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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Ps.
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Mittwoch, den 23. Juni 1897.
48. Jahrgang
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Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser wird die Nordlandsreise am 4. besteht in dem kleinen Ackerfleckchen ein Grundkredit- oder 5. Juli antreten. Die Heimkehr von der schwedischen verein ter bezweckt, seinen Mitgliedern Hypothekengelder Küste erfolgt am 27. Juli. Nach dem Besuche am 5" beschaffen und zu deren Rückzahlung zu verhelfen.
russischen Hole vom 10. bis 20. August wird der Kaiser den großen Uebungen der Flotte beiwohnen, die am 23. August stattfinden. — Der Kaiser hat die vom Präsidenten des ReichSversicherungsamts Dr. Bödicker nachgesuchte Dienstentlassung unter Bezeugung der besonderen Zufriedenheit mit seiner Dienstführung und unter Verleihung des Wilhelmsordens genehmigt.
— Der konservative „Reichsbote" beklagt einen Mangel an PreiSnotirungen von der Berliner Produktenbörse und schreibt: Es ist unleugbar ein übler Mißstand, daß keine Marktberichte mit amtlichen Getreidepreisen, nach denen man sich bisher im ganzen Lande richtete, veröffentlicht werden; deshalb sollte die Regierung, da mit den alten Händlern doch keine Verständigung zu erzielen ist, sich bemühen, auf irgend eine Weise — vielleicht durch das Heranzichen anderer Händler — wieder eine Börse mit amtlichen PreiSnotirungen zu schaffen. Man sollte denken, daß dies möglich sein würde, da der Handel auch ohne Spekulationstermin möglich ist, wie daS Bestehen desselben anderwärts beweist.
— Wegen Schließung der Feenpalastversammlungcn in Berlin fragt man sich an den Provinzbörsen, ob es überhaupt noch einen Zweck habe, dort die Getreidepreis- notirungen fortzusetzen, da bei der Abhängigkeit der Provinzpreise von den Berliner Preisen die auswärtigen Preisermittelungen gegenwärtig aller Zuverlässigkeit entbehren.
Lüurburg. Die Aufforstung der Lüneburger Haide hat in der letzten Zeit große Fortschritte gemacht. Das LandschaftSbild der ganzen Haide hat sich heute schon wesentlich verändert, nicht zuletzt dank der Thätigkei'. der Sektion für Forstkultur deS „Landwirthschaftlichen Prooinzial-Vereins" für das Fürstenthum Lüneburg, durch dessen Beihilfe in neun Kreisen im Jahre 1885 allein 580 Morgen aufgeforstet wurden, ganz abgesehen von den großen Flächen, die durch die Provinzial-Ver- Wallung und den ForstfiskuS zu Waldanlagen umgeschaffen wurden. „Noch zehn Jahre gleichen FortschrttleS", schreibt der „Globus", „und die Haide besteht aus Feld. Fischteichanlagen und Wald und führt den Namen Lüneburger Wald." Die Fischteichanlagen nehmen
i- B. jetzt schon im Kreise Celle einen Raum von 2000 Morgen ein, und die Besitzer wetteifern in der Ausdehnung der einträglichen Fischzucht. Selbst die Forelle gedeihe prächtig in der einst so verrufenen Haide.
Siege«. Der Gipfel des „groben Unfugs" scheint durch folgendes Strafmandat in der guten Stadt Siegen erreicht zu sein: „Sie haben Ihren Hahn durch Unter 1600 Kilometer erhalten und man glaubt, ihn in 5 lassung der Abhaltung vom Krähen in ungebührlicher ‘ '”"'““"
Weise ruhestörenden Lärm verursachen lassen. Es wird deshalb gegen Sie auf Grund des § 360 Nr. 11 des Strafgesetzbuchs eine bei der Stadtkasse zu entrichtende Strafe von 3 Mk. festgesetzt. DeliuS." Die Folge davon ist nun, daß die Schuljungen, wenn sie am Rathhous vorbeigehen, aus Leibeskräften „Kikeriki" rufen.
Elberfeld. Aus dem Dynamitlager der Aktien Gesellschaft vorm. Alfred Nobel u. So. in Hammerstcin bei Wülfrath wurden etwa 100 P und Tpnamil in Patronen, 948 Stück Sprengkapseln und verschiedene Arbeitsgeräthe gestohlen. Die Staatsanwaltschaft in Elberfeld hat auf die Ermittelung der Einbrecher eine Belohnung von 150 Mark ausgesetzt. Die gestohlenen Arbeitsgeräthe trugen theils die Bezeichnung E W. K. theils W.
Schwridnitz, 19. Juni. Eine Katastrophe ist über das etwa 2000 Einwohner zählende Bergstädtchen Lobten im hiesigen Kreise eingebrochen, wie sie in hiesiger
Gegend noch nicht vorgekommen. Selt etwa 27 Jahren
Kassirer und erstes Vorstandsmitglid des Vereins war
der in Zobten hochangesehene Vorschußvereinsdirektor Gutsbesitzer Aug. Gühmann, der am 11. Mai d. J. plötzlich starb. Bei der Bücherrevision entdeckte man bedeutende Fehlbeträge. Bis jetzt sind 128,000 Mark Fehlbeträge ermittelt, doch sind die Ermittelungen noch nicht abgeschlossen. Seit 18 Jahren datiren die Unterschlagungen. Der Verein zählt 27 Mitglieder, die mit ihrem ganzen Vermögen haften. Manche Existenz wird vernichtet werden Der Zusammenbruch des Zobtener Grundkreditvereins ist nach dem bisherigen Ergebniß der Untersuchung nicht auf eine unredliche Geschäftsführung des verstorbenen Kassirers Gühmann zurückzuführen, vielmehr auf einen Verlust von über vierzigtausend Mark an griechischen Werthen und erhebliche Verluste an mehreren Gütern, die der Verein in den Zwangsversteigerungen erstehen mußte, um seine Darlehensforderungen theilweise zu retten.
Ausland.
Pest, 18. Juni. In dem in der ganzen Welt berühmten Alföld, dem wirthschaftlich reichsten Gebiete Ungarns, erscheint ein allgemeiner Erntestrike unvermeidlich. Die durch agrarsocialistische Agitatoren, auch aus dem Auslande, aufgehetzten Arbeiter stellten solche Forderungen für die Einbringung der Ernte, daß die Gutsbesitzer sie nicht bewilligen können. Die Gefahr ist so groß und droht mit solchen Schaden, daß die Regierung, im Einvernehmen mit dem Kriegsminister in Wien, die weitgehendsten Maßregeln traf. So wird überall dort, wo die Strikenden die bedrohen, welche arbeiten wollen, ausgiebiger militärischer Schutz bereit gestellt und die Regierung stellt von Staatsdomänen und Forsten Aushilfskräfte zur Verfügung. Sogar Sträflinge werden unter militärischer Bewachung für die Erntearbeiten verwendet und aus dem Ausland Hilfskräfte mittels Extrazügen herangezogen.
- Aus dem Orient liegen wenige und nicht be. sonders erquickliche Nachrichten vor. Griechische Banden haben sich in Epirus Ausschreitungen zu Schulden kommen lassen; es wurden die Friedensverhandlungen deshalb verschoben. Trotzdem heißt es, daß wesentliche D fferenzpunkte nicht mehr vorliegen. Gegen die wider- penstigen Insurgenten auf Kreta ergriffen die europäischen Admirale lehr entschiedene Maßnahmen.
Rußland. Einen Riesenkanal will man nun ernstlich im russischen Reiche in Angriff nehmen. Es handelt sich um die Verbindung der Ostsee mit dem Schwarzen Meere. Dieser Kanal wird die enorme Länge von
Jahren fertig stellen zu können. Die Schiffe könnten dann durch das Innere von Rußland von Riga bis
Cherson fahren, anstatt den gewaltigen Umweg über England und Gibraltar machen zu müssen. Der Kanal ist für den Durchgang der größten Panzerschiffe berechnet und soll 65 Meter Niveau- und 45 Meter Sohlebreite mit 8,s Meter Tiefe erhalten. Von Riga aus wird die Düna, mittelst Kanals von Dünaburg nach Lepel, die Berisina und später der Dniepr benutzt, sowie die betreffenden Flußgebiete theilweise in das Kanalnetz einbezogen, z. B. soll bei Pinsk ein Sammelbecken nebst vielen großen Hafenanlagen am Haupt- kanale erbaut werden. Die Gesammtbaukosten sind auf 400 Millionen Mark berechnet, der ganze Kanal wird so hergestellt, daß die Schiffe bei Tag und Nacht mit 11 Kilometer die Stunde fahren können, vom Schwarzen Meere bis nach Riga also in 6 Tagen gelangen können, also in weniger als der halben Zeit wie seither.
England. Auf dem britannischen Jnselreiche geht es zur Zeit hoch her, feiert doch dir Königin Viktoria
das seltene Fest des 60-jährigen Regierungsjubiläums. Freilich hat die Königin nicht den Einfluß auf die Rc- gierungspolitik besessen, den die Souveräne anderer Staaten auf dieselbe ausüben, aber trotzdem, oder richtiger vielleicht gerade deswegen erfreut sich die greise Monarchin allgemeiner Beliebtheit bei Hoch und Niedrig und genießt auch im Auslande allerseits Verehrung und Hochachtung. Seit dem im Jahre 1861 erfolgten Tode ihres geistvollen und hochgesinnten Gemahls, des Prinzen Albert von Koburg, hat die Königin Viktoria den Witwenschleier nicht mehr abgelegt und auch mit unnachsichtiger Strenge darauf gehalten, daß ihre Umgebung ausschließlich in der Tracht erscheint, die zu Lebzeiten des Gemahls der Königin in Mode war. Still und zurück gezogen hat die Königin seitdem, vornehmlich mit den Angelegenheiten und dem Erziehen ihrer Kinder und Enkel beschäftigt, am liebsten auf den von ihrem Gemahl errichteten Sommerschlössern gelebt und hat sich nur widerstrebend darein gefügt, für die Tage der Jubelfeier die Zurückgezogenheit mit den geräuschvollen Festen in London zu vertauschen.
Kalkutta, 17. Juni. Die nunmehr aus der Provinz Assam eingegangenen Nachrichten über das Erdbeben geben ein Bild der entsetzlichen Verheerungen, die durch dasselbe hervorgerufen wurden. In Shillong wurde alles dem Erdboden gleich gemacht und viele Menschen getödtet. Auch in Gauhati wurden große Verwüstungen angerichtet. Die Straßen zeigen klaffende Lücken und die Eisenbahn ist völlig verschwunden. Aehnliche Verheerungen und Menschenverluste werden auch aus anderen Orten gemeldet, manche find von jeder Verbindung abgeschnitten.
Lokales ««d Provinzielles.
* Schlüchter», 22. Juni.
* — Nach dem Kalender hat gestern der Sommer angefangen, und dabei war solche Kühle, daß nicht nur die Ueberzieher und Mäntel wieder hervorgeholt und angezogen wurden, sondern vielfach auch die Stubenösen wieder in Dienst gesetzt werden mußten.
* — In hiesiger Stadt weilen gegenwärtig 43 Lehrer zwecks Ablegung ihrer zweiten Lehrerprüfung am Seminar. Gemeldet hatten sich ursprünglich 64. Doch wurden die übrigen zurückgewiesen.
* — Die Sommerferien in den öffentlichen Schulen nehmen am 4. Juli ihren Anfang und endigen am 2. August, die Herbstferien beginnen am 26. September und endigen am 14. Oktober; die Gerichtsferien nehmen ihren Anfang am 15. Juli und ihr Ende am 15. September.
* — Am 1. Pfingstfeiertag feierte in Darmstadt ein geborener Schlüchterner, Herr Karl Theiß und dessen Ehefrau nach 50jähriger Ehe das Fest der goldenen Hochzeit, aus welchem Anlaß demselben von Sr. Majestät dem Kaiser die EhejubiläumS-Medaille verliehen wurde. Da Herr Theiß bis vor 16 Jahren in Schlächtern wohnte, wird diese Mittheilung seine Bekannten wohl intressiren.
* — Im Gasthof zum Stern tagte am Sonntag die diesjährige Generalversammlung der Molkerei-Genossenschaft Schlächtern. Die Versammlung, welche außerordentlich gut aus allen Gemeinden, Schlächtern, Hütten, Gundhelm, Elm, Breitenbach, Herolz, Sannerz, Ahlersbach, Niederzell u. f. w. besucht war, wurde von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrathes, Herrn Kreisrent- meister Pfalzgraf, mit einer kurzen Ansprache eröffnet und erstattete hierauf der Vorsitzende des Vorstandes den Geschäftsbericht des Jahres 1896. Nach demselben wurden im Jahre 1896 eingeliefert 496,779 Liter Vollmilch, davon 461,224 Liter entrahmt und daraus 36,435 Pfund Butter hergestellt. Verkäst wurden 3,508 Liter Vollmilch und 31,014 Liter Magermilch. Zurückgegeben an die Milchlieferanten 170,817 Liter Mager- und Buttermilch. Verkauft wurden in Schlächtern 2,285 Liter Vollmilch und 52,212 Liter Mager- und Buttermilch. Verkauft und nach auswärts geschickt wurden 1,838 Vollmilch und 10 t,023 Liter Magermilch. Verfuttert an die Schweine 55,749 Liter Butter- und Magermilch. Umgesetzt wurden im Ganzen: Mark 54,067 57 Pfg., verloren an Ausständen nur 35 Mark. Was das finanzielle Resultat anbelangt, so wurde solches im ersten Halbjahr durch die zu kleine und ungenügende Einrichtung der Molkerei sehr ungünstig beeinflußt, so daß bis zum August 1896 800 Mk. zugesetzt waren,