SchlüchternerMtmg
Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirten Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf,
^U 25. Mittwoch, den 28. März 1894.
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Deutsches Reich.
Berlin. Nach einer in den schlesischen Kriegervereinen verbreiteten Version soll der Kaiser beabsichtigen, den Kämpfern im deutsch französischen Fcldzugc 1870 71 gelegentlich der 25jährigen Wiederkehr des Tages von Sedan eine Erinnerungs-Medaille zu verleihen, ähnlich, wie sie den Kämpfern der Freiheitskriege anläßlich der 50. Wiederkehr der-Schlachl bei Leipzig verliehen wurde. Die Medaille soll nur den Inhabern der Kriegsdenk- münze von 1870,71 für Kombattanten verliehen werdest, welche im Besitz der militärischen und bürgerlichen Ehrenrechte sind und vorwurfsfrei ihre Laudwehrdienst- zeit abgelcistct haben. Als Material zu den Medaillen soll Bronze aus französischen Geschützen verwendet werden.
— 24 März. Die Genossenschaftsbank der Berliner Südwestbürgerschaft mit beschränkter Haftpflicht ist durch Börsenspcculationcn eines Anfsichtsrathsmitgliedes und eines Verwandten eines Directors um 400 000 Mk. geschädigt worden. Der Verlust trifft den Mittelstand und mit ca. 60,000 Mk. kleine Leute. Die Direktoren wurden ihres Amtes entsetzt.
Groß'Strelitz, 14. März. Zu dem Muttermorde in der Kirche zu Stubendorf hiesigen Kreises sind noch folgende interessante Einzelheiten mitzutheilen: Die vom eigenen Sohne, dem Häusler Stanislaus Kuhnert, ermordete Mutter war in Folge eines schweren Leidens geistig gestört und glaubte fortwährend TeufelSerscheimmgeu zu haben. In diesem Zustande machte sie, wie bekannt, im Februar einen Selbstmordversuch, indem sie sich eine ungefährliche Schnittwunde am Halse beibrachte. Der Sohn, welcher an der Mutter mit großer Liebe hing, bewachte die Kranke Tag und Nacht, um eine Wiederholung des Selbstmordversuches zu verhindern. In Folge dieser anstrengenden Pflege, sowie der Schlaflosigkeit und der fortwährenden gruseligen Erzählungen der Mutter über Teufelsbilder erstand nun bei dem Sohne eine derartige Nervenüberreizung, daß er selbst irre wurde, was man jedoch leider zu spät gewahr wurde. Als die Mutter nach Schluß der Frühmesse die Kirche verlassen wollte, wurde sie daran vom Sohne gehindert, welcher wiederum eine Einwirkung des bösen Geistes bei der Mutter wahrzunehmen glaubte und diese dann in seinem unglückseligen Wahne erdrosselte. Die Staatsanwaltschaft hat bereits die Ueberführung des Kuhnert in eine Irrenanstalt veranlaßt.
Pos n. Zur Ermordung des Barons von der Goltz. Der Vertheidiger des wegen vorsätzlicher Tödtung des Barons von der Goltz zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilten und flüchtigen Stellmachers Kopistrcki aus Zastawin, Rechtsanwalt von Padlctzki, hat das Wiederaufnahme-Verfahren beantragt, da nach dem Geständnis; des am Mittwoch Hingerichteten Käthners Malinowski ein frcisprechcndcs Urtheil zu erwarten ist. Durch öffentlichen Aufruf soll der Flüchtling ersucht werden, sich selbst zu stellen. Geschieht dies, so ist die Wiederaufnahme des Verfahrens zweifellos.
Braunschwtig, 13. März. Ein Einbrecher der schlimmsten Sorte ist in der Person des Heizers Joh. Rost durch einen Zufall in die Hände der hiesigen Kriminalpolizei gefallen, nachdem er hier Jahre lang unter thätiger Mithülfe seiner Frau zahllose Einbruchs- dicbstühle als „Nebenbeschäftigung" ausgeführt hatte. Seine letzte größere That war die Ausräumung eines Viktualieuladens, dessen Besitzer vor Kurzem Konkurs angemeldet hatte. Einen Theil des Raubes verbarg der Einbrecher auf dem Grundstücke des Krenzklosters. Auf ihrem Spaziergauge bemerkten die Bewohnerinnen des Klosters den frisch aufgeworfenen Erdhügel, unter dem einer der versteckten Gegenstände Hervorlugtc. Nachdem sie ihre Wahrnehmung der Polizeibehörde mitgetheilt halten, entsandte diese mehrere Krimiualbenmtc, die sich auf dem Grundstück verbargen und den Thäter, als er einen Theil seines Raubes abholen wollte, festnahmen.
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(April, Mai, Juni) der
er Zeitung" *^^[ rger) oder Boten gest ausgeben zu wollen, g bereits erschienener Nummern nicht immer satten die Zeitung vom Tage der Bestellung
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Natürlich wurde sofort eine Haussuchung vorgenommen. Aber, was bot sich hier den Blicken der erstaunten Beamten dar! In ungeordneten Haufen lagen hier gestohlene Wäschestücke, Kleider, Bücher, Bettstellen, Eß- waaren, eine Menge Medikamente, darunter Chinin (aus einer hiesigen Fabrik) in großer Menge aufgeschichtet. Und auf das Chaos in der Wohnstube blickten die an der Wand hangenden Heiligenbilder und die Büste des Papstes von einer Konsole herab.
Mühlhausen, 23. März. Der vor einigen Tagen vom Kaiser zum Polizeiobersten der Berliner Schutz- mannschaft beförderte bisherige Polizei - Hauptmann Krause entstammt dem nahen Dorf Bollstedt, wo noch jetzt zwei Brüder von ihm wohnen. Er hat es verstanden, sich vom einfachen Grenadier zum Stabsoffizier und dann zum Kommandeur der Schutzmannschaft cmporzuschwingcn. Nachdem er sich 1866 die Offiziersepanletten vor dem Feind erworben hatte, war er in den Polizeidienst übergetreten.
Gießen, 18. März. Allseitige Theilnahme findet das tragische Geschick des als Sportsmanu bekannten Lieutenants Otto v. Zangen vom Großherzoglich Hessischen Feldartillerie-Regiment Nr. 25 in Darmstadt. Derselbe stürzte beim letzten Herbstmannöver in Ausübung eines DicnstmtcS mit dem Pferde und erlitt solch' schwere innere Verletzungen, daß er am 13. September in die hiesige Klinik gebracht wurde. Nach sechsmonatlichen unsagbaren Leiden ist der blühende Offizier gestern gestorben.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtcrn, 27. März.
* — Dem Vernehmen nach wird mit dem Beginn des neuen Schuljahres der wissenschaftliche Hülfslehrer des Gymnasiums zu Frankfurt, Herr Schnegelsberg, in das Collegium des hiesigen Progymnasiums eintreten. Es muß dankbar anerkannt werden, daß der Schul- vorsiaud einer tun Zeitvcrhältnissen entsprechenden Erweiterung des Progymnasiums, einer Anstalt, die schon seit einer Reihe von Jahrhunderten die Pflanzstätte der Wissenschaft und Bildung für Schlüchtcrn und die weitere Umgegend gewesen ist, seine Fürsorge zuwendet und sich somit die Hebung und Förderung der geistigen und materiellen Interessen der Stadt ernstlich angelegen sein läßt.
* — Im Kreisblatt für Sprottau erläßt der dortige Landrath, Herr v. Klitzing, folgende bemerkenswerthe Bekanntmachung: „In den letztabgelaufenen Steuerjahren haben sich vielfach Censiten, welche sich durch zu hohe Veranlagung beschwert fühlten, von sogenannten Privat- sekretären, Winkelkonsulenten und dergl. für schweres Geld langgedehnte schwülstige Berufungsschriften an- fertigen lassen. Ich warne die Censiten vor der Annahme, als würde durch derartige Machwerke Wesentliches zu ihren Gunsten cricicht. Einfache, selbstgeschriebene Schriftstücke — wenn auch ungewandt in Stil und Form — sind weit geeigneter für Klarlegung der Verhältnisse als künstlich gedehnte, von Winkel- konsulenten angefertigte Berufungen, für welches nur nutzlos schweres Geld fortgeworfen wird. Gemeindevorsteher und Gerichtsschreiber werden sich auf dem Lande gewis; bereit finden lassen, den Censiten des Ortes hilfreich zur Hand zu gehen, und diejenigen Censiten, welche der Schrift gar nicht mächtig sind, mögen sich einen Dienstag, Donnerstag oder Sonnabend aufs Landrathsamt bemühen. Dort werden sie bei mir schneller und sicherer ihr Recht finden als bei theueren Winkelkonsulenten."
Aus Hessen, 18. März,, Die Generalversammlung des landwirthschaftlichen Zentralvereins hat dieser Tage in Cassel im Stadtparksaal bei zahlreicher Betheiligung aus allen Bezirken stattgefunden. Als Vertreter der Staatsregierung waren die Herren Oberpräsident Magde
burg, Regierungspräsident Graf Clairon d'Haussonville, Oberrcgicrungsrnth v. Pawel und Schönian zugegen. Herr Generalsekretär Gerland erstattete den Geschäftsbericht, in dem er ein trübes Bild des letzten Jahres für die Landwirthschaft entrollte. Besonders betonte er, daß der Landmann bei der diesjährigen Aussaat den Saathafer gehörig prüfen müsse, da der Hafer der letzten Ernte zu geringe Keimkraft gehabt habe. Bezüglich der Futternoth erklärte Herr Gcrland: Im kommenden Frühjahr solle alles hergegeben werden, was die Staats- forfte noch hergeben können. Auf die Eingabe des Vereins im Dezember habe die kgl. Regierung das in einem Schreiben vom 17. Januar zugesagt. Als neues Streumittel werde man nach Bedarf zerschnittenes grünes Tannenreisig abgeben, wie man es in Thüringen bereits erfolgreich gethan habe. Auch Herr Prof. Dr. Dietrich- Marburg habe sein Gutachten dahin abgegeben, daß es mit der übrigen Waldstreu glcichwcrthig sei. Die Forste könnten sie in Masse hergeben, ohne Schaden zu nehmen. Der Redner verbreitet sich dann ferner über die Maßnahmen, die zur Hebung der Futternoth von Staat, Behörden und Vereinen getroffen worden sind und bemerkte, daß auf die im Dezember gerichtete Anfrage an die Vereine, ob im Frühjahr noch Futter- noth zu befürchten sei, außer einigen Kreisvcrcincn alle geantwortet haben: wenn frühes Frühjahr, sei keine Noth zu fürchten. Zum Schluß empfahl der Redner, immerhin rasch wachsende Futterpflanzen, wie weißen Senf, Raps, Buchweizen anzlibauen und sprach die Hoffnung aus, daß nunmehr für die Landwirthschaft fette Jahre folgen möchten. Als Ort der nächsten Generalversammlung wurde Marburg gewählt.
Orb, 23. März. Die Kuranlagenvorlage ist ab- gelehnt. Die Minorität des Magistrats und eine kleine Mehrheit der Gemeindebevollmächligten haben eS so gewollt. Ein Recht zum Abstimmen haben die Ge- mcindcbcvollmächligtcn, wenn sie auch neu gewählt und von dem Herrn Bürgermeister einberufen, noch nicht, denn die ganze Wahl ist noch nicht bestätigt und können die Beschlüsse der Herren vor einer höheren Instanz keine Geltung haben. Früher wurden die beiden Körperschaften erst einberufen, wenn die Bestätigung deren Wahl erfolgt war. Zweitens haben die Herren nach dem Gemeinde-Edict nur bei An- und Verkäufen ent- scheidendes Stimmrecht, bei anderen Fragen können sie gehört werden. — Die Vorlage betr. Kuranlage ist aber eine Verbesserung des Bestehenden, resp, eine neue Einnahmequelle und hierzu genügt die Majorität des Magistrats, welche ja vorhanden ist. Also frisch aus Werk und es werden die größten Widersacher der Vorlage noch deren Freunde werden, denn es hat ja von jeher bei allen Verschönerungen und Verbesserungen in der Stadt immer Opposition gegeben, welche stets später verstummte.
Fulda, 19. März. Nach einer Verfügung der kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M tritt der Ausnahmetarif für Streu- und Futtermittel vom 10. September v. J., mit Ausnahme der Artikel Torfstreu, Torfmull, Streutorf, Holzsägcspäne und Heidekraut am 1. Juli l. J. außer Kraft. Mit demselben Tag wird auch die außerordentliche Frachtermäßigung von 25 P ozeut für Sendungen nach bestimmten Nothstandsbezirken für sämtliche Artikel des Ausnahmetarifs aufgehoben. — Das Fest der hl. Elisabeth, welches auf den 19. November fällt, ist jetzt mit Genehmigung des Apostolischen Stuhles auf den Mittwoch vor dem letzten Pfingstsonntag eines jeden Jahres als gebotener Feiertag verlegt worden. Die besonderen Bestimmungen über die Feier des Festes werden rechtzeitig veröffentlicht werden.
Hasau. Die 6. Ulanen (jetzt in Mühlhausen und Langensalza) beziehen am 1. Oktober d. J. die hiesige Garnison. — Die Genickstarre hat auch hier ein Opfer gefordert, indem ein Soldat aus Rückingen im Garnison- lazareth dieser Krankheit erlegen ist. Eine größere Ausdehnung scheint dieselbe glücklicherweise nicht an- nehmen zu wollen, da, wie man hört, nur noch einige Soldaten erkrankt sind.
Aus Kassel wird geschrieben: Der königliche Hans- minister v. Wedel! hat den Oberpräsidenten Magdeburg ersucht, der hier beabsichtigten Errichtung eines sogenannten Residenztheaters unter Mitwirkung der städtischen Behörden entgegcuzuwirken, da durch dieses Unternehmen der Ertrag des königlichen Hoftheaters geschmälert würde, eine weitere Steigerung der jetzt schon die Kronkasse