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Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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.M 60. Samstag, den 28. Juli 1894.
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Deutsches Reich.
Berlin, 25. Juli. Se. Majestät der Kaiser hat gestern von Nordfjord-Eid die Fahrt nach Oldcn und Oldören im Jnvikfjord fortgesetzt. Falls das Wetter beständig bleibt, gedenkt Seine Majestät in jener Gegend mehrere Tage zu verweilen, um theils zu Land, theils an Bord der „Hohenzollern" eine Reihe von Ausflügen zu unternehmen.
— 24. Juli. Die „Kreuzzeitung" schreibt: Mit großer Befriedigung hören wir, daß Prinzessin Alix, die Braut des Großfürsten Thronfolgers von Rußland, sich „entschieden weigert, die feierliche Formel der Ab- schwörung ihres bisherigen Bekenntnisses nuszusprcchcn." Die evangelische Kirche wird also wenigstens nicht öffentlich von der Prinzessin verworfen werden, wie die griechische Kirche in ihrer Ucberhcbnng bei solchen Gelegenheiten verlangt.
— Mit dem Doweschen Panzer ist die deutsche Armee-Verwaltung fertig; im deutschen Heer wird der Panzer keine Verwendung finden. Wie jetzt bekannt wird, hat eine Schießprobe in den Schießständen der Gewehrprüfungs-Kommission in Spandau am Tag vor der Abreise Domes nach England stattgefunden und bei dieser Gelegenheit ist der Panzer von Herrn Major Brinkmann, der dem Vorstand der genannten Kommission angehört, mit unserem Infanterie-Gewehr aus einer Entfernung von 600 Metern glatt durchschossen worden.
— Ein Unteroffizier vom Braunschweiger Husaren- Regiment Nr. 17 in Wolfenbüttel ist von dem Kriegsgericht in Hannover zu 3‘/a Jahren Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Soldatenstand verurtheilt worden, weil er Mannschaften seiner Schwadron, die über eine von ihm verübte Soldatenmißhandlung auszusagen im Stande waren, zu der falschen Aussage verleitet hat, sie hätten nichts gesehen.
— Eine offiziöse Auslassung der „Nordd. Allg. Ztg." warnt von Neuem vor dem Schwindel, der mit Lotterie- loosen und Jnhaberpapieren, mit Prämien oder mit Antheilen solcher Loose und Papiere getrieben wird. Von ausländischen Firmen betheiligten sich an dieser Art des Geschäfts früher vornehmlich die Kommandit- bank Baermann, von Bruck u. Komp. in Brüssel und die ehemalige „Brüsseler Zentralbank". Letztere setzt seit einiger Zeit ihr Unwesen unter der Firma „Allgemeine Prämien- und Rentenbank" von Rotterdam aus fort.
— Ueber die fortwährende Veröffentlichung vertraulicher Aktenstücke durch socialdemokratische Blätter schreibt die „Kons. Korr." u. A.: „Das Ueberhand- nehmcn solcher Vertrauensbrüche bedeutet den Beginn einer gewissen Korruption in Beamtenkreisen, soweit sie von der socialdemokratischen „Weltanschauung" angesteckt sind. Bedenklicheres kann es doch wohl kaum geben, als solche Erscheinungen, aus denen hervorgeht, daß Beamteneid und Beamtenpflicht nicht mehr durchweg hochgehalten werden, daß der Staat auf seine Beamten sich nicht mehr blind verlassen kann. Es ist dringend nothwendig, daß, bevor diese Korruption noch weiter einreißt, gegen dieses Unwesen Schritte unternommen werden."
— Die preußische Eisenbahnverwaltung hat neuerdings den Eisenbahndirectoren aufgegeben, noch in diesem Monat Ausschreibungen auf Lieferungen von Eisenbahnmaterialien zu bewirken; es handelt sich bei dem rollenden Material um 30 Locomotiven, 360 Personenwagen und 4000 Gepäck- und Güterwagen. Bon den schon früher in Bestellung gegebenen Betriebsmitteln waren am 1. Juli dieses Jahres noch zu liefern etwa 310 Loco- wotiven, 550 Personenwagen und 4140 Gepäck- und Güterwagen. Die nächsten Ausschreibungen sollen, wie bisher üblich, im Spätherbst und Winter erfolgen.
In Charlottenburg ist, wie die Ch. Z. meldet, vorgestern Nachmittag ein Schiffer unter choleraverdächtigen Erscheinungen in das Krankenhaus eingeliefert und gestern früh daselbst gestorben. Dem Anschein nach handelt es sich um Cholera asiatica.
Worbis, 24. Juli. Der Landwirth Gerlach aus Wehude (Kreis Worbis) wurde am Sonntag Nachmittag auf seinem Felde, wo er sich den in der Reife stehenden Roggen ansehen wollte, vom Blitze getroffen. Er wurde erst am andern Morgen von seinen Angehörigen als Leiche aufgefunden. Sämmtliche Kleidungsstücke waren total verbrannt und der Erschlagene selbst ganz schwarz gebrannt.
Gotha, 22. Juli. Der Segen des Schlachthaus- Zwanges tritt recht deutlich in die Erscheinung, wenn man erfährt, daß im hiesigen städtischen Schlachthaus im zweiten Quartal dieses Jahres in Folge thierärztlicher Untersuchung gänzlich verworfen und vernichtet worden sind: 6 Kühe, 6 Schweine, 7 Kälber, 165 Lungen, 202 Lebern, 6 Nieren und andere Theile mehr. Es überkommt einen ein Gruseln, wenn man bedenkt, wie viel gesundheitsschädliches Fleisch vor Einführung des Schlachthaus-Zwanges eine andere Verwendung gefunden haben mag!
Aus Bayern. Eine abermalige Besichtigung des Cyklon-Gebietes um München ließ erkennen, daß die Bewohner der zerstörten Dörfir, wie geschrieben wird, wenigstens ihre Getreide-Ernte noch rechtzeitig einbringen können. Die Obsternte ist allerdings für viele Jahre vernichtet. Die herrlichsten Kirschbäume voll reifer Früchte lagen an der Erde und die liebe Jugend war eifrig damit beschäftigt, diese bequeme Gelegenheit auszubeuten. Inzwischen haben die Erhebungen in den vom Hagelschlag heimgesuchten Bezirken um München ein fürchterliches Resultat ergeben. Seit dem Jahre 1848 hat man hier kein ähnliches Unwetter erlebt. In vielen Gemeinden ist die Ernte total vernichtet, die Dächer und Fenster zerstört, und, was das Schlimmste ist, noch von dem trockenen Vorjahre her, ist die Lage ohnedies traurig. Der Gesammtschaden beziffert sich auf Hunderttausendc, so daß man beabsichtigt, das Erträgniß der Sammlungen nicht nur für die vom Cyklon heimgesuchten, sondern auch für die vom Hagelschlag Betroffenen zu verwenden. Ebenso beabsichtigt die Regierung, den für das Cyklon-Gebiet ungeordneten Steuernachlaß auch auf die vom Hagel Geschädigten auszndehnen. Es sollen zahlreiche Gutsbesitzer durch dieses Unglück vollkommen ruinirt worden sein. Ich selbst habe große Strecken durchwandert, die aussahen, als ob eine Kavallerie-Division darauf geübt hätte. Leider sind nur wenige der Betroffenen versichert. — Die Pioniere haben ihre Räumungsarbeiten beendet und sind in ihre Garnisonen wieder eingerückt. Ihre Thätigkeit verdient die höchste Anerkennung.
In dem Dorf Schrandenbach bei Werneck in Unterfranken hatte ein Vater mit seinen zwei Söhnen Klee geladen und dann die Söhne mit dem Fuhrwerk Heim- gcschickt, während er ein anderes Grundstück besichtigen wollte. Als er dies gethan und dem Wagen wieder nachgekommen war, wollte er seine Sense nicht länger tragen und hieb sie in die Fuhre, traf aber seinen daraufliegenden 16jährigen Sohn in die Brust. Obgleich sofort ärztliche Hilfe geholt worden ist, so wird doch am Aufkommen des Knaben gezweifelt.
Brcslan, 26. Juli. Die ersten Sieger im Wett- turnen auf dem achten Deutschen Turnfeste, für welches 75 als die höchste Pointszahl festgesetzt worden, waren Georg Weitz-Hannover mit 65, Georg Brauns-Lüne- burg und Hans Weingärtner von der Berliner Turnerschaft mit 64 '/2, Arthur Bauer-Dresden mit 63]/2, Meller-Bockenheim mit 63, Regener-Braunschweig und Zimmermann von der Berliner Turnerschaft mit 62, Arthur Bergmann-Dresden, Jungwirth aus Wiesau in Schlesien und Schumann von der Berliner Turnerschaft mit 61 x/a Points. Im Ganzen erhielten 153 Turner Eichenkränze und 122 lobende Erwähnungen.
Ausland.
Konstatttinopel. Die durch die Erderschütterungen in begreifliche Aufregung versetzte Bevölkerung Konstan- tiuopels beruhigt sich allmählich wieder. Ueber die durch die Erdbeben daselbst verursachten Zerstörungen und Unfälle werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: In der Militärschule, wo der Schaden aucb am Gebäude recht erheblich ist, sollen im Ganzen 20 junge Leute getödtet und eine größere Anzahl verwundet worden sein. Drei Zeitungen, die diese Thatsache mittheilten, sind von dem Preßbureau gemaßregelt, d. h. auf die Dauer von einem Tag bis zu drei Monaten aufgehoben worden. Sämmtliche dortigen Blätter haben die bestimmtesten polizeilichen Vorschriften bekommen, nach denen sie sich bei ihren Mittheilungen über das Unglück nur in den engsten Grenzen bewegen dürfen. Die Berichte lauten daher in den letzten Tagen sehr zuversichtlich und widersprechen sehr häufig den früheren Mittheilungen. Im Bazar hat man bis jetzt mehr als 300 Leichen und etwa 600 Verwundete gefunden, meist
Schwcrvcrwundcte. Eine große Menge Raubgesindel ist trotz militärischer Maßregeln in den Bazar ein- gedrungen und hält dort reiche Ernte. Am zweiten Tag wurden dort zwei Offiziere, die zu den Rettungs- arbeiten kommandiert waren, unter etwas verdächtigen Umständen angetroffen, plötzlich von diesem Dienst befreit und in Arrest abgeführt. Wer die Gewölbe des Bazars einmal besucht und dort die ungeheure Menge von Gold und Edelsteinen gesehen hat, wird es leicht erklären, daß sich zur Ausbeutung dieses reichen Feldes förmliche Banden organisiert haben. Der Lloyd hatte gleich am ersten Tag seine sämmtlichen hier im Hafen liegenden Schiffe seinen Beamten und auch anderen Familien zur Verfügung gestellt. Ebenso waren die Schiffe der anderen Gesellschaften mit Flüchtlingen dicht besetzt. Einige reiche griechische Familien haben sich zusammen einen Dampfer gemiethet, auf dem sie wohnen. Der deutsche General-Konsul hat auch noch kein Obdach, sondern ist ebenfalls auf einem Schiff zu Gast. Die Regierung läßt noch immer täglich Nahrungsmittel vertheilen. Es könnte natürlich mit den aufgewendeten Mitteln noch sehr viel mehr geleistet werden, wenn nicht, wie landesüblich, ein großer Theil des Geldes an den verschiedenen Händen, durch die es zu gehen hat, hängen bliebe, gerade so wie im vorigen Jahr zur Cholerazeit.
London, 24. Juli. Laut einer Depesche aus Nagasaki griffen die chinesisch - koreanischen Truppen die japanische Besatzung von Söul an. Die Koreaner wurden geschlagen. Eine weitere Depesche meldet: Ein japanischer Kreuzer bohrte ein chinesisches Transportschiff in den Grund.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 27. Juli.
— Mit der Roggenernte ist jetzt in unserer Gegend feit einigen Tagen begonnen worden. Der Roggen, sowie alle übrigen Getreidearten lassen bezüglich der Güte und der Menge zumeist recht befriedigende Ergebnisse erwarten, obschon durch die letzten Regengüsse der Roggen stellenweise zum Liegen gebracht worden ist, wodurch der Ertrag der Ernte vermindert wird.
* — Reifegrad des Getreides. Es werden viererlei Reifegrade des Getreides unterschieden. 1. Milchreife, 2. Gelbreife, 3. Vollreife und 4. Todtreife. Die Halm- :rüd)tc sollen in der Gelbreife geschnitten werden; es äßt sich dieselbe daran erkennen, daß das Innere der Körner schon eine festere wachsartige Beschaffenheit angenommen hat und nicht mehr milchig ist. Es genügt nicht, den Eintritt der Gelbreife blos nach dem Aussehen der Halme bestimmen zu wollen, sondern dieselbe muß durch Untersuchung der Körner fcstgestellt werden. Hierzu nehme man aus der Mitte mehrerer schönen Aehren, die auf verschiedenen Stellen des Feldes gewachsen sind, je ein vollkommen ausgebildetes Korn und schneide dieselben mit einem scharfen Messer quer durch. Zeigt sich alsdann unter der Schale, besonders an der Lösungsstclle der Körner, ein grünlicher Streifen nicht mehr, so ist das ein sicheres Zeichen, daß die Gelbreife eingetreten ist. In der Vollreife läßt sich das Korn wohl noch biegen, aber nicht mehr brechcn; es ist hart und der Halm gelb. Die Todreife zeigt weiße spröde Halme, der Samen ist vollständig erhärtet und fällt bei Wind und anderer Bewegung, besonders bei Roggen, Weizen u. s. w. zum Theil aus. Die günstigste Zeit zur Ernte liegt zwischen Gelb- und Vollreife. Man erhält da einen Samen, der hart wie Glasperlen wird, rauschend durch die Finger gleitet und prächtiges und reichliches Mehl liefert. Auch das Stroh ist aus dieser Periode am werthvollsten. Wartet man, wie dies oft geschieht, bis zur Vollreife ober gar bis zur Todreifc (auch Häklesreife genannt, weil die Aehren sich krümmen), so erhält man einen „Kern ohne Griff", lahm und weich, auch ist bis dorthin fast aller Unkrautsamen zum Nachtheil des Ackers reif ausgefallen.
* — Wir machen darauf aufmerksam, daß das Königl. Proviantamt zu Hanau Heu und Stroh von guter Beschaffenheit, vorzugsweise von Landwirthcn, ankauft.
* — Daß Vorsicht beim Ankauf von Düngemittel noch immer sehr geboten ist, beweist eine Mittheilung des Vereinssekretärs des Lehrter landwirthschaftlichen Vereins. Nach derselben wurde, wie die „Hannover'sche Land- und Forstwirthschaftliche Zeitschrift" mittheilt, in die Lehrte und Umgegend ein Chilisalpcter zum Preise