SchWernerMung
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Mittwoch, den 10. Januar
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Die wirthschaftliche Gemeinschaft.
AuSzug aus einer Broschüre von einem westdeutscher: industriellen Kreise.
(Fortsetzung.)
Nicht als ob wir das Landesinteresse beim Bundes- rath weniger verstanden oder weniger gewissenhaft gewahrt glaubten als beim Reichstag — ganz im Gegentheil — aber wenn zur plötzlichen Einführung einer so tief einschneidenden Maßregel, die eine Kalamität von ganz unberechenbarer Tragweite für die Handelswerthe der ganzen Welt wäre — nichts nöthig ist, als daß sich an entscheidender Stelle ein Mann findet, der von ihrer Vortrefflichkeit überzeugt ist — dann ist das doch eine sehr große Gefahr, und wir halten es für erheblich besser, wenn wenigstens erst die Verabschiedung eines Gesetzes nöthig und damit die öffentliche Diskussion der Situation unvermeidlich wird. Sind doch auch dem Bundcsrath augenscheinlich die „Feinheiten" völlig entgangen, welche, in den Falten der Handelsverträge verborgen, geeignet und bestimmt sind, die Bismarck'sche nationale Handelspolitik so ziemlich in ihr Gegentheil umzusteuern und auf den Kurs der Acra Delbrück zurückzubringen. Denn wenn wir mit unseren Währungs- und Münzverhält- nissen in Deutschland bisher ganz zufrieden sein können und uns namentlich im Vergleich mit dem, was vor 1870 in Deutschland an Unsolidität und Münzkonfusion herrschte, ganz wohl befinden, so ist das nicht in letzter Linie gerade dem Umstand zu danken, daß die alten ehrlichen preußischen Kurantthaler nach wie vor gelten und unseren knappen Barumlauf um 360 Millionen Mark vermehren. Dieselben haben vor den Goldmünzen den ganz ungeheueren Vorzug, daß sie nicht exportabel sind, also im Lande bleiben. Nur zu Hause gelten sie voll,'umgekehrt wie die Propheten. Der innere Verkehr bedarf solchen Geldes dringend, und es ist eine ganz unglaubliche Kurzsichtigkeit, unsere Gel dverhältnisse lediglich auf die Bedürfnisse des internationalen Handels zuschneiden zu wollen. Derselbe betrug 1892 : Millionen Mark 4463 in Einfuhr und in Ausfuhr Millionen Mark 3339, im ganzen also Millionen Mark 7800 rund. Millionen Mark l 100 behauptet die Theorie, daß sie wenigstens so weit „mit Gold ausgeglichen" werden müsse, als sie sich nicht aus Schuldzinsen des Auslandes, Handels- und Rhedergewinnen u. s. w. zu- sammensetzc. Nehmen wir an, diese Theorie wäre gerade so richtig, wie sie in den meisten Fällen falsch ist, was wollte die Hälfte oder ein Drittel jener 1100 Millionen Mark dem Umfang des inneren Werthverkehrs gegenüber bedeuten? Setzt doch allein die Neichsbank 110 Milliarden um, also das hundertfache dieser ganzen Differenz und das Vierzehnfache des gesamten auswärtigen Handels! Der tägliche Verkehr des Marktes, der Läden, der Eisenbahnen, Dampfschiffe, der Post, der öffentlichen Kassen beträgt doch ein mehrfaches des Werthes unserer Einfuhr und ein vielfaches der Differenz zwischen Einund Ausfuhr. Wir brauchten, nach zehnjährigem Durchschnitt berechnet, jährlich für:
als bei gemischter Währung — und das wollen wir nicht für alle Fälle bestreiken — so würde es immer noch falsch fein, um der 4 Hz Milliarden willen, die er umschlägt, der Produktion, dem Konsum und überhaupt dem Binnengeschäft, welches so ungeheuer viel bedeutender ist, die Nachtheile und Kosten aufzubürden, die der Goldwährung neben ihren Vorzügen zweifellos ankleben. Aber der Ausfuhrhandel hat sogar im Gegentheil an der billigeren Währung Interesse, weil solche bekanntlich die Ausfuhr erleichtert. Sind doch Indien, Rußland und Oesterreich gerade durch ihre geringere und schwankende Währung der deutschen Landwirthschaft so gefährliche Konkurrenten. Das eigentliche treibende Interesse für die Goldwährung haben die großen Banken und Edelmetallhändler. Die Emissionsbanken können es ja nicht bequemer haben, als daß sie die Anleihen des Auslandes mit deutschem Gold effektuiren und es der Reichsbank überlassen, wie sie die dadurch veranlaßte Lücke im Umlauf wieder ausgleicht. Dazu wird der Diskont erhöht und das bringt sämmtlichen Diskontbanken höhere Zinsen, den Schaden hat die geldbedürstige Geschäftswelt sehr mit Unrecht zu tragen, die geldbedürstige, nicht die kreditbcdürftige! Das kann nicht scharf genug betont, nicht deutlich genug klar gemacht werden. Wir haben es beim bankfähigen Wechsel und dessen Diskontirung nicht mit einem Leih geschäft, sondern mit einem Kaufgeschäft zu thun, bei welchem die Verlustchance auf ein Minimum reduzirt ist. Wie gering dasselbe ist, geht daraus hervor, daß die Reichsbank 1892 bei einem Gesamtwechselgeschäft von rund 5000 Millionen für zweifelhafte Wechsel Lombardforderungen 318500 Mark in Reserve gestellt und nur 10991 Mark deffinitiv abgeschrieben hat. Die Reserven betragen also nicht ganz hie pro Mille, die Abschreibungen resp, die Verluste sogar nur h»vo pro Mille des Umschlags gleich zwei Mark auf die Million. Ein solches Geschäft ist kein Darleihgeschäft, keine Kreditoperation mehr, wo eine Risikoprämie eingestellt werden müßte, es sind anerkannte, am Fälligkeitstermin sofort exekutable Schnldforderungen, es sind Zahlungsversprechen dreier solidarisch haftbarer und notorisch solventer Leute. Die Höhe des Bank- diskoutsatzes ist also nur durch die Flüssigkeit des Geldmarktes bedingt und darf durch keinerlei Delkredere- znschlägc beeinflußt werden.
Vergleichen wir nun den Reichsbankdiskont in Deutschland mit den offiziellen Diskontraten der andern größeren Plätze, so stellt sich uns folgendes betrübende Bild dar:
renzen zeigte und die Deutsche Reichsbank wie die Bank von England nicht infolgedessen zum Schutze des Goldschatzes Diskonterhöhungen in Anwendung bringen müßten, wie sie die Banken von Frankreich, Belgien und Holland nicht kennen. Frankreich hat einen Mc- tallumlauf von etwa 8 Milliarden Franken, halb Gold, halb Silber, Deutschland etwa 3300 Millionen Mark, also eine Kleinigkeit mehr als die Hälfte. Infolgedessen setzen die mit Metall gefüllten Adern des Verkehrs in Frankreich den Raubzügen der Emissionsbanken einen sehr viel gleichmüthigeren Herzschlag entgegen, als Deutschland und England das zu thun vermögen. Und da der offizielle Bankdiskont im Durchschnitt der letzten vier Jahre in Paris sich zwischen 2,7 und 3,1 Prozent bewegt, sich in den letzten drei Jahren über 3 Prozent nie gehoben, wohl aber bis 2,5 Prozent gesenkt hat, während Berlin zwischen dem niedrigsten Diskont von 3 Prozent und dem höchsten von 5,5 in der gleichen Zeit geschwankt hat — so ist klar, daß Paris, wenn es mit 3 Prozent auskommt, während London 6 Prozent, 5 Prozent, 3,50 Prozent, Berlin 5,50, 5,50 und 4 Prozent als höchste Diskontsätze notirte, andere Mittel kennen muß, um den Goldexport zu verhüten oder auszugleichen, als die Dis - kontsch raube.
Der Druck dieser Diskontschraube ist nicht unbedeutend. Von den 25,9 Millionen Mark durchschnittlichen Bruttogewinns der Reichsbank in den letzten 4 Jahren entfielen auf das Wechselgeschäft, also vorwiegend den Diskont 18,8 Mill. Mark oder 72 Prozent, hätten wir statt eines durchschnittlichen Diskonts von 3,80 nur wie Paris 2,95, oder wie Amsterdam 2,77 gehabt, so würden die bei der Bank Geldsuchenden 4 bis 5 Mill. Mark weniger zu bezahlen gehabt haben. Die gcldsuchen- den, das heißt die produktiven Klassen Deutschlands haben daher in derWährungs- frage das gemein same Interesse eines billigen Geldes durch stärkere Heranziehung des Silbers für die Zwecke des Baarumlaufes.
(Fortsetzung folgt.)
Berlin
Roggen 955 Mill.
Weizen 547
Hafer 620
Gerste 391
lk
II
M,
II
II
II
davon
Import 89
II
//
81
25
55
Mill.
II
II
M,
»
2513 Mill. J6, davon Import 250 Mill. M, gleich 10 Prozent.
Die Ausfuhrwerlhe in Getreide kommen der Einfuhr gegenüber kaum in Betracht, und da der Getreideimport so ziemlich der wichtigste ist, so giebt vorstehende Tabelle ein ganz leidliches Bild davon, was wir an großen Massenbedürfnissen selbst erzeugen und was wir vom Ausland brauchen, oder mit anderen Worten von dem Verhältniß des inneren Waarenhandels zum auswärtigen.
Zu vorstehenden 2Hz Milliarden Mmk für Getreide trinken wir jährlich in Deutschland allein für l1? Milliarden Bier und damit übersteigert wir in diesen 4 Positionen den Werth der gesamten Ausfuhr. Selbst wenn aber auch ein Theil des auswärtigen Waarenhandels, Her Jmporthandel, bei der Goldwährung besser führt
1889
1890
1891
1892
höchst, niedr.
5
5,5
5,5
4
3
4
3
3
P Brüssel
Durchschn.
3,7
4,5
3,8
3,2
a.
h.
5
6
5
London n. D. 2,5 3,5 3 4,5 2,5 3,3
Paris h. n. D. 4,5 3 3,1
15,2
3,80 Amsterdam
3,5 2 2,5
13,8
3,45
3
3
3
3 3
3 3
2,5 2,7
11,8
2,95 Wien
h.
n.
D.
h.
n.
D.
h.
n.
D.
1889
5
3
3,5
2,5
2,5
2,5
5
4
4,2
1890
4
3
3,2
4,5
2,5
2,8
5,5
4
4,5
1891
3
3
3
4,5
3
3.1
5,5
4
4
1892
3
2,5 2,7
3
2,5
2,7
5
4
4
17,1
12,4
11,1
p. a. 3,10 2,77 4,28
Darnach ist Deutschland von den solventen Staaten derjenige, in dem der Diskont respektive das Geld für Geschäftszwecke am theuersten ist, dann folgt das Goldwährungsland England, weit billiger sind die bime- tallistischen Staaten Belgien, Frankreich, Holland.
Es ist kein Zufall, daß der spezifische Münzumlauf pro Kopf der Bevölkerung ziemlich genau dieselbe Reihenfolge der Staaten ergiebt. Es betrug der:
Geldumlauf pro Kopf der Bevölkerung
in Mark umgerechnet Gold
Großbritannien
und Irland . 57,88
den Dollar zu 4
Silber
Papierg.
Mark: zusammen
Frankreich . Deutschland Ver. Staaten
. 92,32 . 43,64 . 41,92
11,24
71,80
17,76
33,68
4,20
9,04
12,12
25,60
Die oben gezeigte bedeutende Differenz
73,32
173,16
73,52
101,20 im Diskont
zwischen Deutschland und England einerseits, Frankreich und Holland andrerseits wmde nicht möglich sein, wenn
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser ist aus Bückeburg zurückgekehrt und wird Momag sich wieder zur Jagd nach Buckow begeben. Bei Hofe finden im Laufe dieses Winters folgende Festlichkeiten statt: Mittwoch den 17. Januar: Fest des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler; Sonntag, den 21. Januar: Krönungs- und Ordensfest; Mittwoch, den 24. Januar: Große Cour bei den Majestäten; Sonnabend, den 27. Januar: Aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers: Gala-Oper; Mittwoch, den 31. Januar: Ball im Königlichen Schlosse; Freitag, den 2. Februar: Subskriptionsball im Opernhause; Dienstag, den 6. Februar: Fastnachtsball im Schlosse.
— Es wird gemeldet, daß auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers der von der deutsch ostafrikanischen Linie gemiethete Dampfer „Admiral" am 7, d. M. mit 120 Mann Marine-Infanterie nach Kamerun abgeht. Ebenso geht der Hauptmann Morgen nach Kamerun ab, um die Anwerbung einheimischer Truppen zu organisiren. Bon der Entsendung des Kreuzes „Prinzeß Wilhelm" sei Abstand genommen worden.
— 5. Jan. In ganz Norddeutschland herrscht strenge Kälte, stellenweise mehr als zwanzig Grad. Die Eisenbahnzüge treffen vielfach in Folge verschiedener Störungen sehr unregelmäßig ein.
Aus Dresden, 1. Januar, wird geschrieben: Die Gemahlin des präsumtiven sächsischen Thronfolgers, des Prinzen Friedrich August ist gestern Nachmittag 5% Uhr von einem Prinzen entbunden worden. Noch in der siebenten Abendstunde wurde dieses Ereigniß der Bevölkerung durch 101 Salutschüsse bekannt gegeben.
In der Klinik zu München ist am 2. Januar ein junger Grieche eingeliefert worden, der am Sylvesterabend aus Uebcrmuth zwölf Zwanzigmarkstücke verschluckt hatte. Der Zustand des jungen Mannes ist nicht unbedenklich.
Die am 1. Dezember 1893 in Württemberg vor- genommene Viehzählung hat laut Bericht des königlichen tatistischen Landesamts in Stuttgart ergeben, daß das Rindvieh im ganzen Lande um ein volles Fünftel ab-
genommen hat (1892 ; 970,588 Stück, 18*93:77,860^ Die Abnahme, die auf die Futternoth zurückzuführen ist'
uno Hvuano unorcririis ium ut inua muymy |tm, warn । sjiv ■uumiymi:, uic uuj uic yunniiuiy zurunzufugren 1,1 nicht auch der Baarumlauf pro Kopf so enorme Diffe-! erstreckt sich aus sämmtliche Oberamtsbtzirkc des Landes