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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 3. Februar 1897.

48. Jahrgang.

^tftpIhmAMt auf bK "Schlüchterner Zeitung" jptmUUelylLll werden noch fortwährend von allen

- - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. Januar. Der Kaiser wohnte am Sonn­abend Mittag im Schloß zu Kiel der Taufe seines Neffen, des zweiten Sohnes des Prinzen Heinrich bei. Der Täufling. vom Kaiser gehalten, erhielt die Namen Wilhelm Vikior Karl August Heinrich Sigismund.

DieHessische Morgenzeitung" vom 30. Jan. d. I. bringt eine Mittheilung über den Empfang einer hessischen Deputation durch den Minister des Innern, wonach dieser sich dahin ausgesprochen haben soll, daß er versuchen werde, in dritter Lesung eine Aenderung bezüglich des in den Entwürfen zu der Städte- und Landgemeindenordnung für die Provinz Hessen-Nassau vorgesehenen Wahlverfahrens im Landtage herbeizuführen. Eine solche Aeußerung hat der Minister des Innern, wie dieBerliner Corresp." berichtigt, nicht gethan. Er hat bei der erwähnten Gelegenheit vielmehr aus­drücklich betont, daß an dem in den Entwürfen vor- gesehenen Wahlsysteme festgehalten werden müsse; sollte sich nach dem Abschlüsse der im Gange befindlichen Er­mittelungen das Bedürfniß zu einer Abänderung der in der Mehrzahl der preußischen Gemeindeverfassungsgesetze übereinstimmend enthaltenen Vorschriften über das Ge­meindewahlrecht ergeben, so würde die erforderliche Ab­änderung allgemein und damit auch für die Provinz Hessen-Nassau herbeigeführt werden.

In Reichstagskreisen herrscht der feste Entschluß, in der Sache an dem Beschlusse der Budget-Commission (Antrag Müller,Fulda) festzuhalten, allen 23,000 be­dürftigen Krieger-Veteranen einen Ehrensold von 120 Mk. jährlich zu gewähren. Voraussichtlich verpflichtet sich die Reichsregierung, einen bezüglichen Nachtrags- Etal dem Reichstage noch vorzulegen.

Hosprediger Stöcker ist wegen Beleidigung des Pastors Witte zu 500 Mark Geldstrafe verurtheilt worden. Pastor Witte wurde auf die Widerklage hingegen frei- gesprochen.

In Chemnitz kam vor dem Landgericht zum ersten Mal ein Fall von unlauterem Weilbcwerb vor. Eine Firma hatteleinene Taschentücher, 49 Clm. groß, das halbe Dutzend 60 Pf." angezeigt. Ein Concurrentstellte fest, daß es sich um Halbleinen handelte. Obgleich die Firma sofort eine Berichtigung veröffentlichte und auch durch gedruckte Zettel ihren Kunden von der wirklichen Qualität der angcpriescnen Waare Mittheilung machte, wurde sie doch vom Landgericht als Berufungsinstanz zu 150 Mark Geldstrafe verurtheilt.

Die Erben eines im vorigen Herbst verstorbenen sehr reichen Bürgers in Erlangen haben jetzt über 6000 Mk. Kapitalrentensteuer und 5000 Mk. Umlagen hieraus nachzuzahlen infolge zu niedriger Einschätzung.

Im Mittelgebirge und Frankenwalde nehmen die Schnecmassen eine beängstigende Größe an. In der Eifel, im Sauerland und auf dem Hunsrück liegt der Schnee 2 Meter hoch. Zahlreiche Ortschaften sind vom Verkehr vollständig abgeschnitten.

Ausland.

Spanien. Zu den Hiobsposten von Kuba und den Philippinen gesellt sich jetzt ein schwerer Schlag, der das Mutterland Spanien selbst betroffen hat, um das 1 Maaß des Unheils voll zu machen. Infolge anhalten- den Regens wurden dre Feldarbeiten unmöglich gemacht. Entsetzliches Elend herrscht nun in einzelnen Provinzen. In Andalusien plündern Heißhungrige die Brotläden und die Wohnungen der Wohlhabenden. In vielen Orten sind Ruhestörungen auSgebrochen. Die Re- gierungSkassen sind bis auf den letzten rothen Pfennig für den Kudakrieg geleert worden, sodaß. der Staat außer Stande ist, den hungerigen Unglücklichen thai- krästig beizustehen. In weiten Kreisen ist eine heftige Gährung entstanden, die sich möglicherweise in furcht­baren Revolten Luft schafft.

Amerika. Die Wahl Mac Kinleys zum Präsidenten der Vereinigten Staaten hatte daselbst anfangs ein starkes Anschwellen der geschäftlichen und gewerblichen Thätlichkeit veranlaßt. Doch ist schnell der Rückschlag erfolgt. Der amerikanische Fabrikant nimmt keine Bestellungen zu Tagespreisen an, der europäische kann

nicht das Risiko einer Lieferung übernehmen, während das Damoklesschwert eines unbekannten Tarifs über seinem Kopfe schwebt. Die jetzige Krisis droht noch stärker zu werden, als die aus ähnlichen Ursachen ent­standene Krisis von 1893 und 1894.

Das Gesetz gegen die Einwanderung, das von einem Ausschusse beider Häuser des Kongresses der Ver­einigten Staaten ausgearbeitet ist, wurde vom Repräsen- tantcnhause angenommen. Durch dieses Gesetz würde der dritte Theil der gegenwärtigen Einwanderer aus­geschlossen fein; namentlich werden davon die Personen betroffen, welche des Schreibens und Lesens unkundig sind. Wir können es nicht bedauern, wenn die ameri­kanische Regierung Maßnahmen trifft, welche eine Ein­wanderung in die Vereinigten Staaten erschweren. Die Auswanderung in das Land der Aankees hat schon recht viele Familien, und nicht zum mindestens eine große Zahl unserer Landsleute, ins Verderben gestürzt. Wer daheim so angestrengt arbeiten will, wie er es in Amerika muß, um nur nicht zu verhungern, der findet in der Heimath auch sein Brod. Es wäre daher nur zu wünschen, daß die neue Bill den Strom der Aus­wanderer nach Amerika recht gehörig einengte.

Lokales und Provinzielles. * Schlüchtern, 2. Februar.

* Se. Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht, den kommissarischen Seminardirektor Dr. Lewin mittelst Allerhöchster Bestallung vom 14. Januar d. I. zum Seminardirektor mit dem Range eines Raths vierter Klasse zu ernennen. Der Herr Minister hat ihm vom 1. April d. I. ab das erledigte Direktorat des Seminars zu Ufingen verliehen. Der von Posen nach hier versetzte Oberlehrer Schmidt hat bis zum 1. April d. I. noch in seiner alten Stellung zu verbleiben.

* Zur Abhaltung der 2. (praktischen) Lehrer­prüfung im Königlichen Schullehrer-Seminar in Schlüch- tcrn ist vom Königlichen Provinzial-Schulkollegium Ter­min auf den 25. Juni d. I, an welchem Tage die mündliche Prüfung beginnt, angesetzt. Die schriftliche Prüfung ist auf den 22. Juni d. J. anberaumt.

* Unser den Dienstboten herrscht die Ansicht, daß ein mit einer Herrschaft eingegangenes Dienstver- Hältniß durch Rückgabe des etwa erhaltenen Miethelhalers wieder rückgängig gemacht werden könne. Dies ist eine irrige Auffassung. Bindend ist einzig und allein das zwischen Herrschaft und Dienstboten getroffene Ueberein- kommen, selbst wenn solches nur ein mündliches ist. Das Handgeld" ist ein aus früheren Jahren stammender und noch jetzt vielfach üblicher Gebrauch ohne rechts­kräftige Wirkung, seine Rückgabe entbindet also keines­wegs von dem eingegangenen Dienstverhältniß.

* Da die Maul- und Klauenseuche in vielen Fällen durch den Personenverkehr von einem Stalle in den anderen verschleppt wird, so wirres für geboten ge­halten, das Augenmerk ganz besonders auf den bevorstehenden Gesindewechsel zu lenken. Insbesondere sollen die Ge­meindebehörden darüber wachen, daß das Gesinde die verseuchten Gehöfte nicht verläßt, ohne das Schuhwerk abgewaschen und die Kleidungsstücke gehörig gereinigt zu haben. Ersteres hat zu geschehen durch Abreiben mit heißem Seifenwasser oder heißer Lauge und darauf­folgender Abspülung mit Wasser, letzteres durch Aus­waschen in heißem Seifenwasser oder in heißer Lauge.

* Die Landwirthschaftskammer in Cassel macht be­kannt, daß auf ihre Bekanntmachung betreffend Anschluß der landwirthschasilichen Vereine an die Landwirthschafts­kammer noch nicht beantwortet haben u. a. die Kreis­vereine Marburg, Kirchhain, Homberg, Schlüchtern, Ziegenhain, Hersfeld und Gersfeld, auch die sämmtlichen Ortsvereine. Die Kammer ersucht deshalb um um­gehende Erledigung.

* Wie die neuen Bestimmungen gegen das Detailreisen umgangen werden, darüber wird berichtet: Alle Kunden werden nunmehr aufgefordert, den ihnen bekannten Reisenden die schriftliche Erlaubniß zu geben, daß sie weiter bei ihnen Besuche abstatten dürfen. Wo diese Erklärungen ausbleiben, da führen die Reisenden neben ihren Hauptartikeln noch Mustersammlungen von Erzeugnissen der Leinen- und Wäschefabrikation bei sich; denn mit diesem Erzeugnissen hat der Bundesrath das Detailreisen ausnahmsweise gestattet. Wo man selbst damit nicht auskommt, löst man einfach einen Wandergewerbeschein.

Aus der Rhön, 29. Januar. Schon 8 Tage lang mit wenigen Stunden Unterbrechung haben wir heftige Schneestürme. Nur mit großer Mühe ist die Verbindung zwischen den Ortschaften aufrecht zu erhalten. Die Hohl­wege sind mit Schnee ausgefüllt und haushohe Schnee­wehen sind keine Seltenheit. Sind die Wege durch Schneepflüge und durch Ausgraben nothdürstig frei- gemacht, so ist dies nur für wenige Stunden, denn über Nacht ist wieder alles verschneit und verweht.

Fulda, 30, Januar. Dem Abgeordneten für Fulda, Gersfeld und Hünfeld sind viele Beschwerden' der Wähler wegen der Maßregel gegen die Maul- und Klauenseuche übergeben und übersandt worden. Diese Angelegenheit untersteht dem preußischen Ministerium für Landwirthschaft; dem Herrn Dezernenten für diese Sache, Herrn Gcheimrath Küster, sind diese Beschwerden übergeben worden; derselbe erklärte, es könne nichts ent­schieden werden, bis der amtliche Bericht aus Cassel ein» gegangen sei.

Cassel, 26. Januar. Gestern verstarb hier Fräu­lein Frieda Storck, eine bekannte hessische Roman- und Jugenderzählerin. Dieselbe war am 20. November 1850 zu Marjos (Kreis Schlüchtern) geboren; mit reicher Phantasie und Gestaltungskraft anmuthige Dar­stellungskunst verbindend, hat sie eine Anzahl Romane, Novellen und Erzählungen verfaßt, die vielen Anklang fanden. ZuletztHeinz Wolfram" undKinderglauben."

Wolfhagen, 26. Januar. Gestern wurde eine Jagd auf Schweine im hiesigen Stadtwalde abgehalten, wobei ein starker Keiler angeschossen wurde. Bei der Ver­folgung des Thieres wurde der Förster Güthe von dem­selben angenommen und nicht unerheblich am Schenkel verletzt. Herr Förster Schölling kam noch zur rechten Zeit hinzu, um dem Keiler den Fangschuß zu geben.

Marburg, 27. Jan. Daß das Beanspruchen von hohen Zeugengebühren vor Gericht manchmal unangenehme Folgen haben kann, sollte der Bürgermeister F. von Rückersfeld bei Homberg gewahr werden. Derselbe wurde nämlich am 4. September v. I. in Marburg als Zeuge vernommen und verlangte nachher 3. Klasse- Billet vergütet, trotzdem sich herausstellte, daß er 4. Klasse gefahren hatte. Die Sache kam zur Anzeige und F. wurde vom Schöffengericht zu Homberg wegen ver­suchten Betrugs zu 30 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Die von dem Amtsanwalt sowie dem Verurteilten eingelegte Berufung wurde von der hiesigen Strafkammer für beide Theile kostenfällig verworfen.

Ziegenhain, 26. Januar. Die üble Gewohnheit der Damen, Nadeln in den Mund zu nehmen, wär« bald für eine hiesige Kausmannsfrau von recht bedenk­lichen Folgen gewesen. Dieselbe nahm zwei Nadeln in den Mund und merkte in ihrem Geschäftseifer nicht, daß sie eine derselben plötzlich verschluckt hatte. Sie ver­schwieg es in der festen Meinung, daß dieselbe auf natürlichem Wege wieder zum Vorschein kommen würde. Am nächsten Morgen empfand sie allerdings furchtbare Schmerzen im Unterleib und da konnte sie es wohl oder übel nicht länger verschweigen. Der schleunigst konsultirte Arzt ordnete die sofortige Ueberführung in die Marburger Klinik an. Dort wurde die Nadel durch einen operativen Eingriff aus dem Körper entfernt. Trotzdem diese Unsitte schon so vielmal gerügt worden ist, unterbleibt dieselbe dennoch nicht.

Gelnhausen, 26. Januar. Im Gasthaus zum Frei- gericht zu Somborn tagte gestern zur Besprechung des Bahnprojektes Langenselbold-Somborn-Neuses-Geiselbach- Schöllkrippen eine Versammlung der an dem Zustande- kommen dieses Bahnprojektes intereffirten Fabrikanten und Geschäftsleute. Man einigte sich dahin, zunächst durch Vertrauensmänner in jeder einzelnen der in Be­tracht kommenden Gemeinden sowohl den zu erwartenden Personen- als auch den Güterverkehr fcststellcn zu lassen.

Hanau, 39. Januar. Bei der gestern im Schlosse Rumpenheim stattgehabten Taufe der Zwillingssöhne des Prinzen Friedrich Carl von Hessen erhielten die beiden Prinzen die Namen: Philipp und Wolfgang Moritz.

Melken und Milchertrag.

Man kann in der landwirthschaftlichen Praxis gar nicht selten die Erfahrung machen, daß kleine Be­sitzer mit nur wenigen Kühen bei geringem Futter eines Milchertrages sich rühmen können, mit dem größere Besitzer trotz der viel intensiveren Fütterung einen Ver­gleich nicht auszuhalten vermögen. Dabei zeichnet sich