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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

«M 36. Mittwoch, den 5. Mai 1897. 48. Jahrgang.

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tMMmtdlim auf dieSchlüchterner Zeitung» 5?tmUUe6y$-86 werden noch fortwährend von allen = .....~~ ' Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Se. Majestät der Kaiser ist am Sonntag Vormittag 8 Uhr auf der Wildparkstation eingetroffen und von Ihrer Majestät der Kaiserin, den Prinzen Adalbcrt, August und Oskar begrüßt worden. Nach kurzem Aufenthalt begab sich die Kaiserliche Familie nach dem Neuen Palais.

Die Sekundärbahnvorlage ist dem Abgeordneten- Hause zugegangcn. Dieselbe verlangt an erster Stelle für 19Eisenbahnneubauten alsGesammtsumme 59 416 000 Mark einschließlich einer Forderung von 5 988 000 Mk. zur Beschaffung von Betriebsmitteln. Zur Förderung des Baues von Kleinbahnen werden 800 000 Mark verlangt, zur Errichtung von landwirthschaftlichen Ge- tretdelagcrhäuscrn 2 000 000 Mk.

Auf der Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft, die im Mai in München abgehalten wird, soll auch eine schon früher erörterte Frage, die sich auf die Besiedelung von Südwestafrika bezicht, behandelt werden, nämlich die Fraucnfrage, das heißt die Be­schaffung von weißen Frauen für die jungen Ansiedler. Diese letzteren bestehen zumeist aus den ausgedienten

I Leuten der Schutztruppe, von denen stets eine ansehn­liche Anzahl im Lande zurückbleibt. Früher wurden die jungen Männer, die nach allen Richtungen hin das beste Ansiedlermaterial bilden, zumeist Händler und Frachtführer, neuerdings haben sich aber viele von ihnen Farmen von den Regierungsländereien anweisen lassen, und damit treten sie in die Reihe der eigentlichen --^ Ansiedler. Beim Ansiedler aber macht sich bald dirs Bedürfniß nach weiblicher Hilfe und Gesellschaft geltend, und da ihm oft die Verhältnisse keine Wahl lassen, greift er nach dem Nächstliegenden und nimmt eine Eingeborene. Das ist keine neue Erscheinung, denn die früher ein­gewanderten Holländer haben sich nicht gescheut, mit Hottentottenfrauen Ehen einzugehen; aus diesen stammen die zahlreich dort vorhandenen Bastards. Dieselben Verhältnisse beginnen sich jetzt leider wieder mit den deutschen Ansiedlern zu wiederholen, nur mit dem ge­ringen Unterschiede, daß die Wahl meist aus die zum Theil von germanischem Blute stammenden Bastard­mädchen fällt. Wenn aber Deutschsüdwestafrika eine wirklich deutsche Kolonie, eine Pflanzstätte deutscher Kultur und deutschen Familienlebens werden soll, so darf eine Bastardwirthschaft nicht eingeführt werden, um so weniger, als es eine häufige Beobachtung ist, daß die daraus hervorgehenden Mischlinge nur die schlechten Eigenschaften beider Raffen erben und potensiren. Der Ausschuß der deutschen Kolonialgesellschaft hat sich schon mit dieser Frage beschäftigt und sowohl Interesse wie Verständniß dafür gezeigt. Der Landeshauptmann, Major Leutwein, war um ein Gutachten angegangen worden, er hat sich für die Nothwendigkeit der Be­schaffung weißer Frauen bestimmt ausgesprochen. Bis jetzt ist jedoch noch kein Schritt in dieser Sache geschehen, und der Ausschuß hat den Antrag abgelchnt, die 5000 Mark, welche ursprünglich für Paraguay bestimmt waren, zur Ueberführung deutscher Mädchen nach Süd­westafrika zu verwenden. Wie es heißt, würden auf der Hauptversammlung zu München wieder dahingehende Anträge gestellt werden; sie haben Aussicht auf viel­seitige Unterstützung. Auch in amtlichen Kreisen sucht man diesen Plan möglichst zu fördern. Die Sache ist dringlich, da die sich mit den eingeborenen Weibern ver- heiratheten Ansiedler auf einen niederen Standpunkt herabgedrückt werden und nebst ihren Nachkommen unserer Nationalität verloren gehen. Damit würde das Gegen­theil der erhofften Besiedelung eintreten.

München, 29. April. König Otto von Bayern vollendete am Dienstag sein 49. Lebensjahr. Ueber sein Befinden erfahren die Münchener Neuesten Nach­richten:Der Kranke ist gegen früher viel ruhiger ge­worden und verbringt bei schönem Wetter fast den ganzen Tag im Garten des Schlosses, sonst ist der Zustand völlig unverändert. Der unglückliche Monarch steht nun schon mehr als ein Vierteljahrhundert in ununterbrochener ärztlicher Behandlung. Herzog Karl Tycodor von^ Bayern, der berühmte Augenarzt, wird in Meran zum। 1. Mai mit seiner Familie eintreffen und in der Villa

Ausland.

Konstantinopel, 28. April. Zwei höchst eigenthüm­liche Thatsachen, die, wie es natürlich, mit einander in Verbindung gebracht werden, wenn auch vielleicht die Schlußfolgerungen welche man daran knüpft, durchaus unbegründete sind, rufen hier die größte Aufregung hervor. Vier russische Kriegsschiffe kreuzen am Eingang des Bosporus und der Leuchtthurm, den die russische Gesandtschaft im vorigen Jahre in ihrem Park errichtete, tauscht seit einigen Tagen mit einem derselben, einem

Riede wohnen. Er wird in seinem vierwöchigen Auf­enthalt seine Thätigkeit als Augenarzt wie in früheren Jahren aufnehmen. Die ärztlichen Sprechstunden für Augenkranke finden in der Villa Petersburg in Ober­mais statt. Die Operationen werden wie in den anderen Jahren im Spital vorgenommen. Seinem segensreichen Wirken verdanken 2 bis 3000 Kranke, meist Arme, ihr Augenlicht durch eine glückliche Operation. Wer in nächster Nähe Gelegenheit hat, die Aufopferung des Herzogs und seiner edlen Gemahlin zu beobachten, die ihm in den schwierigsten Augenblicken gleichsam als barherzige Schwester zur Seite steht, zollt dieser hohen Familie die höchste Bewunderung.

Würzburg. Vom 1. Mai d. I. ab ist ebenso, wie es schon lange auf sämmtlichen preußischen Bahnstrecken ist, auch auf fast allen Stationen des Oberbahnamts- bezirks Würzburg die Perronsperre eingeführt worden. Diese Maßnahme ist nunmehr auch auf die Strecken Würzburg-Nürnberg, Würgburg-Ansbach-Treuchtlingen, Würzburg-Aschaffenburg-Miltenbcrg, Würzburg-Schwein- furt-Bamberg ausgedehnt worden.

Braunschweig, 30. April. Eine für Selbstmord­kandidaten geradezu abschreckende Einrichtung ist die braunschweigische Landeseisenbahn, wie folgender Vorfall beweist. Im Vertrauen auf die Langsamkeit der Bahn legten sich gestern mehrere verwegene Schulbuben vor den herankommenden Zug auf die Schienen, um dadurch den Locomotivführer zum Halten zu nöthigen. Alle Be­mühungen, durch Signale und Zurufe die Schlingel zum Verlassen des Geleises zu bewegen, blieben erfolglos, und so mußte denn der Lokomotivführer halten, worauf die Bengel unter Hohngelächter die Flucht ergriffen. Das Zugpersonal verfolgte aber die Uebelthäter, holte sie ein, und sorgte für ihre Bestrafung. Nach diesem auf- -egenden und zugleich erheiternden Vorfälle konnte der Zug endlich mit erheblicher Verspätung weitergondeln. Braunschweig ist unseres Wissens die erste Stadt in Deutschland, die eine Fahrradsteuer einführt. In der letzten Stadtverordneten-Sitzung wurde der Antrag gestellt, zur Deckung von 153000 Mk. für ein Herrenrad 15 Mark und für ein Damenrad 20 Mark Steuer zu erheben. Der Antrag wurde unterstützt und der Steuer- Kommission zur Vorberathung überwiesen.

Die königliche Kreiskasse in Nordhausen hatte vor einigen Monaten etliche 300 Pensionsempfänger zurückgewiesen, weil sie urplötzlich der Meinung war, den Namens der Polizeiverwaltung durch den gesetzlichen Stellvertreter des Dirigenten, Bürgermeister Lemcke, vollzogenen Lebensattesten müsse zur Gültigkeit auch der Amtscharakter des Letzteren beigegeben sein. Der Bürgermeister hatte sich dessen geweigert, wohl weil er in der Forderung büreaukratische Nörgelei sah, und so waren Hunderte von Menschen zwischen Kreiskasse und Raihhaus hin- und hergefluthet, und höchst unruhige Auftritte entstanden, bis sich schließlich der Rentmeister bequemte, auch ohne Beisatz des Amtscharakters zu zahlen. Jetzt hat nun der Herr Finanzminister entschieden, daß die Forderung der Kreiskasse beziehungsweise des Rcnt- meisters Gregorzewski eine unrichtige war. Es genüge die einfache Namensunterschrist des Bürgermeisters. Damit ist die Forderung des Rentmeisters thatsächlich als büreaukratische Nörgelei konstatirt, die der Bürger­meister mit Recht zurückwies.

Hinter die Ohren schreiben können sich rabiate Fortbildungsschüler folgenden Fall: Ein Fortbildungs­schüler in Zittau hatte sich fortgesetzt den Anordnungen seines Lehrers widersetzt. Da die üblichen gegen ihn verhängten Strafmittel nichts fruchteten, seine sonstige Führung ebenfalls zu Klagen Anlaß gab, so wurde er kurz vor seiner Entlassung aus der Fortbildungsschule in die Landes-Anstalt zu Bräunsdorf übergeführt. Sein Aufenthalt in der Landes-Anstalt dauert bis zum vollen­deten zwanzigsten Lebensjahre.

Kanonenboot, unausgesetzt Zeichen aus. Andererseits werden für englische Rechnung hier große Einkäufe an Lebensmitteln aller Art gemacht, mit der Weisung, dieselben sofort an den britischen Vize-Konsul an den Dardanellen abgehen zu lassen. Es geschieht dies des­halb, weil das Eintreffen eines englischen Geschwaders dort jeden Augenblick erwartet wird. Die russischen Schiffe, so heißt es nun, sind angewiesen, der türkischen Flotte sogleich zu Hilfe zu eilen, sollte die griechische den Versuch machen, sich den Durchgang durch die Dardanellen zu erzwingen. Diese offene Parteinahme aber wollte England verhindern und habe darum eben­falls Schiffe hierher beordert. So eigenthümlich nun allerdings diese Entsendung der betreffenden Geschwader erscheint, so ist es doch eine etwas kühne Folgerung, anzunehmen, Rußland werde sich derart offen und aktiv auf die Seite der Türkei stellen.

Lamia, 1. Mai. (Havas-Meldung.) Die ganze griechische Armee steht seit gestern kampfbereit. In Anbetracht eines voraussichtlich feindlichen Sturmes ist die Stadt Pharsala geräumt worden. Bis heute Mittag hatten keinerlei Feindseligkeiten stattgefunden. Die Ein­wohner beginnen Domoko zu verlassen und werden nach Lamia dirigirt, wo sie unter Zelten kampircn. Die Türken hatten am Mittwoch, Donnerstag und Freitag den Eisenbahnknotenpunkt Velestino angegriffen. Der Angriff war äußerst heftig, er begann vor Tagesanbruch und dauerte sechs Stunden, scheiterte jedoch infolge mangelnder Organisation. An dem Gefecht nahmen auf türkischer Seite 8000 Mann Infanterie, 600 Mann Kavallerie und 13 Geschütze theil. Die Türken wurden von der Brigade Smolenski mit großen Verlusten zurückgeworfen. Am Vormittag erfolgte Kavallerie- Angriffe wurden ebenfalls zurückgeschlagen. Auf den Höhen von Karantassi wurde ein türkisches Regiment buchstäblich vernichtet. Mehrere Hundert Freischärler unterstützten die Operationen der griechischen Truppen. Letztere hatten einen Verlust von 50 Todten. Diese geringe Verlustziffer auf griechischer Seite beweist die Stärke der griechischen Position.

Athen, 1. Mai. Als gestern die Kronprinzessin Sophie, die Schwester des deutschen Kaisers, von dem Ambülanzhospital zum Palast fahren wollte, wurde sie von der Volksmenge erkannt, ausgezischt und derart ver­höhnt, daß sie zu dem Hospitale zurückkehren mußte. Es wurde nach einem Privatwagen gesandt, der in ge­strecktem Galopp sie nach Hause brächte. Von den Hofwagen sind die königlichen Wappen heruntergenommen, und auch die Hoflieferanten haben das königliche Wappen von ihren Geschäften entfernt. Ein Geistlicher wurde bei dem Gebet für die königliche Familie in der Kirche unterbrochen und unter unbeschreiblichem Tumult ver­haftet. Viele Damen wurden ohnmächtig.

Tunis. In Beja, einer kleinen Stadt Tunesiens, hat sich der bezeichnete Fall zugetragen, daß die Araber, als sie vom Siege der Türken über die Griechen hörten, sofort über die Europäer herfielen, sie mißhandelten, ihre Läden zu plündern begannen und dabei riefen: Allah befreit jetzt die Moslemin von den Rumis, der Islam wird wieder der Ungläubigen Herr!» Fran­zösische Truppen hatten mit der Waffe einzuschreiten, um die Fanatiker von ihrem Irrthum zu überzeugen.

Australien. Ueber Metzeleien auf den Goldfeldern von Englisch-Neuguinea wird in derKöln. Ztg." mit- getheilt: Die erste Nachricht lautete, daß in der Nähe des Mambre River-Goldfeldes 7 Weiße und 33 Träger der Mordlust der Papuas zum Opfer gefallen seien. Jetzt kommt aus Cooktown die ergänzende Nachricht, daß außer dem Residenten Green noch zwei Weiße ge- tödtet wurden, drei andere konnten sich durch die Flucht retten und sollen von dem in den dortigen Gewässern kreuzenden deutschen KriegsschiffFalke" ausgenommen worden sein. So ganz unschuldig sind die Engländer an dem Unglück nicht. Der deutsche Farmer Görs schreibt aus Port Moresby (dem Hauptort von Britisch- Neuguinea), daß es auf den Goldfeldern wüst zugegangen sei; die Goldgräber setzen sich einfach über die gesetz­lichen Vorschriften hinweg, und den Behörden fehlt die Macht, das wilde, zusammengelaufene Volk zu bändigen; es ist kein Wunder, daß sich die Eingeborenen für erlittene Unbill auf jede Weise zu rächen firchen. Einen ähnlichen furchtbaren Tod wie Green erlitt vor Kurzem der englische Händler Duncan auf den Neu-Hebriden. Er wurde von den Wilden Überfällen, an einen Baum