Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Änzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg
Mittwoch, den 4. Oktober
1893.
HbftdhtttfltD °"l ^ „Schlüchterner Zeitung" ^HmUllHyt U werden noch fortwährend von alki s--—!~=^^ Postgnstalien und Landbriesträge
sowie von der Expedition entgegen genommen.
DrutschcS Reich.
Berlin. Der Kaiser ist Donnerstag in Gothenburg eingetroffen und wird nach der Jagd am 30. sich nach Neufahrwasser wieder einschiffen. Die Jagdgesellschaft wird im Ganzen aus 44 Personen bestehen. —• Die Kaiserin reift Freitag Abend nach Rominten ab.
— S. M. der Kaiser ist, von Schweden kommend, am Sonntag früh in Trnkehueu eingetroffen, wo die Kaiserin bereits am Sonnabend Mittag angekommen und im Haus des Landstallmeisters v. Frankenberg ab gestiegen war. Die Elchjagd in Schweden ist eine sehr ergiebige gewesen; es sind 40 Elche zur Strecke gebracht worden, von denen der Kaiser 4 Stück erlegt hat.
— Nach dem Militair-Pensionsgesetze vom 27. Juni 1871 wurde bekanntlich den im Civildienst angestellten Milsiürpensiouärcn die Pension gekürzt, wenn das Civildiensteiukommcn eine gewisse Höhe erreichte. Bis zum 1. April 1893 betrug der höchste Eiukommcnsatz, von welchem ab eine Jnvalidcn-Pcnsion für die Chargen vom Feldwebel abwärts nicht mehr gezahlt wurde, 1200 Mk. Vom 1. April d. I. ab ist durch das neue Peusionsgesetz nun insofern eine für die Invaliden, die im Staats- oder Reichsdienst Stellung gefunden haben, günstige Aenderung eingetreten, als dieser Einkommen- satz auf 1400 Mk. erhöht worden ist. Dagegen sind Invaliden, die im Kommunaldienste angcstellt sind,, in einer weit günstigeren Lage, da die Jnvaliden-Pensionen dieser Beamten ohne Rücksicht auf das Civildiensteinkommen voll weiter gezahlt werden. Für diejenigen Invaliden, welche den Feldzug 1870,71 mitgemacht haben und die Kriegszulage, Verwundungszulagc von monatlich 6 Mk. beziehen, ist diese Zulage von 6 aus 9 Mk. erhöht worden. Diese Zulagen sind nunmehr bei den Königlichen Steuerlasten zur Auszahlung angewiesen worden.
— Ueber die Tabakfabrikatsteuer schreibt ein Sachverständiger : Nachdem man seit fünfundzwanzig Jahren die deutsche Tabak-Industrie mit den vielen Neben- Jndnstrien wiederholt durch Steuer- und Monopol- projekte in Unruhe versetzt und sie auf diese Weise schwer geschädigt hat, will man jetzt, wie es die Herren Finanzminister der Einzelstaaten auf der Frankfurter Konferenz beschlossen haben, den Versuch machen, durch Einführung einer Tabakfabrikatsteuer den Tabak, odci vielmehr die Raucher, zu einer Goldquelle zu machen, aus welcher die Millionen ungezählt fließen. Wir fürchten, daß die Rechnung, welche man s. Z. in Frankfurt angcstellt hat, ein Loch aufweist. Als im Jahre 1879 die Steuer und den Zoll aufTabak um 41 n)p. 61 Mark pro 100 Kilogramm erhöht wurden, ging der Konsum von 1,8 Kilogramm pro Kopf auf 1,4 Kilogramm, also um 22 Prozent zurück, und hat sich von diesem Rückgang noch nicht erholt, da er jetzt nur 1,5 Kilogramm pro Kopf beträgt. Da man diesmal eine viel bedeutendere Steigerung in der Belastung beabsichtigt, so wird der Rückgang im Konsum noch viel größer sein und die Mehreinnahme der Staatskasse aus der neuen Steuer wird deshalb weit hinter den El- wartungcn Zurückbleiben. Außerdem aber muß man mit einem sehr bedeutenden Rückgang in der Arbeiterzahl rechnen. Derselbe mirb thatsächlich weit gtöjicr sein, als dem Rückgang im Konsum entspricht, da _ mit der starken Verthcuerung des Fabrikats auch eine Verschiebung im Konsum in der Weise eintreten wird, daß an stelle des Rauchers der billigen Cigarren wieder die Pfeife tritt. Da nun aber die Herstellung der Cigarren bedeutend mehr Arbeiter erfordert, als die des Pfeifentabaks, so wird man nicht zu niedrig greifen, wenn man annimmt, daß von den in der Tabakindustnc befchäs- tig.ten Personen rund 60,000 brodlos werden. Dazu kommen die durch den verminderten Gcschäftsbcliicb überflüssig werdenden kaufmännischen Angestellten. Das gibt ein bedeutendes Minus an steuerzahlenden Buigern; rechnet man dazu den Ausfall an Vteuerkraft der in ihrem Erwerb geschädigten Fabrikanten und, Detail- Händler, so wird das zusammen eine ganz respektable Summe geben, welche man von dem Eitiagniß i ei Tabaksteuer in Abrechnung bringen muß, wenn man hie reine Mehreinnahme der Staatskasse finden will.
»herrschen zu können, muß ein richtiger Obstkelter mit Fenstern und T chr versehen sein, die sich leicht öffnen, Die Neue Freie Presse erhält aus Kissiitgeu aus unmittelbarer Nähe des Fürsten Bismarck folgende Mittheilungen: Der Fürst sieht sehr eingefallen aus und ist ein hinfälliger Greis geworden. Am Dienstag
unternahm er eine Spazierfahrt. Zwei Diener 1888 nahm Rußland in Frankreich acht Anleihen auf. geleiteten ihn die Treppe hinunter. Beim Einsteigen in Diese acht Anleihen beziffern sich auf ein Nominal- bie Equipage bleibt das Hansthor geschlossen, damit das Capital von 3 963 756 000 Franken. Rechnet man die Publikum nicht sieht, mit welcher Anstrengung der j Anleihen hinzu, welche vor 1888 in Frankreich gemacht Fürst die Chaise besteigt. Er grüßt mit der linken j wurden, so stellt es sich heraus, daß Rußland gcgen- Hand, die rechte kann er nicht erheben. Er ist momentan ’ wärlig vier und eine halbe Milliarde an Frankreich sogar außer Stande, seinen Namen zu schreiben, woraus schuldet." Die Franzosen können sich gefaßt darauf man schließt, daß die Gerüchte von einem Schlaganfalle machen, daß ihnen nach den Festen eine nette Rechnung
doch auf Wahrheit beruhen.
Null; er, der bekanntlich ein starker Esser war, läßt
die meisten Speisen unberührt stehen. Ueber die Abreise des Fürsten verlautet noch gar nichts; sie kann sehr rasch erfolgen, sich aber auch noch wochenlang hinausziehen. Der Fürst ist reiscschcu, weil er eine bedeutende Verschlimmerung seines schmerzhaften Leidens, das ihn heute noch Tag und Nacht plagt, befürchtet. Ueber die Entstehung der Krankheit wird weiter bc=
richtet: Vom 23. Juli bis 26. August hatte Bismarck i
23 Soolbäder genommen; am letztgenannten Tage -. . . - .. •
badete er bei 38 Grad Reaumur, blieb fast eine halbe ;™ ^ den Cristallfallen, ist am
Stunde im Wasser und zog sich dabei die verhängniß- i v “1; ein Fellen hcrnbgestmzt. Die
volle Erkältung zu, als er an dem sehr kühlen Tage^^"^ hatsich in rz-olge dessen schnell mit -Wasser ge- eine große Strecke barhäuptig durch die Menschenmenge !l"-t, jocast von den m dcrjclben beschastigten Arbeitern, ging. Trotzdem empfing er am 27. August die Frank- zumeist Italienern und Schweden, nur 3 sich zu retten
furter, und dies hat ihm noch vollends den „Krach
gegeben, wie Graf Herbert sagte. Bismarck läßt sich Ncw Ygrk, 30. Sept. Der Vollzugsausschuß des den Bart stehen, da ihm das Rasiren durch fremde amerikauiichen Anarchlsten-Bnudes, hatte die Todesstrafe Hilfe lästig ist, und er selbst sich nicht rasiren kaun. ; B'lsin das deutsche Ehepaar Reffe in Pittsburg ausge-
Müilchcn, 24. September. Die Leiche des kürzlich! sprachen, weil Frau Reffe Mitwisserin der wichtigsten im Schliersee ertrunkenen jungen Mannes Namens; Geheiinnisse des Bundes geworden war. Zwei Anar- Leßmüller hat von den auf Anlaß der Eltern entsandten Kilten vollzogen gestern das Urtheil; die Frau wurde Tauchern des königlichen Marine-Amts bisher nicht gebiet, der Mann tödelich verletzt. , „Sie Mörder
aufgefunben werden können und zwar aus dem Grunde, weil am Boden des Sees wachsende Pflanzen von Baumhöhe eine aus Schlick und Sand bestehende Decke trügen, durch die man beim Tauchen durchbreche, ohne aber an manchen Stellen bis zum wahren Grunde des Sees vorzudringen.
Mohrungen, 27. Sept. In vergangener Nacht ist
~ - , . .„ .conservativen Verein des Kreises Schlüchtern nicht, wie
die Kreiskaffe hier,elbst abgebrannt wobei lammtlnH j in km sgcrid)t in N,. 77 dieses Blattes angegeben, voihandeue Aktenmaterial, auch die Rechiiuugsbelage^fürj^^ Canditat der deutsch-socialen Partei, sondern . als Canditat der deutsch-conservativen Partei für
bucher tm eisernen Gclbidiranf und der Kasscnbestaud . - -
des Vorabends sind unbeschädigt geblieben.
die laufende Rechnung, zerstört wurde.
AM land
Aus Wien kommt eine Nachricht, welche einer weittragenden politischen Bedeutung nicht entbehrt. Kaiser Wilhelm hat den greifen Erzherzog Albrecht von Oesterreich zum General-Feldmarschall der preußischen Armee ernannt. Dieses Ereigniß knüpft gewissermaßen an die Ueberlieferungen jener glorreichen Tage der Freiheitskriege an, in denen die preussische und österreichische Armee Schulter an Schulter die Franzosen niederwarf. Nicht besser konnte der deutsche Kaiser die niedrigen Verdächtigungen der Bundestreue Oesterreich Ungarns widerlegen, das von Paris und Petersburg aus beschuldigt wurde, auf Kosten Deutschlands seinen Frieden mit Rußland machen zu wollen, als durch diese in der Person des Erzherzogs Albrecht der gesummten österreichisch ungarischen Armee erwiesene Auszeichnung. Denn Erzherzog Albrecht, der Sohn des Erzherzogs Karl, des Siegers von Aspern, er selbst der Held von Custozza, gilt mit Recht als der leitende Faktor der verbündeten Armeen, deren Rcor- gamsator er geworden ist. Die Probe, welche das östcrrcichischmngarischc Heer soeben auf dem Manöver- felde von Güns unter den Augen so vieler kritischer Beobachter von seinen Können abgelegt, hat in Deutschland das beruhigende Gefühl hinterlassen, daß Oesterreich Ungarn seine Pflicht thut, daß es ein ebenbürtiger Bundesgenosse ist, auf den wir in der Stunde der Gefahr zählen können.
Rom, 23. September. Das von Brasilien zurück- gekehrte Pakeibaot „Carlos" hat während der Rückreill 144 Cholera Todesfälle gehabt; gegenwärtig befinden sich noch 17 Cholernkranke an Bord des Schiffes.
Frankreich. Das Gefühl, daß man den russischen
Höflichkeitsbesuch in Toulon werde theuer bezahlen müssen, bricht trotz aller Feststimmung bei den Franzosen doch hie und da durch. So bemerkt das „XIX. Si^cle", daß es die Russen weniger auf das Herz, als auf den Beutel Frankreichs abgesehen haben, denn er macht folgende interessante Zusammenstellung: „Seit
Der Apetitt ist gleich vorgewiesen wird. Wenn sie dieselbe nicht bezahlen, nso war aller Liebe Mühe umsonst.
Madrid, 30. September. Der Urheber des Attentats gegen den Marschall Marlincz Campos, Pallas, ist zum Tode verurtheilt worden und wird voraussichtlich am Montag erschossen werden.
(Hricchcnland. In Theriko bei Laurion in Griechenland wurde eine verschüttete Stadt mit gut erhaltenen Häusern, Mauern und Straßen aufgefunden.
Newhork, 30. September. In der Manfield-Grube
vermochten. 37 Mann sind umgckommcn.
wurden verhaftet, als sie nach Canada flüchten wollten.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 3. Okt.
* — Wir erhielten nachstehende Erklärung: Herr Pfarrer Meyenschein zu Hohcnzcll ist von dem
die Laudtagswahl im Wahlkreis Schlüchtcru-Gelnhausen ausgestellt worden.
Salmünster, den 2. Oktober 1893.
Der Vorstand des conservativen Vereins des Kreises Schlüchtern: Heller.
* — Der Psarramtskaudrdat Schiele ist als Hilfslehrer am Schullehrer-Seminar zu Schlüchtern angestellt worden.
* — Die Güterabfertigung auf den Bahnhöfen wird ebenso wie die Postschalter vom 1. Oktober ab für das Winter-Halbjahr erst um 8 Uhr Vormittags geöffnet, worauf wir das Publikum hiermit aufmerksam machen.
* — Das Abkratzen der Bäume wird immer von Vielen für unnöthig gehalten, deshalb sieht man überall die älteren Bäume dicht von Moos und loser Rinden- borke hängen. Eine dichte Bedeckung der Bäume mit Moos u. s. w. schadet ihrer Gesundheit, sieht schlecht aus und bildet für eine Reihe von obstbnnmschädlichen Insekten eine sichere Brutstätte und einen Unterschlupf. Der Puppe des Apfelblüthenstechers macht beispielsweise die strengste Winterkälte gar nichts; sobald sie aber feucht wird geht sie zu Grunde. Es empfiehlt sich also sehr im Herbste oder Frühjahre, ehe es warm wird, Baumstämme und Äeste gründlich von Moos und rissiger borkiger Rinde zu reinigen, abzukratzen -unb mit Kalkmilch auszupinselu. Alles, was vom Baume genommen wird (Fallobst, Laub, dürres Holz, Rinde, Moos, Flechten n. s. w.), muß sofort gesammelt, entfernt und verbrannt werden; es werden hierdurch eine Menge Feinde deS Obstbaumes vernichtet.
* — Ein guter Obstkelter darf weder feucht noch dumpf sein, muß nicht zu tief liegen und eine möglichst gleichmäßige Temperatur haben; mit Rücksicht auf letzteren Umstand ist die Nordlage der Südlage vorzu- ziehcu. Um Licht und Temperatur des Raumes be»