Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
M 18.
Bekanntmachung.
J.-Nr.703K.-A. Joseph Jansen zu Einraffshof bei Brückenau beabsichtigt, auf seinem in der Gemarkung Elm gelegenen Grundstück (Nr. 31) einen Ringofen zum Brennen von Kalk und Ziegelsteinen aufzustcllen. Ich bringe dies zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen nach Ausgabe diese Blattes bei mir schriftlich in 2 Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Zeichnung und Beschreibung der Anlage können während der Dienststunden im Bureau des Kreis-Aus- schusses eingesehen werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht in demselben Bureau
Donnerstag den 18. März 1897, Bormittags 10 Uhr, vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß int Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.
Schlüchtern, den 27. Februar 1897.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser, der Sonnabend seinen Hochzeitstag feierte, hat mit der Kaiserin, dem Prinzen Heinrich und anderen hohen Herrschaften an dem historischen Kostümfeste im Schlosse theilgenommen. — In einer Tischrede beim Diner des brandenburgischen Provinzial-Landtages hat der Kaiser, wie schon früher einmal in einer Königsberger Tischrede, zum Kampfe gegen den Umsturz autgefordert. Diejenige Partei, sagte er u. A., die eS wagt, die staatlichen Grundlagen an zugreifen, die gegen die Religion sich erhebt und selbst nicht vor der Person des Allerhöchsten Herrn Halt macht, muß überwunden werden. Ich werde mich freuen jedes Mannes Hand in der Meinen zu wissen, sei er Arbeiter, Fürst oder Herr, wenn mir nur geholfen wird in diesem Gefecht! Und das Gefecht können wir nur siegreich durchführen, wenn wir uns immerdar des Mannes erinnern, dem wir unser Vaterland, das deutsche Reich verdanken, in dessen Nähe durch Gottes Fügung so mancher braver, tüchtiger Rathgeber war, der die Ehre hatte, seine Gedanken ausführen zu dürfen, die aber alle Werkzeuge seines erhabenen Wollcns waren, erfüllt von dem Geiste dieses erhabenen Kaisers. Dann werden wir richtig wirken und im Kampfe nicht Nachlassen, um unser Land von dieser Krankheit zu befreien, die nicht nur unser Volk durchseucht, sondern auch das Familienleben, vor allen Dingen aber das Heiligste, was wir Deutsche kennen, die Stellung der Frau, zu erschüttern trachtet.
— Die außerordentliche persische Gesandschaft, aus drei persischen Würdenträgern bestehend, welche die europäischen Regierungen von der Thronbesteigung des gegenwärtigen Schahs offiziell in Kenntniß zu setzen hat, ist aus Paris in Berlin eingetrpffcn und wird in den nächsten Tagen vom Kaiser empfangen werden.
— Das Lehrerbesoldungsgesetz ist vergangene Woche vom preußischen Abgeordnetenhause mit allen gegen eine Stimme in der vom Herrenhause beschlossenen Fassung angenommen worden. Der Gesetzentwurf setzt das Grundgehalt für die Lehrer auf mindestens 900 Mk., das für die Lehrerinnen auf mindestens 700 Mark jährlich fest. Außer dem Grundgehalt erhalten die Lehrer und Lehrerinnen AlterSzulagen und freie Dienstwohnung oder entsprechende Miethsentschädigung. Die AlterSzulagen sind nach dem Gesetzentwurf in der Weise zu gewähren, daß der Bezug nach siebenjähriger Dienstzeit im öffentlichen Schuldienst beginnt, und daß neun gleich hohe Zulagen in Zwischenräumen von je drei Jahren gewährt werden. Die Alterszulage muß für Lehrer mindestens jährlich 100 Mk., steigend von drei zu drei Jahren um je 100 Mark bis auf jährlich 900 Mark, betragen; für Lehrerinnen mindestens 80 Mk. bis auf jährlich 720 Mk. Ein rechtlicher Anspruch auf Neu- gewährung einer Alterszulage besteht nicht, die Ver- sagung ist jedoch nur bei unbefriedigender Dienfftührung zulässig. Dies sind die Bestimmungen des Entwurfes, die für die Lehrer von besonderer Wichtigkeit sind.
— Bekanntlich dürfen die Jnvaliditäts- und AlterSversicherungSanstalten ihr Vermögen bis zu einem
Mittwoch, den 3. März 1897.
Viertel in Grundstücken anlegen. Von dieser Befugniß haben bis Ende 1895 die Versicherungsanstalten für Bayern, Württemberg, Brandenburg, Pommern und Posen noch keinen Gebrauch gemacht. Die übrigen Anstalten zusammen haben 9,2 Millionen in Grundstücken angelegt; so die sächsische 1,7 Millioneu, die schlesische 1,2 Millionen, die hannoversche 0,8 Millionen, die ostpreußische 0,7 Millionen. Die beträchtlichen Summen sind zum weitaus größten Theile zum Bau von Arbeiterwohnungen verwendet worden. Es wäre zu wünschen, daß für gleiche Zwecke auch die Anfangs genannten Versicherungsanstalten, welche mit zu den wohlhabendsten gehören, Gelder hergeben.
Breslau. Den evangelischen Geistlichen der Provinz Schlesien führt das Konsistorium zu Gemüth, daß sie sich keiner Parteinahme für einen einzelnen Stand hingeben dürfen. Der Geistliche solle weder ein Arbeitgeberpastor noch ein Arbeiterpastor sein, weder bei Hoch noch Niedrig um menschliche Gunst buhlen. Die staatsbürgerliche Seite lasse sich von dem geistlichen Amtscharakter in dem Bewußtsein des Volkes nicht trennen. Indem ferner die Kirche zum mitstreitenden Faktor in den politischen und sozialen Tagesfragen werde, setze sie sich der Gefahr aus, von ihrem eigentlichen Ziele, für eine Erneuerung des christlich-sittlichen Lebens zu wirken, abgelenkt zu werden. Politische Parteiagitationen führe außerdem zur Spaltung, aber nicht zur Erbauung der Gemeinde. „Leider kommt", so heißt es in dem Kon- sistorialerlaß, „bei jenen Bestrebungen der Geistliche in Versuchung, über seine Gemeinde hinaus in der Einwirkung auf die „Massen" seine nächste Aufgabe zu erblicken, statt in seiner Gemeinde mit dem Dienste am Worte und in treuer Seelsorge das Reich Gottes zu bauen; ins Große wirken zu wollen, statt Treue im Kleinen zu üben, schnelle Erfolge zu erstreben, statt auf Hoffnung zu säen; zumal der Beifall der Menge verführt, eitler Ehre geizig zu sein."
Westpreußen. Der Schnee liegt im Kreise Pr. Friedland vielerorts so hoch, daß nur die Spitzen der Bäume hervorragen, und auf den Chausseen reichen die Schneeberge stellenweise bis an die Telegraphendrähte. Der Verkehr stockt vollständig. Die sechsspännig fahrenden Posten blieben im Schnee stecken und mußten wiederholt ausgegraben werden. Der Landbestelldienst durch die Briefträger war ganz eingestellt.
Kiel. Eine neue große Kriegsschiffswerst beabsichtigt die Firma Friedrich Krupp-Essen in Kiel zu errichten. Die Firma ist bereits zwecks umfassender Vergrößerung der Germaniawerft mit der Stadt Kiel wegen Landankaufs in Verhandlung getreten. Das weite Terrain der Germaniawerft, von welchem bisher große Flächen verpachtet waren, reicht für die von Krupp geplanten Neubauten nicht aus. Mit der Zeit werden die großartigen Pläne Krupps, die ihn bei Uebernahme der Germämawerft leiteten, bekannt. So soll nicht nur die in Tegel bei Berlin betriebene Maschinenfabrik nach Gaarden bei Kiel verlegt werden, sondern auch die Werftanlagen selbst derart verbessert und modernisirt werden, daß sie den höchsten Anforderungen genügen können. Krupp will die Werft in erster Linie zu einer Kriegsschiffwerft ausgestalten, die mit den englischen erfolgreich in Konkurrenz zu treten vermag. Insbesondere erstrebt der „Rh.-Westf. Ztg." zufolge Krupp neben dem Bau von deutschen Kriegsschiffen die Zuweisung von Bauaufträgen fremder Marinen, die ihre Bestellungen bisher zum größten Theil nach England gehen ließen. Die Werft soll in ihrer neuen Gestalt bereits im Sommer 1898 im vollen Umfange betriebsfähig sein. Gleichzeitig fei bemerkt, daß der Werft für unsere Marine bereits einer der kleineren Kreuzer in Auftrag gegeben wurde.
Essen. Auf zahlreichen Zechen des Ruhrkohlen- reviers überreichten die Arbeiter; gemäß den Bochumer Beschlüssen des christlichen Bergarbeiterverbandes, verschiedene Forderungen; insbesondere wird eine 10prozen- tige Lohnerhöhung gefordert.
Erfurt, 25. Februar. Einen grausigen Fund machten heute die bei dem Abbruch des Hauses Anger Nr. 78 in Erfurt beschäftigten Arbeiter. Als sie im zweiten Stockwerke einen Luftschacht bloslegten, stießen sie auf zwei gut erhaltene, dicht neben einanoer liegende menschliche Skelette und einen Degen.
Münchc«. Eine merkwürdige Erklärung finden wn- im Annoncentheile des „Neuen Münchener Tagebl."
48. Jahrgang.
(Nr. 52, Sonntag, den 21. Februar 1897), die wir unverkürzt und ohne Kommentar wiedergeben: Erklärung. Unter dem Heutigen lege ich freiwillig den Titel eines Kgl. Bayer. Sekondelieutenants a. D., der mir von Rechtswegen zustünde, nieder, da mir dieser Titel vollständig werthlos erscheint, und ich durch nichts mehr an die verlorenen Jahre meiner Jugend erinnert werden möchte. C. Kühn, Schriftsteller, Schrandolfstraße 13.
Worms, 25. Februar. Gestern wurde im Rhein bei Rheindürckheim die Leiche eines in den 40er Jahren stehenden Mannes geländet. Bei der Leiche fand man eine größere Summe Geldes. Laut vorgefundenen Papieren war es der Pferdemetzger Stephan aus Mannheim und wurde derselbe auch heute von seinen Verwandten anerkannt. Stephan hatte am Sonntag mit seinem Knechte und einem mit 2 Pferden bespannten Wagen eine Geschäftsreise angetreten und wollte bei Altripp über den Rhein setzen. Dieselben sind wahrscheinlich bei dem hohen Wasserstand in den Strom gerathen und ertrunken. Von dem Kutscher und Fuhrwerk fehlt noch jede Spur.
Ausland.
Wien, 26. Februar. Die „Polit. Korrespondenz" meldet aus Athen: Die Vertreter der Mächte erwiderten die Reklamation Griechenlands in Betreff des Bombar- demams scharf dahin, daß die Verantwortlichkeit hierfür wie für alle künftigen peinlichen Eventualitäten ausschließlich das in seiner bisherigen Haltung verharrende Griechenland treffe.
— Consularberichten zufolge bewaffnet die Pforte die Bevölkerung an der griechischen, bulgarischen, serbischen und montenegrinischen Grenze, um etwaigen Einfällen bis zur Ankunft des Militärs Widerstand leisten zu können. Die Pforte wirft alle verfügbaren Truppen nach Makedonien, wo bereits 30 000 bewaffnete Alba- nesen stehen sollen. Nach Privatnachrichten aus Rodosto (am Marmacameere) wird dort ein ganzes Armeecorps aus Kleinasien eintreffen, um zu Fuß die Bahn nach Saloniki zu erreichen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 2. März.
* — Der heutige erste Viehmarkt in diesem Jahre war sehr stark befahren, man schätzt die Anzahl des aufgetriebenen Viehes auf ca. 2000 Stück. Händler waren sehr zahlreich eingetroffen und entwickelte sich ein recht lebhafter Handel. Der Verkauf war gut. Es wurden gezahlt für Ochsen 700—900 Mk., für Kühe 450 500 Mk., für Rinder 200 Mk., für Kälber 45 Mark.
* - Am 18. Februar, 10’|3 Uhr M. E. Z. Vormittags, ist von Straßburg ein unbemannter Ballon mit der Aufschrift Straßburg losgelassen worden. An einer Leine war ein schwarzer Korb mit Silberpapierumhüllung befestigt, in dem mehrere Registrirapparate enthalten sind. Da bis heute noch keine Nachricht über den Verbleib des Ballons eingelaufen ist, liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, daß derselbe iu einer wenig bewohnten Gegend (vielleicht in einem Wald) gelandet und etwa an Bäumen hängen geblieben ist. Da eine möglichst schnelle Auffindung des Korbes mit den Instrumenten und des Ballons sehr erwünscht ist, ergeht die höfliche Bitte, dahin wirken zu wollen, daß vor Allem in den wenig bewohnten Gegenden, wo der Ballon vielleicht gelandet sein könnte, Nachforschungen nach demselben angestellt werden. Der Finder des Ballons und des Korbes mit den Instrumenten erhält eine Belohnung von 50 Mk., falls er den Ballon nach den beigegebenen Vorschriften behandelt und vor Allem den Korb mit den Instrumenten in demselben Zustande, wie sie aufgefunden wurden, sorgfältig aufbewahrt. Die etwa entstehenden Unkosten werden ebenfalls vergütet, Es wird gebeten, sofort nach Auffinden des Ballons ein ^Telegramm an den Meteorologischen Landesdienst in «straßburg zu senden, damit der Ballon und die Instrumente möglichst bald abgeholt werden können.
* — Schwurgericht. Auf der Terminsrolle deS von Montag den 1. März an tagenden Schwurgerichts stehen folgende Sachen: für 1. März die Strafsache gegen Heinrich Drescher von Fulda wegen Sittlichkeits- verbrechen; für 2. März die Strafsache gegen Gustav Neidhardt von Flieden wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; für 3. März die Strafsache gegen