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SchlilchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 44. Mittwoch, den 2. Juni 1897. 48. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 2253 K.-A. Die Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher werden ersucht, die Gemeindcsteuerlisten pro 97]98 behufs Feststellung des Kreissteuersolls bis spätestens 5. Jum cr hierher einzureichen.

Schlüchtern, den 25. Mai 1897.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

J.-Nr. 2254 K.-A. Die Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher werden ersucht, die Kreishuudesteuer- Beträge pro 97|98 spätestens zum 1. Juli d. I. resp. 1. April 1898 an die Kreiskommunalkasse nebst den bezüglichen Verzeichnissen abliefern zu lassen.

Alles Nähere ist aus meiner Kreisblattverfügung vom 1. Juni 1896 Kreisblatt Nr. 24 ersichtlich.

Schlächtern, den 25. Mai 1897.

_______Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser traf am Freitag Nachmittag von Prökelwitz in Marienburg ein und besichtigte im Schlosse die Neubauten. Hierauf reiste der Kaiser nach Danzig weiter, wo er die Werften in Augenschein nahm, ebenso das 1. Leibhusaren-Regiment. Sonnabend früh traf der Monarch in Berlin wieder ein.

Die zuständigen preußischen Minister haben sich dahin ausgesprochen, daß nicht nur Privatpersonen, sondern auch mittelbare Staatsbehörden und Beamte zur Erstattung von Schreibgebühren und Porto ver­pflichtet sind, die dadurch entstehen, daß ihnen auf ihren Auftrag seitens der Steuerbehörde Auskunft in Landts- stempelsachen ertheilt wird. Diese Verpflichtung liegt insbesondere auch den örtlichen Polizeiverwaltungen, mc nicht von einer königlichen Behörde geführt werden, sowie den Amtsvorstehern ob. In ersterem Fall haben die Gemeinden, im letzteren die Amtsverbände die Kosten zu trogen.

Was man bisher nur vermuthen konnte, nämlich daß der Handelsminister den dringenden Wunsch hat, die Produktenbörse wieder in Thätigkeit zu sehen, hat die neuliche Erörterung über die Verhältnisse der Kömgs- berger Börse im Herrenhause bewiesen. Die dortige Produktenbörse hat sich zwar bisher nicht aufgelöst, aber das ist nur deshalb nicht geschehen, weil der Versuch, das Börsengesetz gegen den Willen der Kaufmannschaft auszuführen, gar nicht gemacht worden ist. Die Königs- berger Kaufmannschaft will Vertreter der Landwirth­schaft nur zulassen, wenn sie aktive Landwinhe sind und für ihre Thätigkeit nicht bezahlt würden. Sie haben eine bezügliche Bestimmung in die Börsenordnung aus­genommen und wegen der vom Handelsminister ab- geänderten Bestimmung die Publikation der Börsen­ordnung verweigert. Jetzt mit einem Male ist dieses Hinderniß beseitigt worden. Es hat bei dem Beschlusse der Kaufmannschaft sein Bewenden und so wird die ost- preußische Landwirthschaftskammer die Wahl ihres Sekretärs als Vertreter der Kammer im Börsenvorstande wieder rückgängig machen müssen, obgleich diese Wahl seinerzeit die Bestätigung seitens des landwirthschaft- lichen Ministers erhalten hat. Der Handelsminister hat bei dieser Gelegenheit eine Erklärung abgegeben, von der man nur bedauern kann, daß dieselbe nicht schon damals, als es sich um die Ausführung des BörsengesetzeS handelte, maßgebend gewesen ist.Wir können," sagte der Minister,eine Organisation des Produktenhandels thatsächlich nicht entbehren, weder im Kriege noch im Frieden, und wir sollen uns hüten, sie zu beseitigen, wenn wir nicht wissen, waS wir an ihre Stelle setzen. Es ist werthvoll, überall legale Börsen zu haben, und ich hoffe, bei dem Streben solche zu schaffen, auch auf die Unterstützung des Vorredners." . ~ Die Nothleine bei Militärzügen. Von sachver­ständiger militärischer Seite wird in Bezug auf das rrchlen einer Nothleine bei dem in Gerolstein verun- glkückten Militärzug mitgetheilt, daß Militärsonderzüge laut Militärtransportordnung stets ohne Nothlcine fahren und auch schon vor Einführung der Luftbremse ebenso fuhren. Hoffentlich giebt daS entsetzliche Unglück nun Veranlassung zur Abänderung der sonderbaren Bestimmung.

Für die Reservisten, welche zur Entlassung kommen, will das Kriegsministerium unter Mitwirkung der Kriegervereine einen allgemeinen und unentgeltlichen Arbeitsnachweis einrichten. Die Kriegervereine sollen uulährlich bis zum 10. Juli eine Nachweisung derjenigen

Stellen anfertigen, die in ihrem Bezirk für männliche Arbeitskräfte frei werden und in der nächsten Zeit zu besetzen sind. Diese Nachweise sollen alsdann unverzüg­lich dem betreffenden Bezirkskommando eingereicht und von diesen den Regimentern, die Reservisten in jenem Bezirk entlassen, zugestellt werden. Wir wollen hoffen, daß das Institut seine Aufgabe ganz zu erfüllen vermag.

Hamburg. Die Hamburg-Amerik. Packetfahrtgesell- schaft feierte ihr 50jährigeS Jubiläum. Zur offiziellen Feier ist als Vertreter des Kaisers Prinz Heinrich in Hamburg eingetroffen. Vom Generaloberst Grafen Waldersce, dem Unterstaatssekretär Dr. Fischer und vom Nautischen Verein sind in warmen Ausdrücken abgefaßte Glückwunschschreiben eingegangen. Die Gesellschaft stiftete zum Andenken an das Jubiläum für invalide Angestellte und bedürftige Wittwen verstorbener Ange­stellter ein großes Gebäude mit freien Wohnungen in Drese bei Cuxhafen. Die Gesellschaft erhielt vom Senat die Hamburger goldene Ehrendenkmünze, das höchste Ehrenzeichen, das Hamburg verleihen kann.

Trier. Eine moderne Schatzgräberei wird dieser Tage, wie aus Trier berichtet wird, in der dortigen Maximiliankaserne, dem alten Heim der 9. Husaren, aus­geführt. Dort sollen nach der Sage die Mönche des ehemaligen Klosters vor über l 00 Jahren beim Anrücken der Franzosen ihre Kostbarkeiten vermauert haben, oft, aber stets vergeblich, wurde nach ihnen gesucht. Jetzt hat sich ein Mann aus Elberfeld gemeldet, der nach Angaben seines aus Trier stammenden Großvaters die genaue Stelle wissen will, wo der riesige Schatz ruht. Das Geheimniß sei 100 Jahre zu wahren gewesen. Die Militärverwaltung hat sich auf die Sache eingelassen; der Mann hat Mk. 500 Kaution deponiren müssen und be­kommt ein Drittel der eventuellen Funde, während der Staat zwei Drittel erhält. Kircheugeräthe fallen der Kirche zu. So der Vertrag, von dem man nur wünschen kann, daß er nicht gegenstandlos bleibe. Ueber den Verlauf des Eisenbahn-Unglücks bei Gerolstein wird derTrierer Ztg." als feststehend noch mitgetheilt: In dem letzten Wagen der ersten Zugabtheilung saßen die fünf Offiziere, die den Transport leiteten. Diese bemerkten die Losreißung des ersten Theiles bald und hatten den Wunsch, sich möglichst darüber zu unterrichten was vorgefallen war. Zwei der Herren stürzten sofort auf die Nothbremse zu und zogen tm guten Glauben, durch das Stillhalten des Zuges wohl am ersten in der Lage zu sein, die Ursachen der Zugtrennnng kennen zu lernen. Da die Strecke, auf der sich die bis jetzt ge­schilderten Vorgänge abspielten, sehr abschüssig ist, so vermochte die in Thätigkeit gesetzte Luftbremse doch nicht den Zug sofort zum Stehen zu bringen. Während er nun mit verminderter Schnelligkeit noch einige 100 Meter weiterfuhr, liefen die Offiziere auf den Tritt­brettern am Zuge entlang, um mit dem Zugführer Rücksprache zu nehmen. Als die Herren vorn bei ihm ankamen, stand auch schon der Zug. Im selben Augen­blick war dem Zugführer die Sachlage aber auch klar, er sah die Katastrophe in ihrer ganzen Fürchterlichkeit schon im Geiste und hatte in schneller Entschlossenheit nichts Eiligeres zu thun, als an die nächsten Wagen zu laufen, um diese von der Hemmung der Westing­housebremse zu befreien, deren Wirkung dem System nach nur an den einzelnen Wagen wieder aufgehoben werden kann. Ein schrecklichesZu spät" machte aber bald die Bemühungen des Zugführers unnütz. Kaum hatte er zwei Wagen von dem Luftbremsendrucke befreit als auch schon mit grauenhaftem Getöse die zweite Zug­abtheilung auffuhr, ein Wall von Trümmern und Leichen bildend. Bei allem Unglück wird in Sachver- 'tändigenkreisen der Umstand, daß sich sofort zwei Wagen des nachfolgenden Zugtheils quer über die Geleise setzten als Hinderungsgrund weit größeren Unheils betrachtet.

Mainz, 26. Mai. Ein der Stadt Mainz vor einiger Zeit von einem im verflossenen Jahre hier ver­lebten Rentner Braun zugefallenes größeres Vermächtniß hat unerwartet eine nicht unbedeutende Verminderung erfahren, indem sich unter dem vermachten Vermögen auch ein größerer Ausstand bei einer Wittwe in Amerika befindet, die trotz dem Vorhandensein der Schuldurkunde die Richtigkeit der Forderung energisch bestreitet. Nach Lage der Verhältnisse wird sich die Stadt Mainz schwer­lich zu einem Prozesse mit der amerikanischen Wittwe entschließen, zumal in Amerika das Prozeßführen be­kanntlich noch mehr kostet als in Deutschland.

Offenbach, 26. Mai. In der letzten Stadtverord­netensitzung wurde einer Polizeiverordnung über die Verbrennung der Leichen Zustimmung ertheilt. Es ist jetzt das Bestreben, die Genehmigung des Ministeriums herbeizuführen; diese hofft man zu erhalten. Ein Crematorium ist schon seit Jahren vorhanden, es fehlt also nur noch die Genehmigung des Ministers.

Würzburg, 29. Mai. An demgroßen Zapfen­streich", welcher am 31. August, Abends 9 Uhr, zu -Ehren der manöverirenden Bundesfürsten stattfindei, wird sich eine ganz außerordentlich große Zahl von Spielleuten betheiligen. Die Kapellen von 14 Jnfanterie- und 12 Kavallerie- resp. Artillerie-Regimentern mit 600 Trommlern und 1100 Musikern sollen bei dem Zapfenstreich mitthun.

Leipzig. Großartige Bauprojekte dürften demnächst Rath und Stadtverordnete in Leipzig beschäftigen, nach­dem die Jmmobiliengesellschast mit ihren Plänen hervor­getreten ist, welche den vollständigen Umbau des Stadt­viertels Hainstraße bis Fleischerplatz fordern, selbst mit Wegreißung der Matthäuskirche und deren Wiederaufbau. Die Kosten des Projekts stellen sich auf 21880 800 Mk. und die Stadt soll die Verpflichtung übernehmen 5900 qm zu entschädigen, welche für neue Straßenzüge gebraucht werden. Der Kaufpreis für die anzutaufenden Grund­stücke stellt sich auf 17 380000 Mk. Mit drei Haus­besitzern wurde eine Einigung noch nicht erzielt. Die Durchführung des Projektes würde etwa den 7. Theil der Innenstadt neu erstehen lassen.

Ausland.

Athen. Die griechische Königsfamilie ist in einer schlimmen Lage. Die tapferen Helenen haben zwar durch ihren blinden Chauvinismus den König zum Kriczführen genöthigt- Nachdem aber die Sache schief ging, sind sie ungenirt genug, ihren Fürsten für den ganzen Mißerfolg verantwortlich zu machen. Die National- eiteikeit fordert einen Sündenbock, und dazu soll entweder der König oder der Kronprinz herhalten. Aus Peters­burg wird dem Figaro gemeldet, daß Rußland im Ein­vernehmen mit den anderen Großmächten Maßregeln erwägt, um die Handlungsfreiheit des Königs von Griechenland und seiner Familie zu sichern, falls eine revolutionäre Bewegung in Athen ausbrechen sollte. Weisungen in diesem Sinne sollen den Vertretern der Mächte in Griechenland ertheilt werden. Es sei zu hoffen, daß diese Haltung der Großmächte die demagogischen Rädelsführer zum Nachdenken bewegen werde, welche die gegenwärtige Krisis benutzen möchten, um dem König ihren Willen aufzudrängen und ihn zu verhindern, solche Beschlüsse zu fassen, die allein geeignet sind, Griechenland in seiner Noth zu retten. Der Mormng Post wird aus Konstantinopel berichtet, die Botschafter seien durch die Vertreter der Mächte in Athen benach­richtigt worden, daß die Lage des Königs Georg und der königlichen Familie sehr kritisch sei. Es heißt, der König treffe Veranstaltungen, um gegebenen Falls ab­reisen zu können. Auch die Daily News meloen auS Konstantinopel, nach chiffrirten Depeschen, die den Bot­schaftern aus Athen zugingen, sei die königliche Familie gewissermaßen gefangen im Schlosse. Die königliche Yacht sei unter Dampf. Es verlautet, die Mitglieder oes Cabinet Ralli böten dem König keine Unter­stützung. Der König soll sich wiederholt über die Rücksichtslosigkeit beklagt haben, mit welcher ihn der Ministerpräsident Ralli behandelt. Man hegt den Ver­dacht, daß Ralli die Schuld an einem ungünstigen Frieden der Königsfamilie zuschieben will, um deren Sturz herbeizuführen. Die großsprecherische Haltung Griechenlands während den Friedensunterhandlungen nacht allgemein einen schlimmen Eindruck. Falls Ralli eine Weigerung, weder eine Grenzregulirung, noch eine Kriegsentschädigung zu bewilligen, aufrecht erhält, scheint Rußland entschlossen zu sein, die Besitznahme von Thessalien durch tue Türkei zu bewilligen. Andererseits wird behauptet, eine Kollektivnote der Mächte erkläre, daß diese eine dauernde Besetzung Thessaliens durch die Türkei nicht dulden werden und daß sie erwarten, die Türkei werde dem Willen von Europa keine nutzlose Opposition machen.

Rom, 28. Mai. DerSecolo" theilt mit, daß in dem famosen Neapeler Findelhause, seitdem der Abge­ordnete Lazzaro dasselbe verwalte, dreizehntausend zwei­hundert Kinder gestorben seien. Auch nach dem Tode