihülfe zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt. Das würdige Geschwisterpaar hatte die Absicht, das Mädchen nach Brasilien zu verkupplen
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 11. August.
* — Dem Kreise Schlüchtern ist aus dem Ertrage der landwirthschaftlichen Zölle pro 1892/93 (lex lluene) die Summe von 32,289 Mark überwiesen worden.
* — Unseren Hausfrauen empfehlen wir die Befolgung des Rathes, das Obst vor dem Genuß zu waschen. Beim Abpflücken des Obstes wird in der Regel wenig auf reine Hände gesehen und beim Verpacken oder Versenden bleibt in Bezug auf Sauberkeit noch viel zu wünschen übrig. Auch später wird das Obst noch viel mit den Händen betastet, bevor es endlich zum Genuß einen Käufer findet, der es dann wie man oft genug wahrnehmen kann, gleich mit „Haut und Haaren" verzehrt. Hier liegt eine gewiß nicht zu unterschätzende Gefahr der Uebertragung ansteckender Krankheiten und es sollte deshalb durch öffentliche Belehrung vor dem Genuß ungewaschenen Obstes, welches übrigens auch weniger schmackhaft ist als gereinigtes, eindringlich gewarnt werden.
* — An alle Taubenliebhaber richtet der Verband deutscher Brieftaubenliebhabervereine die dringende Bitte, dem Feldern der Tauben jetzt nach Möglichkeit zu steuern, da die Landwirthe der Futtcruoth wegen nach eingebrachter Ernte jetzt Senf, Buchweizen, Johannis- korn und Mengkorn ausgesäet haben.
* — Nachdem uns vor einigen Tagen neu erblühte Apfelblüthen gebracht worden waren, hat uns ■ heute ein Leser unseres Blattes eine enorm große[ Kartoffel überbracht, welch letztere, dem Ansehen nach, noch viel größer hätte werden können, wenn sie noch einige Zeit in der Erde liegen geblieben wäre. ,
* - Ein langjähriger Gutsbesitzer und Oekouom schreibt ein „Schmalk. Tagebl.": Eine auffallende Abwcichug in diesem Jahr zeigt sich auch bei den Haushüheru, indem sich dieselben jetzt schon mausern und in £lge dessen keine Eier mehr legen. — Von den AugU-Eiern wird zumeist, als haltbarste Waare, der Winttbedarf gedeckt und manche Hausfrau wird rathlos sei, wenn jetzt wenig oder gar keine Eier mehr zum Verdis kommen werden. — Die Mauser der Hühner fät bei uns in die Zeit von Mitte September bis MitteWvembcr und bildet nach meinen langjährigen Beolchtungen auch ein Merkzeichen für einen frühen obe! späten Eintritt des Winters. — Hoffen wir, daß cht auch noch ein verfrühter Winter über uns hereiwicht, es würde dies allen Uebeln dieses Jahres diellrone noch aufdrücken.
* — D Minister der öffentlichen Arbeiten hat sich damit »verstanden erklärt, daß die Beförderung plötzlich beber Arbeit oder dem Gewerbebetrieb verwundeter ob ertränkter Arbeiter, soweit sie auf ärztlicher Anoriung zum Zweck der Ucberführung in ein Krankenhau erfolgt und der Raum es zuläßt, im Gepäckwage der Personenzüge stattfiudct. Von dem Transportim und dessen Begleitern ist der Fahrpreis 3. Klasse z erheben, die Beförderung der Krankeukörbe frachtfrei zrbewirken.
* — DProvinzialbehörden sind angewiesen worden, die Ortsschmspekloren zu ermächtigen, mit Rücksicht auf den dch die allgemeine Dürre hervortretenden Futtermang über die bisherige Befugniß hinaus die zum Hütewon Kühen zu verwendenden Kinder, dem Bedürfniß tsprechend, vom Schulbesuche zu beurlauben.
* I der Nähe von Neiihof ereignete sich gest.-u Wei gegen halb 7 W d« UuMcksfall, über den wir vorusig Folgendes erfahren: Als w. wirth Webeivon dort nebst seinem Kinde auf dem Rückwege vi Schweben nach Neuhof mit seinem Wagen den Bahnübergang passiren wollte, wurde er vom Eisenbaizuge, den man der Krümmung wegen von Ferne icht sehen kann, überrascht. Es gelang ihm xlücklichi Weise, sammt seinem Kinde dem Tode zu entrinnen beide trugen jedoch schwere Verletzungen davon Wällend der Wagen zertrümert wurde, entlief das Hferd irs Freie. Der Zug war in Folge dieses Vorfalls zu« Stehen gebracht worden und erlitt eine kurze Lerchäiung.
Als der Khan, 6. August. Wenn auch das seitherige unbeständige Wetter mit seinen häufigen Regen- fällen für das Einbringen der Ernte höchst ungünstig gewese ist und sogar ein Auswachsen der Frucht auf dem Jld veranlaßt hat, so darf man doch die Vortheile nicht ußer Acht lassen, welche die eigentlich erst gründliche Bdendurchfeuchtung der Vegetation und somit der Landurthschaft gebracht hat. Vor allem ist der peinlice Futtermangel durch den üppigen Graswuchs ganz mtschiedcn abgeschwächt worden. Das Selbst- schlachen des Viehs seitens der Landwirthe hat nunmehr gänzlih aufgehört. Der Preis des Fleisches ist gestiegen. Der Wandel mit Rindvieh, welcher völlig darnieder lag, hat sih so belebt, daß für ein Stück Vieh jetzt fast der doppele Preis erzielt wird, als in der Zeit der traurigen Dürr. Außer einer guten Grummetcrnte ist auch ein gutes Resultat aller zur Bekämpfung der Futternoth gesäter Futterpflanzen zu erwarten. Die Dickwurzeln und kohlrüben entwickeln sich ebenfalls gut; in gleicher Weiß lassen sich die Kartoffeln an. Für die Früh- kartofeln, die man jetzt zu holen beginnt, ist allerdings die Fuchtigkeit zu spät gekommen; dieselben sind weniger zahlreich und auch unvollkommen gewachsen. Die Feuatigkeil ist jetzt in solchem Maß vorhanden, daß das Eintreten trockenen Wetters zum Einbringen des Getreides allen erwünscht ist. — Die 17. Jahresversamm- des Rhönklubs wurde am 6. d. Mts. in dem in der Vorderrhön im Ulsterthale gelegenen, sachsen-weimarischen Städtchen Geisa unter zahlreicher Betheiligung von Venretern fast aller Zweigvereine abgehalten. Auch im versoffenen Vereinsjahre hat der Verein einen Zuwachs erfahren, indem in der Stadt Lengsfeld in Sachsen- Weimar eine neue Sektion gebildet wurde. Seine Harptfürsorge war diesmal auf die Herstellung einer einheitlichen Wcgebezeichnung im ganzen Gebirge mittelst farbiger Keile gerichtet, welche für die Touristen von großer Bedeutung und von den Zweigvereinen Bischofs- herm, Brückenau, Gersfeld, Hilders, Kissingen, Tanfl