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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk.Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

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. V 69. Mittwoch, den 30. August 1893.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. August. Se. Maj. der Kaiser wird sich nach den Kaisermanövern von Stuttgart aus un mittelbar nach Oesterreich-Ungarn zum Manöver unb zur Jagd big eben, dann über Wien nach Berlin zurück- reisen, dort einen Tag verweilen und dann direkt nach Gotenburg zur Jagd abreisen. Von da begiebt sich der Monarch aus dem kürzesten Weg nach Rammten in Ostpreußen, wo er bis in die zweite Oktoberwoche zu bleiben gedenkt.

Wie bekannt, hat die preußische Staatseisenbahn- Verwaltung seit dem 1. d. M. das Recht zur Aus­legung von Anzeigebüchern in den direkten Schnell- und Personenzügen an Unternehmer verpachtet. Vom 1. September ab sollen auch die verfügbaren Wand­flächen in den Wartesälen und Vorhallen stimmlicher Bahnhöfe für Reklamezwecke gegen eine hohe Pachtent­schädigung nutzbar gemacht werden. Es wird der Staatsbahnverwaltung daraus eine sehr ansehnliche feste Einnahme erwachsen, da die betreffenden Verträge auf eine lange Reihe von Jahre abgeschlossen sind.

Die Frage, ob die Inhaber des Eisernen Kreuzes sichRitter" oder nurInhaber" dieser Auszeichnung nennen dürfen, ist nunmehr in ersterem Sinne durch den Kaiser selbst erledigt worden, indem derselbe auf ein an ihn von dem Verbandstage der Vertreter sämmt­licher Vereine der Ritter des Eisernen Kreuzes in Dresden gerichtetes Begrüßungstelegramm mit einer Dankdepesche antwortete, in welcher die Bezeichnung Ritter des Eisernen Kreuzes" gebraucht wurde. Das Recht sichRitter des Eisernen Kreuzes" zu nennen, war den Besitzern desselben bisher streitig gemacht worden.

Eine Ministerialverfügung, die von den Mi­nistern für Handel, der Medizinal-Angelegenheiten und des Innern gemeinsam an die Regierungspräsidenten ergangen ist, strebt an, die Gefahren, die der Einzel­verkauf von Lumpen und Knochen und ähnlichen Dingen für die Gesundheitspflege mit sich bringt, in Preußen zu beschränken oder ganz zu beseitigen. Diese Gefahren beruhen in der Geflogenheit, die von Alters her bei dem Einkauf von Lumpen besonders gang und gäbe ist. Der Einkauf wird in der Weise betrieben, daß für die eingelieferten Lumpen zumeist von Kindern Spielzeug, Blechinstrumente oder Naschwaaren eingetauscht werden. Durch solche, besonders durch Naschwaaren und Spiel­zeug, das in den Mund genommen wird, können aber leicht ansteckende Krankheiten, wie Scharlach, Diph- theritis, Milzbrand übertragen werden. Aus diesem Grunde wird durch die Ministerialverfügung der Erlaß einer Polizeiverordnung angeordnet, die es den umhcr- ziehenden Lumpensammlern und denjenigen Personen, welche Knochen oder rohe Felle im Umherziehen sammeln oder in stehenden Betrieben mit Lumpen, Knochen oder Fellen handeln, im sanitätspolizeilichen Interesse verbietet, bei Ausübung ihres Gewerbebetriebes Nasch- und Eßwaaren, mit Ausnahme solcher, deren Außen- theile nicht gegessen werden, sowie andere Sachen, welche die Kinder mit dem Munde in Berührung zu bringen pflegen, mit sich zu führen oder mit Lumpen, Knochen oder rohen Fellen in denselben Räumen auf- zubewahren.

- - 24. August. An der asiatischen Cholera sind gestern in Berlin wiederum zwei Personen erkrankt.

BreSlau, 24. August. Nach einer Meldung aus Laurahütte wurden in der Fannygrube 50 Bergleute durch durchbrechende Gase betäubt. Es gelang jedoch, alle zum Bewußtsein zurückzubringen.

Köln, 25. August. Auf Schiffen, die im Erftkanal bei Neuß liegen, sind drei Personen an der asiatischen Cholera gestorben.

Düsseldorf, 25. August. Nachdem bereits am Mittwoch auf dem Rottdamer SchiffMaria" im Neuster Hafen ein Todesfall unter Anzeichen von Cholera erfolgt ist, wurden gestern und heute drei weitere Todesfälle constatirt. Die Behörden trafen umfassende Vorsichtsmaßregeln, ließen die Besatzung der Schiffe isvliren, verfügten eine theilweise Hafensperre und ver­boten die Abhaltung der Neuster Scbützenbälle. Die Cholera-Fälle sind aus Belgien und Holland eilige« schleppt worden.

DieStadt der Millionäre" kann sich Hamburg, die erste Handelsstadt Deutschlands, nennen. Im Jahre 1887 gab es in ihr 162 Einwohner, die ein Cinkommen von mehr als 1 Million Mark versteuerten.

Ausland

Türkei. Von der berüchtigten Räuberbande des Hauptmanns Athanas, welche seiner Zeit auch einigen Berlinern so übel mitgespielt hatte, sind, wie man aus Konstantiuopcl schreibt, vom Standgericht vier der ge- fürchtesten Mitglieder, Dhimo, Cristo, A^nni und Nicolai zum Tode durch den Strang verurtheilt worden. Das Urtheil wird in den nächsten Tagen vollzogen werden. Ueberhaupt räumt das Kriegsgericht unter den türkischen Banditen jetzt rücksichtslos auf; seit dem 1. August wurden 14 Räuber zum Tode, 12 zu lebenslänglicher Kettenstrafe und 16 zu zeitlicher Ga­leere verurtheilt. Bekanntlich ist diese Art von Frei­heitsstrafen, aber schlimmer als das Aufhüngen, und es giebt für die Betroffenen keinerlei Hoffnung, sie lebend zu überstehen. Hunger, schlechte Behandlung, verbunden mit dem tödtlichen Klima der Galeeren- stationen, thun schon das Ihrige, um der Regierung eine längere Fürsorge abzunehmen.

Chieago.Fiasko", das ist das Wort, welches auf den Lippen der Direktoren der Chicagoer Weltaus­stellung schwebt. Zähneklappernd rechnet man das finanzielle Ergebniß der Ausstellung für die erste Hälfte ihrer Lebensdauer, für die vergangenen Monate, nach. Sie hatte zusammen 6485413 zahlende und 2589029 Freibesucher. Das macht für Juni und Juli täglich durchschnittlich 70434 zahlende Besucher, und wenn man den Monat Mai außer Acht läßt, für Juni und Juli täglich durchschnittlich 89016 zahlende Besucher. Man hatte es anders erwartet. Die 1889er ! Pariser Ausstellung hatte einen täglichen Durchschnitts- besuch von etwa 150000 Zahlenden gehabt. Natürlich

Zusammen gaben diese 162 Millionäre ein Einkommen von 302 Millionen mit einer Steuerquote von 1056 000 Mark an. Nach den neuesten Veröffent­lichungen des Hamburger steuerstatistischen Bureaus hat sich die Zahl der Millionäre bis zum Jahre 1801 erheblich vermehrt. Für dieses Jahr versteuerten 219 Einwohner ein solches Einkommen, im Ganzen 642 Millionen, die der Staatskasse einen Stenerertrag von 2 247 300 Mark eintrugen.

Cvburg. 28. August. S. M. der Kaiser ist heute Vormittag 10 Uhr 30 Min. hier eingetroffen. Der Zug mit der Leiche des Herzog Ernst II. traf um 11 Uhr ein. Der Kondukt bewegte sich programmmäßig nach der Moritzkirche, worauf die Beisetzung erfolgte.

In der protestantischen Stadtkirche in Bayreuth hat man mit der Anlage der Heizvorrrichtung der Kirche begonnen. Die Fürstengruft, in welcher sich die Särge der Markgrafen und Markgräfinen befinden, muß geräumt werden, weil der Dampfkessel dorthin zu liegen kommt. Auf dem städtischen Friedhof soll nun den Särgen, auch dem des Reichsfeldmarschalls Markgrafen Friedrich, des Erstürmers von Belgrad, in einer neuen, aber einfachen Gruft ein Ruheplatz angewiesen werden. Der Störung dieser Ruhestätte von Verstorbenen steht die Einwohnerschaft mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber.

Lauf, 20. August. Der Knecht eines Bierbrauers wollte Vier aus einem sogen.Fclsenkeller" entnehmen, in dem sich gleichzeitig gährendes Bier befand. Als er nicht zurückkam, suchte ihn der Brauer auf, wurde jedoch ebenfalls betäubt. Vier Männer, die Hilfe bringen wollten, fanden das gleiche Schicksal. Erst nach stunden­langer Arbeit, nachdem man mit Feuerspritzen für Luft­erneuerung gesorgt hatte, gelang es, die sechs Verunglückten zu bergen. Sie haben sich sämmtlich erholt.

Die Grundsteinlegung zu der Gedächtnißkirche der Protestation von Speyer fand daselbst am Donnerstag unter der Betheiligung der gesammten Bevölkerung Speiers und Tausenden aus der Umgegend herbei- geströmter Fremden statt. Die kirchliche Weiherede hielt Stadtpfarrer Hofsmann. Nach Vorlesung der in den Grundstein eingelegten Urkunde that Konsistorialrath Prälat Risch die ersten Hammerschläge, ihm folgten die übrigen Mitglieder der kirchlichen, sowie Vertreter der Staats- und städtischen Behörden; darauf folgten Fest­ansprachen von Hofprediger Dr. Rogge aus Potsdam und Stadtpfarrer Traab aus Stuttgart. Fast jedes Haus der Stadt war festlich geschmückt.

Metz, 24. August. Als nächster Versammlungsort der deutschen Forstmänner ist für das Jahr 1895 Würzburg bestimmt. Für 1896 ist Braunschweig in Aussicht genommen.

mußte dieser Rekord von Chicago gebrochen werden. Fixe Rechner nahmen einfach die nächsthöhere runde Ziffer, 200 000, an und verkündeten, die Chicagoer Ausstellung müsse rund 200 000 Besucher täglich haben. Der oberste Finanzbeamte der Ausstellung hat aber berechnet, daß die folgenden drei Monate eine Besucher­zahl von täglich durchschnittlich 100 000 bringen müssen, wenn nur die Schulden der Ausstellung gedeckt werden sollen und jedermann kann sich nachrechnen, daß un­gefähr noch weitere 100 000 täglich nothwendig sein werden, wen mann auch die eingezahlten Garantiegelder (die Ausstellungsaktien) zurückgeben will. Damit wäre man wieder zu den ominösen 200 000 gekommen, und daher das Zühneklappern!

Lokales unb Provinzielles. Schlüchtern, 29. August.

Maßregeln gegen die Cholera werden in einer Extrabeilage des Amtsblattes der Königl. Regierung zu Kassel veröffentlicht.

* Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 24. August. Zur Ausführung eines Neubaues in Wolferborn hatte ein Meister von Leisenwald die Zimmerarbeiten übernommen und dazu drei Gesellen mit dem Behauen des Stammholzes beauftragt. Auf Anordnung des Meisters hatten nun die Gesellen die Böcke, auf denen die Stämme lagen, auf die Straße gestellt, so daß dadurch der Fuhrwerks-Verkehr etwas gehindert war. Der Wegeaufseher machte die Gesellen auf das unstatthafte dieser Verkehrshemmung aufmerksam und brächte sie auch zur Anzeige, worauf jedem ein Strafbefehl über 2 Mk. zugestellt wurde. Auf erhobenen Widerspruch wurde ihnen vom Schöffengericht Wächters­bach die Strafe auf 1 Mk. herabgesetzt. Zwei von den Angeklagten beruhigten sich dabei, während der dritte nochmals Berufung einlegte und auch freigesprochen wurde, da er nur die Anordnungen seines Meisters, der nicht angezeigt worden war, befolgt, und sich nicht darum zu kümmern hatte, ob der Meister die Erlaubniß ein­geholt; auch wurde nicht festgestellt, daß die Gesellen, denen vom Wegeaufseher das Fertigbehauen des auf- licgenden Stammes gestattet war, nachher noch weiter gearbeitet hatten.

* Von berufener Seite wird bestätigt, daß bei der Feststellung des Winter-Fahrplans der preußischen Staatsbahnen die erste Wagenklasse bei fast allen Personenzügen in Wegfall gebracht worden ist, um das Mitfahren todter Last zu ersparen.

* DemHon. Anzeiger" entnehmen wir folgenden Artikel: Der Flaschenbierhandel. Das Stillschweigen, welches bisher über den näheren Inhalt der Unter­redung, welche die Vertreter von Gastwirthverbänden am 8. d. Mts. in Frankfurt a. M. mit dem Staats- secretär des Reichsschatzamtes und dem preußischen Finanzminister Dr. Miguel gepflogen haben, bisher beobachtet wurde, hat der Vorsitzende des Süddeutschen Verbandes nunmehr gebrochen und über den Verlauf der Unterredung berichtet. In der überreichten Denk- schrift über die Lage des Wirthsgewerbcs ist einleitend gesagt: Durch die Gesetzgebung und Sucht der Brauereien ihren Absatz um jeden Preis zu vermehren, ist in den letzten Jahrzehnten für das Wirthsgewerbe eine sehr ungünstige Wendung eingetreten, welches zah- lose Existenzen ruinirte und noch ruiniren wiro. Am meisten ist der seinen Beruf ernst auffassende Theil der Wirthe im Gegensatz zu den Existenzen, die Unsittlichkeit, Völlerci und politische Verhetzung dulden und fördern. Die Ursachen des Rückgangs im Wirthsgewerbe sind in den hohen Steuern und Abgaben zu suchen, in der unlauteren Konkurrenz, dem Schleuderwescn in Speisen u. s. w. Als eine der schwersten Schädigungen darf der steuerfreie Flaschenbierhandel betrachtet werden. Dem Staate entgehen dadurch alljährlich nicht allein Millionen an Steuern, das Publikum ist auch, weil die Kontrolle fehlt, nicht geschützt gegen den Ausschank verdorbener und verfälschter Biere. Es gibt Flaschenbier­läden mit täglich 200 Liter steuerfreiem Bierumsatz, während Wirthe mit über 80 Liter Absatz immer mehr verschwinden. Bei 600 konzessionirten Wirthschaften hat Stuttgart jetzt schon 660, Wiesbaden bei 268 Wirthen 334 Flaschenbierverkäufer. Die Bitte der Wirthe geht daher auf Einführung der Konzessions­pflicht des Flaschenbierhandels. Aus der Besteuerung