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ZErscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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Mittwoch, den 15. Dezember 1897

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48. Jahrgang

falls Sie dieSchlüchterner Zeitung" bisher durch die Post bezw. vom Landbriefträger bezogen haben, das Abonnement auf dieselbe für das nächste Vierteljahr rechtzeitig erneuern zu wollen, damit in der regelmäßigen Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Post liefert nur bis zum 31. d. M. und nur in dem Falle weiter, wenn der Abonnementsbetrag mit dem etwaigen Bestellgeld im Voraus entrichtet ist.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar beginnende neue Vierteljahr

ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Entscheidende in der Sache ist es aber, daß der Motor nur dann Kosten verursacht, wenn er wirklich Arbeit leistet, während das Pferd unbekümmert darum, ob es ar­beitet oder nicht, ruhig frißt und verdaut. Die Frage, welche Art von Motoren für den Belrieb von Droschken die geeignetste ist, ob Benzin oder Elektromotoren, kann man heute noch nicht sicher entschieden, jedenfalls aber bietet der elektrische Betrieb den großen Vortheil, daß er vollständig geräuschlos und geruchlos ist. Für Benzin- und Petroleum-Molore dagegen kommt als Vortheil in Betracht, daß für dieselben die Möglichkeit gegeben ist, sich überall leicht Betriebsmaterial zu verschaffen. Hoffent­lich wird bald die Zeit gekommen sein, in der die Pferde vor Droschken und anderen leichteren Wagen durch die Motore verdrängt sind, dies wäre auch im Interesse des Thierschutzes dringend zu wünschen.

Heiligenstadt, 9. Dezember. Es dürfte vielfach inte- resstren, daß unter den vor Kurzem in das hiesige Ge­fängniß transportirten auswärtigen Gefangenen sich auch der Schwiegersohn des Scharfrichters Reindel befindet, einschwerer Junge". Er ist seines ZeichensHenkers­knecht" gewiß ein schauriger Beruf. Diese Beschäf­tigung läßt es erklärlich erscheinen, daß sowohl Reindels Schwiegersohn wie auch seine übrigen Gehilfen vielfach selbst mit dem Strafrichter zu thun haben.

Aus Gleiwitz wird geschrieben: Einen eigenartigen Wahlscherz leistete sich bet den letzten Stadtvecordneten- wahlen ein Wähler der 1. Abtheilung, indem er mit lauter und vornehmlicher Stimme vier kleine, aber ehr­same Schuhmachermeister als Stadtverordnete wählte. Zuerst Zweifel im Wahlbureau ob der Ernsthaftigkeit dieser Wahl, dann allgemeines Erstaunen und endlich von einem Herrn des Wahlvorstandes Mißbilligung. Worauf der Wähler sich an diesen wandle mit der Frage: Sind das etwa keine achtbaren Leute? Die wissen ganz genau, wo uns der Schuh drückt!"

Ausland.

Rom, 10. Dezember. In Palermo, wo seit einiger Zeit der sizilianische Geheimbund Mafia wieder sein Haupt erhebt, hat die Polizei vierundsechzig Verhaftungen gefährlicher Subjekte vorgenommen, welche der Erpressung, der Entführung von Menschen, der Falschmünzerei und zahlreicher Mordthaten überführt sind. Auf die Spur der Bande kam die Behörde durch Angaben eines Kindes, das durch Zufall mit ansah, wie ein dem Bund unge­höriger, aber der Spionage verdächtiger Gastwirth in einer Grotte lebendig begraben wurde. Auf dieselbe Weise endeten allein im letzten Monat vier Personen, deren Leichen neulich aufgefunden wurden. Erst kürzlich verübte der Bund noch einen wahren coup deffet, in­dem er die Tochter des englischen Millionärs Witheaker entführte und gegen eine Summe von hunderttausend Francs nach einigen Stunden wieder frei ließ. Alle Verhafteten verfügen über große Geldmittel, das gleich, falls verhaftete Oberhaupt ist ein angesehener Großkauf, mann und Ritter des Kronenordens.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 14. Dezember.

* Die Brandsteuer für das Jahr 1898 ist vom Kommunallandtag bekanntlich auf 18 Pfg. für je 100 Mark des Umlagekapitals festgesetzt worden. Die Brand- steuer beträgt hiernach für je 1000 Mark der Versicher­ungssumme in Bauartklasse I. 90 Pfg., in II. 1 Mk. 26 Pfg , in III. 1 Mk. 62 Pfg., in IV. 1 Mk. 98 Pfg. und in V. 2 Mk. 52 Pfg.

* Vorn Detailreisen. Nach der bekannten Novelle zur Gewerbeordnung, die am 1. Januar 1897 in Kraft getreten ist, soll das Aufsuchen von Bestellungen auf Waaren ohne vorgängige ausdrückliche Aufforderung nur bei Kaufleuten in deren Geschäftsräumen oder bei solchen Personen geschehen, in deren Geschäftsbetrieb Waaren

Deutsches Reich

Berlin. Der Kaiser trifft Dienstag in Kiel ein. Abends findet im Schloß ein großes Abschiedsdiner statt, wozu Prinz Heinrich sämmtliche nach China komman- dirten Offiziere geladen hat. Mittwoch früh laufen Deutschland" undGesion" aus, während die Marine- Infanterie mittels Extrazuges nach Wilhelmshafen be­fördert wird. Der Kaiser wird dem Prinzen Heinrich das Geleit bis Brunsbüttel oder Rendsburg geben. Nach Ankunft derDeutschland" in Plymouth wird sich Prinz Heinrich von der Königin Viktoria verabschieden.

Der Besetzung der circa 30 Kilometer von der Kiantschau-Bucht entfernt gelegenen Stadt Kiantschau durch die Deutschen soll, englischen Meldungen zufolge, ein kurzer Kampf vorausgegangen sein. Dem Büreau Dalziel, das allerdings nicht in dem Rufe unbedingter Zuverlässigkeit steht, wird aus Shanghai telegraphirt: Als Hauptmann Becker mit 210 Marinesoldaten die Stadt Kiantschau einnahm, eröffneten die chinesischen Forts ein Feuer, das die Deutschen erwiederten; drei Chinesen wurden getödtet, worauf die Chinesen flohen, ihr General wurde gefangen, aber später freigelassen. In den Dörfern, welche Hanptmann Becker besetzte, wurden mehrere Marinesoldaten durch Steinwürfe verletzt, die Missethäter erhielten Bambushiebe von den Deutschen.

Aus Kamerun ist eine schlimme Nachricht ein« getroffen. Der Dampfer Niger, welcher aus Afrika in Liverpool ankam, meldet ein Unglück, welches einer deutschen Expedition, 200 Mann stark und von 6Offizieren kommandirl, zugestvßen sei. Die Expedition war gegen die Bulis, einen wilden Stamm, welcher an der Grenze zwischen dem französischen Kongo und Kamerun wohnt, ausgesandt und wurde von denselben umzingelt und niedergemetzelt.

Opfer für Brasilien. Einer authentischen Mit­theilung zufolge hat die Regierung des Staates Sao Paulo in Brasilien im August mit den Firmen A Fiorita u. Comp. und Joss Antonco de Santos einen Vertrag abgeschlossen, durch welchen sich dieselben ver­pflichten, innerhalb dreier Jahre 60,000 Einwanderer aus Europa nach dem Staate Sao Paulo einzuführen. Die Firma Fiorita soll, wie dasNeue Wiener Tag- blatt" mittheilt, in diesem Vertrage die Verpflichtung eingegangen sein, unter Anderen 10,000 Oesterreicher, und zwar die Letzteren aus Tirol, Steiermark, Görz, Kärnten, Jstrien und Galizien, anzuwerben. Die Ein­wanderer sollen auf Kaffeeplantagen zu Arbeiten ausge­nommen werden, welche bisher meist von Negern ver­richtet wurden. Speziell die Firma A. Fiorita u. Comp. steht in Verbindung mit der Genueser Dampfschifffahrt­gesellschaft La Ligure brasiliana und La Ligure americana, als deren Agent für Oesterreich Anton Ger- golet in Genua fungirt. Von unterrichteter Seite wird nun nochmals vor der Auswanderung nach Brasilien ge­warnt. Da die Eingangs genannten Firmen wohl auch im deutschen Reiche den Versuch unternehmen werden. Auswanderer zur Lieferung nach Brasilien zu werben, so geben wir der Warnung des Wiener Blattes hiermit weitere Verbreitung.

Die Ersetzung der Pferde durch kleine Motore zum Betriebe von Droschken scheint jetzt endlich in Auf­nahme zu kommen. In den Straßen Berlins kann man häufig zierliche Wagen beobachten, die durch einen kleinen, unter dem Kasten angebrachten Motor getrieben werden, und eine recht beträchtliche Schnelligkeit erreichen. Na­mentlich die leichte und sichere Lenkbarkeit der Wagen, die natürlich viel kürzer sind, da das Pferd wegfällt, scheint einer ihrer Hauptvorzüge zu sein, dann aber auch daS Vermeiden des Geräusches, das durch den Hufschlag der Pferde entsteht. Für den Droschkengaul wird daher bald die Zeit gekommen sein, wo er dem Motor den Platz räumen muß, da auch in Bezug auf die Kosten her Motor dem Pferde unbedingt überlegen rst. Das

der angebotenen Art Verwendung finden. Ein Kauf­mann hatte seinen Reisenden Müller zu Privatpersonen in Hessen-Nassau umhergeschickt, denen er zuerst ein Schriftstück vorlegte, wonach jene Personen den Reisen­den aufforderten, sie mit seinen Waaren zn besuchen; hatten dann die betreffenden Personen ihren Namen unter das Schriftstück gesetzt, so legte der Reisende ihnen sofort seine Waaren zum Verkauf vor und be­hauptete später, es liege hier eine vorgängige Aufforder- ung vor. Das Schöffengericht verurtheilte den Reisen- den, eben sowie seinen Chef zu 96 Mk. Geldstrafe. Die gegen diese Entscheidung erhobene Berufung wurde ver­worfen, da hier von einer vorgängigen Aufforderung im Sinne des Gesetzes, welches das Publikum vor Be­lästigungen seitens der Reisenden schützen wolle, nicht die Rede sein könne. Gegen diese Entscheidung legten die Angeklagten Revision beim Kammergericht ein, das indessen auf Verwerfung der Revision erkannte und annahm, daß die Angeklagten mit Recht verurtheilt worden seien; die Aufforderung zum Besuch der Leute müsse an die Reisenden ergangen sein, bevor letztere die Wohnungen der Leute betreten.

* Postkarten werden nicht mehr als Drucksache befördert. Für gedruckte Mittheilungen hat man nicht selten Postkarten genommen und darauf das Wort Postkarte" durchgestrichen und dann mit 3 Pfg. franlirt. Das darf nicht mehr sein, da alle mit der Bezeichnung Postkarte" versehenen Karten als solche behandelt werden und 5 Pfg. Porto kosten.

* Die Kgt. Verwaltung der Armec-Konserven- fabrik zu Mainz macht bekannt, daß sie bis auf weiteres Abnehmerin ist von gut gereinigten Erbsen, weißen Bohnen und Linsen. Etwaige Angebote sind unter Beifügung von Kochproben entweder direkt an die Fabrik oder an das nächstgelegene Proviantamt zu richten. Die Angebote müssen Angaben enthalten über die Art der anzustellenden Hülsenfrüchte, die Menge derselben, PreiS- forderung franko Fabrikhof Mainz, bezw. nächstes Proviant­amt und Lieferzeit. Auf Wunsch ist die Fabrik auch bereit, Magazinjäcke zur Verfügung zu stellen.

* Beim Herrannahen des WeihnachisverkehrS dürfte es für alle Absender von Packeten wichtig sein, zu wissen, welchen Ersatz für beschädigte oder abhanden gekommene Packele die Postbehörde leistet. Die Postver- waltung ersetzt bei gewöhnlichen Packeten im Falle der Beschädigung, des Verlusts oder eines durch verzögerte Beförderung bezw. Bestellung entstandenen Schadens den wirklich erlittenen Verlust, jedoch höchstens für '/, Kilogramm 3 Mark, und zwar, wenn durch verzögerte Beförderung oder Bestellung der Inhalt verdorben ist oder seinen Werth theilweise oder ganz verloren hat. Bei Packeten mit Werthangabe wird der wirklich erlittene Schaden bis zu der Höhe des versicherten Betrages er­setzt. Bei Einschrerbepacketen erfolgt im Falle einer Beschädigung die Ersatzleistung wie bei gewöhnlichen Packeten, im Falle des gänzlichen Verlustes jedoch ohne Rücksicht auf den Werth der Sendung mit dem festen Betrage von 42 Mk.

* Ein alle Gemeinden mit gemischter Bevölkerung interessirender Rechtsstreit ist in dem Dorfe Hochheim bei Erfurt entschieden worden. Dort sollte ein katho­lisches Pfarrhaus gebaut werden und die katholische Ge­meinde forderte dazu eine Beitragsleistung von der poli­tischen Gemeinde des Ortes, die diese jedoch verweigerte. Nunmehr hat das Gericht erkannt, daß die politische Gemeinde Hochheim das Pfarrhaus auf ihre Kosten zu bauen und die Prozeßkosten zu tragen hat. Die Ge­meinde hat sich dem Spruch des Gerichts ohne Wider­rede gefügt.

* Die spanischen Schatzgräber, von denen vor längerer Zeit ein Theil als Betrüger entlarvt und zur Haft gebracht war, rühren sich wieder. Da das Publi­kum, gewarnt durch die Presse, nicht mehr an den ver­grabenen Schatz glaubt, ist, wie die Krimminalpolizei mittheilt, ein neuer Schwindel und zwar mit großen ausländischen Erbschaften inszenirt worden. In der Regel theilt ein angeblicher Rechtsanwalt vom Auslande her den betreffenden Personen mit, daß ihnen von einem Verwandten eine bedeutende Erbschaft zugefallen, und zur Behebung derselben ein Vorschuß von mehreren lunbert Mark für Gerichtskosten, Stempel rc. einzusenden ei. Es ist festgestellt, daß die Betrügerbande weitgehende Verbindungen nach allen Ländern, auch außereuropäischen,