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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 SOZI. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg

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M 68. Samstag, den 26. August 1893.

Die neue Heeresorganisairon.

Nachdem dasArmee-Verordnungsblatt" die Aus- führungs-Bestimmungen zum Militärgesetz veröffentlicht hat, ist eine Vergleichung des bisherigen Standes der Armee mit dem künftigen, der wesentliche Verstärkungen und Verbesserungen herbeiführt, von Interesse. Wir ziehen zu diesem Zweck zunächst den Stand der I n- fanterie heran.

Das Infanterie-Regiment soll bei einer Mobilmachung ein viertes Feld- und ein Ersatz-Bataillon aufstellen, außerdem den Rahmen für 2 Reserve-Bataillone her­geben. Zu dieser Umwandlung aus 3 Bataillonen in sieben reichen das Offizier- und Unteroffizierkorps gegen­wärtig nicht aus. Erforderlich wären 7 Bataillons kommandeure und 28 Kompagnie-Chefs, während nur 4 Bataillonskommandeure, 12 Hauptleute und 12 Premierlieutenants der Linie vorhanden sind, so daß beim Ausbrnch eines Krieges viele Kompagnieen un genügend geübten Reserve-Offizieren oder gar Sekondc- lieutenanls der Linie übergeben werden müßten. Die neue Formation sieht nun 2 Hauptleute und 2 Premir- lieutenants mehr für das Regiment vor, zusammen 28, wonach bei der Mobilmachung alle Kompagnien einen Führer aus der aktiven Armee erhalten können. Noch unzulänglicher ist gegenwärtig bei uns das Unteroffizier­korps, das nach dem neuen Gesetz bei jedem Infanterie- Regiment eine Vermehrung um 2 Feldwebel, 2 Vize- feldwebel, 8 Sergeanten und 24 Unteroffiziere allein bei den vierten Bataillonen erhalten soll; auch die übrigen Bataillone erhalten einige Unteroffiziere mehr, sobald solche vorhanden sind. Erst hierdurch, kann man sagen, wird die Aufstellung von vierten Feldbataillonen möglich, ohne daß man Besorgniß wegen der durch die Abgaben entstehenden Schwäche der Unteroffizier-Eadbes zu hegen braucht. Freilich steht man vor der Aufgabe, die Leute erst herbeizuschaffen, die zur Besetzung der neuen Unteroffizierstcllen nöthig sind; vorläufig ist nicht einmal der bisherige Bedarf gedeckt. Was die Mann­schaften betrifft, so genügten die bisherigen Aushebungen wohl, ein viertes Feldbataillon auszufüllen, für das Ersatzbataillon blieb jedoch nur ein sehr schwacher Rahmen übrig, zu dessen Ausfüllung ein Jahrgang des ersten Aufgebots der Landwehr nöthig war und im übrigen die Ersatzreservisten zu Gebote standen, von welchen nur ein Theil b- bis 20wöchentliche Ausbildung erhalten haben. Künftig wird mit jedem Jahr eine größere Zahl von Leuten zweijähriger Dienstzeit zur Reserve entlassen werden. In fünf Jahren schon werden die Ersatzbataillone in der bisher normierten Stärke von 141500 Mann vollzählig aus Zweijährig-Gedienten gebildet werden können, also in der Lage sein, jeden Verlust der im Felde stehenden Regimenter sofort voll- giltig zu ersetzen, oder auch selbstständig verwandt zu werden. Nach Verlauf von fünf Jahren wird sich noch ein erheblicher Ucberschuß von ausgebildeten Leuten er­geben, über deren Verwendung heute noch nichts zu sagen ist. Immer vorausgesetzt, daß wir Frieden behalten.

Die deutsche Infanterie besteht während der nächsten 5 Jahre aus 173 Infanterie-Regimentern zu 14 Kom- Pagnieen in 3'/-Bataillonen, und 19 Jäger-Bataillonen zu 4 Kompagnieen.

Die Feldartillerie-Rc gimenter, die bisher eine große Verschiedenheit ihrer Battcricenzahl aufwiesen, kommen durch den Hinzutritt von drei neuen Batterieen bei den meisten Armeekorps einander näher. Es wird noch ein Regiment zu nur 8 Batterieen gegeben, das 5. bayerische, zu welchem die reitende Abtheilung des 3- Regiments Übertritt; ferner ein Regiment zu 9 Batterieen, das 3. sächsische Nr. 32; weiter 1 Regiment zu 10 Batterieen, das großherzoglich hessische Nr. 25; alle übrigen Regimenter werden 11 oder 12 Batterieen enthalten, mit Ausnahme des 1., 3., 5. und 35., welche

13 Batterien haben werden. Das 16. Armeekorps wird durch Zuthcilnng von 2 neuen Abtheilungen (6 Batterieen) dieselbe Stärke an Artillerie erhalten, wie die übrigen, sonach auch mit seinen beiden Divisionen ins Feld rücken können. Nach der Mobilmachung führt das Armeekorps auch ferner nur 20 von feinen Batterieen in's Feld; 9Q überzählige reitende Batterieen treten alsdann zu je 2 zu den 10 felbstständigen Kavallerie- Divisionen über. Die am l. Oktober neu zu errichtenden Batterieen dagegen werden sich bei Mobilisierung ver­doppeln und als Reserve - Artillerie - Regimenter den den Reserve-Divisionen beitreten. Jdte Mobilisierung

wird durch das Vorhandensein eines starken Bestandes an Mannschaften und Pferden schon im Frieden (während dessen es bis jetzt gänzlich fehlte) wesentlich erleichtert und beschleunigt, so daß kein Hinderniß mehr bestehen wird, nach Beendigung des Eisenbahn-Transportes der Feldarmee nach dem Kriegsschauplatz die Reservearmee sogleich folgen zu lassen. Beim Garde-, 15. und 16. Armeekorps fehlen die 3 für diesen Zweck bestimmten Batterien, was sich wohl dadurch erklären läßt, daß das Reichsland keine mobtlen Reserve-Divisionen stellen soll, während das Gardekorps für seine Reserve- Formationen die 6 Lkhrbattcrien verwenden kann. Mit der infolge der zweijährigen Dienstzeit verstärkten Aus­hebung wird in den kommenden Jahren der Mann- schaflsstand an Reservisten auch bei der Feldartillerie schnell wachsen, so daß sie ihre Ersatz-Batterien durch vollkommen ausgebildete Leute ausfüllen und die Batte- rien-Zahl ihrer Reserveregimenter wird erhöhen können.

Eine erhebliche Verstärkung erhält die Fuß-Artil- leric, die bisher nicht ganz zur vollständigen stiegt mäßigen Besetzung der Festungen ausreichte. Nunmehr werden die Bataillons 9 und 14 durch Hinzufügung eines zweiten Bataillons auf die Stärke von Regi­mentern gebracht, ein neues Regiment Nr. 15 wird in Westpreußen errichtet, das 2. preußische und 2. bayrische Regiment erhalten ein drittes Bataillon, das sächsische Regiment erhält eine Kompagnie mehr. Die Neubil­dungen sind dadurch begründet, daß bei einem künftigen Fcldzug die Fußartillerie sofort mit einer Anzahl schwerer Batterieen zur Bekämpfung von Sperrforts und Feldbefestigungen die Feldarmee begleitet.

Die Kavallerie bleibt unverändert in 93 Regi­mentern zu 5 Eskadrons bestehen. Da ihre Mann­schaften jedoch nach wie vor gleich jenen der reitenden Artillerie drei Jahre dienen müssen, werden dieselben künftig zwei Jahre früher zur Landwehr entlassen. Sie formieren bei derselben im Krieg für jedes Armee­korps zwei Reserve-Kavallerie-Regimenter (beim 11., 12. und beim 2. bayrischen wahrscheinlich je drei), im ganzen 43.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. August. Der Kaiser ist heute in Reinhardsbrunn eingetroffen und wurde bald nach seiner Ankunft von der verwittwelen Herzogin empfangen, der er sein innigstes Beileid ausdrückte. Mit ihr ver­weilte er dann eine halbe Stunde am Sterbelager des Herzogs. Herzog Alfred befindet sich in Reinhardsbrunn, Prinz Alfred in Oberhof. Der Kaiser wohnte auf besonderen Wunsch des Herzogs Alfred von Sachsen- Coburg-Gotha der Eidesleistung des Herzogs auf die Verfassung bei, die in feierlicher Weise vor dem ver­sammelten Staatsministerium stattfand.

DerReichsanz." veröffentlicht ausführliche Anweisungen au die Behörden zur Abwehr der Cholera- Gefahr, sowie Belehrung über die Cholera und das während der Cholerazeit zu beobachtende Verhalten. Die Veröffentlichung entspricht, so weit sie für das größere Publikum Interesse hat, derjenigen des vorigen Jahres.

Der Staatssekretär v. Stephan hat einem Fachblatte auf eine Anfrage geantwortet, daß eine Er­höhung des Postpacketportos nicht beabsichtigt sei.

Gothu, 23. August. S. H. der Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha ist vergangene Nacht 8/412 Uhr in Schloß Reinhardsbrunn gestorben. Es ist eine dreiwöchige Landestrauer angeordnet. Heute findet die Aufbahrung der Leiche in dem zu ebener Erde gelegenen Saal des Schlosses Reinhardsbrunn und morgen Mittag Familienandacht statt, Am Freitag wird die Leiche öffentlich ausgestellt. Am Montag früh 6 Uhr bewegt sich der Leichenkondukt nach dem Bahnhof Schnepfen- thal, von wo mittels Extrazugs die Ueberführung der Leiche nach Coburg erfolgt. Dieselbe wird um 11 Uhr dort eintreffen, worauf die Ueberführung nach der Moritzkirche und um 12 Uhr die Beifetzungsfeier statt- findet. Am Sonnabend wird der Landtag zur Eides­leistung zusammentreten.

Ein Geschäftsmann in Apolda sendet an seine, säumigen Schuldner eine Postkarte, auf welcher sich folgende Bibelsprüche befinden: Römer 13,8 (Sid Niemand etwas schuldig"), Römer 13,13 (Laßt i ns ehrbar wandeln') und Jesaias 32,10 (Es ist um Jahr und Tag zu thun").

Aus Sachsen. Die Alters- und Jnvaliditätsver- sicherungsanstalt für das Königreich Sachsen hat den Kreishauptmannschäften mitgetheilt daß in Folge der iAnhäufung von Kapitalien der Zeitpunkt ge- i kommen sei, an Gemeinden und Private gegen mündet- mäßige Sicherheit Gelder auszuleihen. Au Gemeinden werden, demSozpol. Ctrbl." zufolge, die Gelder auf 35 Jahre unkündbar mit 3äs Prozent, an Private gegen 4 Prozent verliehen; weiter aber könne für die Gemeinden, die Darlehen aufnehmen, um Arbeiterwohn­häuser oder Rckonvalcszcntenhcime zu erbauen, der Zinsfuß auf 3 '/a Prozent ermäßigt und die Unkünd- barfeit auf 40 Jahre verlängert werden.

Carlsruhe, 19. August. Ueber den bereits gemel­deten Cholerafall tu Donaneschingen gehen derBad. Corr." nähere Mittheilungen zu, denen wir entnehmen, daß der 17 Jahre alte Gymnasiast Otto Heck vor etwa vierzehn Tagen in Begleitung eines Mitschülers Höfe aus Straßburg eine serienreife nach der Schweiz angetreten hatte. Gegen den Willen der Eltern waren die beiden jungen Leute von Genf nach Marseille ge­fahren, wo beide schon an Diarrhöe litten. Ueber Lyon, Basel, Jmmendiugen kamen sie am Montag nach Donaueschingen, von wo Höfe angeblich nach Straßburg fuhr. Am Dienstag klagte Heck über Leibschmerzen, um 3 Uhr wurde der Arzt gerufen, der den Kranken elend fand, um 7 Uhr lag er schon in Agonie, worauf der Tod um 10 Uhr eintrat. Alle Schutz- und Des- infectionsmaßrcgeln wurden noch bei Lebzeiten des Heck getroffen, sp daß ein Umsichgreifen der Seuche ver­hütet werden dürfte.

Neustadt ü. d. Haidt, 23. August. Bei Freinsheim hat ein gewaltiger Walddrand 1000 Morgen Forst wcrnichV

Duisburg, 23. August. Laut Bekanntmachung des hiesigen Bürgermeisteramts ist der im Ruhrorte Kaiser- Hasen beschäftigt gewesene Baggermeister Erbel aus Duisburg gestern im Duisburger Epidemienhaus an asiatischer Cholera gestorben.

Dortmund, 22. August. Heute Nachmittag wurden die Leichen der bei der Explosion schlagender Wetter auf ZecheKaiserstuhl" Umgekommencn feierlich beerdigt. Die Regierung, das Ober-Bcrgami, die Behörden, sowie sämmtliche Zechen des Ruhrbezirkes waren vertreten, die Belegschaften der Zechen aus der Umgegend voll- zählich erschienen. Auf 20 Leichenwagen wurden die Särge nach dem Kirchhofe gefahren. Die ganze Stadt hatte Trauer angelegt.

Posen, 21. Aug. Nach einer Bekanntmachung des Regierungspräsidenten wird die russische Grenze der Cholera halber von heute ab gesperrt. Russische Aus­wanderer oder sonst verdächtige Personen werden bis auf Weiteres an der Grenze zurückgehalten. Zur Durch­führung dieser Maßregel wird die Gendarmerie verstärkt. Außerdem sollen Steuerbeamte zu diesem Dienst Hcran- gezogen werden.

Ausland.

Aus Antwerpen wird berichtet, daß dort an der asiatischen Cholera bisher 11 Personen gestorben, 50 Prozent, der Erkrankten und in Rotterdam 2 neue Cholerafälle konstatirt worden seien.

Rom, 21. August. Wegen der Vorfälle in Aigucs- Mortes fanden Abends Kundgebungen auf der Piazza Colonna statt. Die Menge drang trotz der Besetzung durch die Truppen auf die Piazza Farnese vor, wo die französische Botschaft sich befindet, und zertrümmerte die Fensterscheiben der Botschaft. Ein Offizier wurde dabei verwundet. Die Truppen säuberten den Platz und ver­hinderten die Menge, zum Gebäude der französischen Botschaft beim Papst vorzudringen. In Messina riß die Volksmenge das Wappenschild des französischen Konsulats herab und verbrannte es. In Genua wurden zwölf Wagen der französischen Trambahn-Gesellschaft verbrannt. Auch aus Turin, Neapel, Bologna und Tarent werden ähnliche Kundgebungen gemeldet.

Paris. Ueber die skandalösen Vorgänge in Aigues-Mortes, wo der Brodneid und der Haß der französischen Arbeiter gegen ihre italienischen BerufS- genossen in gewaltthätiger Weise zum Ausbruch gelangt ist, wird aus Paris gemeldet: In den Salzsümpfen von Aigues-Mortes kam es zwischen französischen und italienischen Arbeitern zu Schlägereien, die zur Folge hatten, daß die Franzosen in großer Ueberzahl die