WüchternerAttung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich I Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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Teutsedks Reich.
Berlin, 21. Febr. Der Kaiser ist von seinem Jagdausfluge nach Hubertusstock wohlbehalten in Berlin wieder angekommen. Donnerstag ist der Monarch nach Wilhelmshaven zur Vereidigung der MarHcrckiutcn gereist. Die Rückreise soll am Sonnabend Mittag über Bremen erfolgen, wo kurzer Aufenthalt genommen wird.
— Der Berliner Konfektionsstreik war am Dienstag auf der ganzen Linie entbrannt, die Zahl der Streikenden betrug wohl an 35 bis 40 000; es wurde weder in den Werkstätten der Damen-, noch in denen der Herren-Konfektionsschneider gearbeitet. Die Groß- Konfektionäre ließen sich die fertigen Waaren aus den Werkstätten durch ihre Wagen selbst abholen, weil tags zuvor verschiedene Belästigungen der Arbeiterinnen durch Streikende vorgekommen waren. Am vorigen Mittwoch trat das Gewerbegericht als Einigungsamt zusammen, die Groß-Konfektionäre lehnen aber die Annahme jedes festen Tarifes ab, weil er ihre Konkurrenzfähigkeit auf- hebc, sie erklären, eher die Betriebe schließen, als hierauf eingehen zu wollen. Der Streik kann also sehr heftig werden, wenn die Bedingung des festen Tarifs aufrecht gehalten wird. — Der Slrike in der Herren- und Damenconfeklion ist Mittwoch Abend, Dank der Ver- mittlung des Gewerbegerichtes, beendet. Der Strike in der Damenconfectionsbranche dauert fort.
— Ueber die Ergebnisse der letzten Volkszählung in Preußen liegt jetzt die erste amtliche Uebersicht vor, und zwar vorerst nur hinsichtlich der Städte mit mehr als 10,000 Einwohnern. Die Zahl dieser Städte ist auf 224 ermittelt, während sie im Jahre 1890 205 und 1871 nur 137 betrug. Die Einwohnerzahl dieser Städte ist von 4,408,864 im Jahre 1871 und 8,297,000 in 1890 auf 9,479,175 gestiegen. Unter diesen Umständen befinden sich 18 (1890 16) mit mehr als 100,000 Einwohnern, 15 (12) mit 50- bis 100,000, 73 (64) mit 20- bis 50,000 und 118 (113) mit 10- bis 20,000 Einwohner. Die Einwohnerzahl von Berlin beträgt 1,677,351. Es hat sammt Vororten eine Zunahme um 264,638 erfahren.
Breslau. Wegen Benutzung zu gro ß e r Bierseidel ist nach einer Meldung der Gastwirthszeitung ein schlesischer Gastwirth von der Polizei in Strafe genommen worden. Der betreffende Restaurateur hatte etwa 30 Bierseidel, welche auf ^io geaicht waren, jedoch einen größeren Inhalt besaßen. Der Wirth, welcher feine ä Ahnung davon hatte, schänkte diese Gläser zu seinem1 Schaden stets vorschriftsmäßig „voll" aus. Hinter diese „betrügerische" Manipulation kam aber die Polizeibehörde gelegentlich einer Kontrolle und ahndete die „Gesetzesübertretung"; sie konfiszirte sämmtliche Gläser und außerdem ist der Schankwirih dafür, daß er den Gästen mehr Bier, als er eS nothwendig hatte, geschänkt, zu einer Geldstrafe verurtheilt worden.
Göttingen, 15. Febr. Unter den 31 Damen, welche zur Zeit in Göttingen studiren, befinden sich 11 deutsche Lehrerinnen. Von denselben nehmen 10 außerdem noch an dem besonders für Lehrerinnen eingerichteten akademischen Fortbildungskurse Theil, während fünf Lehrerinnen allein die Fortbildungskurse besuchen. Die Mehrzahl der studirenden Lehrerinen bleibt zwei Jahre an der Universität, einige verlängern den Aufenthalt noch um ein weiteres Jahr, und eine Anzahl kehrt bereits nach dem ersten Jahr zu dem Amt zurück. Manche werden nur durch den Wunsch, ihren Geist zu bereichern, zu dem Besuch der Vorlesungen veranlaßt, andere bereiten sich auf das Colloquium vor, welches in jedem Frühjahr von den Professoren abgehalten wird, und ein Theil beabsichtigt, das Berliner Oberlehrerinnen-Examen zu machen. Diese letzteren nehmen größtentheils schon deshalb auch an dem Colloquium Theil, um die Zeugnisse über dasselbe ihrer Meldung zu der wissenschaftlichen Staatsprüfung beifügen zu können. Im vergangenen Sommer bestanden vier der in Göttingen vorgebildeten Lehrerinnen diese 1894 vom Ministerium neu ringeführte wissenschaftliche Prüfung für Oberlehrerinnen, welche vorläufig bekanntlich nur in Berlin gemacht werden kann. Zu dem diesjährigen Examen, das Ende Februar stattfindet, haben sich wieder mehrere Damen der Göttingcr Kurse gemeldet.
Straßburg, 17. Febr. Wie die „Lothringer Zeitung" meldet, wurden in Niederrentgen (Kreis Diedenhofen) 15,000 bis 16,000 römische Münzen aus dem dritten
Ausland.
London, 20. Febr. Reuter-Meldung aus Johannesburg vom 19. ds.: Eine schreckliche Dynamit--Explöfia" hat heute Viedendrop, eine ärmliche Vorstadt von Johannesburg, die aus etwa 100 Häusern besteht, ganz in Trümmer gelegt. Der Verlust an Menschenleben ist voraussichtlich beträchtlich. Ein starkes Polizeiaufgebot und die Bewohner von Johannesburg sind eifrig beschäftigt, die Leichen zu bergen. Die Fenster von sämmtlichen Häusern Johannesburgs sind zertrümmert. Das Dynamit, welches die furchtbare Explosion hervor gerufen, füllte acht Güterwagen, die im Augenblick gerade rangirt wurden. Durch die Explosion wurde ein großes Loch von ungefähr 30 Fuß Tiefe in die Erde gerissen. Alle Häuser im Umkreise von einer halben Meile wurden dem Erdboden gleich gemacht. Bis jetzt wurden 40 Leichen aufgefunden, welche größtentheils entsetzliche Verstümmelungen aufweisen.
Lissabon, 19. Febr. In dem Künstlerklub in Sautarem (Provinz Estremadura) brach während eines Maskenballes Feuer aus, welches sich mit großer Schnelligkeit verbreitete. Viele Männer, Frauen und Kinder stürzten sich aus den Fenstern. Es sind bereits 34 Leichen geborgen: weitere befinden sich noch unter den Trümmern.
New-Aork, 18. Febr. In einer Wäschcfabrik in Troy bei New-Aork entstand gestern ein Feuer. Unter den 300 dort beschäftigten Frauen brach eine furchtbare Panik aus. Viele sprangen aus dem fünften Stockwerk herab. Einige wurden gelödtet. Zwanzig bis dreißig werden vermißt.
Denver, (Colorado), 19. Fcb. In der Kohlengrube „Vulcan," Bezirk Newcastle, fand eine Gas-Explosion statt, wobei 55 Grubenarbeiter getödtet wurden.'
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 21. Febr.
* — Als Anerkennung der langjährigen treuen Dienstzeit ist der Dienstmagd Eva Kreß bei Herrn Oeconom Köhler hierselbst eine Prämie von 20 Mark aus der Kreis-Communalkasse bewilligt worden.
* — Vom Kgl. Provinzial-Schulkollegium zu Kassel ist die Einrichtung der Untersekunda am hiesigen Progymnasium genehmigt worden, sodaß der Ostern beginnende neue Jahreskursus mit 6 Klassen eröffnet werden kaun. Damit ist das erstrebte Ziel, das man sich bei dem Ausbau der Schule gesteckt hatte, im wesentlichen erreicht. Denn wenn auch die Berechtigung zur Ausstellung eines Zeugnisses für den einjährig- freiwilligen Militärdienst noch aussteht — die Behörde muß selbstverständlich erst zusehen, wie sich die Anstalt bewährt — so ist doch nunmehr den Eltern die Ge
und vierten Jahrhundert im Gewicht von nahezu einem Centner gefunden. Die Münzen wurden der Gesellschaft für Lothringische Geschichte überwiesen. — Ein „Weißenburger Thaler." Wie man aus Graz schreibt, verkaufte kürzlich der Hotelier Großauer in Admont (Obersteiermark) an einen Grazer Numismatiker einen sogenannten „Weißenburger Thaler" aus dem 16. Jahrhundert um den Preis von 2000 Gulden. Dieser hohe Preis erklärt sich dadurch, daß einer Ueberlieferung zufolge im Ganzen nur 12 derartige Thaler geprägt wurden, von denen man bis heute nur zwei Stück kennt; der eine davon befindet sich im Museum der Stadt Frankfurt a. M-, während sich der zweite, wie erwähnt, tn Graz befindet. Wie verlautet, soll die Museumsverwaltung der Stadt Weißenburg im Elsaß dem Grazer Numismatiker für den Thaler 12,000 Mk. geboten haben. — Welche enorme Summen für Briefmarken bezahlt werden, lehrt die Thatsache, daß letzter Tage Herr Gaston Favre in Mühlhausen (Elsaß) an den Briefmarkeuhändler Jules Bernichon in Paris seine Sammlung ungebrauchter Europa-Marken für 110,000 Mark verkauft hat. Ebenso hat ein Herr Robert Ehrenbuch in London seine Specialsammlung nur ungestempelter altdeutscher Marken für 120,000 Mark verkauft. Käufer ist das Briefmarken-Welthaus Stanley Gibbons Limited in London. — Von dem im Jahre 1459 in Metz für den Gebrauch der Benediktiner der Abtei St. Jakob gedruckten Psalterium sind nur noch drei Abdrücke vorhanden; einer hiervon wurde kürzlich in London mit 10500 Mk. bezahlt.
legenheit geboten, ihren Kindern hier in Schlüchtern einen abschließenden Unterricht ertheilen zu lassen, ohne sie nochmals auf andere Schulen schicken zu müssen. Nach regelmäßigem Besuche des Progymnasiums wird der Schüler durch eine Prüfung entweder die Berechtigung zum Einjährigen bekommen oder, bei beabsichtigtem Studium, in die Obersekunda eines Gymnasiums oder Realgymnasiums ausgenommen werden. Ob diese Prüfung, die übrigens auch die Schüler jeder vollberechtigten Anstalt, selbst eines Gymnasiums, ablegen müssen, hier am Orte oder anderswo gemacht wird, ist in der Hauptsache nur eine Frage der Bequemlichkeit. Daß sie die Zöglinge des hiesigen Progymnasiums ebenso gut wie die berechtigten Anstalten bestehen werden, kann wohl nicht bezweifelt werden, ja schwächere oder wenig begabte Schüler haben hier, wo bei der Der« hältnißmäßig geringen Schülerzahl sich des Einzelnen mehr angenommen werden kann, bedeutend größere Aussicht zum Fortkommen und zum Erreichen ihres Zieles, als an größeren Schulen, wo 30, 40 und mehr Schüler in einer Klasse sitzen. Man darf daher hoffen, daß die Schule sich in ihrem jetzigen Rahmen gedeihlich weiter entwickelt und die Bestrebungen der Behörden sowohl wie der Lehrer von Erfolg gekrönt sind, zumal die Stadt in ancrkennensweriher Weise kein Opfer scheut, die Anstalt zu fördern und zu heben.
* — Der Kultusminister hat ungeordnet, daß seminaristisch gebildete Lehrer, welche künftig an nicht- staatlichen höheren Schulen, gleichgiltig, ob als Vor- schullehrer oder als Lehrer an den Hauptklassen ihre erste Anstellung erlangen, in die Elementurlehrer- Wittwen- und Waisenkassen nicht aufzunehmen sind, sofern für die höhere Unterrichtsanstalt, an welcher die Anstellung erfolgt, die Rcliktensürsorgc derart geordnet ist, daß die Hinterbliebenen der Elementarlehrer an Derselben Theil nehmen. Wenn ein bereits eingestellter Volksschullehrer an eine höhere Schule Übertritt und in der Elcmentar-Wittwcu- und Waisenkasse verbleibt, so besteht zwar seine Befreiung von Zahlung des Rclikten- beitrages (15 Mark) fort, dagegen muß er die Zahlung des Gemeindebeitrages von 12 Mark selbst übernehmen, wenn ihm dieselbe nicht von der höheren Unterrichts- anstalt abgcnommen wird. Aber auch in diesem Fall findet das Gesetz vom 27. Juni 1890, betreffend die Fürsorge für die Waisen der Lehrer an öffentlichen Volksschulen, auf einen solchen Lehrer fernerhin keine Anwendung, da nach §. 1 desselben die definitive Anstellung des Lehrers zur Zeit seines Todes an einer Volksschule Voraussetzung für die Anwendung des Gesetzes und die Erlangung der durch dasselbe gewährten Waisenversorgung ist. Diese Verschiedenheit der rechtlichen Folgen schließt die Versetzung eines der Elementar- lehrer-Wittwen- und Waisenkasse angehörenden Lehrers an eine höhere Schule im Interesse des Dienstes wider Willen des Betreffenden, und ebenso umgekehrt die Versetzung des seminaristisch gebildeten Lehrers einer höheren Schule, welchem eine Reliktenversorgung gewährt ist, an eine Volksschule oder eine andere höhere Schule, bei welcher diese Fürsorge aber nicht in gleichem Umfange besteht, gänzlich aus.
* — Aus der Sraskammer-Sitzung vom 17. Febr. Wegen Beleidigung eines Gendarmen war der Bauer M. von Neuengronau zu 60 Mark Geldstrafe verurtheilt worden. Vom Amtsanwalt war diese Strafe als zu niedrig erachtet und Berufung dagegen eingelegt worden, die jedoch als unbegründet verworfen wurde. — Zwei Burschen von Herolz trieben am Abend des 22. Sept. vor dem Hause des Bauern M. allerlei Unfug; sie wälzten Steine vor die Fenster, stellten sich drauf und sahen zu den Fenstern hinein nach den Mädchen. Der im oberen Stockwerk krank liegende Ortsbürger beschwerte sich über diesen Lärm, worauf sein Sohn hinauSging, um die beiden Burschen fortzutreiben. Der eine entfernte sich auch, der andere aber setzte sich zur Wehr und brächte mit einem Messer seinem Gegner einen Stich in die Brust bei. Nunmehr kam der Bruder des Gestochenen aus einer Wirthschaft hinzu und schlug dem Messerhelden mit einer Weinflasche auf den Kopf und zwar so unglücklich, daß der Schädelknochen einen Sprung erlitt, ohne jedoch besondere Nachtheile zur Folge zu haben. Der Messerheld, ein Maurer H. sowie der Bruder des gestochenen Bauernsohnes M. sind nun wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt und wurde auch jeder zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt.