SchlüchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
M 37. Samstag, den 8. Mai 1897. 48. Jahrgang.
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RoK-^ÜNN-H^rI °"i^ ^e „Schlüchterner Zeitung" yllUUUU^liJ werden noch fortwährend von allen - '-=''''; Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Mai. Der Kaiser traf gestern Abend aus Stettin hier ein, hörte heute früh den Vortrag des Reichskanzlers und begab sich darauf nach dem Tempel» Hofer Feld zur Besichtigung der Bataillone des Kaiser- Alcxander-Gren.-Rcgts. Nr. 1.
Hamburg, 28. April. Mit dem zur Woermann- Linie gehörenden Dampsir „Melitta Bohlen" trafen heute tm Hamburger Hafen 96 Mann abgelöste Mannschaften von der südwestafrikanischen Schutztruppe unter der Führung des Sckondelieutenants Volkmann ein, um sich in ihre Heimathsorte zu begeben. 16 Mann von diesen heimgekehrten 96 Mann, die drei Jahre, wozu sie sich kontraktmäßig verpflichtet hatten, im Dienste der Schutztruppe in Südwestafrika gestanden haben, werden wieder nach den Schutzgebieten zurückkehreu, nachdem sie ihren Urlaub in der Heimalh verbracht haben. Die Leute haben auf weitere zwei Jahre kapitulirt, während die übrigen 80 ihre Entlassung genommen haben. Der Führer, Herr Lieutenant Volkmann, mußte einen längeren Urlaub nach der Heimarh zur Kräftigung seiner Gesundheit nehmen, die unter den Einwirkungen des afrikanischen Fiebers stark gelitten hat Die „Melitta Bohlen" führte im Großtopp einen 200 Fuß langen, schwarz-weiß-rothen „Heimathswimpel". — Vorkehrung gegen Seuchengefahr auf der Hamburger Ausstellung. Um allen seuchenpolizeilichen Bedenken zu begegnen und die werthvollen Thierbestände nach menschlichem Ermessen gegen jede Ansteckung zu schützen, sind für die Hamburger landwirthschafiliche Ausstellung die umfassendsten Sicher- ungsmaßregeln seitens der D. L.-G. und der Hamburger Polizeibehörde ins Werk gesetzt worden. So dürfen Wiederkäuer und Schweine weder zu Fuß, noch zu Wagen oder zu Schiff, sondern nur mit der Eisenbahn nach Hamburg und auf den Ausstellungsplatz gebracht werden, um die Desinfektion und deren lleberwachung vollständig einheitlich an einem Punkte zusammenzufassen; auch dürfen Thiere, die die Ausstellung einmal verlassen haben, dieselbe nicht wieder betreten. — Bei der an so manchen Orten in Nordwest-Deutschland lauernden Gefahr der Maul- und Klauenseuche können die Landwirthe der Ausstellungsleitung für so strenge Bestimmungen und deren gewissenhafte Handhabung nur aufrichtig dankbar sein — stehen doch Millionen an Werthen auf dem Spiel.
Posen. Vier Kameele hat sich nach der „Deutschen Tageszeitung" Graf Sigismund Skorzewski kommen lassen zur Bestellung des Landes auf seinen in der Provinz Posen belegenen Chernicjewocr Besitzungen. Das Blatt bemerkt dazu: Die Probe soll sehr günstig ausgefallen fein. Die Thiere haben sich schnell acclima- tisirl und gehen gut im Pfluge. Die Kraft eines Kameels kommt derjenigen zweier Pferde gleich; dabei ist das Thier sehr anspruchslos in Bezug auf Nahrung.
— In Zwickau i. S. brach am Donnerstag in dem westlichen Flügel der Kaserne Feuer aus, wo sich das Offizierskasino befindet, und verbreitete sich mit ungeheurer Schnelligkeit auf die Hauptfront und den anderen Seitenflügel, sodaß binnen einer Viertelstunde das ganze Gebäude in Flammen stand. Wie verlautet, sind angeblich drei Soldaten in den Flammen umgekommen, außerdem soll ein Offizier leicht und ein Feldwebel durch herabstürzende Trümmer lebensgefährlich verletzt worden sein. Ueber die Entstehungsursache des Feuers hat bis jetzt Bestimmtes nicht ermittelt werden können. Die Montirung für 3000 Mann ist bei dem Brande der Kaserne mit zerstört worden.
Gotha, 2. Mai. Bei der neuen Thüringischen Lotterie werden nur 25,000 Loose ausgegeben. Diesen stehen 12,500 Gewinne gegenüber. Die Lotterie wird in sechs Klassen getheilt, und das ganze Loos für alle Klassen kostet 192 Mk.; dasselbe wird in Viertel- und Achtel-Loose getheilt, welche demnach für jede Klasse 4 Mk. kosten. Die Hauptgewinne werden wahrscheinlich betragen: 10,000 Mk. in der ersten, 15,000 in der zweiten, 20,000 in der dritten, 25,000 in der vierten, 30,000 in der fünften, 300,000 Mk. in der sechsten Klasse; außerdem fällt auf den zuletzt gezogenen höheren Gewinn emr Prämie von 200,000 oder 200,000 Mk.
Von dem Gewinne soll ein Abzug von 15° o gemacht werden.
— Vom Ruhrkohlenmarkt wird aus Essen berichtet: Trotz der andauernd sehr regen Nachfrage nach Industrie- kohlen jeder Art und Cooks stoßen die Zechen bei der vollen Ausnutzung ihrer Förderfähigkeit dennoch auf mannichfache Schwierigkeiten. Neben dem stellenweise recht empfindlichen Mangel an gelernten Grubenarbeitern, sind es Hauptsäch auch die in jüngster Zeit sehr verschärften bergpolizeilichen Vorschriften hinsichtlich der Wetterführung in den Gruben, die eine Einschränkung des Betriebes nothwendig machen. Am meisten werden hiervon die großen Fett- und Gasflammenkohlenzechen, die eine große Teufe und sehr ausgedehnte Grubenräume haben, betroffen, da gerade bei diesen die Wetterführung, wie sie von der Bergbehörde zur Sicherheit der Arbeiter verlangt wird, schwer ausführbar und sehr kostspielig ist. Zur Verminderung der Explosion- bezw. Erstickungsgefahr müssen die mit schlechten Gasen erfüllten Grubenräume vom Betriebe ausgeschlossen werden, wodurch oft ein sehr beträchtlicher Ausfall in der Förderung entsteht. Wären diese Hindernisse nicht vorhanden, so würde die Ausbeute vieler Zechen sich noch viel günstiger gestalten, da der Absatz kaum etwas zu wünschen übrig läßt. In Cooks steigt der Versand noch immer. Die Produktion kann wegen unzureichender Lieferung von Cooks- kohlen nicht in der wünschenswerthen Weise gesteigert werden.
Augsburg, Eine Umwälzung auf dem Gebiet der Kraftmaschinen. In der Maschinenfabrik Augsburg wurde am Dienstag einem geladenen Publikum von Technikern und anderen Interessenten zum ersten Mal ein neuer, vom Ingenieur bei dieser Fabrik, Diesch, erfundener Motor vorgeführt, welcher nach dem Urtheil gewiegter auswärtiger Fachleute eine Umwälzung auf dem Gebiet der Kraftmaschinen bedeutet. Der Motor, welcher sich durch höchste Einfachheit auszeichnet, verlegt die den Kolben treibende Explosion in den Cylinder selbst, in dem die Explosion mittels durch starke Komprimirung erhitzter Luft herbeigeführt wird. Der Hauptoortheil des neuen Motors ist höchste Ausnutzung des Heizmaterials.
AuMaud.
Paris, 4. Mai. Heute Nachmittag ereignete sich ein furchtbares Brandunglück. Der Wohlthätigkeitsbazar, der unter Betheiligung der vornehmsten Gesellschaft heute in der Rue Jean Goujon im Viertel der Champs Elysces eröffnet wurde, ist in wenigen Minuten abge- brannt. Etwa 1200 Personen befanden sich im Saale, als Nachmittags gegen 5 Uhr plötzlich der Ruf: Feuer! ertönte. In schrecklicher Panik drängte die Menge nach der Ausgangsthür. Die Damen, die in den Buden als Verkäuferinnen figurirten, konnten zumeist nicht rasch genug herausgclangen und wurden von den an den Wänden entlang laufenden Flammen ergriffen. In wenigen Augenblicken war der Wohlihäligkeitsbazar ein großer Brandherd, erfüllt von stöhnenden Opfern. Die Leichen sind alle furchtbar verstümmelt. Sie wurden auf dem Trottoir ausgebreitet und mit Laken bedeckt. Furchtbare Scenen spielten sich ab. Die Verkäuferinnen und das Publikum des Bazars gehörten zu der vornehmsten Pariser Gesellschaft. Auf dem Boden der Brandstätte lagen zahlreiche Goldstücke verstreut. Unter den Verunglückten werden Mitglieder der höchsten französischen Aristokratie genannt. Man glaubt, die Zahl der Todten dürfte 150 übersteigen. Bis Mitternacht waren 115 Leichen aus den Trümmern hervorgeholt. Die Zahl der Verwundeten beträgt über 200. Darunter befinden sich die Herzogin Uzes, die Marquise Gallifet, die Familie Macedo; unter den Vermißten befindet sich die Baronin Reille und Herzogin v. Aleneon. Ucberall in der Umgegend der Brandstätte wurden Ambulanzen errichtet. Fünfzig Verletzte wurden in die Hospitäler gebracht. Um 11 Uhr lautete die Liste der rekognos- zirten Todten: Baronin Carnel Saint Martin, Vicom- tesse Bonneval, Schwester Gilhous, Comtesse Saint Pernier, Fräulein Mandat, de Grancier. Unter den Verletzten befinden sich außer der Herzogin v. Uzes die Generalin Munier. Ein Angestellter des Bazars rettete 250 Personen. Zwei Feuerwehrleute sollen umgekommen sein. — Die Zahl der Todten scheint nunmehr 131 zu betragen, davon sind 101 rekognoszirt. Für die Rekognoszirung der fehlenden Dreißig bleiben nur
einige Kochenreste, eine Hand, ein Fuß, elf falsche Zähne, ein Unterkiefer und ein Offizierssäbel. — Eine gerettete Klosterfrau gab folgende Darstellung von dem Ausbruch der Katastrophe. Es war 41/2 Uhr Nachmittags, als ein beim Kinematograph beschäftigter Arbeiter dem Baron Mackau zurief, daß die über den Bazar gespannte Veloure durch eine Gasflamme in Brand gerathen sei. Baron Mackau gab dem Arbeiter den Bescheid, er solle keine Panik hervorrufen. Diese Vorsicht erwies sich a<ber als nutzlos und das Feuer verbreitete sich mit unerhörter Raschheit. Die in der Nähe des Haupteinganges befindlichen Personen konnten sich sämmtlich retten, aber an den kleinen Seitenöffnungen drängten sich die Flüchtlinge derart zusammen, daß bald jeder Ausweg versperrt war. Nur der Mangel zahlreicher Ausgänge ist Schuld, daß das Unglück eine solche Ausdehnung annehmen konnte.
England. In England soll eine Portoreform eingeführt werden, die Hoffentlich bald auch in Deutschland Nachahmung finden wird. Die Regierung schlägt vor, daß in England der Unterschied zwischen Briefpost, Buchpost und Musterpost fortan zum größten Theile wegfällt.
Türkei. Im Kriegsministerium verlautet, daß sich die türkischen Truppen damit begnügen werden, Thessalien als Pfand für Kreta besetzt zu halten. Der Sultan wolle nicht eine vollständige Demüthigung des Nachbarn. Wenn Griechenland einen Waffenstillstand wünsche, so würde dieser gewährt werden, auch den Frieden wolle man sich nicht von fremden Mächten aufdringen lassen, wenn Griechenland sich direkt melde. Der Sultan, welcher sehr bewegt über die schlimme Situation der königlichen Familie in Athen ist, wäre zu jedem Entgegenkommen geneigt. — Es liegen vom Kriegsschauplatze selbst wenig bemerkenswerthe Nachrichten vor. Dagegen wird. gemeldet, Oberst Baffos sei von Kreta abberufen worden. Freilich würde das nur Bedeutung haben, wenn auch die Truppen abberufen würden, da ein bloßer Personenwechsel im Kommando der griechischen Truppen auf Kreta die Mächte schwerlich befriedigen dürste. Gerüchtweise verlautet auch, es seien Waffenstillstands- verhandlungen im Gange. Allgemein verbreitet ist die Ansicht, die Griechen werden es bei Pharsala nicht zu einem Kampfe kommen lassen.
Lokales rmv Provinzielles.
* Schlächtern, 7. Mai.
* — Angesichts der nahenden Zeit der Ausflüge in die Wälder sei darauf hingewiesen, daß § 19 des Forst- und Feldpolizeigesetzes das Rauchen aus Pfeifen ohne Deckel in Wäldern, Büschen, Haiden rc. vom 1. April bis 1. Oktober verbietet. Das Cigarrenrauchen an den genannten Plätzen ist das ganze Jahr verboten. Eine Strafe von 10 Mk. ist auf Zuwiderhandlungen festgesetzt. Da sehr häufig die Entstehung von Wald- :c. Bränden irrtümlich den der Lokomotive entsteigenden Feuerfunken zugeschrieben wird, so hat sich die Eisenbahnbehörde veranlaßt gesehen, ihre Bahnpolizeibeamten anzuhalten, daß seitens des Publikums eine genaue Befolgung des § 19 der Feld- und Forstpolizei-Verordnung eingehalten wird. Die Beamten sind zur Anzeige der Uebertretungen verpflichtet und haben auch auf Beobachtung des § 20 der Verordnung, wonach alle etwa in den Haiden, Wäldern rc. vorzunehmenden Brände seitens der Besitzer oder Pächter der betr. Grundstücke vorher der Polizeibehörde anzumelden sind, zu sehen.
* — Vom Herrn P Guardian tm Kloster auf dem Kreuzberg (Rhön) wird mitgetheilt, daß die diesjährigen Wahlfahrtstage, an welchen die Touristen auf eine sichere Unterknnst im Kloster Kreuzberg nicht rechnen können, auf folgende Tage: 12. auf 13. und 24. Iluni - 8. Juli; 1., 17. auf 18., 21. auf 22., 27. auf 28' und 29. August; 4. auf 5„ 7. auf 8., 13. auf 14 September und 2.-4. Oktober fallen. Die Rhön- touren mögen also bezüglich des Kreuzberges so eingerichtet werden, daß sie mit den genannten Tagen nicht zufammenfallen, da an diesen den Touristen die qe- wünschte Aufmerksamkeit von den gastfreundlichen Mönchen nicht erwiesen werden kann.
* - Am 3 bis 5. Juli d. J. findet hier das Gauturmest des Oberfuldagaues auf der Aue (städtischer Bleichplatz am Unterthore) statt. Wie mir erfahren finb die Vorarbeiten, die ja zu einem derartigen Feste keine geringen sind, soweit gediehen, daß ein gutes Ge-