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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

32 3. Samstag, den 9. Januar 1897. 48. Jahrgang.

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stimmungen haben sich bisher durchaus bewährt, insbe­sondere auch in der Richtung, daß gegenwärtig eine weil größere Anzahl von Strafgefangenen mit landwirthschaft- lichen Arbeiten für den Bedarf der Anstalt beschäftigt ist.

Bromberg Die Asche eines Todten als Pfandobjekt. Bei einer durch einen Gerichtsvollzieher in Bromberg vorgenommenen Versteigerung gelangte auch die Asche eines in Gotha verbrannten, aus Berlin gebürtigen Bankiers zur Versteigerung. Der Ersteher der mit der Asche des Todten gefüllten Urne ist der Pfandleiher L. in Bromberg, der das Meistgebot von 15 Mark abge­geben hatte. Die Asche in der bezeichneten Urne ist die des vor einigen Jahren in Berlin verstorbenen Bankiers Albert Arons. Der Verstorbene besaß in den fünfziger Jahren in Bromberg ein von ihm begründetes Bank­geschäft. Bei seiner vor mehreren Jahren erfolgten Uebersiedelung nach Berlin blieb das Geschäft unter Leitung des langjährigen Prokuristen M. bestehen. Als Arons vor etwa vier Jahren starb, setzte er Letzteren zum Universalerben ein und bestimmte gleichzeitig in seinem Testament, daß sein Leichnam verbrannt und die Urne mit der Asche in dem Komtor des von ihm be­gründeten Bankgeschäftes in Bromberg aufgestellt werden sollte, was denn auch geschah. Bald darauf stellte es sich jedoch heraus, daß die Hinterlassenschaft des Ver­storbenen überschuldet sei, und als der Universalerbe an den Folgen eines Unfalls vor etwa einem Jahre starb, brach der Konkurs über das Aronssche Bankgeschäft aus und so kam es, daß auch die Urne mit der Asche des ehemaligen Gründers des Geschäfts als Gegenstand der Konkursmasse unter den Hammer kam.

Leipzig. Aufsehen erregte jüngst im ärztlichen Be- zirksverein zu Leipzig ein Vorgang, der zeigt, in welcher Ueberfülle Aerzte in großen Städten vorhanden sind. Durch die neue Standes- und Ehrengerichtsordnung für Aerzte in Sachsen ist das dauernde Anbieten von ärzt­licher Hilfe in öffentlichen Blättern und auf Plakaten verboten. Der Vorsitzende des Leipziger Bezirksvereins wurde nun von einem Mitgliede angegangen, ihm fort­gesetztes Anzeigen gestatten zu wollen, weil er sonst nichts zu thun habe und in der Großstadt nicht anders bekannt würde. Er wäre sonst gezwungen, sich seiner ärztlichen Würde zu entkleiden, den Doktortilel abzulegen und einen Gewerbeschein als Laienpraktikant zu lösen, um nicht mehr in seinem Gewerbe behindert zu sein. Dieser Arzt hat nun mittlerweile seinen Entschluß bereits ausgeführt, ist aber vom Rath der Stadt Leipzig wegen des Gewerbescheines abschläglich beschieden worden.

Erfurt, 3. Januar. Ein recht bedauerliches Unglück ereignete sich in dem nahe gelegenen Orte Süchen. Die 41jährige Frau eines dortigen Landwirths begab sich mit der brennenden Küchenlampe in der Hand in die Unterstube, um nach der gelähmt auf dem Sopha liegen­den Mutter zu sehen. Plötzlich fiel die Frau von Krämpfen befallen zu Boden Die Lampe explodirte und das brennende Petroleum setzte alsbald die Kleider in Flammen. Die kranke Mutter mußte Unthätig zuschen, wie ihre Tochter verbrannte. Der auf das Jammer­geschrei hin herbeigeeilte Mann erlitt schwere Brand­wunden an Arm und Brust. Der Tod erlöste alsbald die verunglückte Frau von ihren Qualen. Der tele­graphisch herbeigerufene Sohn, der zur Zeit in Rudol- stadt seiner Militärpflicht genügt, verlor bei seiner An­kunft vor übergroßem Schreck die Sprache.

Emden, 3. Januar. Ein furchtbarer Unglücksfall ereignete sich dieser Tage an dem Hunte-Emskanal. Drei Kinder vergnügten sich mit einem großen Torf­schlitten, indem sie auf demselben einen ziemlich steilen Abhang hinabfuhren. Plötzlich gerieth der Schlitten auf das bereits morsch gewordene Eis des Kanals. Die Decke brach ein und die Kinder stürzten ins Wasser, wo sie ertranken. Der Vater, welcher auf das Hilfe- geschrei der Kinder zu Hilfe eilte, brach ebenfalls ein und fand mit seinen Lieben den Tod.

Würzburg, 5. Januar. Der Maul- und Klauen­seuche sind jetzt in Unterkonten über 2000 Stück Rindvieh zum Opfer gefallen, ohne daß ein Still­stand oder Zurückgehen der Seuche zu konstatiren wäre. Ein echtes und rechtes Schildaerstückchen ist in Würzburg passiert. Die Stadibau-Jnspeklion, Abthei­lung für Tiefbau, hat in einer neuen Straße einen Kanal durch eine Baufirma herstellen lassen. Man be­gann den Bau von beiden Seiten; als man jedoch in der Mitte zusammentraf, lag der untere Theil des Kanals

i^^R^Iht^A^t °uf dieSchlüchterner Zeitung" Mk^kUUerUl» werden noch fortwährend von allen r ' -- - - ' Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Um den Absatz von Schlachtvieh (Kälbern, Schweinen, fetten Rindern und Ochsen) den Landwirthen zu er­leichtern und die Kosten des Zwischenhandels möglichst zu vermeiden, empfiehlt sich folgende in Westfalen und anderwärts erprobte Maßregel: Jeder Gastwirlh an den größeren Verkehrsstraßen des Kreises, bei welchen die Metzger und Handelsleute zu verkehren pflegen, (z. B. Herber in Herolz, Lotzenius in Sannerz, Blum in Sterbfritz, Günther in Mottgers u. s. w.) schaffen sich in ihrem Wirthszimmer eine Schiefertafel an, aus welchen sie alle verkäuflichen Kälber, Schweine, Rinder u. s. w. aufschreiben, die ihnen aus ihrer eigenen Gemeinde oder aus Nachbargemeinden zum Verkauf angemeldet werden. Jeder Landwirth, der ein Stück Bieh zum Schlachten zu verkaufen hat, meldet es schriftlich durch Ucbersendung eines Zettels bei dem betreffenden Gastwirth an, welcher dasselbe aus die Schiefertafel schreibt. Jeder bei ihm verkehrende Metzger und Händler findet nun alles Schlacht­vieh, was zur Zeit in der Gemeinde und ihrer Um­gebung verkäuflich ist, auf der Tafel verzeichnet und erspart dadurch das unnütze, zeitraubende und kostspielige Umherfahren und Umhersragen in den Gemeinden und wird niemals versäumen, die Tafel durchzulesen. Der Gast­wirlh hat allerdings die kleine Mühe, die angemeldeten Thiere auf die Tafel zu schreiben, wird aber, da bei jedem Kauf etwas verzehrt wird, durch den besseren Verkehr in seiner Wirthschaft dafür reichlich entschädigt Der Bauer erspart seinerseits das kostspielige Anbieten in der Stadt, und der Metzger und Händler weiß stets, wo er das gesuchte Vieh zu finden hat. Es werden daher Wirth, Metzger und Bauer bei dieser Einrichtung alle drei gewinnen. Dieselbe wird daher hierdurch ^rL- gemein zur Einrichtung empfohlen.

Schlüchtern, den 30. Dezember 1896.

Der Königliche Landrath: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Daß das Kaiserpaar im Vorfrühling eine längere Mittelmeerfahrt unternehmen werde, wird jetzt imReichsanzeiger" als erfunden bezeichnet.

Die Etatsstärke des deutschen Heeres beläuft sich nach dem Militäretat für das Etatsjahr 1897,98 aus 23088 Offiziere, 78217 Unteroffiziere (Zahlmeister- aspiranten, Spielleute, Lazarethgehilfen und Sonstige) und 479229 Gemeine. Ein Verstärkung gegen das laufende Etatsjahr würde nur bet den Offizieren, und zwar um 401, und bei den Unteroffizieren um 163 eintreten. Zu dieser Etatsstärke treten noch 2107 (1896,97: 2090) Militärärzte, 1078 (1102) Zahlmeister Militärmusikinspicienten, Werkstättenvorsteher bei der Luftschiffcrabtheilung, 583 (528) Roßärzte, 1045 (1061) Büchsenmacher und Waffenmeister, 93 (93) Sattler. An Dienstpserden würden nach dem Etatsvoranschlage 97 850 (1896,97: 98 378) vorhanden sein.

In Deutsch-Ostafrika soll die Vermehrung der für Plantagenzwecke in Betracht kommenden Gebiets- theile energisch gefördert werden. Es sollen fünf im Generalstab zu Berlin ausgebildete Offiziere mit der Vermessung zunächst des Handeigebicts und des west­lichen Usambara betraut werden. Von ten entstehenden Kosten werden die Erwerbsgesellschaften (Plantagen- Untcrnehmungen) ein Drittel übernehmen, während der Rest auf das Reich entfällt.

- Bis zum Anfang des Jahres 1895 wurde in verschiedenen preußischen Strafanstalten die Landwirth- schaft in größerem Maßstabe mit Spann und anderem Vieh betrieben. Indessen bot dieser Bllrieb im Ver- hätniß zu seinem Umfange nur einer zwingen Anzahl von Gefangenen Gelegenheit zu landwirth'chaftlichen Ar­beiten. Um einer größeren Zahl von Gefangenen diese gesunde und in jeder Hinsicht fördernde Thätigkeit zu eröffnen, war am Anfänge des Jahres 1595 allgemein bestimmt worden, daß die Landwirthschaft fortan tn den preußischen Strafanstalten nur als Spatenkütur zu treiben und die Viehhaltung auf das unbedingt Nothwendige zu beschränken sei. Vorzugsweise sollen die für die Haus­wirthschaft der Anstalt selbst erforderlichen Fruchte ge­baut werden, wobei die zu bebauende Fliche in der Regel höchstens 80 Morgen groß sein soll. Ziest neuen Be­

höher als der obere. Das Wasser hätte also bergauf fließen müssen, wenn es seinen Weg durch den Kanal hätte nehmen sollen. Da man das dem Wasser nicht gut zumuthen kann, begab man sich an's Reparieren, bis die ganze Anlage glücklich verpfuscht war. Einstweilen muß nun die Baufirma 2000 Mark Kaution für 20 Jahre hinterlegen, die für etwaige Schäden an dem Kanal in dieser Zeit verwendet werden.

Ausland.

In Luxemburg weiß man nicht mehr, was man mit dem vielen in der Staatskasse zusammen strömenden Gelde aufangen soll. Um aufzuräumen, hat die Kammer unter Zustimmung der Regierung, demHamb. Korr." zufolge, beschlossen, einen Betrag von 300000 Fres. unter die Gemeinden zu veriheilen und zwar die eine Hälfte nach Maßgabe der Bevölkerungsziffer, die andere im Verhältniß zur Ziffer der Gemeindesteuern. Die Regierung wird mit weiteren Aufräumungsvorschlägen folgen. Ein glückliches Land.

Madrid, 2. Jan. Ein Telegramm aus Havanna bestätigt den Mißerfolg der Seeräuber-Expedition mit dem DampferThree Friends." Zwei Barken erlitten Schiffsbruch; 51 Seeleute sind ertrunken, die Ladung ging verloren. Der mit Waffen und Munition be« ladene DampferComodore", der mit Erlaubniß der amerikanischen Regierung nach Kuba für die Insurgenten abgegangen war, strandete an der Küste von Florida und ging unter. Die Besatzung rettete sich auf Booten. Der Untergang des Dampfers ist ein empfindlicher Ver­lust für die Insurgenten.

Amerika. New-Uorker Blättermeldungen zufolge hat am Sonnabend im Staate Lousiana ein Orkan gewüthet. Vier Leichen wurden aufgefunden. Drei­undzwanzig verwundet, drei davon tödtlich. Der Orkan hat sich auf Missouri, ArkansaS und Oklahoma erstreckt.

Lokales ««d Provinzielles.

* Schlüchtern, 8. Januar.

* Der Gerichtsassessor Dr. jur. Rohde wurde zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht zu Schwarzenfels ernannt.

* Uebertragen wurde die Lokalschulinspektion den Pfarrern Seyd in Elm, Weber in Oberkalbach und Pfeiffer in Hohenzell.

* Versetzt wurden Lehrer Rausch zu Oberlim- bach nach Romsthal, Walther zu Reinhards nach Hintersteinau, Autor zu Ulmbach nach Cassel, Kreis Gelnhausen, Brinkhaus zu Flieden nach Hanau.

* eingestellt wurden Lehrer Lichtenfeld von Breitenbach an die Schule zu Rothenbergen, Drusche! von Schlüchtern an die Schule zu Niedermittlau, Henning von Schlüchtern an die Schule zu WillerS- Hausen, Kreis Frankenberg, Heimüller von Hofaschen- bach an die Schule zu Ulmbach, Lehrerin Aumann von Hersfcld an die Schule zu Flieden.

* Zu Lehrergehillen sind bestellt: Faike von Schlüchtern an die Schule zu Lieblos, Kreis Gelnhausen, Bollgrafs von Rotenburg an die Schule zu Heubach, Kreis Schlüchtern, Reis von Hundshausen an die Schule zu Hintersteinau.

* Das neueste Amtsblatt enthält eine neue Polizei­verordnung Königlicher Regierung zu Cassel betr. die Sonntags Heiligung. Dieselbe tritt unter Aus­hebung aller älteren Verordnungen über Sonntagsheili­gung sofort für den ganzen Regierungsbezirk Cassel in Kraft.

* Zu welch' bedenklichen Erscheinungen die Ver­fügungen führen können, wonach der Bedarf der Proviant­ämter an Futterartikeln möglichst durch direkten Einkauf bei den Produzenten gedeckt werden soll, lehrt folgender Fall, welcher laut derFrkf. Zig." der Hanauer Handelskammer unterbreitet worden ist. Ein Bauer aus Hintersteinau kommt zu einem Schlüchterner Händler und fragt bei diesem wegen Ankaufs von 12 Waggons Hafer an; er werde Futtersäcke dazu schicken und die Lieferung prompt bezahlen. Der Händler verkaufte demProduzenten" ein Waggon Hafer und erhielt nach einigen Tagen die Säcke zum Füllen durch einen Fuhrmann in Schlüchtern, der sie im Auftrage desProduzenten" vom Proviantamte Bockenheim zu- g schickt erhalten hatte. Gleichzeitig kam dieserProdu­zent" mit der Disposition für den Hafer, d. h. er ließ denselben in seinem Namen an das Proviantamt zu