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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
«M 96. Mittwoch, den 1. Dezember 1897. 48. Jahrgang.
mit jedenfalls Desgleichen seiner Gesellschaft ein großes Weingelage veranstaltet. Die Maurer Deutschlands haben das Nachsehen.
Breslau. Die Gewinner des großen Looses der preußischen Klassenlotterie haben das Geld bereits ausbezahlt erhalten. Elf Bahnwärter, die zusammen ’/* Loos spielten, haben sämmtlich ihre Arbeit niedergelegt. Ein Kommis spielte zum erstenmal in der Lotterie und erhielt für seine 2,10 Mark 27 000 Mark ausgezahlt. Er wird in Breslau ein Delikatessen- und Kolonialwaaren- geschäft eröffnen. Ein Bierkutscher in Gleiwitz erstand beim Kartenspiel einen Antheil für 50 Pfg. und hat 6000 Mark ausgezahlt bekommen. Ein Schriftsetzer einer Breslauer kleinen Druckerei hat an dem Tage vor der entscheidenden Ziehung die Hälfte seines Antheils, müde des langen Wartens, verkauft. Da ihm aber noch rund 17 000 Mk. auf seinen Restantheil ausgezahlt werden, so hat er gute Miene zum bösen Spiel gemacht und trägt seinen „Verlust" mit Würde.
Eisenach, 26. November. Eine sehr auffallende Wahrnehmung ist gestern Nachmittag im „Grabenthal" gemacht worden. Dortselbst schwammen unzählige Fische auf der Hörsel, die zur Zeit einen sehr niedrigen Wasserstand hat, mit dem Bauche nach oben, und zwar, wie sich bei näherer Besichtigung herausstellte, waren sie todt. Dieselbe Erscheinung ist auch weiter abwärts nach Stedtfeld zu beobachtet worden. Fast der gesammte Fischbestand der Hörsel unterhalb Eisenachs ist vernichtet worden. Da das Wasser eine weißliche Färbung zeigte wurde sofort vermuthet, was übrigens die Unterschung auch bestätigt hat, daß die Fische einer Vergiftung erlegen sind, die dadurch herbeigeführt worden sein soll, daß aus einigen hiesigen Fabriken Bleiweiß und Ammoniakwasser der Hörsel zugeführt worden sei. Kinder und Erwachsene waren im Laufe des heutigen Tages eifrig damit beschäftigt, die oft vielpfündigen Hechte, Forellen, Aeschen, Barben u. s. w. aufzufischen, um sie jedenfalls zu verzehren. Hoffentlich haben sie keinen Nachtheil von dem Genusse derselben. Eineu Anhaltspukt für den enormen Schaden, welcher den Fischereipächtern dadurch erwachsen ist giebt jedenfalls der Umstand, daß die hiesige Hoffischerei ihre finanzielle Einbuße allein auf circa 4000 Mark bemißt.
Mainz, 26. November. Das hiesige „Tageblatt" meldet in bestimmtester Form, daß der Plan, die Festungswerke von Mainz niederzulegen, im preußischen Kriegsministerium definitiv gefaßt worden sei. Die Entscheidung werde noch im Laufe des Januar hierher mitgetheilt werdn. Ferner soll der Plan bestehen, Mainz zum Sitze eines Generalkommando's zu machen. — Von Samstag bis Montag stand hier auf dem Bahnhöfe ein Waggon mit 800 Gänsen, die von Hunger und Durst gequält, ein ohrenzerreißendes Konzert auf- ührten. Am Montag erst wurden die Thiere mit 30 Kommisbroden gefüttert, nachdem sie vier Tage gehungert haben.
Gießen, 26. November. Das Urtheil in dem Ehebruchsprozeß gegen den Grafen Alt-Leiningen-Westerburg wurde heute verkündet. Dasselbe erklärte die Unzuständigkeit des Gerichts wegen des Grafen und verurtheilte >te Gräfin Margarethe zu einem Monat Gefängniß und dir Ehefrau Hasemann zu drei Tagen Gefängniß wegen Ehebruchs.
Ausland. -
Newyork, 26. November. Der Mörder Steinhauer aus Pingsdorf bei Köln wurde verhaftet. — Das auch bei uns beliebte Fußballspiel hat in der letzten Zeit in Nordamerika so zahlreiche Opfer gefordert, daß die öffentliche Meinung sich mehr und mehr gegen diesen, besonders vom Studententhum lebhaft betriebenen Sport wendet. Obwohl die Fußballsaison erst wenige Wochen m Gange ist, haben bereits 3 blühende Menschen an dem Spiel ihr Leben eingebüßt und 25 bis 30 sind für alle Zeit zu Krüppeln geworden. Die Zahl zerbrochener Gliedmaßen, Nasen-, Schlüssel- und Brustbeine, sowie Hüftknochen geht ins Unendliche. In Atlanta, der Hauptstadt von Georgia, nahm ein Fußballspiel einen o üblen Ausgang, daß die gesetzgebende Körperschaft einen Gesetzentwurf annahm, wonach Fußballspiele verboten sein sollen. Die Uebertretung dieses Verbots soll mit 1000 Doll. Geldstrafe oder einjähriger Gesängniß- Haft bestraft werden.
l^fttlhtttrtiHI auf bie »Schlüchterner Zeitung« jPVlUUUnyiU werden noch fortwährend von allen -................. = Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-Nr. 4487. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden werden hierdurch aufgefordert, die nach der Ausführungs-Anweisung zur neuen Landgemeindeordnung aufzustellenden Listen A resp. B unter sorgfältiger Beachtung aller in Betracht kommenden Bestimmungen an« zufertigen und mir in einfacher Ausfertigung spätestens bis 18. Dezember cr. vorzulegen.
Die nöthigen Formulare sind binnen 5 Tagen im KreiSauSschußbureau abzuholen.
Schlächtern, den 30. November 1897.
Der Borsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Deutsches Reich
Berlin. Der Kaiser ist noch Sonnabend von der Jagd in der Göhrde zurückgekehrt und gedachte Mittwoch an einer beim Amtsrath v. Dietze - Barby stattfin- denden Jagd Theil zu nehmen.
— Das deutsche Reich unterhält zur Zeit acht Bot- chafter (in Oesterreich-Ungarn, Rußland, Großbritanien Frankreich, Italien, Spanien, Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika), ferner Gesandtschaften in allen übrigen europäischen Staaten, Argentinien, China, Brasilien, Persien, Marrokko und Japan. Ministerresidenten fungieren in Siam, Venezuela, Guatemala, Peru, Luxemburg, Mexiko, Haity, Chile und Ecuador. Die höchsten Einnahmen beziehen die Botschafter in Petersburg und London, nämlich neben freier Dienstwohnung je 150 000 Mark, die Botschafter in Paris, Konstau tinopel und Wien erhalten 120 000 Mark, diejenigen zu Rom, Washington und Madrid je 100 000 Mark, sämmtlich bei freier Dienstwohnung. Unter den Gesandten sind die höchstdotierten diejenigen in China, Persien und Japan mit 60 000 Mark Jahresgehalt; diesen am nächsten kommen der deutsche Gesandte in Brasilien mit 53 000 Mark und derjenige von Argentinien mit 43 000 Mark, in Lissabon, Athen, Brüssel mit 40,000 Mark, in Bern mit 36 000 Mark, und in Belgard und Marrokko mit 30 000 Mark, die Gesandten in Peking, Tanger, Tokio, Teheran und in Holland haben freie Wohnung. Die Gehälter der Ministerresidenten bewegen sich zwischen 40 000 und 24000 Mk. Die erstgenannte Summe wird nur in Mexiko erreicht; 36,000 Mk. erhalten die Ministerpräsidenten in Caracas, Guatemala, Lima, Santa fe de Bogota und Santiago, 35,000 derjenige in Bringkok, 30,000 Mk., derjenige in Port-an-Prince und 24,000 Mk. der in Luxemburg. Von den 19 Generalkonsulaten befinden sich einzelne am Sitze der Botschaften, bezw. Gesandtschaften; die Gehalte schwanken zwischen 48,000 Mark (in New-Aork) und 20,000 (in Amsterdam, Antwerpen, Barcelona). Konsulate (Berufskonsukate) sind in 59 hervorragenderen Plätzen; die höchste Gehaltsklasse erreichen die Konsulate in San FranziSko, Havana, und Pretoria mit 30,000 Mk.; die geringsten Gehälter betragen 10,000 Mk. in Fiume und 12,000 Mk. in Belgrad, Bukarest, Jasso. Zu bemerken ist noch, daß der Staatssekretär des auswärtigen AmtS nur 36,000 Mark nebst 14,000 Mk. Repräsentationskosten (bei freier Dienstwohnung), der Unterstaatssekretär 25,000 Mark Und zwei Direktoren je 20,000 Mk. beziehen; letztere erhalten, wie alle Beamten Wohnungsgeldzuschuß.
—- Die Sammlungen für die sinkenden englischen Maschinenbauer werden in Deutschland unausgesetzt fortgesetzt, und eS dürften wohl nun beinahe schon 200 000 Mark den Engländern zugeflossen sei. Der deutsche Buchdruckerverband gab als vierte Rate wiederum 500 Pfd. Sterl. für die Engländer her; er hat dieselben auS der.Verbandskasse bis jetzt mit 40800 Mark Unterstützt. Daneben find unter den Buchdruckern selbst Sammlungen veranstaltet, durch die viele Tausend Mark schon zusammengekommen sind.
— AuS Spandau wird gemeldet, daß der Kassirer der Unterstützungskasse der Maurer Deutschlands in Hamburg mit der ganzen Kasse durchgegangen ist, mit Hinterlassung seiner Familie in sehr bedürftigen Ver- hAtniflen, Am Tage vor seiner Abreise hat er erst noch
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 30. Nov.
* — Militärisches. Für das nächstjährige Heeres» ersatzgeschäft wird denjenigen jungen Männern, welche in dem Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 1878 geboren sind, in Erinnerung gebracht, daß sie zur Vermeidung von Nachtheilen und Weiterungen sich mit Geburtsscheinen oder sonstigen Ausweismitteln über die Zeit und den Ort ihrer Geburt zu versehen haben. Die für diesen Zweck aus dem Geburtsregister der Standesämter zu ertheilenden Bescheinigungen werden kostenfrei ausgefertigt. Der Zeitpunkt für die Anmeldung zur Nekrutirungsstammrolle wird in der ersten Hälfte des Monats Januar k. I. bekannt gemacht werden.
* — Künftigen Sonntag Abend wird der hiesige ev. Jüglingsverein wieder einen Familienabend veran- stalteten (siehe Annonce). Um den Besuchern desselben etwas Neues zu bieten, neben den immer mit Beifall aufgenommenen Deklamationen rc., hat der Vereinsvorstand sich aus Berlin ein sogen. Sciopticon verschrieben d. i. eine Laterna magica im Großen, welche die betr. Lichtbilder in der Größe von 2 bis 2'/, m auf weißer Wandfläche erscheinen läßt. Gewählt ist ein sehr reichhaltiger Lichtbilder - Cyklus aus dem Leben Kaiser Wilhelms I. Der Abend verspricht deshalb ein besonders vielseitiger und genußreicher zu werden.
* — Stempelpflichtigkeit der Bescheinigungen für Fleischsendungen. Die von der Polizeiverwaltung auf jedesmaliges Verlangen ansgestellten Bescheinigungen für Fleischsendungen darüber, daß am Orte keine Seuche vorhanden und das Fleisch im Schlachthause geschlachtet ist, sind nach einer Entscheidung des preußischen Finanz- ministers stempelpflichtig mit je 1 Mark 50 Pfennig. Bei Sendungen, deren Werth thatsächlich 150 Mark nicht übersteigt, muß es den Interessenten überlassen bleiben, das Zeugniß künftig so einrichten zu lassen, daß es nach Paragraph 4a des StempelsteuergesetzeS abgabenfrei belassen werden kann, das heißt, es muß in dem Atteste der Werth der Sendung ausgedrückt sein.
* — Bezüglich der nichtbenutzten Rückfahrkarten hat die Eisenbahn-Verwaltung eine wichtige Bestimmung getroffen. Danach soll Reisenden, welche ihre auch zur Rückfahrt berechtigenden Fahrtausweise nicht benutzen können, weil sie dieselben verlegt haben, oder wenn sie dieselben aus andern triftigen Gründen nicht benutzen können und zur Rückfahrt eine besondere Fahrkarte lösen müssen, bei erfolgendem Vorlegen der Preis der nachgelösten Fahrkarte zurückerstattet werden. Die Rückerstattung erfolgt jedoch nur, wenn die Rückfahrt auf Grund der nachgelösten Fahrkarte innerhalb der Geltungsdauer der zuerst gelösten Rückfahrt ausgeführt ist. In derartigen Fällen ist der Erstattungsantrag von derjenigen Verwaltung zu regeln, in deren Bezirk das Fahrgeld für die nachgelöste Karte erhoben ist.
— Nach einer Polizeiverordnung für den Umgang der Provinz Hessen-Nassau ist bestimmt, daß zur Befestigung der Hauen in Mühlsteinen in Mühlen, die Getreide zum Genuß für Menschen oder Thiere verarbeiten, kein Blei verwendet werden darf. Vorhandene derartige Befestigungen müssen bis zum Schlüsse des Jahres 1899 entfernt werden. Den Regierungspräsidenten in Cassel und in Wiesbaden bleibt die Be- fugniß zur ausnahmsweisen Befreiung von obiger Vorschrift vorbehalten. Zuwiderhandlungen werden mit Strafe geahndet.
Vom Vogelsberg. Einen besonderen Fund machte ein Arbeiter aus dem Dorfe Freiensteinau; derselbe war im Felde mit Reisigabmachen beschäftigt, als derselbe zufällig an ein dichtes Gebüsch kam, fand er zu seinem Schrecken ein geladenes Gewehr, welches er mit nach Hause nahm und der Bürgermeisterei überlieferte. Ein Eigenthümer hat sich bis jetzt nicht gemeldet. In dem angrenzenden Walde soll auch ein abgebalgter Fuchs aufgefunden worden sein und nimmt man an, daß der- selbe von einem Wilderer geschossen und bei Nacht abgebalgt worden ist. Die Jagd gehört dem^Fürsten von Usenburg zu Birstein. — Die Brauerei Nickoley in Hanau hat hier einen Teich angelegt.
Jossa. In Brückenau brannten Dienstag die Gebäu- lichkeiten des Schreiners Kurz ab. Demselben sind dabei für 2000 Mark fertige Militärschränke verbrannt.
Fulda, 26. Nov. Bei der Personenstands-Aufnahme pro 1898/99 ist festgestellt worden, daß die Stadt Fulda