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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Jagdschein des Kaisers, so heißt es in dem Bericht derMagd. Ztg." über die Jagd in Barby, läuft laut der Revision des Oberwachmeisters Knoch aus Calbe a. S. bis zum 26. Oktober 1896. Nachdem der Monarch durch Lösung eines Jagd­scheines es als angemessen bezeichnet hat, daß niemand in Preußen von der allgemeinen Steuer- und Gebühren- pflicht ausgeschlossen sein soll, wird wohl das Ministerium Anlaß nehmen, diesen Grundsatz nach allen Richtungen in der Gesetzgebung und Verwaltung zur Durchführung zu bringen.

Am 18. Januar 1896, dem 25 jährigen Ge­denktage des Proklamirung des deutschen Reiches, wird in allen höheren, mittleren und niederen Schulen des Landes eine allgemeine Schulfeier veranstaltet, und zwar soll an allen Schulen der Unterricht ausfallen; an den höheren Schulen, den Seminaren und Präparandenanstalten in den Klassen durch die Ordinarien in Ansprachen die Bedeutung des Tages vorgeführt und daran eine gemeinsame, aus Gesang und Deklamation bestehende patriotische Feier für alle Schüler angcschlvfsen werden.

* Dem Reichspostamte ist vorgeschlagen worden, die Einrichtung zu treffen, daß die Zcitungsabonucmcnts wie im Buchhandel und sonst allgemein üblich fort­laufen, wenn keine Abbestellung erfolgt. Dadurch würde den Postbeamten viel Arbeit und den Zeitungs- Herausgebern wie Abonnenten manche Unannehmlichkeit und Unbequemlichkeit erspart werden. Das Zeitungs­geld soll gestundet oder durch die Briefträger einge­zogen werden.

* Ein Entwurf bctr. Ausprägung von Ein­pfennigstücken, welcher dem Bundesrathe vorliegt, schlägt vor, in gleicher Weise wie 1892 für 1,000,000 Mark Einpfennigstücke auszuprägen, da der vor 3 Jahren geprägte Betrag in gleicher Höhe bis auf einen kleinen Rest in den Verkehr übergegangen und das Bedürfniß nach dieser Münze notorisch ist.

Rendsburg, 22. Nov. Die veränderten Wasserver­hältnisse, welche durch den Bau des Kaiser-Wilhelm- Kanals vielfach herbeigeführt worden sind, haben der Kanalkommission schon allerlei zu schaffen gemacht. Wiederholt sind dieselben auch Gegenstand der Er­örterungen im Reichstag gewesen und der Reichsfiskus ist in mehreren noch schwebenden Prozessen verwickelt. Während es sich bislang durchweg um das Versiegen bisheriger Wasserquellen handelte, für die Ersatz von der Kanalkommission verlangt und vielfach auch geleistet wurde, tritt in jüngster Zeit eine neue Schwierigkeit aus, welche von einer noch einschneidenderen Bedeutung für manche Anwohner des Kanals zu werden droht und deren Beseitigung zuweilen sehr schwer fallen wird. Der zunehmende Salzgehalt des Kanalwassers theilt sich nämlich an solchen Stellen, an denen nicht feste Lehmschichten dieses verhindern, den Brunnen mit, welche in der Nähe des Kanals liegen. Das Wasser in denselben wird salzig und ist dann für den Gebrauch untauglich. Von dieser Kalamität ist die hiesige, hart am Kanal belegene Brauerei Wilhelmsthal betroffen worden, indem einer der Tiefbrunnen, aus denen die Brauerei ihren Wasserbedarf bezicht, salzig geworden ist. Da nach den ungestillten Untersuchungen die Ge­fahr vorhanden ist, daß auch die übrigen Brunnen auf dieselbe Weise unbrauchbar werden, wird in aller Eile, auf Veranlassung und auf Kosten der Kanalverwaltung der Anschluß der genannten Brauerei an das städtische Wasserwerk vollzogen, um zu verhüten, daß in dem Brauereibetriebe eine Störung eintritt. Die Kosten dieser Anlage sind auf etwa 9000 Mark verauslagt und der Staat müßte für den Fall, daß der Besitzer für seinen Betrieb das Wasser aus der Leitung bez-chen muß, demselben eine entsprechende Entschädigung bezahlen. Die Verhandlungen über diesen Gegenstand sind noch in der Schwebe.

Bremen, 26. Nov. Der Reichstagsabgeordnete Ahlwardt hat sich heute auf dem Damp erSpree" nach Amerika eingeschifft.

Hamburg, 27. November. Senat und Bürgerschaft bewilligten heute einstimmig anläßlich der bevorstehenden Gedenkfeier der Schlacht bei Loigny dem 2. Hansea­tischen Infanterie-Regiment Nr. 76 ein Ehrengeschenk von 20,000 Mark und als Kosten für die Festfeier 10,000 Mark sowie 40,000 Mark zum Besten noth­

leidender Veteranen dieses Regiments. Außerdem wurden für diese Veteranen bisher von Privaten 120,000 Mark gesammelt. Nach dem Hamburger Korrespondenten ist der Afrikareisende Otto Ehlers beim Versuch, das englische Gebiet von Neu-Guinea zu durchqueren, ertrunken. Von seiner Expedition, die aus 43 Köpfen bestand, sind 20 Eingeborene um- gekommen, 3 desertirt und der Rest ist in Port Moeby auf englischer Seite angelangt. Auch die Tagebücher und Journale Ehlers sind verloren gegangen. Zu den Umgckommenen gehört anch Unteroffizier Piering, der sich Ehlers angeschlossen hatte.

Leipzig, 18. Nov. (Reichsgericht.) Die von den Leitern des Alexianerklosters gegen die in Aachen erfolgte Freisprechung von Mellage und Genossen eingelegte Revision wurde gemäß dem Anträge des Reichsanwalts von dem 1. Strafsenat verworfen und den Nebenklägern die Kosten des Verfahrens auferlegt.

Mainz, 27. Nov. Hiesig Blätter melden: Vor einiger Zeit erkrankten beim 118. Jnf.-Regimente eine größere Anzahl Mannscha'ten unter typhösen Er­scheinungen. Die nach der Ursache der Krankheit an- gestellten Nach orschungen sollen jetzt ergeben haben, daß die Krankheit auf den Genuß von verseuchtem Wasser in der Nähe von Neukirchen bei Hersfeld, woselbst das diesjährige Manöver stattfand, zurückzuführen sei.

Kreuznach, 25. Nov. Hier und besonders auf dem Huns rück ist der Winter bereits in sehr strenger Gestalt eingezogen. Scharfer Oststurm hat an vielen Stellen arge Schneeverwehungen herbeigeführt. So war hier gestern der nach Wingenheim führende Weg derart ver­weht, daß Wagen nicht durchkamen und die Pferde bis zur Brust im Schnee versanken. Oberhalb Ellenberg (Birkenfeld) blieb die Morbacher Post im Schnee stecken. Das Kleinwild wagt sich in unserer Gegend bis in die Bauernhöfe, wo es nach Aesung sucht.

Lenkirch. Eine unverhoffte Rechnung über die Sedanfeier wurde nachträglich der Stadtgemeinde Lenkirch präsentiert. Am Vorabend des Sedantages wurde nämlich auf dem Grundstück eines Oekonomen von feiten der Stadt ein Freudenfeuer abgebrannt. Von der zu­rückgebliebenen Asche, die, wie die chemische Untersuchung ergab, schwefelsaures Salz enthielt, leckten die auf der Weide befindlichen Kühe des Oekonomen, infolgedessen sechs Stück verendeten und einige erkrankten. Der Eigentümer machte eine Schadenrechnung von 2000 Mk. geltend, während die bürgerlichen Kollegen nur 1200 Mk. bewilligten, so daß der Fall voraussichtlich auf dem Rechtswege seine Entscheidung finden wird.

Ausland.

Rußland. Das Befinden der Kaiserin von Rußland und der neugeborenen Großfürstin ist vollkommen befriedigend. Dagegen befindet sich der Bruder des Kaiser, der Großfürst-Thronfolger sehr leidend und ver­läßt das Bett nicht mehr. Sein Leiden ist Schwind­sucht. Nach dem amtlichen Ausweis erkrankten in Petersburg an Cholera und unter choleraartigen Er­scheinungen vom 20. bis 23. November 14 und starken 7 Personen, im Gouvernement Wolhynien vom 27. Oktober bis 2. November 439 resp. 176 Personen, vom 3. bis 9. November 368 resp. 160 Personen, im Kreise Verditschcw vom 27. Oktober bis 2. November 41 resp. 16 Personen, vom 3. bis 9. November 77 resp. 36 Personen.

Türkei. In Konstantinopel wird ein wahres Schreckensregiment geübt. In englischen Zeitungen liest man:Kürzlich waren in Konstantinopel Taucher damit beschäftigt, einige Pfähle für einen neuen Pier außerhalb des Goldenen Horns in den Meeresboden zu treiben. Wie groß war ihr Erstaunen, als sie in der Tiefe sich von lauter aufrecht stehenden Leichen umgeben sahen. Es waren die Leichen von Studenten, und viele vermochten die Taucher selbst zu erkennen. Dieselben waren vor Kurzem wegen Theilnahme an den Ruhe­störungen gelobtet und dann in den Bosporus geworfen worden. Sie hatten alle schwere Bleiklumpen an den Füßen. Daher kam es, daß sie aufrecht standen. Der Anblick war grauenhaft Die Taucher erzählen, daß sie 40 bis 50 solcher Ertränkten gesehen haben." Die Winterwitterung verursacht in den von den Ausständen hcimgcsuchten Gegenden ein entsetzliches Elend, welches unausbleiblich Hungersnoth, Pest und Cholera im Gefolge haben wird. Besonders in Erzerum steht es

bitter schlecht. Man spricht davon, daß es nöthig werden dürfte, in Europa Sammlungen für die noth- leidenden Gegenden anzulegen. Der Handel liegt völlig darnieder. Das letzte Gemetzel in Armenien überstieg alle bisherigen Greuelthaten. In der Stadt Erzerum gaben die Türken am 30. Oktober um 11 Uhr durch Revolverschüsse auf dem Markte das Zeichen, und die Plünderung begann. Die türkischen Behörden schützten wehl durch Truppen die Wohnungen der fremden Consuln, unternahmen aber nichts ernstliches gegen die Plünderer. Alle armenischen Läden wurden geplündert, 400 Häuser ausgeraubt und mehr als 1000 Menschen, Männer, Weiber und Kinder, getödtet. In der Um­gebung von Erzerum wurden an diesem Tage allein 20 Häuser zerstört. - In Szims bei Adona wurde ein armenischer Priester von einem fanatisirten türkischen Pöbel auf der Strafte angegriffen. Der Priester flüchtete in eine Kirche, die Menge stürmte hinterdrein; die Kirche wurde zerstört, der Priester förmlich in Stücke zerrissen. Die Armenier schätzen den Sach­schaden, den sie in AnatoUcn erlitten haben, auf zehn Millionen türkische Pfund und den Menschenverlust auf vierzigtausend Personen. Nach den in Aleppo ein­gegangenen Berichten von Missionären wurden bei den Metzeleien in Marasch am 19. November viele hundert Personen getödtet und die Schulgebäude nicbergebrannt.

Spanien. Auf der Insel Cuba wird es den Spaniern sehr schwer, den Aufstand zu bewältigen. Abermals sind von Spanien auf 12000 Mann nach Cuba abge­gangen. Die Aufständischen führen den Krieg in rück« sichtsloser und kühner Weise. Orte, die sich dem Aus­stande nicht anschließen, werden nicbergebrannt, Eisen­bahnzüge in die Lust gesprengt, kühne Ueberfälle auf spanische Truppen unternommen. Vor kurzem wurde das Fort Palcyo von den Aufständischen erobert.

In Palma ist eine Patronenfabrik durch eine Ex­plosion in die Luft geflogen. Bis jetzt sind 62 Leichen aus den Trümmern hervorgeholt worden, darunter diejenigen von 37 Frauen. Alle sind schrecklich ver­stümmelt; von den bei der Explosion Verwundeten sind bereits mehrere im Hospital gestorben. Es verlautet, daß ein entlassener Arbeiter die Explosion verursacht hat. Eine Bestätigung hierfür liegt jedoch nicht vor. Auch in einer Newyorker Pulverfabrik fand eine heftige Explosion statt, und zwar während 80 Personen mit Umtoben von Patronen beschäft waren. Sämtliche Gebäude wurden zerstört. 17 Leichen wurden bereits unter den Trümmer hervorgezogen. 40 Arbeiter sind schwer verwundet.

China. China hat Verhandlungen mit Deutschland wegen einer neuen Anleihe angcknüpft. Deutschland : soll geneigt sein, die Anleihe zu übernehmen, aber nur, ! wenn England sich daran betheilige. Vor einigen Monaten hatte China eine Anleihe in Rußland und Frankreich ausgenommen, um einen Theil seiner Kriegs­kosten an Japan zahlen zu können.

Lokales und Provinzielles. Schlüchtern, 29. Nov.

* Dem Pfarrer Hartmann in Elm wurde die Pfarrstelle in Oberdorfelder, Klasse Bergen verliehen.

* Einen beachtenswerthen Aufschwung hat in den wenigen Wochen ihres Bestehens die hiesige Molkerei genommen. Während am ersten Tage nur 100 Liter Milch geliefert wurden, werden jetzt täglich 900 Liter verarbeitet. Die Butter ist in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Elberfeld u. s. w. eingeführt und überall als vorzüglich anerkannt, sodaß so reichliche Aufträge vorliegen, daß für das doppelte und dreifache Quantum Milch Absatz vorhanden wäre. Besonders bewährt hat sich die Scldstentrahmung durch einen Handseparator in den Dörfern und Lieferung des Rahmes an die Molkerei. Der dieserhalb in Folge Anregung des Kreisausschusses und unter thatkräftiger Mitwirkung deS Herrn Pfarrer Huhn in Ulmbach angestellte Versuch darf als vollkommen ge­lungen betrachtet werden. Es wird sicherlich nur eine fVrage der Zeit sein, daß auch die übrigen entfernt liegenden Dörfer eine Handcentrifuge aufstellen.

* Zur Warnung für alle die, welche da glauben, auf jede Schwiudelannonce, die ihnen für wenig Geld werthvolle Gegenstände zu liefern verspricht, reagieren zu müssen, theilen dieDr. N." folgenden Borfall mit: Mit einer alten Zigarrenkiste unter dem Arme erschien