Bulgarien ist der Vertreter des Zaren bei der Taufe, General Golenistschew, schon unterwegs, er hat den Weg über Berlin genommen. Der bulgarische Patriarch ist aus Konstantinopel schon in dem festlich geschmückten Sofia eingetroffen und begeistert empfangen worden. Ueberall sieht man heute dieselben russischen Fahnen, die man vor einigen Jahren noch zerriß und zertrat. So ändern die Zeiten sich, — Eine öffentliche Exkommunikation des Fürsten von Bulgarien findet nicht statt, wohl aber haben die katholischen Geistlichen des Landes Anweisung erhalten, die Kirchengebete für den Fürsten einzustellen und ihn vom Sakrament auszuschließen.
Sofia, 11. Febr. Wie die „Agence Balcanique" meldet, hat die Regierung aus Konstantinopel die offizielle Mittheilung erhalten, daß der Sultan den Prinzen Ferdinand als Souverän von Bulgarien anerkannt und den türkischen Botschaftern bei den Großmächten den Auftrag gegeben hat, die betreffenden Regierungen um ihre Zustimmung zu bitten.
Nom. Die letzte verblüffende Mittheilung der „Tribuna," daß es gelungen sei, die Röntgen-Strahlen dem Auge sichtbar zu machen, scheint sich zu bestätigen, so märchenhaft die Sache klingt. Laut Telegrammen aus Perugia hielt der Professor Salvioni in der Universität einen Vortrag, worin er ein Instrument vorwies, mittels dessen das Auge verschlossene Behälter direkt zu durchdringen und darin verwahrte Gegenstände zu sehen vermag! Versuche mit einer Aluminiumkiste seien völlig gelungen! Salvionis Instrument, das den Namen „Kryptoskop" erhielt und verschlossene Gegenstände zu sehen erlaubt, ist folgendermaßen konstruirt. Das Kryptoskop ist eine Röhre aus schwarzem Karton. Am einen Ende ist dieselbe durch eine Scheibe, gleichfalls aus schwarzem Karton, geschlossen, die innen mit einer unter Röntgen-Strahlen fluoreszirenden Substanz bc- strichen ist. Am anderen Ende ist eine Linse angebracht die die fluoreszirdc Fläche deutlich zu sehen erlaubt. Das Instrument funktionirt folgendermaßen: Man legt vor die durch eine Crovkesröhre erzeugte Lichtquelle den zu beobachtenden Gegenstand (die Hand, eine Kartonschachtel mit Metallstücken, ein Rasirmesser im Etui, Zündhölzchen in der Schachtel und dergleichen) und blickt alsdann durch die erwähnte Röhren, da sieht man auf dem fluoreszirenden Karton die für die Röntgen-Strahlen undurchdringlichen Theile des betreffenden Gegenstandes in Schattenumrissen sich abzeichnen.
Madrid, 10. Febr. Heute Früh 9 ’/a Uhr platzte über der Stadt Madrid ein Meteor. Die Explosion erfolgte, wie eine Mittheilung des Observatoriums besagt, in der Höhe von 32,000 Metern unter glänzender Lichlerscheinung und war von einem gewaltigen Knall begleitet, welcher eine allgemeine Panik hervorrief. Alle Gebäude der Stadt erzitterten; zahlreiche Fensterscheiben wurden zerbrochen. In der Tabaks-Manufaktur wurden 17 Arbeiter verwundet, auch aus verschiedenen Schulen wurden Unglücksfälle gemeldet. Viele Mauern sind ein- gestürzt, so auch eine in dem Gesandtschafts-Gebäude der Vereinigten Staaten. In einer Vorstadt ist ein ganzes Haus eingestürzt. Die Naturerscheinung wurde bis auf eine Entfernung von 60 Kilometern von Madrid bemerkt. - Bisher liegt keine Mittheilung vor, ob und wo Stücke dieser aus dem Weltall uns zugesandten Visitenkarte gesunden worden sind. Die Wissenschaft wird sich jedenfalls sofort an die Untersuchung des großartigen Phänomens machen.
Lokales und Provinzielles. Schlüchtern, 14. Febr.
* — Die diesjährige Entlassungs-Prüfung bei dem Königlichen Schullehrer-Seminar in Schlüchtern ist auf den 27. August d. Js., an welchem Tage die mündliche Prüfung beginnt, und die folgenden Tage angesetzt.
* — Auf Anordnung des Reichspoftamtes finden jetzt Gewichtsermittelungen für die verschiedenen Zeitungen zwei Wochen hindurch bei allen Verlagspostanstalten im Reiche statt, um eine Grundlage für den neuen Post- zeitungstarif zu gewinnen.
* — Vertrieb von Schreibheften durch Lehrer. Ein Papier- und Schrcibmaterialienhändlcr hatte beim Unter- richtslninister darüber Klage geführt, daß er durch den Vertrieb von Schreibheften an die Schüler zu Gunsten eines Vereins geschädigt werde. Vom Minister ist darauf nun verfügt worden, daß nach den angestellten eingehenden Ermittelungen sowohl die Lehrervereine, als auch die einzelnen Lehrer sich der Einwirkung auf den Vertrieb bestimmter Hefte im Interesse ihrer Vereins- zwccke zu enthalten haben. Wenn auch keinem Vereine verwehrt werden kann, für seine Kasse Geschenke von Verlegern anzunehmen, so wird doch nicht zugelassen, daß in der Schule gegen die Anschaffung guter Hefte, von welcher Seite sie auch angeboten sein mögen, zu Gunsten irgend einer bestimmten Ausgabe ein Einfluß geübt werde. In diesem Sinne werden alle Schulbe- Hörden diese Angelegenheit behandeln.
— Die Behandlung der verwahrlosten und verbrecherischen Jugend bedarf, wie wohl von keiner Seite bestritten wird, einer baldigen gründlichen Reform. Die fort und fort wachsende Zahl der wegen Vergehen oder Verbrechen verurtheilten Jugendlichen hat jetzt die entsetzliche Höhe von 50,000 jährlich erreicht, es ist mithin hohe Zeit, zweckdienlich scheinende Abhilfemittel zu
ergreifen. In der Oktobersitzung der rheinisch-westfälischen Geiängnißgesellschast hielt der Staatsanwalt Appelius- Cclle über das wichtige Thema einen Vortrag, der lebhafte Zustimmung fand. Die Beschlüsse der Versammlung deckten sich in allem Wesentlichen mit den Leitsätzen des Referenten. Sie lauteten: „1. Es empfiehlt sich, mit den Reformen auf dem Gebiete der Strafrechispflege (Hinaufrücken der Grenze der Straf- mündigkeit aufs 14. Lebensjahr, Zulassung der Erziehung neben und statt der Strafe rc.) zugleich die überwachte Erziehung unter Oberaufsicht des Staates einzuführen. 2. Diese Erziehung findet statt: a) gegen verbrecherische Kinder vom 6. bis 14. Lebensjahre; b) gegen verbrecherische Jugendliche vom 14. bis 18. Lebensjahre, gegen welche neben oder statt der Strafe auf überwachte Erziehung erkannt ist, c) gegen verwahrloste Kinder und jugendliche Personen, welche das 16. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. 3. Die Anordnung dieser Erziehung steht in den Füllen 2a und c dem Vormundschaftsrichter, im Falle 2b dem Strafrichter, die Ausführung der Verwaltungsbehörde (Staats- oder Kommunalbehörde) zu. Vor der Anordnung ist in allen Fällen den Eltern Gelegenheit zur Aeußerung zu geben. 4. Diese Erziehung findet statt bis zum 14. ausnahmsweise bis zum 18. Lebensjahre und zwar: a) in der eigenen Familie, b) in einer geeigneten fremden Familie, c) in Erziehungsanstalten, welche für jugendliche Personen über 14 Jahren nach Geschlechtern getrennt und konfessionell einzurichten sind, nämlich: a) in besonderen Privatanstalten, soweit sie zu diesem Zwecke mit der Staatsbehörde in Verbindung getreten sind; b) in staatlichen Erziehungsanstalten. 5. Als für diese Erziehung geeignete Privatanstalten sind anzusehen und von der zuständigen Verwaltungsbehörde als solche anzuerkennen: a) die bestehenden Privatanstalten, welche sich in der Erziehung bewährt haben; b) die neubegründeten Anstalten, welche durch Lage und durch Einrichtung den erziehlichen Anforderungen entsprechen. 6. In der Erziehungsanstalt sind Zöglinge, welche nach dem 14. Lebensjahre der Erziehung überwiesen sind, thunlichst von denen getrennt zu halten, deren Ueberweisung vorher erfolgt ist. Verbrecherische Jugendliche (vom 14. bis 18. Lebensjahr) sind regelmäßig zunächst einer staatlichen Erziehungsanstalt zu überweisen, in welche soweit wie möglich nur solche auf- zunehmen sind." Man beschloß, den Vortrag des Referenten mit empfehlendem Begleitschreiben dem Reichstag zur Kenntnißnahme zu übersenden.
Soden, 12. Febr. Das hier seit mehreren Jahren im Rohbau unfertig dastehende „Morphium-Sanatorium" ist für 24 — 25 000 Mark durch Kauf in den Besitz von Frankfurter Herren Übergängen. Bis zum 1. Juli d. J. soll dasselbe schon so weit umgebaut und fertig gestellt sein, daß es als „Kinderheilanstalt Soden" eröffnet werden kann.
Orb, 11. Febr. In verschiedenen Zeitungen Hessens ist die Orber Millionen-Erbschaft behandelt worden. Unter anderem erwähnen mehrere Blätter, daß mit derartigen Angelegenheiten leicht Schwindel getrieben werde und daß man sich polizeilicherseits mit dem „Advokaten" beschäftigen solle. Soviel uns bekannt, schreibt der „O. B." dazu, ist der Herr bei der Erbschaft selbst betheiligt und lediglich zur Einziehung von Erkundigungen über Stammbaum und Familie hier gewesen. Da er sonst nichts verlangt hat, so sind die angeführten Vermuthungen grundlos. — Vorige Woche brächte das „Kreisblatt" eine Uebersicht über die Einnahmen, welche die Gemeinden des hiesigen Kreises aus dem Verkauf des Obstes von den Gemeindeländereien im Jahre 1895 erzielten. Orb hat den zweithöchsten Betrag aufzuweisen und zwar in Höhe von 503 Mk. Das Königliche Landrathsamt schließt seine Mittheilungen mit der Mahnung: „Die Gemeindevorstände wollen hieraus ersehen, wie nutzbringend der Obstbau für den Gemeindehaushalt ist und daraus Veranlassung nehmen, die Obstpflanzungen auf Gemeindeländereien und an Gemeindewegen immer mehr zu fördern, namentlich aber auch für sachverständige Pflege solcher Obstpflanzungen zu sorgen." Was hier vom Gemeindehaushalt gesagt ist, das gilt auch von jedem Privathaushalt. Und besonders in unserer Gemarkung wird der Obstbau wegen der meistens geschützten Lage der Ländereien immer seine Renten abwerfen.
Dipperz, 10. Febr. In der Nacht vom Freitag zum Samstag wurde den zwei sehr werthvollen Pferden des auf der Eckardsmühle wohnenden Mühlenbesitzers K. Möglich von ruchloser Hand die Schweife total abgeschnitten. Durch die große Umsicht des Gendarmerie- Wachtmeisters Heinlin in Fulda ist es nach der „Fuld. Ztg." noch am selben Tage gelungen, den Thäter in der Person des Dienstknechts Kilian Weber von Steinwand zu ermitteln, welcher nun für seinen Bubenstreich einer exemplarischen Strafe entgegensteht.
Baumbach, 9. Febr. Schwer heimgesucht wurde iunerhalb weniger Tage eine Familie des Waldkappel benachbarten Ortes Schemmern. Gewiß ist's schon schmerzlich genug, daß die genannte Familie an einem Tage zwei an der Diphtheritis erkrankte Kinder im Alter von 6 und 4 Jahren durch den Tod verlor. Kaum drei Tage waren seitdem vergangen, als die seit Jahresfrist kränkelnde Mutter ihren beiden Kindern in
das Grab folgte. Doch noch einmal sollte dieses sich öffnen, um dem betrübten Vater auch das jüngste Kind durch den unerbittlichen Tod zu entreißen. — Vorgestern wurde bei der Kunstmühle in Neumorschen die Leiche einer weiblichen Person aus der Fulda gezogen. Dieselbe ist als eine schon längere Zeit in Baumbach vermißte Frau erkannt, welche sich kurz vor Weihnachten standesamtlich trauen ließ und schon am anderen Tage aus unbekannten Gründen vor der kirchiichen Trauung in den Fluten der Fulda ihren Tod suchte.
Kassel, 11. Feb. Zur Erinnerung an die große Zeit von 1870(71, insbesondere an die Thätigkeit der Feldpost und Feldtelegraphie im Kriege, fanden in diesen Tagen im ganzen deutschen Reiche am Sitze der Oberpostdirektionen und in anderen größeren Städten Gedenkfeiern statt. In Kassel wurde für den Bereich der hiesigen Oberpostdirektion, der von Hanau bis Eschwege, von dem Rhöngebirge bis zu den Waldecker Bergen reicht, die Feier im Hotel Prinz Friedrich Wilhelm am Sonnabend den 8. d. Mts. abgehalten. Zu der Feier hatte eine große Zahl der auswärtigen Post- und Tele- graphenanftaltcn Vertreter entsandt.
Frankfurt, a. M. Der Inhaber der Tuchwaaren- firma A. Roßong, Eduard Hager's Nachfolger, früher Pellissier u. Hager, hat anläßlich des 123jährigen Bestehens des Geschäftes eine größere Anzahl mildthätige Stiftungen mit namhaften Geschenken bedacht. Das sich stets des Rufes strengster Reellität erfreuende Geschäft befindet sich seit 1770 ununterbrochen Ecke Saalgasse und Weltmarkt am Dom. — Der Zoologische Garten rüstet sich zur Ausnahme des Nashorns; für das gewaltige über 3 Mtr. lange und entsprechend dicke Thier mußten eine Wand durchgebrochen und zwei Thüren erweitert werden. — Außer Affen und Vögeln verschiedener Art hat der Garten kürzlich 7 indische Rinder, sogen. Bullock's von Ceylon angekauft. Interessant ist auch ein nordischer Luchs, der voller Wildheit jedem Besucher entgegen faucht. Südamerika lieferte einen Wickelbären, aus Australien wurden zwei Beutclmarder, aus Indien ein Palmcnmardcr und' aus Afrika ein Mähnenschasbeck angekauft.
Frankfurt, 7. Febr. Die gestern im „Frankfurter Hof" dahier abgehaltene, von etwa 500 Vertretern der deutschen Schuh-, Schäfte- und Lederfabrikation sowie verwandter Berufszweige besuchte Versammlung beschloß einstimmig folgende Resolution: „Die Gesammt- lage der Industrie und die Einkaufspreise des Rohmaterials lassen es nicht zu, gegenwärtig Leder und Schuhwaaren zu den niedrigeren Preisen zu verkaufen, wie sie vor dem Aufschlag anfangs 1895 bestanden. In den Verkaufspreisen für Leder- und Schuhwaaren sind überhaupt diejenigen Preiserhöhungen . niemals erreicht worden, welche der abnorm hohe Stand der Rohmaterialen bedingt hätte. Angebote zu nominell billigeren Preisen können nur auf Kosten der Reellität geschehen."
Seligenstadt, 11. Febr. Eine fremde feingekleidete Dame sprach in den letzten Tagen bei verschiedenen Familien unserer Umgegend vor, um ein Dienstmädchen für ein Hotel zu Baden-Baden zu engagiren. In Großwelzheim gelang es ihr, die 19jährige Tochter eines Bürgers für ihren angeblichen Zweck zu gewinnen. Zu Stockstadt aber, wohin sie mit dem Mädchen behufs Erhebung des erforderlichen Reisegeldes gegangen war, wurde die Dame von der Gendarmerie verhaftet. Dem Vernehmen nach ist die Festgenommene eine schon lange gesuchte Schwindlerin, welche sich nebenbei auch mit Mädchenhandel befaßte.
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Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Sonntag, den 16. Februar 1896.
Morgeiigottesüienst: Herr Pfarrer Hattendorff. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superientent Heck.
Wochcndienst: Herr Pfarrer Hattendorff.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, Vorm. 10'/a Uhr, Herr Pfarrer Orth, Herolz.
Kathol. Gottesdienst in Steinau
Sonntag, Vorm. 10'/, Uhr, Herr Kaplan Dr. Flügel.