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^U 8. Mittwoch, den 27. Januar 1897. 48. JahrgMr-
IMblhttirtttt °uf die „Schlüchterner Zeitung" ^v|iniUnyHl werden noch fortwährend von allen
------ " —— Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Zu Kaisers Geburtstag 1897.
Zum neuntenmul seit dem Regierungs-Antritt Kaiser Wilhelms II. feiert das deutsche Volk Kaisers-Geburts- tag. Von Jahr zu Jahr ist diese Feier allgemeiner, inniger, tiefer geworden; in diesem Jahre aber wird sie um so bedeutungsvoller, als sie vorhergeht der Säkular- feicr des ersten deutschen Kaisers, dessen würdiger Enkel zu sein sich der Hohenzollernsproß rühmen darf, der jetzt den Kaiserthron ziert. Im Acußern ähnlich dem großen Ahn, find auf Kaiser Wilhelm II. überkommen jene Tugenden des Herrscherhauses, die, in den Dienst des Vaterlandes gestellt, dieses groß, mächtig und angesehen im Rathe der Völker gemacht haben. Jene Tugenden, wie sie von Tag zu Tag mehr sichtbar auch bei Kaiser Wilhelm H. hervortreten: das peinliche Pflicht- und Gerechtigkeits-Gefühl, das kein Unrecht duldet und mit Energie für das Recht eintritt; der strenge, soldatische Sinn, der an sich selbst die höchsten Anforderungen stellt, weil er auch an die höchsten Diener des Staates keine geringen zu stellen vermag; leutselige Biederkeit, Einfachheit und Wahrheit in Rede und That, gepaart mit Milde und Barmherzigkeit gegen Arme und Schwache, denen vor allen die Fürsorge des Kaisers gilt. Und so gewiß es ist, daß auch Kaiser Wilhelm II. mit Tapferkeit, Energie und zweifellosem Erfolge die Waffen zu führen wissen wird, wenn frevler Feindesübermuth ihm das Schwert in die Hand zwingen sollte, so gewiß ist es auch, daß in Europas Fürstenkreis kein Herrscher ist, der mehr dem Frieden und der Erhaltung desselben zugethan ist, als der mächtige deutsche Kaiser. Diese Friedensliebe zu bethätigen, hat er wiederholt Gelegenheit gehabt; allgemein bekannt ist es, wie der deutsche Kaiser gern und oft den passenden Anlaß ergreift, vor aller Welt zu betonen, daß ein dauernder Friede ebenso förderlich wie nothwendig dem Fortschritt der Völker sei, und daß Deutschlands Blicke niemals auf Eroberungen, sondern auf friedliche Fortentwickelung seines Vokswohl- standes gerichtet sind. So steht des Kaisers Majestät kraftvoll und zielbewußt, ein Bild echt deutscher Männlichkeit, ein leuchtend Vorbild allen patriotisch gesinnten Männern des Vaterlandes vor Augen und jauchzend schallen ihm entgegen zu seinem 38. Geburtstage die Jubelrufe des deutschen Volkes.
Die letzten Jahre namentlich sind es gewesen, die zu der Verehrung, welche jedes deutsche Gemüth dem Kaiser barbringt, auch die Liebe, die wirkliche Liebe und Zuneigung gefügt haben; jene Liebe, die sich nicht erzwingen läßt, die erworben sein will. Diese wird aber nur erworben, wenn der Monarch, der auf der Menschheit Höhen wandelt, dem Herzen des Volkes nahe zu kommen versteht, wenn aus seinem Thun und Denken, Handeln und Fühlen hervorgeht, daß er Verständniß besitzt für des Volkes Seele, für dessen Leiden und Freuden, Kümmernisse und Wünsche. Wohl ist jene Zeit, wenigsten für konstitutionelle Staaten, vorüber, da der Herrscher fern dem Volksgetriebe in unnahbarer Höhe thronte und oft überhaupt nicht mit dem Volke in Berührung kam; allein nicht leicht ist es in unserer modernen Zeit, die mit um so höherem Glänze umgebene Herrscherwürde zu wahren und doch mitten im Volke zu stehen. Und beides hat gerade Kaiser Wilhelm II. bislang musterhaft verstanden. Die vielen bekannt gewordenen Fälle, in denen er ebensoviel Verständniß als Theilnahme für die breiten Volksmassen bekundete, jene kleinen Züge von Leutseligkeit einfachen Männern und Frauen aus dem Volke gegenüber, jenes durch zahlreiche kleine Episoden illustrirte Bestreben, dem täglichen Leben und Weben des Volkes menschlich näher zu kommen, alles das hat dem kaiserlichen Herrn viele und wahrhaftige Freunde erworben. Nicht minder sein lebhaftes Interesse für Kunst und Wissenschaft, das er oft thatkräftig zu erweisen Gelegenheit nimmt, seine Unterstützung künstlerischer Bestrebungen, sein feines Kunstversiändniß, sie haben nicht wenig zu der persönlichen Beliebtheit des deutschen Kaisers beigetragen.
So feiern wir denn alle jubelnd und begeisterungsvoll des Friedens- und Bolks-Kaisers Wiegenfest, wir feiern es mit dem Wunsche, daß das Glück zu jedem Tage
und zu jeder Stunde wohnen möge im kaiserlichen Hause, daß des Segens reiche Fülle sich ergieße über die Maßnahmen des ersten Mannes im ganzen deutschen Reiche, daß sich von Tag zu Tag enger schlinge das Band zwischen Fürst und Volk, daß immerdar, wie heute, der Jubelruf zur Wahrheit werde und bleibe: Heil unserm Kaiser Wilhelm II.
Heil und dreifach Heil!
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser nahm am Sonnabend den Börtrag des Reichskanzlers der, wie bie „Norddeutsche Allz. Ztg." hervorhebt, nahe an zwei Stunden währte, im Reichskanzlerpalais und später im Schloß den Vor- trag des Chefs des Generalstabes entgegen.
— Die Jahrhundertfeier des Geburtstages des verewigten Kaiser Wilhelm soll in Preußen einheitlich statt- finden und drei Tage währen. Am Sonntag, 21. März, sollen in den Kirchen Festgottesdienste abgehalten werden. Für den eigentlichen Festtag, Montag den 22. März, werden öffentliche Festakte, Paraden, Schulfeiern und Abends Illumination stattfinden; an diesem Tage sollen auch die öffentlichen Gebäude beflaggt werden. Am Dienstag, den 23. März, endlich sollen volksthümliche Veranstaltungen, Commerse rc. veranstaltet werden. Von diesem Programm sind auch die übrigen Bundesstaaten in Kenntniß gesetzt worden.
— Zur Gefahr der eventl. Pesteinschleppung. Unter Hinweis darauf, das Seeschiffe aus Indien und Persien in deutschen Seehäfen sanitätspolizeilich sorgfältig untersucht werden, daß ferner die Conferenz im Reichsgesundheitsamte etwaige weitere Maßregeln gegen die Pest-Einschleppung berathen wird und daß aus den stattgehabten internationalen Sanitäts-Conferenzen auf einmüthiges Borgehen der europäischen Staaten auch gegenüber der Pestgefahr zu rechnen ist, bemerkt die „Nordd. Allg. Zeitung", es liege zur Zeit kein Grund zur Beunruhigung vor.
— Auf Anordnung des Reichskanzlers Fürsten zu Hohenlohe wird gegenwärtig eine nach den einzelnen Bundesstaaten geordnete statistische Zusammenstellung angefertigt, aus der ersichtlich werden soll, wie hoch die Zahl der Kriegstheilnehmer ist, die sich als gänzlich erwerbsunfähig und unterstützungsbedürftig zu der durch das Gesetz vom 22. März 1895 vorgesehenen Beihilfe gemeldet haben. Ferner soll die Zahl der Kriegstheil, nehmer, die von den zuständigen Behörden als gänzlich erwerbsunfähig und unterstützungsbedürftig anerkannt worden sind, sowie die der Kriegstheilnehmer, welche die erwähnte Beihilfe bereits erhalten haben, festgestellt werden. Diese Zusammenstellung wird alsbald nach ihrer Vollendung dem Reichstage zugehen. Vielleicht steht jenen Wackeren, die in den großen Kriegen unter weiland Kaiser Wilhelms I. Führung Sieg auf Sieg an ihre Fahnen hefteten, an dem hundertjährigen Geburtstage des großen Kaisers, zu dessen würdiger Feier bereits in ganz Deutschland und über dessen Grenzen weit hinaus Vorbereitungen getroffen werden, noch eine ganz besondere Überraschung bevor.
— Für die Entsuselung des Branntweins ist nach der „Post" auf dem kaiserlichen Gesundheitsamte ein Hangbares Verfahren jetzt bekannt geworden. Wenn trotzdem die Regierung sich noch enthalte, ein Gesetz einzubringen, um den Verkauf von fuselhaltigem Kar- toffelbranr.twein zu verbieten, so dürfte der Grund dafür in den Umstand zu suchen sein, daß Ermittelungen im kaiserlichen Gesundheitsamte ergeben haben, daß der Kornbranntwein, Kirsch u. s. w. Gifte enthalten, die eine noch weit schlimmere Wirkung ausüben als der Fusel. Als ein weiteres Bedenken gegen ein Verbot, fuselhaltigen Kartoffelbranntwein zu verkaufen, wird geltend gemacht, daß der fuselfreie Kartoffelbranntwein wahrscheinlich dem Kornbranntwein gegenüber in eine sehr ungünstige Lage gedrängt würde.
* — Die Unterhaltung der Land- und Heerstraßen und sonstigen Wege, die bisher zu den Obliegenheiten der allgemeinen Bauverwaltung gehörte, soll, einer Absicht des Finanzministers und des Ministers der öffentlichen Arbeiten entsprechend, fortan auf die Kommunalverbände übertragen werden. Bei dieser Gelegenheit sollen auch die Verpflichtungen der staatlichen Eisenbahnverwaltung bezüglich solcher im Zuge dieser Wege befindlichen Strecken, an deren fernerer Unterhaltung als Bestandtheil oder Zubehör des Eisenbahnunternehmens
die Bahnverwaltung kein Interesse hat, gleichfalls Kommunaloerbänden aufgeladen werden.
Bom Harze, 22. Januar. In dem Vorflure des berühmten Rathhauses zu Goslar, zu welchem vom Markte aus eine oben in einer Laube endende Steintreppe emporführt, hängen zwei messingene und zwei aus Hirschgeweihen zusammengesetzte Kronleuchter. Den einen der beiden Messingleuchter ließ sich 1875 der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm nachbilden. Jetzt sind alle vier Leuchter nachgebildet worden und zwar für das Hochschloß in Marienburg. Die beiden Hirschgeweihleuchter enthalten je ein geschnitztes Kaiserbild. Das Geweih des einen stammt urkundlich von einem 1349 im städtischen Wallgraben erlegten Hirsche.
Auslaud.
Paris, 22. Januar. Vor dem hiesigen Civilgericht begann heute der Prozeß, welchen Franz von Bourbon, Herzog von Anjou, gegen den Herzog von Orleans wegen der unberechtigten Aneignung des Titels und Wappens eines Königs von Frankreich angestrengt hat. Der Vertreter des Herzogs von Anjou stellte das Begehren, das Gericht möge dem Herzog von Orleans die Führung des Wappens und Königtitels untersagen und ihm zugleich eine Geldbuße von 100 Francs auferlegen. Interessant ist, daß der bekannte Advokat, Senator Waldeck-Rousseau, bei der Gerichtsverhandlung im Namen des spanischen Thronprätendenten Don Carlos die Erklärung abgab, daß nur der letztere das ausschließliche Recht habe, als Oberhaupt des Hauses Frankreich aufzutreten.
Petersburg, 22. Januar. Den „Nowosti" wird aus TifliS telegraphirt, 40,000 armenische Uebersiedler sind auf russischem Gebiete untergebracht worden, davon 22,000 im Gebiete von Kars, 14,000 im Schwarzen Meer-Bezirk, die übrigen in der Umgebung von Eriwan. Zum Unterhalt der Uebersiedler bis zum Frühjahr sind Proviantsendungen aus Moskau und Astrachan eingetroffen. Viele Kinder sind vor Kälte und Hunger gestorben.
Oesterreich-Ungarn. Seit dem Jahre 1860 besitzen die Grubenarbeiter der Aninaer und Reschitzaer Werke der Oesterrcichisch-Ungarischen Staatsbahn einen Pensionsfonds. Die Direktion trug alljährlich eine beträchtliche Summe zu demselben bei. Vor Kurzem beschloß die Direktion jedoch, ein neues Pensionsstatut ausarbeiten zu lassen, wonach die Arbeiter einen um 2% erhöhten Beitrag zu zahlen hatten. Auch wurde der Zeitpunkt des Eintritts der Pensionsberechtigung von 30 auf 40 Jahre festgesetzt. Bisher erhielten die Wittwen als Pension zwei Drittel des Lohnes, den ihre Gatten zuletzt bezogen hatten. Gemäß dem neuen Statut erhalten sie nur die Hälfte des letzten Gehalts. Die auch von der Berghauptmannschaft genehmigten neuen Pensionsnormen traten am 1. Januar in Kraft. Die Arbeiter begannen zu murren, die Frauen schürten die Unzufriedenheit, bis es zu einem blutigen Zusammenstoß kam. Die Arbeiter stürmten und verwüsteten die Geschäftsräume des Bergwerks und warfen auf die Gendarmerie mit Steinen. Diese machten von der Waffe Gebrauch; dadurch wurden acht Personen getödtet, zwölf schwer verwundet, woraus die Arbeiter die Flucht ergriffen. Ein Gendarmerie- Lieutenant wurde durch einen Steinwurf schwer verletzt. Da weitere Ausschreitungen befürchtet werden, sind zwei Kompagnien Militär requirirt worden.
Italien. Die Italiener scheinen wie im Borjahre durch den Angriff der Abesfinier, so auch diesmal wieder durch den Ansturm der Derwische vollständig über- rumpelt zu sein. Die offiziösen Abendblätter bestätigen, daß General Baldissera seine Urlaubsreife antrat ohne auch nur die geringste Ahnung vom Herannahen der Derwische zu haben. General Baldissera habe sogar zwei Bataillone Kolonialtruppen als überflüssig nach Italien zurückschicken wollen. An maßgebender Stelle herrscht über Baldisseras Verhalten große Verstimmung. Der Kriegsminister ließ ihn bereits zur Rechtfertigung laden. Hoffentlich hat die geringe Voraussicht des italienischen Oberkommandos diesmal für die tapferen Soldaten nicht so unheilvolle Folgen wie im vorigen Jahre.
Rom, 23. Januar. Nach dem „Esercito italiano" verfügt General Vigano gegenüber den Derwischen über 4000 Gewehre, 150 Pferde und 24 Kanonen.
Lokales nnd Provinzielles.
„ _ „ * Schlüchtern, 26. Januar.
— Seit Sonntag Mittag his heute Dienstag Morgen wüthete in hiesiger Gegend ein Schneetreiben