Einzelbild herunterladen
 

WWkmerMlmg

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirten Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

.M 20. Samstag, den. März 1894.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird am 10. März einem großen Reiterfest beiwohnen; im Ganzen werden wohl etwa 30 Offiziere vom Generalmajor bis zum Sekoude- lieutenant in die Armee cinrücken. Bedingung ist, daß nur Kompagnie-Pferde geritten werden dürfen.

Der König von Sachsen ist soweit wiedcrhcrgestellt, daß er stundenlange Spaziergänge unternehmen kann.

7. März. Das Staatsministerium hat die Aufhebung der Staffeltarife vom 1. September er. ab unter der Bedingung beschlossen, daß der russische Handelsvertrag und die Aufhebung des Judentitätsnach- weises vom Reichstag angenommen wird. Man rechnete heute schon im Reichstag auf eine Mehrheit von 50 Stimmen für den russischen Handelsvertrag. Eine solche Wahrscheinlichkeitsrechnung kann sehr leicht täuschen. Da aber mit der Aufhebung der Staffeltarife gar vielen Wünschen in Mittel-, West- und Süddeutsch­land entgegengekommen wird, so ist dieser Beschluß des Staatsministeriums ohne Zweifel ein kräftiger Hebel für die Annahme des Vertrags.

6. März. Die Handelsvertragskommission hat in ihrer heutigen Sitzung mit 15 gegen 10 Stimmen den Antrag der konservativen Partei auf einjährige Dauer des Vertrags mit einjähriger Kündigungsfrist abgelehnt und Artikel 20 des Entwurfs betreffend die zehnjährige Dauer des Vertrags mit 14 gegen 10 Stimmen angenommen.

Bochum, 6. März. Ueber die Dynamitexplosion in der vergangenen Nacht werden folgende Einzelheiten gemeldet. Im ganzen sind sieben Tynamitpatronen aufgefunden worden. Als Thäter ist gestern Abend der Bergmann Pfeiffer aus Düsseldorf verhaftet worden. Derselbe hat auf der ZecheCarolinenglück", woselbst er früher beschäftigt war, 37 Dynamitpatronen ent­wendet. Er gestand ein, seine eigentliche Absicht sei gewesen, das neue Landrathsamt in die Luft zu sprengen. Außer auf dem Flur des Landrathsamts wurde auch vor der Wohnung des Polizeisergeanten Bennewitz eine Dynamitpatrone zur Explosion gebracht, wodurch mehrere Fensterscheiben zertrümmert wurden. Ferner wurden an der Treppe des Rathhauskellers und vor dem katholischen Waisenhause je eine, im Briefkasten des Postgebäudes zwei aufgefunden. In der vergangenen Nacht soll auch in Hamm eine Explosion stattgefunden haben.

Aus Schleswig-Holstein, 5. März. Einen merk­würdigen Racheakt vollführte in dem schleswigschen Kirchdorfe Wanderup ein Trunkenbold, in dem er die versammelte Gemeinde mitsammt dem Pastor und dem Küster während des Gottesdienstes in der Kirche ge­fangen setzte. Der Attentäter war durch die Armen­kommission unter Vorsitz des Pastors aas die Liste der Trunkenbolde gesetzt worden und sann seitdem auf Rache. Als kürzlich der Fasten-Abend gostesdienst statt- fand, blieb der Kirchenschlüssel verichentlill) in der Thür stecken. Der Trunkenbold verschloß, nadpem die Kirche sich mit Andächtigen gefüllt hatte, die Krchc und ging seiner Wege. Nach Beendigung des Gottesdienstes suchten die Anwesenden den Ausgang, allein die Thür ließ sich nicht öffnen. Unglücklicherweise Daten außer­dem noch alle Fenster mit starken Eisenstäben versehen, so daß ein Entkommen ausgeschlossen war. Die ganze Gemeinde war gefangen. Nach vielen vergeblichen Be­mühungen, ins Freie zu gelangen, versuchte man es, einen kleinen schmächtigen Knaben durch das Eisengitter zu zwängen Dies glückte; der Kleine errechte glücklich den Boden und befreite die Gemeinde aus ihrer un­freiwilligen Gefangenschaft.

Frankfurt, 5. März. Listowsky, Remkteur der 'Frankfurt. Zeitung, ist wegen Beleidigung eims badischen Hauptmannes durch eine Veröffentlichung über angebliche -Soldatenquälungen zu 1000 M. Geldstrafe md wegen Beleidigung eines Pfarrers, von dem fälschlich behauptet worden war, er sei verhaftet worden und habe sich selbst entleibt, zu dreimonatlichem Gefängniß verurtheüt worden.

A«sland.

Prag, 3. März. Beim Kuttenberger Krisgericht befindet sich ein Mann in Haft, der in allen Theilen Böhmens Verhältnisse mit Dienstmädchen unterhelt und ihnen Geld entlockte. Eine Anzahl dieser Mädhen ist spurlos verschwunden. Man glaubt, daß er je aus der Welt geschafft habe. Sämmtliche Gerihte in Böhmen wurden beauftragt, Erhebungen anzustelen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 9. März.

* Nach amtlicher Feststellung sind bei der am 7. d. Mts. stattgehabten Bürgerausschußwahl nachstehende Personen gewählt worden: I. Ständiger Ausschuß: 1. Metzger Kaspar Dehnhard (bisher Stadtrath). 2. Metzger Friedrich Dehnhard (bisher Stadtrath). 3. Oekonom Hermann Köhler (bisher Stadtrath). 4. Kaufmann Ludwig Hafner (bisher Stadtrath). 5. Färber Adam Schäfer (bisher Ausschußvorsteher). 6. Brauereibesitzer Wilh. Thaler (bisher im ständigen Ausschuß). 7. Kaufmann Adam Fehl (bisher im ständigen Ausschuß.) 8. Kaufmann Johannes Gutermuth jun. (bisher im ständigen Ausschuß). 9. Schuhmacher Hermann Reis (neu). 11. Unständiger Ausschuß: 1. Müller Leonhard Klöber (bisher im ständigen Ausschuß). 2. Buchbinder I. F. Lotz (bisher im ständigen Ausschuß). 3. Metzger Karl Freund (bisher im unständigen Aus­schuß). 4. Bäcker Leonhard Batst (neu). 5. Kaufmann Ferdinand Fenner (neu). 6. Müller Kaspar Eckhardt (neu). 7. Bäcker Benedikt Strauß (neu). 8. Hutmacher Georg Freund (neu). 9. Fruchthändler MeierNeuhof (neu).

* Im nächsten Sommerfahrplan sind folgende für hiesige Gegend wichtige Aenderungeu vorgesehen: Erstens werden die Schnellzüge 5a (Nachmittags 2,55 in der Richtung FuldaBebra) und 6a (Nach­mittags 2,34 in der Richtung HanauFrankfurt) in Schlüchtern halten. Zweitens sind zwei weitere Personenzüge eingelegt worden, und zwar von Frankfurt (ab 9,45) nach Elm (an 12,18 Mittags) und von Elm (ab 12,44 Mittags) nach Frankfurt (an 3,05 Mittags).

* Eine cindrMliche Warnung vor unüberlegter Auswanderung nach MtzMa enthält der Geschäftsbericht derDeutschen Gesellschaft" in Newyork.Wirkliche Landarbciter ausgenommen", so heißt es in dem Bericht,welche im Frühjahr und Sommer im Westen stets aus Arbeit rechnen dürfen, können wir keinem Ar­beitssuchenden Hoffnung machen, und wiederholen daher unsere alljährlichen Warnungen an H a n d l u n g s di c n e r, Lehrer, Schreiber, Gelehrte, Prediger, Tele­graphisten, Beamte, Studenten und Offiziere, sich nicht, selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen, unter denen sie drüben zu leiden haben mögen, zur Auswanderung zu entschließen. Für diese Klasse von Leuten ist positiv keine Aussicht, weder im nächsten Jahre, noch später. Das so häufig ausgeführte Vor­gehen, uugeralhcne Söhne nach dergroßen Besserungs­anstalt Amerika" abzuschütteln, um siedie Schule des Lebens" durchwachen zu lassen und sie durch Noth und Entbehrung zu zwingen, sich an ungewohnte Arbeit zu gewöhnen, ist ein verwerfliches. Auch Damen aus besseren Ständen, welche hoffen, in Amerika als Gesellschafterinnen, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Vorleserinnen und in anderen bevorzugten Stellungen ein Unterkommen zu finden, ist unter den jetzigen Ver­hältnissen, welche selbst wohlhabenden Familien Ein­schränkungen auferlegen, die Auswanderung nicht an- zurathen. Für Dienstmädchen für allgemeine Hausarbeiten ist dagegen selbst in schlechten Zeiten noch ein ergiebiges Feld und es können dieselben mit Sicher­heit darauf rechnen, sofort Stellen und guten Lohn zu finden."

* Aus der Strafkammersitzung vom 5. März. Ein Schneider von Niederkalbach hatte gegen das vom Schöffengericht Neuhof über ihn verhängte Urtheil Berufung eingelegt. Der Angeklagte hatte am 16. Juli in der Nähe von Niederkalbach sein Vieh auf einer Wiese weiden lassen und zwar an einer noch nicht gemähten Stelle. Ein zur Grasnutzung berechtigter Hüttncr kam hinzu und wollte das Vieh nach der gemähten Stelle treiben, was der Schneider durch Hiebe mit einem Knüppel verhinderte. Das Schöffengericht hatte den Schneider deshalb zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt und wurde die Strafe auch als nicht zu hoch bestätigt. Alsdann wurden aus Untersuchungs­haft zwei hoffnungsvolle 17jährige Bürschchen von Ockershausen vorgeführt. Beide waren in Leipzig in einer Conditorei mit Austragen und Verkaufen von Zuckerwaaren in Wirthschaften beschäftigt. Auf Zureden des einen brächte der andere Bursche den Erlös eines Korbes Backwaaren an sich und beschlossen dann beide eine Reise nach Frankfurt anzutreten. Den leeren Korb stellten sie in die Anlagen nieder und dampften

dann, im Besitz von etwa 5 Mark, mit der Bahn ab. Sie fuhren zunächst bis Fulda und gingen von da zu Fuß nach Schlüchtern. Da hier das Geld all war, so beschlossen sie, sich welches zu stehlen, um ihre Reise fortsetzen zu können. Als geeigneten Ort hatten sie die Erziehungsanstalt Sannerz gewählt, wo einer der Angeklagten 4 Jahre untergebracht war. Der Versuch, direct durchs Fenster in das Schwesternzimmer zu gelangen, mißlang; nun stieg der Ortskundige durchs Fenster in das Schulzimmer, von wo aus er durch eine oben aufgezwängte Verbindungsthür in das Schwestern- zimmer gelangte, hier das Fenster öffnete und seinen Genossen hineinsteigen ließ. Zunächst nahmen sie die in einer Schublade in Schächtelchen aufbewahrten Spar­pfennige der Zöglinge im Betrag von 3 Mark 50 Pfg. an sich, dann begaben sie sich über den Corridor nach der Küche, wo sie Brod, Eier und Stachelbeeren an sich nahmen, und dann wieder durchs Fenster des Schwesternzimmers in's Freie gelangten. Die An­geklagten sind jetzt ihrer That geständig, während sie in der Voruntersuchung alles leugneten. Das Gericht erkennt gegen den in der Anstalt erzogenen Burschen, der bereits wegen schweren Diebstahls 6 Monate Ge­fängniß verbüßt hat, auf eine Gefängnißstrafe von 1 Jahr und 1 Monat, gegen seinen Genossen, der lediglich von dem ersten verführt wurde, eine Gefängniß- strafe von 7 Monaten.

Fulda. Her Hoforgclbaumeister Sauer aus Frank­furt a. O. hat für das Chor der hiesigen Domkirche eine neue Orgel von neuen klingenden Stimmen, die auf zwei Manuale und ein Pedal vertheilt sind, geliefert. Dieselbe wurde gestern Nachmittag nach vor- heraegangener Benediktion durch den hochwürdigen Herrn 5 apitularvikar Dr. Komp in der feierlichen Ves- pcrandncht zum ersten Male in Gebrauch genommen. Die neue Chororgel soll von unvergleichlich herrlichen Ton und vortrefflicher Ausführung sein.

Von der Fulda, 6. März. In Binsförth im Kreis Melsungen ist der ehemalige Postbote Korn, der mit einem Nachbar Namens Range in Streit gerathen war, von dem hinzueilcuden Sohn des Range mit einer Axt entsetzlich zugerichtet worden. Korn liegt schwer verletzt darnieder. Die Wahl des Rechtsanwalts Dr. Georg Antouic aus Schweinfurt zum Oberbürgermeister der Stadt Fulda hat die Bestätigung der Regierung er­halten. In Hersfeld wird der hessische Sängerbund in der Zeit vom 30. Juni bis 2. Juli ein größeres Sängersest abhalten. Der hessische Städtetag be­absichtigt seine Jahresversammlung am 8. und 9. Juni in Eschwege abzuhalten.

Cassel, 6. März. Wie imStaatsanzeiger" be­kannt gemacht wird, wurde den unter dem Vorsitz des Kreistagsmitgliedes Herrn Lehrer Wiegand zu Alten- bauna zusammengetretenen Comitee die Erlaubniß zur Vornahme allgemeiner Vorarbeiten für eine Eisenbahn von Wilhelmshöhe über Naumburg nach Fritzlar mit Abzweigung von Naumburg nach Wolfhagen ertheilt.

Homberg, 4. März. Vom 1. bis 3. d. M. fand unter dem Vorsitz und der Leitung des Herrn Regie- rungs- und Schulrattzes Sternkopf-Kaffel an unserem Seminar die diesjährige Abgangsprüfung statt. Zu derselben hatten sich 36 Candidaten gestellt, einer derselben auf einem anderen Seminar ausgebildet, mußte wegen eines hier nicht zu erläuternden Vergehens von der mündlichen Prüfung zurücktreten, während alle anderen bestanden. Ein Theil derselben ist bereits mit Versetzung von Schulstellen beauftragt/ die übrigen werden bis zu Ostern auch größtenteils Verwendung gefunden haben.

Langenselbold. Der Fall Burkhard, der im vorigen Jahre so große Sensation im Kreise Hanau erregte, wird noch immer viel besprochen; man kann it gar nicht denken, daß der Durchgegangene, der eine Frau und Kinder zurückgelassen die nun von der Gemeinde erhalten werden müssen, der so viele Leute m Kreise ins Unglück gestürzt hat, nicht verfolgt werden ollte. Wie wir nun hören, hat aber eine Sparkasse, die durch den Fall stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist, mit.Vermittlung des Ministeriums und des deutschen Consuls in Amerika, woselbst sich B. befinden soll, die Verfolgung des Betrügers in die Hand genommen.

Vom Main, 3. März. Die steigenden Fleischpreise lassen am besten erkennen, daß die Fntternoth gar sehr unter unseren Hausthieren aufgeräumt hat. Eine rück-