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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

M 77.

MittivoH, den 27. September

1893.

Aöonnemeritä Einladung»

Bestellungen auf das 4. Quartal 1893 (Oktober, November, Dezember) der ^^*8^tüttllerner Zeitung" *^^ bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zu wollen, und zwar möglichst bald, da die Nachlieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis. Ij, Addition.

Deutsch« s R.ich.

Berlin. Der Kaiser hat dem österreichischen Frei- Herrn von Schönfeld und dem Freiherr» von Reinlünder unter dem Ausdruck seiner Anerkennung Ehrensäbel überreichen lassen. Diese Auszeichnung ist in der österreichischen Armee eine sehr seltene; sie wird in der Regel nur nach wirklichen Feldzügen gewährt.

Demnächst beginnt die sehr umfangreiche Dislo- cation der durch die letzte Herresverstürkung neu ge­schaffenen Truppentheile. Die in Preußen vorhandenen Casernen können von den 54000 Mann, welche auf das preußische Contingent kommen, nicht ganz 8000 Mann aufnehmen und selbst diese müssen stellenweise in vorhandenen Barackenlagern und Wellblechbaracken untergebracht werden, die zu diesem Zwecke theilweise einer sehr durchgreifenden baulichen Neueinrichtung unterzogen worden sind. Für etwa 6000 Mann sind neue Baracke» mit massiven Umfassungsmauern in der Errichtung begriffen. Endlich sind noch für mehr als 21000 Mann Quartiere in Miethsräumen beschafft, so daß etwa 19000 Mann übrig bleiben, für die in Bürgerhäusern Quartiere geschafft werden müssen; doch sind auch für diese die nöthigen Nebenräume, Ställe und Werkstätten in leichtem Bauwerk für staatliche Rechnung zu beschaffen. Um die Quartierlast, für die nur verhältnißmäßig geringe Entschädigungen bezahlt werden, möglichst bald zu beendigen, sollen zunächst für diese Truppen neue Casernen errichtet werden. Die Unterbringung der gesummten Heeresverstärkung in massiven Caserneubauten wird aber planmäßig erst im Jahre 1915 durchgeführt sein. In Württemberg und Sachsen werden die Truppen keine Bürgerquartiere beziehen, sondern, soweit die vorhandenen Casernements nicht reichen, in provisorischen Bauten untergebracht werden.

Kissingen, 16. September. DieN. Bayer. Ldtg." deren Rcdacleuer ein häufiger Gast auf der oberen Saline ist, berichtet über den Gesundheitszustand Bis- marcks Folgendes: Herr Professor Schweninger sagt, daß sein College jetzt Herr Küchenmeister Witte sei. Die Kost müsse den Fürsten wieder hoch bringen. Zu diesem Zwecke wurde nun auch das echt altbayerische Gericht, das Pichelsteinerfleisch, auf die Speisekarte gesetzt. Die Essenszeit wurde auf zwölf Uhr Mittags und Abends 6 Uhr verlegt. Der Fürst muß sich in seinen alten Tagen noch an die bayerische Ordnung gewöhnen, weil diese der Verdauung und dem Schlafe zuträglicher ist, als der nordische Herrschaftenbrauch (um ein Uhr zu frühstücken und Abends 7 Uhr Mit­tagsmahl zu halten). Das Pichelsteiner Fleisch nach Straubinger Kochrecept hcrgestcllt, wurde im Blcch- casserol servirt und mit großem Appetit verzehrt.Nun begreif' ich," sagte der Fürst,warum die Niederbayern körperlich und geistig so frische Kunden sind, die ver­stehen sich auf gut Essen und Trinken.

Leipzig, 24. September. Nach der Konkursstatistik sieht es im Königreich Sachsen ziemlich traurig aus. Während iu Preußen auf 100000 Seelen 12,3 Konkurse entfallen, kommen in Sachsen auf die gleiche Zahl Seelen schon 30,4 Konkurse. Das Königreich Sachsen wird im deutschen Reich nur übertroffen durch Lübeck mit 36,8 und Bremen mit 45.

AuS Sachsen. Fünf Kriegshunde sind bei den dies­jährigen Manövern in der Gegend von Annaberg i. Erzgeb., wie man derTägl. Rdsch." schreibt, zum ersten Male verwandt worden. Die Thiere, zwei schottische und drei deutsche Schäferhunde, sind zunächst für den Ordonnanzdienst bei dem 15. sächsischen Jäger- bataillon abgenchlet. Sie gehen mit den Vorposten und tragen auf den BefehlMeldung vor" in einer am Halsband befestigten Tasche die Meldung zu ihrem Truppentheile, von dem sie auf den weiteren Befehl »Meldung zurück" unverzüglich zu ihrem Vorposten

zurückkehren. Der KriegshundTilly" hat kürzlich eine Strecke von 3000 Metern in 7 Minuten zurückgelegt. Auf Vorposten bei Nacht leisten die Thiere infolge ihrer sicheren Witterung große Dienste. Die Hunde sind aber auch zur Auffindung Verwundeter abgerichtet und darin geübt worden. Bei Nacht werden sie mit dem BefehlSuch Verwundete" ausgeschickt, und sobald sie dann einen Menschen in Jägeruniform auf der Erde, im Gebüsch u. s. w. liegend finden, bellen sie so lange, bis Hilfe kommt. Die Hunde kennen mit größter Sicherheit ihren Truppentheil vor jedem andern heraus und verstehen es auch meisterhaft, sich auf ihren Gängen vor dem feindlichen Feuer zu decken. Die schottischen Schäferhunde zeichnen sich, wie die Erfahrung gelehrt hat, durch besonders große Anhänglichkeit, die deutschen durch ungleich größere Schnelligkeit undZuverlässigkeit aus.

Karlsruhe. 2500 Mark für eine Hühnerhündin. Am 30. August d. I. fand in Karlsruhe (Oberschlesien) die Preissuche des VereinsNimrod-Oppeln" statt. Im Verlauf desselben wurde, wie die Schl. Ztg. erfahren, die der Frau Lieutenant Neyman in Breslau gehörige 1y-jährige HühnerhündinBrzytwa", in Jägerkreisendie Unaussprechliche" genannt, an den Grafen Johann v. Czarnecki auf Schloß Golajewo bei Pokoslaw für den Preis von 2500 Mark verkauft. Nebenbei fallen der erste Wurf der Hündin und alle von derselben bis zum 1. Januar 1894 gewonnenen Preise noch der Verkäuferin zu.

Berndurg, 18. September Zu einem Jahr und zwei Monaten Zuchthaus verurtheilte die hiesige Straf­kammer den Rendanten Lossier, einen der reichsten Leute der Stadt, wegen wissentlich falscher Anschuldigung und versuchter Verleitung zum Meineide. L. war auf der Bahnfahrt von Könnern nach Bernburg in der vierten Classe ohne Fahrkarte betroffen und vom Schaffner darauf hiugewicscn worden, daß er nachzuzahlen haben werde; er suchte sich aber nicht nur der Zahlung von 80 Pfg. zu entziehen, sondern beschuldigte überdies den Schaffner der Annahme eines Trinkgeldes und suchte einige Mitreisende durch Geld zu der Aussage zu bestimmen, der Schaffner habe Geld genommen.

Dortmund, 19. September. Der italienische Orgel- dreher Angelo Conti, eine in hiesiger Stadt allgemein bekannte Persönlichkeit, welche schon seit einer Reihe von Jahren auf seiner Orgel die schönstenMeien" hat ertönen lassen, ist durch dieses Geschäft ein ver­mögender Mann geworden. Gleichzeitig hat er seine Landsleute, welche Neigung zu diesem musikalischen Er­werb zeigten, mit Instrumenten versehen, wodurch er ein nettes Sümmchen Geld an Provision eingeheimst hat. Er besaß sechs Wohnhäuser in Mitten, hat aber in Folge wagehalsiger Spekulationen Hab und Gut wieder verloren. Jetzt orgelt er selbst wieder durch's Land und sucht die schönen Tage von Aranjucz wieder zu verschmerzen.

Hamburg, 23. September. Von gestern bis heute morgen sind 14 Neuerkrankungen an Cholera und ein Sterbefall vorgekommen. Von den Erkrankungen sind 6 schwerer, 8 leichter Natur. Von den früher Er­krankten sind drei gestorben.

Aus Schleswig-Holstein, 18. September. Was zwei Schulkunden durch eine selbstentworfene Bittschrift an den Kaiser erreicht haben, darüber berichtet ein Lokalblatt Folgendes: Der 12jährige Sohn eines Stell­machers und der 14jährige Sprosse eines Schmiedes in dem Dorfe Sande richteten vor einiger Zeit ohne Wissen der Eltern ein Schreiben an den Kaiser, in dem sie der Bitte Ausdruck gaben, in das Kadetten- korps ausgenommen zu werden. Der Entschluß zu diesem Schritt wurde bei den Knaben gezeitigt, als in der Nachdarschdft Dragoner einquartirt waren, an deren schmucker Uniform die Burschen ihre helle Freude halten. Als einige Offiziere an ihnen vorüberschritten, meinte

der eine Knabe:So en Offizier mög ick oog wol sien." Der Andere erwiderte:Dat geiht doch nich an."O," entgegnete der Erste,bat will ick all kriegen, ick schriew blot an den Kaiser, denn is de Geschichte kloor." Gesagt, gethan! Die Knaben schrieben ein Bittgesuch und sandten es sofort an den Kaiser ab. Zehn Tage später traf von der Generalinspektion für das Militarr- bildungswesen ein an den Ortsvorsteher gerichtetes Schreiben ciu, daß eine Anwartschaft in einem Kadelten- Hause zwar nicht zu begeben sei, daß sich aber die Knaben bei einer Unteroffizierschule melden könnten. Die Eltern waren über das Vorgehen ihrer Knaben nicht wenig erstaunt.

Aus Haßfurt in Unterfranken wird von den trau­rigen Folgen oes Zusammenbruchs des dortigen Kredit- vereinS, . was folgt, berichtet: Zur Deckung des jetzt noch über 400 000 Mk. betragenden Fehlbetrags werden über 600 Mitglieder Beträge von 300 Mk. bis herauf zu 2700 Mk., je nach dem Vermögen, zu leisten haben, abgesehen von dem Verlust ihrer Stammantheile. Nicht weniger als 60 Genossenschafter sind durch den Krach um Haus und Hof gekommen, einer hat bei der Nach­richt von den in Folge des Konkurses den Genossen­schaftern erwachsenen Zahlungsverpflichtungen den Ver­stand verloren. Die Aufregung hier und in der Umgegend ist seit dem Urtheil des Schwurgerichts wieder sehr groß. Der verurtheilte ehemalige Bürgermeister Brehm, der Vorstand der Kreditkasse, der sich auf freiem Fuß befindet, darf sich auf der Straße nicht sehen lassen. Am vorigen Sonnabend Abend, als er von Würzburg zurückgekehrt war, zog eine erbitterte Menge vor sein Haus und stieß derbe Verwünschungen aus. Gegen Brehm werden Pegreßansprüche in der Höhe von über 100000 Mk., gegen die früheren AufsichtSräthe in der Höhe von 187000 Mk. geltend gemacht.

Im Großherzogthum Buden sind nach einer jetzt vorliegenden Zusammenstellung aus Anlaß des Füttcr- mangels in der Zeit vom 1. April bis 1. August d. J. nothgeschlachtet worden 364 Ochsen, 1070 Kühe, 1543 Rinder, 7 Bullen und 966 Kälber; im Ganzen 3950 Stück.

Ausland.

Rußland. Wie schwer die Landwirthschaft in Ruß' land durch den vom russischen Finanzminister Heraufbc' schworenen Zollkrieg mit Deutschland geschädigt wird, geht neuerdings aus einer Zuschrift hervor, die dem GraudenzerGeselligen" von der russischen Grenze zugesandt würde. Es heißt darin: In den letzten Tagen haben im Sulwalkyer Gouvernement große Versammlungen von Landwiriheu stattgefunden, auf denen über Schritte berathen wurde, wie den un­erträglichen Zuständen, die den Ruin vieler Landwirthe nach sich ziehen, abzuhelfen sei. Einstimmig war man der Ansicht, daß es so nicht weiter gehen könne, wenn nicht die gauze Landwirthschaft zugrunde gehen soll und unterzeichnete eine Petition an das Ministerium mit der Bitte, schleunigst Vorkehrungen zur Abstellung der durch den Zollkrieg Hcreingcbrochencn Calamitäten treffen zu wollen, da sonst ein großer Theil der Land­wirthe Haus und Hof verliere. Ihre reiche Erndte an Getreide und Futter müsse verderben, Steuern und Zinsen könnten nicht gezahlt werden und alle kämen sie bei längerer Andauer des Zustandes an den Bettel­stab. In ähnlichem Sinne äußern sich auch die Forst­besitzer. Alle Maßregeln der russischen Regierung, wie Beleihung der Getreide- und Holzvorrüthe, Aufstapelung von Getreide auf bessere Zeilen u. s. w können zwar den giltst,mitten Großgrundbesitzern augenblicklich über die Krisis hinweghelfen, erreichen aber bei den ver­schuldeten Großgrundbesitzern sowie bei den mittleren und bäuerlichen Gütern nicht den beabsichtigten Zweck.

Chicago, 21. September. Die Direktoren der Welt-Ausstellung beschlossen, dieselbe am 31. Oktober zu schließen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 26 Sept.

Am letzten Freitag, den 22. d. Mts., fand dahicr imHotel Stern" eine von ca. 50 Personen aus den verschiedensten Ständen besuchte conservative Versamm­lung statt. Da in derselben allseitige Uebereinstimmung darüber zu Tage trat, daß in unserer social und politisch so bewegten und zerklüfteten Zeit vor allem ein Zu-