Einzelbild herunterladen
 

ZchlWernerMlmg

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 17. März 1897.

48. Jahrgang.

Kitte» Vergessen Sie nicht» -WS

falls Sie dieSchlüchterner Zeitung" bisher durch die Post bezw. vom Landbriefträger bezogen haben, das Abonnement auf dieselbe für das nächste Vierteljahr rechtzeitig erneuern zu wollen, damit in der regelmäßigen Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Post liefert nur bis zum 31. d. M. und nur in dem Falle weiter, wenn der Abonnementsbetrag mit dem etwaigen Bestellgeld im Voraus

entrichtet ist.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. April beginnende neue Vierteljahr

ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Ein Engländer über die deutsche Flotte.

In der englischen WochenschriftThe Speetator" wird die Aussicht eines Konfliktes zwischen England und Deutschland in einer für die Gegner der Verstärkung unserer Kriegsflotte höchst lehrreichen Form besprochen. Wir geben aus diesem Artikel einige Stellen auszugs­weise hier wieder.

Das Blatt erkennt zunächst an, daß die deutsche Kriegs-Flotte an sich eine ganz achtbare Macht sei. Offiziere und Mannschaften seien alles Lobes werth, sie könnten aber, unbeschadet der Anerkennung ihrer Tapfer­keit, nicht ernstlich in Betracht kommen, sobald es sich um einen Kampf mit englischen Panzern handle. In einem Kriegsfalle, sagt derSpeetator", würden zunächst jene deutschen Kriegsschiffe, die im Stillen Ocean oder an der afrikanischen Küste kreuzen, in den Grund gebohrt. Die deutsche Handelsflagge, die auf allen Meeren wehe und Deutschlands Weltmachtstellung repräsentire, sei den Engländern auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert. Allüberall in den Weltmeeren, die unsere (Englands) Kreuzer durchfurchen, würden deutsche Handelsschiffe ge­kapert und in den Grund gebohrt." Die deutschen Kolonisten müßten im Kriegsfalle froh sein, wenn sie ihren Grund und Boden zu Spottpreisen losschlagen und dann mit heiler Haut sich in die Heimath retten könnten. Auf diese Weise ginge das Mutterland mit einem Schlage aller der Vortheile, die deutscher Geist und deutsche Thatkraft in der Ferne errungen, verlustig. Der Norddeutsche Lloyd, diese größte Handelsmarine der Welt, wäre ruinirt! Dazu die Blockade der deut­schen Häfen, durch die dem deutschen Ueberseehandel ein Verlust von hundert Millionen Pfund zugesügt würde. Das Ergebniß eines Konflictes mit England wäre für Deutschland die Niederwerfung seiner Handelsmarine, der Verlust eines nach Hunderten von Millionen zählenden Nationalvermögens, die Aufgabe seiner Kolonien und der Zusammenbruch seines Ansehens in der Welt.

DerSpeetator" hält seine Darstellung der unaus­bleiblichen Folgen eines zwischen Deutschland und Eng­land ausbrechenden Konflicts für unanfechtbar, so lange Deutschland über eine Kriegsflotte verfügt, die über ihren jetzigen Umfang nicht hinausgeht.

So klar und unzweideutig sind die Folgen der Ver­nachlässigung unserer Seemacht bis in ihre Einzelheiten noch nicht dem deutschen Volke vor Augen geführt worden, wie in den Ausführungen des englischen Blattes. In ihrer geradezu brutalen Aufrichtigkeit sind sie der beste Weg zu Erkenntniß der Dinge, wie sie sind und wie sie sich folgerichtig entwickeln müssen, wenn nicht bei Zeiten und ausreichend vorgesorgt wird zum Wohl der Allgemeinheit. Würde nicht die Absicht der englischen Darlegung zu klar in die Erscheinung treten, man könnte glauben, es sei die Stimme des freundlichen Warners, die jenseits des Kanals ertönt. Aber als ernste Mahnung mögen sie bei uns aufgefaßt werden und weit hinausdringen in's deutsche Land, die Geister zu erwecken zu energischer That!

Deutsches Reich.

Berlin. Zur Jahrhundertfeier für Wilhelm I. sind als Vertreter der fremden Höfe bisher angemeldet: Der Kron­prinz von Rumänien, der Graf von Flandern, der Kronprinz von Schweden, der Herzog von Connaught, ein besonderer Botschaster der holländischen Königin, der Erzherzog Friedrich von Oesterreich; ferner werden aus Italien und Rußland Prinzen erwartet. Von den deutschen Fürsten wird die große Mehrheit hier erwartet, obenan der Prinzregent von Bayern, die Könige von Württemberg und Sachsen, die Großherzoge von Baden und von Sachsen-Weimar, wogegen der Großherzog von Oldenburg und die Herzoge von Sachsen-Meiningen pod Koburg-Gotha fehlen dürften. Auch Fürst Bismarck

wird mit hohem Alter und erschütterter Gesundheit jedenfalls sein Ausbleiben bei der Feier entschuldigen.

Nicht ohne eine gewisse Spannung sehen die gesammten deutschen Infanterie-Offiziere dem Hundert­jahrestage entgegen, da sie an diesem, wie mit großer Bestimmtheit verlautet, erfahren werden, ob sie in ihren jetzigen Regimentern verbleiben werden, oder den neu zu formierenden zugetheilt werden. Bekanntlich sind bisher nur die Adjutanten der neuen Brigaden ernannt und, als zur Dienstleistung bei je einer Division jedes Armeekorps kommandiert, bereits seit einiger Zeit in vorbereitender Thätigkeit. Man kann sich denken, daß die Offiziere gern bei ihren alten Truppentheilen ver­bleiben, da den neuen Regimentern die Stipendien, Kasino-Einrichtungen und sonstigen Annehmlichkeiten, welche die Offizierkorps meist selbst beschafften, fehlen. Auch noch verschiedene andere neue Einrichtungen dürften vom Kaiser für das gesummte Heer am Hundertjahrestage befohlen werden. Insbesondere erwartet man, daß auch wichtige Aenderungen an den Uniformen bekannt ge­geben werden.

Innerhalb der nächsten Zeit wird im ganzen deutschen Heere ein allgemeines, großes Avancement stattfinden. Am 1. April 1897 werden aus den 519 deutschen Ganz- und 173 Halbbataillonen der Infanterie 624 Voll- bataillone insgesammt formirt, und die Folge davon ist, daß 21 Generalmajore als Brigadckommandeurs, 50 Obersten, ebensoviele Oberstlieutenants neu zu ernennen sind. Und demgemäß rücken alle niederen Offiziere, bis zum Lieutenant hinab, um etwa 110 Stellen vor, die bayerischen Beförderungen hier nicht mitgerechnet.

-- Die Fenstermietben am Einweihungstage des National-Denkmals in Berlin sind geradezu ins Unge­heure gestiegen. Da der Magistrat den Plan aufge­geben hat, vor dem Rothen Schloß eine Tribüne zu bauen, so beträgt die Gesammtplatzgebühr für die Fenster der drei ersten Etagen 25,000 Mk. Auch auf dem Dach sollen Plätze errichtet werden.

Ostpreußen. Ein Heim für Aussätzige. Ueber die Einrichtung des Lepraheims, das im Kreise Memel er­richtet wird, schreibt dieBerl. Wissenschaft!. Korr.": Das Lepraheim wird aus einem Pavillon bestehen, mit dem nothwendigen Zubehör, wie es sich bei dem heutigen Stande der Wissenschaft als nothwendig herausgestellt hat. Dazu gehört vorerst eine Desinfektionsanstalt, eine Einrichtung für bakteriologische Untersuchungen, ein Wirthschaftsgebäude u. s. w. Der Krankenpavillon ist für sechs Patienten eingerichtet, doch rechnet man damit, nächstes Jahr einen zweiten Pavillon für weitere sechs Patienten zu errichten. An diese Gebäude wird sich ein großer Garten anschließen, damit die Kranken sich entsprechend beschäftigen können, was um so wichtiger ist, als das Lepraheim mehr ein Siechen- als Kranken­haus repräsentiert, in dem die Kranken bis an ihr Lebensende verbleiben sollen. Die Verwaltung soll unter die Leitung einer Diakonissin gestellt werden, für die Krankendienerstelle hat sich bereits der Krankenwärter am Berliner Institut für Infektionskrankheiten, Becker, gemeldet, der sich auf Sumatra infiziert hat und bereits seit einer Reihe von Jahren leprös ist. Die Platzfrage ist noch nicht definitiv erledigt, doch dürfte das Heim wahrscheinlich nach dem Vorschläge des Geheimraths Robert Koch an der Ostspitze von Memel gegenüber dem Haff errichtet werden. Ueber die Trichinose in Mocker bei Thorn wird gemeldet: Die Zahl der vorgekommenen Erkrankungsfälle beträgt über 30, eine fernere Ver­mehrung wird befürchtet. Ein Lehrling des Fleischer- meisters Schinauer, der zuerst erkrankte, ist gestorben. Die Sektion ergab unzweifelhaft Trichinosis als Todes­ursache. Der Zustand einiger anderer Personen ist hoffnungslos.

Weimar, 14. März. Die kürzlich gemeldete Massen« erkrankung unter der hiesigen Garnison scheint jetzt auf­

geklärt zu werden. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die für das Militär von einem Landwirth aus Oberweimar gelieferten Kartoffeln sich in Säcken be­fanden, in denen für das betreffende Gut vorher künst­liche Düngemittel (!) bezogen worden waren.

Ausland.

Aus Lemberg wird berichtet, daß am 7. März etwa 500 Bauern die Bewohner des Städtchens Spola im Gouvernement Kiew mit Dreschflegeln und Sensen über­fallen haben. Zrhlreiche Häuser von reichen Bürgern wurden zerstört. Die Plünderungen nahmen große Ausdehnung an. Viele Personen erlitten erhebliche Verletzungen. Auf telegraphische Requisition wurde von Kiew Militär abgesandt. Die russische Regierung hat den Blättern untersagt, über diese Ruhestörung etwas zu berichten.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 16. März.

* Der heutige 2. Viehmarkt war wie noch selten von Händlern stark besucht; ca. 1500 Stück waren auf­getrieben. Gute und frischmelkende Kühe theuer und gesucht. Auch waren diesmal sehr schwere Ochsen im Preis von 600900 Mk., Stiere ca. 250400 Mk., vorhanden. Kälber etwas angezogen ca. 4555 Pfg, das Schlachtgewicht.

* Zur Berichtigung theilen wir mit, daß minder in Nr. 19 unterFrankfurt" gebrachten Notiz über eine verkrachte VersicherungsgesellschaftGermania" die KrankenkasseGermania" gemeint war, nicht aber die Lebensoerstcherungs-Aktien-GesellschaftGermania" in Frankfurt, was wir auf Ersuchen obiger Gesellschaft hiermit zur Kenntnis der zahlreichen Interessenten dieser Anstalt in hiesiger Gegend bringen.

Stcinau. Herr Gerbereibesitzer und Stadtrath Joh. Denhard dahier feierte dieser Tage sein 25jähriges Jubiläum als Vorstand des Männergesangvereins, so­wie das 20jährige Jubiläum als Hauptmann der hiesigen Feuerwehr.

Am 12. l. Mts. wurde eine gemeinschaftliche Innung der Barbiere und Friseure und der Perrücken- macher in Fulda gegründet. Aus der Vorstandswahl gingen hervor: Ferdinand Heupel, Obermeister, Adolf Hartmann, Kassierer, Oskar Hartmann, Schriftführer; die erforderlichen Beisitzer sollen in Anbetracht dessen, daß der Jnnungsbezirk den Bezirk der ehemaligen kur- hessischen Provinz Fulda nebst den Kreisen Gersfeld und Schlüchtern umfaßt, in einer späteren Versammlung gewählt werden. Die Innung ist bestimmt, die ge- meinsamen Interessen ihrer Mitglieder zu fördern.

Fulda, 12. März. Fulda feiert heute die Wieder­kehr des Tages seiner Gründung. Am 12. März des Jahres 744 pflanzte der hl. Sturmius an der Stelle, an welcher sich jetzt der Dom erhebt, zum erstenmale das Kreuz auf und gab dadurch den ersten Anstoß zur Gründung der weitberühmten und in ihrem Wirken so segensreichen Benediktinerabtei, an welche sich dann nach und nach unsere Stadt anschloß. Der hl. Sturmius ist deshalb der eigentliche Gründer unserer Stadt.

Salzschlirf, 11. März. Eine außerordentlich er­freuliche Veranlassung ist es, wenn diesmal von unserem Badeorte in den Zeitungen die Rede sein soll. Der ohnehin vortreffliche Ruf, in welchem unsere Heilquellen in der ganzen ztvilisirten Welt stehen, wird durch ein neues Moment erhöht werden. Der Ingenieur Anger von Cassel beschäftigte sich im Aufträge der hiesigen Bade-Direction fast ein Vierteljahr lang mit Bohrver­suchen, die nun in der Nähe unseres berühmten Bonifatius- brunnens das ungeahnteste Resultat ergaben. Es wurde eine neue Quelle entdeckt, deren Wasser nicht nur ganz bedeutend stärkeren Salzgehalt hat, sondern auch viel mächtiger fließt, als die alte Salzquelle. Wenn nun dieser wichtige Fund seine Wirkung im Lande nicht verfehlen wird, so dürfte auf die Frequenz unseres heil­kräftigen Bades noch der Umstand von günstigem Ein­fluß sein, daß hier neben neuen gesunden Logirhäusern auch ein Asyl für Kinder errichtet wird, um einem längst gefühlten dringenden Bedürfniß endlich einmal abzuhelfen. In ebensolch löblicher Absicht hat ferner unser Gemeinde­rath beschlossen, die Straßenbeleuchtung auf eine zeit- gemäßere Höhe, in einen zweckentsprechenderen Zustand zu bringen.