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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtcn Familienfreund" viertcljährl. 1 3ftt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Äm$^ 1894.

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Wonnements Einladung.

Bestellungen auf das 2. Quartal 1894 (April, Mai, Juni) der

V^"Äü'üc^teraer Zeitung" ^^D^, bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zu wollen, und zwar möglichst bald, da die Nachlieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis. ^ Expedition.

Über 6000. Wegen Ermordung eines 72-jährigen Mannes wurde heute ein 18 '/sjahriger Küferbursche aus Heppenheim verhaftet und hier eingebracht. Er ist ge­ständig, in Heppenheim einen 72-jährigen Gemüsehändler ermordet und seiner Baarschaft im Betrage von 50 Mk., die er im Schränk liegen hatte, beraubt zu haben. Weiter wurde ein Bursche eingebracht, der die Anregung zu dem Morde gegeben hat und der Anstiftung beschul­digt ist. Auch er hat das ihm zur Last gelegte Ver­brechen eingcstandcn.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich am Freitag nach dem Mausoleum in Charlottenburg und legten dort auf dem Sarge des Kaisers Wilhelm I. aus Anlaß des Sterbetages desselben Kränze nieder. Der Kaiser hat zu Ehren des Geburtstages des Kaisers von Rußland eine größere Frühstückstafel gegeben, zu welcher u. A. der kaiserlich russische Botschafter Graf Schuwalow geladen war. Die Kaiserin reist Montag nach Abbazia ab; der Kaiser wird noch vor Ostern gleichfalls dahin reisen. Während seiner Anwesenheit wird auch Kaiser Franz Joseph in Abbazia eintreffen.

Die kaiserlichen Prinzen sind Sonnabend einer großen Gefahr entgangen. Der Hofwagen, in welchem sie sich befanden, fuhr mit solcher Heftigkeit mit einem Privatfuhrwcrke zusammen, daß das letztere total um- geworfen und auf den Bürgersteig geschleudert wurde, wobei der Führer des Wagens unter die Pferde zu liegen kam. An dem Hofwagen wurde die eine Breit­seite total zertrümmert, so daß der Wagen seine Fahrt nicht fortsetzen konnte und die Prinzen sowohl wie die begleitende Hofdame von Personen aus dem Publikum aus dem Wagen gehoben werden mußten. Verletzt wurden die Prinzen zum Glücke nicht, sie mußten jedoch ihren Weg in einer Droschke fortsetzen. Der Führer der Privatequipage wurde durch hinzueilende Schutzleute nach der Wache gebracht. Nach Ansicht von Augen­zeugen soll ihn keine Schuld treffen.

Der Reichstag hat am Sonnabend nach einer längeren aber im Grunde unwesentlichen Debatte, in welcher es sich hauptächlich um die Einwanderung der russischen Juden handelte, den ersten und grundlegenden Paragraphen des deutsch-russischen Handelsvertrages mit 200 gegen 146 Stimmen angenommen. Die Sozial- demokraten, die süddeutsche und freisinnige Volkspartei, die freisinnige Vereinigung, die Polen und Welsen stimmten geschlossen dafür. Von den Nationalliberalcu stimmten 44 mit ja, 16 mit nein, 3 fehlten; vom Centrum stimmten 44 mit ja, 38 mit nein (darunter Abg. Müller-Fulda), 18 fehlten; von der Reichspartei stimmten 8 mit ja; von den Konservativen die Abgeord­neten Graf Dönhosf, Erbprinz Hohenlohe-Oehringen und Zorn von Bulach, ferner die Abg. Uhden, Fürst zu Fürstenberg, Prinz Hohenlohe-Schillingsfürst, Pöhl- mann und Rösicke. Die Antisemiten stimmten mit der Minderheit. Die Berathung wurde bis Artikel 1s fort­geführt. Die Verhandlung über den Tarif (Artikel 7) wurde noch ausgesetzt.

Amtlichen Angaben zufolge haben die Berufs­genossenschaften und Ausführungsbehörden im Jahre 1893 an Entschädigung für Unfälle ungefähr 38,1 Millionen verausgabt. Die Renten- und Heilungskosten sowie die sonstigen Ausgaben, welche man unter den Entschädigungen versteht, sind jedoch nicht die einzigen, welche die mit der Ausführung der Unfallversicherung betrauten Organe zu leisten haben; die Gesammtaus- gaben für die Unfallversicherung aus das Jahr 1893 werden sich vielmehr noch bedeutend höher stellen, sie werden mit den Verwaltungskosten nahe an 60 Mil­lionen betragen.

Die Sonntagsruhe im Eisenbahndienst, die seit fast 2 Jahren eingeführt ist, soll, da sich dieselbe be­währt hat, mit dem Inkrafttreten des Sommerfahrplans noch weiter ausgedehnt werden. Die der Sonntagsruhe vorbehaltenen Stunden erstreckten sich von 4 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends.

Das Budget der Stadt Berlin hat mit seinen 85,5 Millionen Mark, mit denen es für das Etatsjahr 189394 in Einnahme und Ausgabe balancirte, seit dem Jahr 1830 einen hübschen Aufschwung genommen. Es betrug damals von Thaler in Mark umgerechnet 2,1, stieg 1840 auf 4,5 und 1860 auf 11,8 Millionen. Im Jahre 1870 erreichte es eine Höhe von 17,9, für

das Etatsjahr 1880'81, mit welchem zum ersten Mal bei der städtischen Verwaltung das Rechnungsjahr mit dem 1. April begann und mit dem 31. März endete, stieg es auf 39,1 und im Finanzjahr 1885/86 auf nahezu 51 Millionen. In den zwischenliegenden neun Jahren ist das Budget weiter um 34,5 Millionen gestiegen. Welch ein Abstand zwischen den 2,1 Millionen von 1830 und den 85,5 Millionen von heute! Und welch ein Bild riesenhaften Aufschwunges!

Königsberg. Ueber einen gedroschenen Dieb wird folgende heitere Geschichte gemeldet: Der Besitzer L. hatte bereits mehrere Male gemerkt, daß ihm während der Nacht von den auf der Scheunentenne liegenden ausgedroschenen, aber noch nicht gereinigten Getreide gestohlen worden war. Er hatte sich auch bis drei Uhr Morgens in der Scheune auf die Lauer gelegt, doch erschien kein Dieb, und so kam er bereits auf den Gedanken, daß die eigenen Drescher das Getreide am Tage entwendeten. Kürzlich erschienen nun um vier Uhr Morgens die drei Drescher, um ihr Tagewerk zu beginnen, waren aber nicht wenig überrascht, vor der Scheune, die, nebenbei gesagt, hinter dem Wohnhause iegt, einen Handwagen stehen zu finden, auf dem sich bereits ein mit Getreide gefüllter Sack befand. Sofort wurde ihnen klar, daß der lange gesuchte Dieb, der auch sie bei ihrem Brotherrn in Verdacht gebracht hatte, in der Schenne war und seinemHandwerk" nachging. Als sie nun leise die natürlich erbrochene Scheunenthür öffneten, war dem Dieb eine Flucht unmöglich, und daher hielt er es für das Beste, sich unter den auf der Tenne liegenden Roggengarben zu verstecken. Aber die Drescher hatten die Bewegung im Stroh wohl bemerkt, sie hingen ihre Laternen an die Nägel, griffen zu den Flegeln, und im taktvollenDreischlag" begannen nun die Klöppel auf den Rücken des Diebes niederzusausen. Mit einem entsetzlichen Wehegeschrei arbeitete der sich aus der dicken Strohlage heraus und bat um Gnade, die ihm auch insofern wurde, als er nach dem Amts- gefängniffe transportirt wurde.

Groß-Strelitz, 7. März. Muttermord in der Kirche. Eine schreckliche Blutthat wurde Sonntag früh in Stubendorf ausgeführt. Die Auszüglerin Donath aus Tschamer-Ellguth begab sich nach Stubendorf zur Früh­messe. Nach der Messe verblieb sie mit noch einigen Frauen betend in der Kirche. Inzwischen stürzte in die Kirche der Sohn der Auszüglerin, der Stellenbesitzer Donath. Nachdem er seine Mutter vor dem Altare betend vorgefunden, packte er sie um den Hals und würgte und schlug die arme alte Frau so lange, bis sie den Geist aufgab. Die anderen Frauen konnten den Wütherich von seinem Opfer nicht losreißen. Dienstag ist der Mörder in das hiesige Gefängniß eingeliefert worden. Zwist zwischen der Schwiegertochter und der Ermordeten soll den Grund zu dieser schauerlichen That gebildet haben.

Weißenfels, 10. März. In Gestewitz erstach ein Vater seinen Sohn infolge eines Familienzwistes.

Nürnberg, 7. März. In der Gegend von Eber­mannstadt in Oberfranken kursiren vielfach falsche Zwanzigmarkstücke.

Das Schwurgericht in Amberg hat den Söldner Spichtinger von Alzhausen, der seinen Vater erschlagen und die Leiche im Keller vergraben hatte, am Freitag zum Tod verurtheilt.

Mannheim, 9. März. Wegen Weinpanscherei wurde der Weingroßhändler Max Hermann in Oberkirch ver­haftet. Derselbe stellte theure Weine aus Hefe, Wasser, Zucker unter geringem Zusatz von Naturwein her.

Mainz, 7. März. Auf der Kgl. Armeekonserven- fabrik wurde der Betrieb eingestellt. Die Metzger wurden schon am Samstag entlassen. In dieser Saison wurden im Ganzen etwas über 4000 Ochsen geschlachtet und zu Konserven verarbeitet, in vorletzter Saison waren es'

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 13. März.

* Vielfach ist die Ansicht verbreitet, daß infolge der durch die Stürme in den Tagen vom 10. bis 12. Februar d. I. verursachten erheblichen Windfälle in den Forsten die Preise für Bau- und Nutzholz in nächster Zeit eine wesentliche Herabminderung erfahren würden. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß jene Annahme in den thatsächlichen Verhältnissen nicht begründet ist. Denn die in den Staatsforstcn geworfene gesammte Holzmasse ist gegenüber dem etats- mäßigen jährlichen Einschläge von etwa sieben Millionen Festmcter Derbholz glücklicher Weise nicht so erheblich, daß dadurch ein Sinken der Preise bedingt würde, um so weniger als der Import von ausländischem, na­mentlich russischem Holz, aus Veranlassung des schnee- armen Winters und der dadurch erschwerten Heran­schaffung des Holzes zu den Wasserstraßen in diesem Jahre gegen früher erheblich zurückbleiben wird. Die Länatsforstverwaltung soll deshalb beabsichtigen und ihre Organe demgemäß mit Anweisung versehen haben, bei dem Verkauf der Windbruchhölzer in der Regel an den bisherigen Preisen festzuhalten und die Holzmengen, welche zu solchen etwa gegenwärtig nicht verkäuflich sein sollten, bis zum nächsten Jahre im Bestände halten und gu, dem Ende behufs Erhaltung ihres Werths entrinden, glätten, im Wasser aufbewahren oder auch selbst zu Schnittwanre verarbeiten zu lassen.

" Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt der Preiscurant für die Sommersaison 1894 des 1. Versandt- und Spezialgeschäftes von Gebrüder I. & P. Schulhoff in München, Thal71, Schützen­straße 8 und Hochbrückenstraße 3 bei. Dasselbe hat sich durch seine reellen Waaren zu enorm billigen Preisen in der ganzen Umgegend eingeführt.

r. Steinau, 9. März. Heute früh gegen Vsö Uhr brach im Hinterhause des Steinarbeiters Eirig, Haus Nr. 280, Feuer aus, wodurch dasselbe zum größten Theil zerstört wurde. Auf dem Dachboden dieses Ge­bäudes lagerten 50 Gebund Stroh, 2 Centner Heu und

4 Centner Holz, welche mitverbrannten. Der Besitzer ist nur mit dem Gebäude versichert und vermuthet man vorsätzltche Brandstiftung.

Soden-Salmünstex. Es ist jedenfalls von einem nicht abzuweisenden allgemeinen Interesse hier einen gekürzten Auszug aus einem Trinkspruch des Staats- minister Dr. Miquel zu vernehmen, welchen derselbe vor Kurzem in Berlin bei einem gemeinsamen Essen der Mitglieder des deutschen Landwirthschafts­rathes gehalten hat. Der Minister sagt unter An­derem :

Man hat zu Anfang dieses Jahrhunderts durch die Stcin-Hardenberg'sche Gesetzgebung in Preußen und ungefähr gleichzeitig in allen deutschen Staaten, den Grund und Boden von den darauf ruhenden sogenannten Feudallasten frei gemacht, sich dann aber bis heute um denselben in der früheren umfassenden Weise nicht bekümmert. Wie sehr die Befreiung von den Feudallasten eine Wohlthat gewesen sei, so sei es doch ein Fehler, zur Gestaltung der rechtlichen Natur des Grundbesitzes nichts zu thun, denselben nach Loslösung von dem Feudalverbande sich selbst zu überlassen. Wir müßten vielmehr von dem Zustande und der Auffassung, daß der Grundbesitz eine Waare wie jede andere sei, wieder zurück kehren zu dem altgermanischen Rechte, nach dem Grund und Boden nicht einmal induviduelles (per­sönliches) Eigenthum, sondern eine Art Familieneigenthum mit besonderen Grund­sätzen der Vererbung ist. In den letzten 30 Jahren seien alle Gesetze wesentlich zu Gunsten und mit Rücksicht auf Handel und Industrie gegeben.

Er lasse dahingestellt, ob das richtig gewesen,