SchWernerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
Samstag, den 16. Oktober 1897.
48. Jahrgang.
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Nost-illtnapn auf die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen —■-■ ~ Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 13 Okt. Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute Nachmittag 2 Uhr 40 Min. auf der Station Wildpark ein, wo dieselben von den Prinzen Adalbert, August, Wilhelm und Oskar empfangen wurden. Die Allerhöchsten Herrschaften begaben sich zu Wagen nach dem Neuen Palais.
— Das preußische Kriegsministerium hat sich in einem Schreiben an die Anwaltschaft des Verbandes der delNschen landwirthschaftlichen Genossenschaften über die Namrallieferungen für die Truppen geäußert. In dem Schriftstück heißt es: „Da aus den Kriegsbeständen der Militärverwaltung außer Konserven, Reis und Kaffee auch ein großer Theil des Bedarfs an Hülsen- früchten entnommen wird, so kommt für die Landwirth- schast in der Hauptsache nur die Lieferung von Kartoffeln und von Schlachtvieh in Betracht. Was den Bedarf an Kartoffeln anlangt, so ist den Truppen noch besonders empfohlen, denselben durch unmittelbaren Ankauf von Landwirthen oder landwirthschaftlichen Vereinen zu decken, wobei ihnen aber bezüglich der den Liefer- unngsverträgen zu Grunde zu legenden Bedingungen im Allgemeinen freie Hand gelassen ist. Was die Fleischbeschaffung anlangt, so ist auch in Deutschland in einzelnen wenigen Garnisonen (Metz, Lübben), der Versuch gemacht worden, eigene Garnisonschlächtereien einzurichten." Der Ausdehnung dieser Einrichtung auf die ganze Armee ständen indeß große Schwierigkeiten entgegen. Für das Fleischlieferungsverfahren seien neue Bedingungen aufgestellt. „Auf Grund dieser Bedingungen wird der Fleischbedarf für sämmtliche Truppen- küchen einer Garnison gemeinschaftlich verdungen. Zur Bewerbung um die Lieferungen werden nur leistungsfähige Fachleute (Fleischermeister) der Garnison oder deren näherer Umgebung zugelassen. Sollte es nun gelingen, landwirthschaftliche Genossenschaften zu bilden, welche in der Lage sind, auf Grund der Bedingungen regelmäßige Fleisch- u. s. w. Lieferungen auszuführen, so würde die Militärverwaltung gern bereit sein, außer Fleischermeistern auch derartige Vereine von Landwirthen zu dem Wettbewerb um die Garnisonfletschlieferungen zuzulassen."
— Nach einer Entscheidung des preußischen Ministers des Innern dürfen Uniformen für Feuerwehrbeamte mit Abzeichen, die das Rangverhältniß erkenntlich machen, nur mit königlicher Genehmigung getragen werden.
Königsberg i. Pr-, 12. Oktober. Im KönigSberger Vorort Ponanh ist durch den Kreislhierarzt Geflügelcholera festgestellt. Einer Händlerin starken von 100 Gänsen 95 Stück.
Hamburg. 300,000 Mark verloren hatte ein Hamburger Kaufmann in einem Straßenbahnwagen. Das Geld, das sich in einer Brieftasche befand, bestand aus Checks auf die Bank von London tm Werthe von 271,000 Mark und in 14 Tausendmarkscheinen, 159 Hundertmarkscheinen und für. etwa 1000 Mark 50-, 20- und 5-Markscheine. Der glückliche Finder dieser Summe war der Schaffner des betreffenden Wagens, dem der Verlierer bekannt war, weshalb dieser bald wieder in den Besitz seines Eigenthums kam. Zur Belohnung erhielt der Schaffner die Summe von 1000 Mark.
Kreseld, 12. Okt. Heute ist hier der in Deutschland seltene Fall vorgekommen, daß ein fünfjähriger Knabe von der Tollwuch befallen nnd in wenigen Stunden dahingerafft wurde. Die Eltern waren mit dem Kinde zu Anfang Juli nach Rußland gereist, um in der Nähe von Petersburg auf einem Landgut den Sommer zu verbringen. Am 2. August erhielt der Knabe von dem Hunde des Gutsknechtes eine Bißwunde ins linke Ohr. Da der Hund Tags darauf auch seinem Herrn eine tiefe Wunde beibrachte, wurde er erschossen. Die Untersuchung des Kadavers ergab mit großer Wahrscheinlichkeit, daß der Hund toll gewesen sei, was auch durch die darauf vorgenommene Ueberimpfung des Speichels auf Kaninchen bestätigt wurde. Auf Anrathen verschiedener hervorragender Aerzte wurde der Knabe in dem Petersburger Institut für Pasteursche Impfungen der bekannten Behandlung unterzogen und zwar zunächst M H. bis 26, August in täglichen Impfungen und
Anslemd.
Paris. In Bellay bei Lyon wurde der 28jährige Bauernsohn Bacher festgenommen, welcher eingestand, ! sieben Hirtenknaben oder Mädchen und eine alte Frau ermordet und verstümmelt zu haben. Die Leichen waren verstümmelt, aus den Halswunden war das Blut gesogen worden.
Lokales «»d Provinzielles.
* Schlüchtern, 15. Okt.
* — Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die von der Bürgermeisterei bestimmte Frist zur Anmeldung der Schuldenzinsen zur Berücksichtigung bei der Steuer- Veranlagung für 1898/99 in aller Kürze abläuft. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß die Anmeldung
später noch einmal einer gleichen fünftägigen Nachbehandlung. Als die Eltern mit dem Kinde am 20. September die Heimreise antraten, glaubten die Justituts- ärzte, ihnen die bestimmte Zusicherung völliger Gefahrlosigkeit geben zu können, „da noch nie eine Erkrankung nach diesen Impfungen vorgekommen sei." Diese Hoffnung schien auch bei der blühenden Gesundheit des Knaben vollauf berechtigt, bis plötzlich gestern Morgen sich die ersten noch nicht genau erkenntlichen Vorboten der unheilvollen Krankheit einstellten, die sich am Abend zu dem ausgeprägten Bilde der bekannten Schlund- und Athemkrämpfe entwickelten. Trotz alle Gegenmittel trat in 9 Stunden der Tod ein.
Vom Rhein, 12. Okt. In der „Köln. Ztg.« findet sich folgendes Heirathsgesuch: „Königl. Regierungsbaumeister, verm., 5000 Mark Gehalt, evang., sucht sich mit ca. 100 000 Mark zu verheirathen. Off. u." — und so weiter ... Die Frau ist hier, wie man sieht, völlig Nebensache.
Von der Mosel. Das neueste Ergebniß der Jagd nach eindruckvollen Waarenzeichen ist die Eintragung von „Bernkasteler Referendar", „Bernkasteler Assessor" und „Bernkasteler Justizrath" für eine Kölner Weinhandlung. Das ist ein Anklang an den berühmten „Bernkasteler Doctoc", und man wird nun wohl zu erwarten haben, daß demnächst auch Landrath, Pfarrer, Amtsrichter, Bürgermeister und Apotheker des wein- grünen Moselstädtchens eine gleiche Verwendung auf geschützten Etiquetten finden werden.
Würzbnrg, 11. Oktober. An der Straße auf der Höhe des Grainberges wurde gestern Morgen die 62jährige Wittwe Anna Maria Schubert aus dem benachbarten Lengfeld ermordet aufgefunden. Die Leiche zeigte 5 Kopfwunden. Um 12 Uhr fand bereits die gerichtliche Augenscheinnahme statt. Der Verdacht, den Mord begangen zu haben, richtet sich gegen einen Bauernburschen, dessen Taschentuch unweit vom That- orte gefunden wurde.
Görlitz. Der Waaren-Einkaufs-Verein zu Görlitz besitzt neben seiner Hauptniederlassung in Görlitz seit einer Reihe von Jahren Filialgeschäfte in Frankfurt an der Oder, Dresden und Berlin. Der Verein blickt auf ein bereits 36jähriges Bestehen zurück und hat sich aus den kleinsten Anfängen zu jetzigen Größe heraufgearbeitet. Zuerst eine Genossenschaft, verwandelte sich der Görlitzer Waaren-Einkaufs-Verein im Jahre 1889 in eine Aktiengesellschaft; die Zahl der Aktionäre, die über ganz Deutschland verbreitet sind und allenthalben neue Freunde für die Firma werben, beläuft sich auf mehr als 1300. Mit dem Platzgeschäft verbindet die Firma ein weit ausgedehntes Versandtgeschäft. Nicht blos nach den Orten des deutschen Reiches, sondern auch nach Oesterreich, Rußland, Rumänien, ja nach Amerika gehen zahlreiche kombinirte Waarensendungen. Seine Waareneinkäufe bewirkt der Görlitzer Waaren- Einkaufs-Verein, soweit es irgend thunlich, direkt in den Produktionsländern; er kauft Schweineschmalz in Chicago, Speiseöl in Port Mauricio, Schweizerkäse im Emmen- thale, Rosinen in Smyrna, die diversen Weine in den bedeutendsten Firmen der betreffenden Länder. Beim Einkauf nimmt die Firma keinerlei Kredit in Anspruch, beim Verkauf gewährt sie keinen solchen; letzteres ist jedenfalls das beste Mittel, sich Verlusten zu bewahren. Die Zahl der Waarengattungen, mit denen sich der Görlitzer Waaren-Einkaufs-Verein besaßt, ist eine sehr große; man kauft bei ihm alle Nahrungs- und Genußmittel, sowie die verschiedensten im Haushalt nothwendigen Gebrauchsgegenstände.
auch dann erfolgen muß, wenn dies in früheren Jahren bereits geschehen ist, weil sonst ein Abzug der Zinsen nicht stattfinden darf.
* — Dem Vernehmen nach wird die Theater-Gesellschaft C. Henning, Hamburger Ensemble, hier im Saale des Hotel Stern einen Cyclus von Vorstellungen eröffnen. — Dieselben bestehen aus guten Schau- und Lustspielen, sowie Gesangspossen. — Der Gesellschaft geht ein guter Ruf voraus und wird dieselbe laut Berichten auswärtiger Kritiken allen gerechten Anforderungen entsprechen. — Am Freitag den 22. Oktober wird die Eröffnungs-Vorstellung stattfinden und gelangt hierzu die Novität „Der Herr Senator" von Schön- than und Kadelburg" zur Darstellung.
* — Die Fälle, daß unnütze Bubenhände sich an jungen Bäumchen vergriffen haben, haben in letzter Zeit bedauerlicher Weise an Zahl zugenommen. Erfreuen muß es deshalb, wenn die Gerichte in richtiger Würdigung solchen Treibens den Baumfrevlern hohe Strafen zudiktiren. Als abschreckendes Beispiel sei nachstehend ein Fall aus Halberstadt mitgetheilt. Dort wurde zu einer recht empfindlichen, aber wohlverdienten Strafe von dem Landgericht der Arbeiter Carl Müller aus Oschersleben verurtheilt. Er hatte in einer schönen Maiennacht auf der Chaussee von Oschersleben nach Hordorf 30 junge Obstbäume umgeknickt. Diesen Baumfrevel hat Müller mit 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß zu büßen.
— Die nächste Viehzählung in Preußen wird dieses Jahr am 1. Dezember stattfinden. Eine Neuerung bei der diesjährigen Zählung besteht darin, daß jetzt zum ersten Male auch das Federvieh mitgezählt wird. Die Vorarbeiten zur Zählung sind von dem statistischen Bureau bereits beendet und von Seiten des Ministeriums werden schon die Zählkarten den betreffenden Behörden zugestellt.
— Wie vorsichtig man mit der Anlage von Kapi- talien in ausländischen Schuldverschreibungen sein muß, ehrt jetzt wieder die Republik Venezuela. Dieselbe hat den Oktoberkoupon noch nicht eingelöst und erklärt nun daß sie die fälligen Zinsen ganz gewiß zahlen werde, augenblicklich aber so schlecht bei Kasse sei, daß sie noch nicht sagen könne, wann das Geld für die Zinszahlung werde abgeschickt werden können.
* — Jetzt bei dem frühen Dunkelwerden müssen >ekanntlich alle auf öffentlichen Straßen fahrenden Lagen mit brennender Laterne versehen sein, sobald die Dunkelheit eintritt. Diese Bestimmung wird vielfach unbeachtet gelassen. Weil nun aber dieses Nichtbeachten >er gesetzlichen Bestimmungen nicht allein den Passanten »er Straßen gefährlich werden, sondern sich auch an den Besitzern der Geschirre schwer rächen kann, so wollen wir deren Beachtung hiermit warm empfohlen haben. Der Geschirrinhaber, ^durch dessen nicht beleuchtetes Fuhrwerk irgend ein Unfall herbeigeführt wird, hat nämlich nicht nur Bestrafung zu erwarten, sondern ist auch zur völligen Schadloshaltung der Geschädigten verpflichtet.
* — Ueber den beklagenswerthen Unfall auf Bahnhof Vollmerz bringt die „Fuld. Zeitung" folgende Darstellung: Gestern ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhöfe ein sehr beklagenSwerther Unglücksfall. Ein junger Mann, welcher mit dem Abendzug von Fulda kam und nach Würzburg reisen wollte, gerieth auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weise unter die Räder eines Eisenbahnwagens, die ihm beide Beine fast gänzlich abfuhren. Nachdem der Bedauernswerthe einen Nothverband erhalten hatte, trafen im Laufe der Nacht zwei telegraphisch berufene Aerzte ein, die jedoch von der als nothwendig erachteten Amputation der Beine Abstand nehmen mußten, da der Verunglückte seine Einwilligung dazu nicht gab. Um Mitternacht holte man aus dem benachbarten Sannerz noch einen Priester, welcher den Sterbenden mit den letzten Tröstungen der hl. Kirche versah. Um halb 2 Uhr Morgens erlöste der Tod den bedauernswerthen Reisenden von seinen Schmerzen. Wie die mitgeführten Papiere ergaben, ist der Verunglückte der 35jährige Schneider Kaspar Herbst aus Zella (Sachsen-Weimar).
Schwurgericht. (Sitzung vom 12. Oktober.) Anklagesache gegen den Maurer Fabian Scholl und den Bauernsohn Julius Brehler, beide von Salzschlirf, Kreis Fulda, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolge. Am Sonntag den 23. Mai d. J. erhielt der